St. Blasius (Niederzwönitz)

St. Blasius

Ansicht der Kirche im Jahr 2018

Daten
Ort Zwönitz, OT Niederzwönitz, Niederzwönitzer Straße, 08297
Bauherrin Kirchgemeinde Zwönitz
Baujahr 1899 (grundhaft erneuert)
Koordinaten 50° 37′ 54,77″ N, 12° 48′ 32,82″ O
Besonderheiten
Geht auf einen Mittelalterbau im 15. Jahrhundert zurück

Die evangelische Kirche St. Blasius steht im Zwönitzer Ortsteil Niederzwönitz im Erzgebirgskreis. Das kleine Gotteshaus ist die Filialkirche der Niederzwönitzer Hauptkirche St. Johannis. Die Einheimischen nennen sie ob ihrer Lage auf einem Hügel auch die „obere Kirche“. Die Blasius-Gemeinde gehört zur Kirchgemeinde Zwönitz im Kirchenbezirk Annaberg der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

Lage und Namensgeber

Das Kirchlein steht unmittelbar auf dem Friedhofsgelände und ist geostet.

Kirchenpatron war vor der Reformation der heiliggesprochene Märtyrer Blasius von Sebaste. Der Name wurde nach dem Wechsel zur evangelisch-lutherischen Kirche beibehalten.

Geschichte

Die evangelische Kirche St. Blasius im erzgebirgischen Zwönitz wurde im Jahr 1483 als Nachfolgebau einer einfachen hölzernen Wegekapelle errichtet. Die Kapelle soll ein Hufschmied aus Niederzwönitz zur Strafe wegen „viehischer Sodomiterei“ (=Geschlechtsverkehr mit Tieren) haben erbauen müssen. „Zum schmachvollen Gedächtnis des Gründers hängen (ob jetzt noch?) inwendig über der Thüre an einem Brette fünf vergoldete Hufeisen, fünf, weil er sein Verbrechen fünf Jahre soll betrieben haben.“[1]

In den Jahren 1668, 1712 und in den 1890er Jahren erfolgten jeweils umfassende bauliche Veränderungen, die bis heute das Aussehen des Gotteshauses bestimmen: Kirchturmaufsatz, Westvorbau statt Südanbau, mehrere Turmkugeln anstelle früherer kleiner Metallkreuze[2]

Die ursprüngliche Straßenkapelle St. Blasius wird im 21. Jahrhundert nur noch als Friedhofskapelle genutzt.[3]

Anfangs befand sich im Kirchturm eine Kirchenglocke aus Bronze, die im Jahr 1875 erst anlässlich des Umbaus durch zwei neu gegossene Glocken von Hermann Große aus Dresden ersetzt wurden. Die große Glocke musste im Ersten Weltkrieg als Metallspende des deutschen Volkes zur Umwandlung in Kriegsgeräte abgeliefert werden. Im Jahr 1921 kam an ihrer Stelle eine in der Gießerei in Apolda, bei Schilling & Lattermann neu Gegossene in den Glockenstuhl. Die kleine Glocke wurde dann im Zweiten Weltkrieg eingezogen. Die heutige kleine Glocke hatte Schilling im Jahr 1973 neu gegossen.[4]

Nach der deutschen Wiedervereinigung und nach der Bildung des (neuen) Freistaates Sachsen konnte die Zwönitzer Kirchgemeinde die Blasiuskirche außen und innen sanieren. Beispielsweise wurden die vorherigen kleinen Metallkreuze auf den Spitzen des Daches und der Dachluken durch vergoldete Kugeln ersetzt, wie der Lithographie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu entnehmen ist. Zudem wurde ein kleiner Vorbau auf der Südseite abgetragen und durch einen größeren und baulich dem Kirchenschiff angepassten Vorbau am Westgiebel ersetzt.[5]

Architektur

Außen

Das Kirchengebäude trägt ein hohes, gewalmtes Satteldach mit Schieferdeckung aus einheimischem Schiefer. Im Dach sind beiderseits zwei Dachluken vorhanden. Alle oberen Dachecken tragen eine kleinere vergoldete Kugel, insgesamt also sieben (ohne die auf dem Kirchturm).

An den beiden Längswänden sind je drei Korbbogenfenster eingesetzt, die Chorwand enthält ein gleichgroßes und gleichartiges Fenster.[6]

Die Hauptachse des Kirchenschiffes ist etwa 22 Meter lang und es ist knapp 10 Meter breit.[7]

Vom Erdboden bis zur Turmspitze ist das Bauwerk zirka 15 Meter hoch.

Der achteckige Kirchturm ist als Dachreiter ausgebildet und mit einer barocken welschen Haube abgeschlossen. Darüber erhebt sich eine vergoldete Turmkugel und darüber wiederum ein metallenes christliches Kreuz und eine Wetterfahne.

In der Glockenstube des Kirchturms hängen die oben genannten zwei Kirchenglocken aus Bronze. Beide werden noch immer von Hand geläutet.[4]

Glockenplan
Name Gießerei Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton Inschriften, Bemerkungen
Große Glocke Schilling, Apolda 1921 80 cm 285 kg h′ Glockenzier an der Schulter, Inschriften an der Flanke („Mahnt an die […] an den Ernst […] und Arbeit […]“);
Inschrift am unteren Rand
Kleine Glocke Schilling, Apolda 1973 65 cm 170 kg d″ einfaches Ornament in einem Kreis an der Flanke

Innen

Der Innenraum ist einschiffig und mit einer Kassettendecke ausgeführt.

Ausstattung

Der geschnitzte, architektonisch betonte Altaraufsatz enthält Reste eines im 17. Jahrhundert geschnitzten, barocken Altars, der ursprünglich in Seelingstädt aufgestellt war.

Es gibt keine Orgel.

Sonstiges

Auf dem anschließenden Kirchhof fanden ursprünglich nur einheimische Verstorbene ihre Ruhestätte. Er wird weiter aktiv genutzt, zusammen mit einer gesonderten kleinen Friedhofskapelle.

Commons: St. Blasius (Niederzwönitz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Kommentare

  1. Text nach: Johann Georg Theodor Grässe: Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz. In: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1, S. 509. (digitalisat)
  2. Die St. Blasiuskirche zu Niederzwönitz. In: wikisource.org. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
  3. Kurzinfo zur Blasiuskirche. www.erzgebirge-museum.de, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  4. a b Die Glocken von St. Blasius. In: youtube.com. 4. Mai 2024, abgerufen am 21. Oktober 2025.
  5. Kirche St. Blasius Zwönitz, Lithographie. Abgerufen am 22. Oktober 2025 (vermutlich um 1840; siehe Handschriftliches am oberen Bildrand: 1841).
  6. Greifensteinregion > St. Blasiuskirche. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
  7. Mit dem Messtool von Google Earth grob bestimmt.