St.-Petrus-Kirche (Wolfenbüttel)

Die St.-Petrus-Kirche ist die katholische Pfarrkirche von Wolfenbüttel (Harztorwall 2). Sie wurde 1889 bis 1891 nach Plänen des Hildesheimer Architekten Richard Herzig erbaut und am 5. August 1891 geweiht. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Braunschweig im Bistum Hildesheim.

Bau

St. Petrus ist eine repräsentative neuromanische Basilika auf Kreuzgrundriss mit eintürmigem Westriegel und Vierungs-Dachreiter, in rund 77 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gelegen. Der massive quadratische Turm und die Außenwände sind mit Blendarkaden und Lisenen gegliedert.

Im Inneren sind die originalen Buntglasfenster und die Holzschnitzbilder der Kanzel bemerkenswert, aber auch die Tabernakelstele und andere moderne Ausstattungsstücke sowie die große Orgel aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Die Kirche verfügt über ein Taufbecken, das die Ganzkörpertaufe ermöglicht. Die drei Buntglasfenster im Chor, vom Unternehmen Henning & Andres aus Hannover hergestellt, zeigen die heiligen Bernward von Hildesheim, Simon Petrus und Godehard von Hildesheim. Die Holzschnitzbilder der Kanzel fertigte der ortsansässige Bildschnitzer August Kindervater 1891 an, die von Bischof Wilhelm Sommerwerck gestifteten Kunstwerke zeigen die vier lateinischen Kirchenväter Bischof Ambrosius von Mailand (mit Mitra, Kreuz und Honigwabe), Papst Gregor den Großen, Augustinus von Hippo mit Buch und entflammtem Herz und Hieronymus als Kardinal.

Geschichte

Nachdem Truppen des Schmalkaldischen Bundes 1542 Wolfenbüttel erobert hatten, wurde in Wolfenbüttel die lutherische Reformation eingeführt. 1543 wurde in Wolfenbüttel eine evangelische Kirchenordnung in Kraft gesetzt. 1547 kehrte der katholische Herzog Heinrich II. in das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zurück und nahm die Rekatholisierung vor. Nachdem Heinrich II. 1568 verstorben war, führte sein Sohn Julius wieder die Reformation ein und untersagte im August 1568 die Feier der katholischen Messe. Danach gab es nur noch vereinzelte Katholiken und katholische Familien in der Region. Für sie gestattete Herzog Anton Ulrich im Jahre 1700 die Feier der Messe in privatem Rahmen im Schloss Wolfenbüttel, die Gottesdienste hielten Franziskanerpatres aus Halberstadt.

Ab 1705 wirkte mit Pater Laurentius Rolff OFM ein ständiger katholischer Seelsorger in Wolfenbüttel. Seine Gottesdienste fanden zunächst in einer Privatwohnung statt, dann ab 1706 in einem für diesen Zweck angemieteten Lokal. 1707 wurde in einem angekauften Gebäude in der Krummen Straße 55 eine Notkapelle eingerichtet. Als der Herzog 1710 selbst zum Katholizismus konvertierte, ernannte er den Franziskaner zum Hofprediger. Diese Episode endete mit dem Tod Anton Ulrichs 1714. Damals lebten in Wolfenbüttel bereits rund 300 Katholiken, rund 3 % der Bevölkerung. Die Franziskaner setzten jedoch ihre Seelsorgetätigkeit in Wolfenbüttel bis etwa 1818 fort, dann übernahmen Weltpriester diese Aufgabe. Die Hoffnung auf eine eigene Kirche blieb für die kleine Gemeinde unerfüllbar. Die napoleonische Zeit brachte jedoch 1813 die Anerkennung der Wolfenbütteler Mission als Pfarrei.

Mit der Industrialisierung wuchs Wolfenbüttel über den seit 1804 geschleiften Befestigungswall hinaus. Zugleich stieg die Zahl der Katholiken so stark an, dass der Kirchensaal in der Krummen Straße nicht mehr ausreichte. 1861 begann eine systematische Sammelaktion für einen Kirchenbau, und 1866 fertigte der Architekt Vincenz Statz erste Entwürfe für eine Kirche an. 1868 erwarb Pfarrer Heinrich Deister den Bauplatz. Von 1868 bis 1885 erstellten die Braunschweiger Architekten H. Lampe, Wilhelm Krahe und August Rincklake weitere Entwürfe, von denen jedoch keiner realisiert wurde. Zunächst wurde als provisorische Zwischenlösung die am Anfang der Krummen Straße gelegene Schlenter-Mühle erworben und zu einer Kapelle umgebaut, die das Patrozinium Marias trug und am 22. September 1872 geweiht wurde. Gegen den Widerstand des Stadtrats kam es doch noch zu einem Kirchenbau, der nach 1889 von Richard Herzig angefertigten Plänen erfolgte, die der wenige Jahre zuvor von ihm entworfenen Marienkirche in Northeim ähnelten.

Im September 1889 begann der Kirchenbau, am 2. Dezember 1889 fand die Grundsteinlegung statt, und am 5. August 1891 vollzog Bischof Wilhelm Sommerwerck die Kirchweihe. Das Petrus-Patrozinium sollte die Brücke nach Rom schlagen, zu Nebenpatronen wurden die heiligen Maria und Bernward. Zum Pfarrgebiet der St.-Petrus-Kirche gehörten damals neben der Stadt Wolfenbüttel auch die Ämter Wolfenbüttel, Schöppenstedt, Salder und Harzburg. 1891 wurde auch die Schlenter-Mühle wieder verkauft. 1892 malte Friedrich Eltermann den Chor aus. In der Apsiskalotte malte er den thronenden Jesus Christus, von Engeln flankiert, darunter die vier Evangelisten.

Große Herausforderungen für die Gemeinde brachten die Weltwirtschaftskrise und die Zeit des Nationalsozialismus mit der großen Zahl von Deportierten und Zwangsarbeitern und mit dem planmäßigen industriellen Aufbau im Salzgittergebiet. Durch den Zuzug vieler katholischer Arbeitskräfte in das Aufbaugebiet der im Juli 1937 gegründeten Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“, das zu großen Teilen zur Pfarrei Wolfenbüttel gehörte, war St. Petrus im Jahre 1937 mit über 26.000 Mitgliedern bereits die größte Kirchengemeinde im Bistum Hildesheim.

Nachdem das Deutsche Reich mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg begann und infolgedessen Frankreich am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärte und zwei Tage später eine Offensive gegen das Saargebiet begann, wurden Saarländer in das Innere des Reichsgebietes evakuiert und kamen im September 1939 auch in das Gebiet der Pfarrei Wolfenbüttel. Dadurch war St. Petrus mit rund 55.000 Katholiken die größte Pfarrei im damaligen Deutschen Reich geworden.[1] Da die meisten Saarländer katholisch waren und seelsorgerische Betreuung benötigten, nutze das Bistum Hildesheim diesen Umstand und gliederte Seelsorgebezirke aus der Pfarrei Wolfenbüttel aus, die mit eigenen Priestern besetzt wurden. So entstanden 1940 die beiden Vikarien Reichswerke Hermann Göring-Ost mit Sitz in Barum und Reichswerke Hermann Göring-West mit Sitz in Krähenriede sowie die Lokalkaplanei Lesse.[2] Im März 1941 entstanden aus diesen drei Seelsorgebezirken die Kuratien Wolfenbüttel-Land I mit Sitz in Barum, Wolfenbüttel-Land II mit Sitz in Krähenriede, Wolfenbüttel-Land III mit Sitz in Woltwiesche und Wolfenbüttel-Land IV mit Sitz in Gebhardshagen.[3] 1944 wurde aus einigen Dörfern der Kuratien Wolfenbüttel-Land I und Wolfenbüttel-Land II die neue Kuratie Wolfenbüttel-Land V gebildet.[4]

Den Zweiten Weltkrieg überstand Wolfenbüttel weitgehend unzerstört. Danach stellte sich jedoch die Aufgabe der Integration der Heimatvertriebenen, von denen viele katholisch waren. Dies gelang nicht zuletzt durch die Verbandsarbeit seit den 1950er Jahren. Da sich infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa die Zahl der Katholiken in der Pfarrei wieder erheblich vergrößert hatte, wurde 1950 die Kuratie Schöppenstedt ausgegliedert. Von 1955 bis 1957 fanden Modernisierungen des Innenraumes statt, welche die ursprüngliche Innenausstattung erheblich veränderten. 1955 wurden der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre ganz bzw. teilweise entfernt sowie die Malerei im Chor zerstört. Am 29. September 1957 weihte Bischof Heinrich Maria Janssen den umgestalteten Altar.

Nachdem sich im Nordosten von Wolfenbüttel nach der Entstehung neuer Baugebiete viele Katholiken niedergelassen hatten, wurde dort 1964 eine Pfarrvikarie errichtet und 1973 die St.-Ansgar-Kirche geweiht. Von 1979 bis 1981 erfolgte neben St. Petrus der Bau des Gemeindezentrums Roncalli-Haus nach Plänen des ortsansässigen Architekten Florian Thamm, 1985 folgte der Bau des Pfarrhauses. 1988 erfuhr die Kirche eine umfassende Restaurierung und künstlerische Neugestaltung, bei der auch ein neueingerichteter, von Hanns Joachim Klug geschaffener Hauptaltar am 18. September 1988 durch Weihbischof Heinrich Machens konsekriert wurde. Auch der Ambo und der Tabernakel wurden in diesem Zusammenhang von Klug neu gestaltet.

Seit dem 1. August 2004 gehören zur Pfarrei St. Petrus als Filialkirchen St. Ansgar (Wolfenbüttel) und St. Joseph (Schöppenstedt),[5] seit dem 1. November 2006 darüber hinaus auch St. Bernward (Börßum, 2011 profaniert), Heilig Kreuz (Dorstadt) und St. Peter und Paul (Heiningen) mit insgesamt 9074 Katholiken (2008).

Am 31. Mai 2022 weihte Bischof Heiner Wilmer ein neues Taufbecken, dessen Größe die Ganzkörpertaufe ermöglicht.[6] Zuvor wurde nur ein einfaches Taufgeschirr genutzt, nachdem in den 1970er Jahren der noch aus der Vorgängerkapelle in der Schlenter-Mühle stammenden Taufbrunnen aus der St.-Petrus-Kirche entfernt worden war.

Siehe auch

Literatur

  • Kirchengemeinde St. Petrus (Hrsg.): zurückgefragt. 100 Jahre St.-Petrus-Kirche in Wolfenbüttel. Wolfenbüttel 1991.
  • Maria Kapp: Die St. Petrus-Gemeinde in Wolfenbüttel. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 67. Jahrgang, Hildesheim 1999, ISBN 3-7698-1256-5, S. 175–192.
  • Bruno Axmann: Die Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Petrus Wolfenbüttel. Erolzheim 1957.
  • Willi Stoffers: Handbuch des Bistums Hildesheim. Teil 3, Region Braunschweig. Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim (Hrsg.), Hildesheim 2001, ISBN 3-89366-522-6, S. 144–151.
  • Die Protokollbücher des Katholischen Gesellenvereins St. Joseph in Wolfenbüttel von der Gründung 1919 bis 1935. Ein Beitrag zur Geschichte der Wolfenbütteler katholischen Gemeinde. Reihe: Hildesheimer Chronik, Beiträge zur Geschichte des Bistums Hildesheim, Band 27, Schriftenreihe des Bistumsarchiv Hildesheim. Hrsg.: Thomas Scharf-Wrede, Hildesheim 2022, ISBN 978-3-7954-1010-0.
Commons: St. Petrus (Wolfenbüttel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Thomas Flammer: Nationalsozialismus und katholische Kirche im Freistaat Braunschweig 1931–1945. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 151.
  2. Thomas Flammer: Nationalsozialismus und katholische Kirche im Freistaat Braunschweig 1931–1945. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 160.
  3. Thomas Flammer: Nationalsozialismus und katholische Kirche im Freistaat Braunschweig 1931–1945. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 185, 171, 172 und 185. (Kuratien Wolfenbüttel-Land I–IV)
  4. Thomas Flammer: Nationalsozialismus und katholische Kirche im Freistaat Braunschweig 1931–1945. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 196.
  5. Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Petrus, Wolfenbüttel, St. Ansgar, Wolfenbüttel, St. Joseph, Schöppenstedt, und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde St. Petrus, Wolfenbüttel. In: Kirchlicher Anzeiger für das Bistum Hildesheim. Nr. 7/2004, S. 221–222.
  6. Die Weihe des Taufbrunnens. Kath. Pfarrei St. Petrus Wolfenbüttel, abgerufen am 10. Juni 2022.

Koordinaten: 52° 9′ 35,6″ N, 10° 32′ 6,7″ O