Sorex nivicola

Sorex nivicola

Sorex nivicola (Holotyp)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Soricinae
Gattung: Rotzahnspitzmäuse (Sorex)
Art: Sorex nivicola
Wissenschaftlicher Name
Sorex nivicola
Bannikova, Jenkins, Lebedev, Pavlova & Sheftel, 2025

Sorex nivicola ist eine Art der Spitzmäuse aus der Gattung der Rotzahnspitzmäuse (Sorex). Sie kommt in Ostasien vor und bewohnt dort die Hochgebirgsregionen im Grenzgebiet der chinesischen Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai. Über die genaue Lebensweise liegen aber keine Informationen vor. Es handelt sich um einen vergleichsweise großen Vertreter Gattung. Besondere Merkmale finden sich in dem braunen Fell mit dunklem Rückenstreifen und einigen speziellen Zahncharakteristiken. Besonders auffällig ist außerdem der wenig umfangreiche Karyotyp der Tiere. Diese Eigenschaft teilt Sorex nivicola mit anderen rückengestreiften Rotzahnspitzmäusen des östlichen und südlichen Asiens, die eine nähere Verwandtschaftsgruppe bilden. Innerhalb dieser wurde erst durch genetische Untersuchungen seit den 2010er Jahren eine hohe Diversität aufgedeckt. Die wissenschaftliche Benennung der Art erfolgte im Jahr 2025.

Merkmale

Habitus

Sorex nivicola ist ein vergleichsweise großer Vertreter der Rotzahnspitzmäuse. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 7,1 bis 8,2 cm. Der Schwanz wird 5,2 bis 5,7 cm lang, was etwa 64 bis 76 % der Länge des restlichen Körpers entspricht. Ein einzelnes Individuum wog 7,5 g und besaß einen 1,3 cm langen Hinterfuß. In der Größe stimmt die Art mit der Rückenstreifen-Spitzmaus (Sorex cylindricauda) überein, sie ist aber größer als Sorex wardi. Im gesamten Habitus gleicht Sorex nivicola den anderen Arten der Rotzahnspitzmäuse mit einem vergleichsweise langen Schwanz, kaum sichtbaren Ohren, schlanken Gliedmaßen sowie fünfzehigen Vorder- und Hinterfüßen. Das Rückenfell besitzt einen bräunlichen Farbton, der von einem dunkleren, 4 bis 6 mm breiten und mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Rückenstreifen unterbrochen wird. Letzteres Merkmal tritt auch bei der Rückenstreifen-Spitzmaus und bei Sorex wardi auf, fehlt allerdings bei der ebenfalls in der Region vorkommenden und ähnlich großen Chinesischen Spitzmaus (Sorex sinalis), ebenso wie bei der kleineren Gansu-Spitzmaus (Sorex cansulus). Zur Unterseite hellt das Fell bei Sorex nivicola auf und geht in ein Hellbraun über. Die Haare des Rückens sind an der Basis dunkelgrau, in der oberen Hälfte hellbraun und an der Spitze dunkelbraun gefärbt. Auf der Bauchseite fehlt den Haaren die dunkle Spitze. Der Schwanz zeigt sich zweifarbig mit einer dunkleren Unter- und einer helleren Oberseite. An der Spitze sitzt ein Büschel aus 4 bis 5 mm langen Haaren auf. Die Fußoberseiten sind hell getönt. Weibliche Tiere besitzen zwei Paare an Zitzen in der Leistenregion.[1]

Schädel- und Gebissmerkmale

Die Länge des Schädels variiert von 20,3 bis 21,2 mm, am Hirnschädel wird er 8,9 bis 9,5 mm breit. Das Rostrum ist im Bereich der zweiten Molaren 5,0 bis 5,5 mm weit, auf Höhe der beiden ersten Schneidezähne gut 2 mm. Dadurch ergibt sich ein insgesamt vergleichsweise großer Schädel mit einer im Bezug auf den Abstand der Orbita zueinander recht breiten Schnauze. Die Maße entsprechen in etwa jenen der Rückenstreifen-Spitzmaus, liegen aber oberhalb derer von Sorex wardi. Gegenüber ersterer ist die Schnauze bei Sorex nivicola länger und im Vergleich zum Orbitaabstand breiter. Der Unterkiefer wird 4,5 bis 4,7 mm hoch.[1]

Der Gebissaufbau entspricht weitgehend dem der anderen Rotzahnspitzmäuse mit insgesamt 32 Zähnen. Charakteristisch sind in der oberen Zahnreihe die auf den ersten Schneidezahn folgenden fünf einspitzigen Zähne. Hierbei übertrifft bei Sorex nivicola der zweite den dritten einspitzigen Zahn an Größe, was bei der Rückenstreifen-Spitzmaus und bei Sorex wardi andersrum der Fall ist. Der fünfte einspitzige Zahn ist bei den rückengestreiften Rotzahnspitzmäusen Ostasiens generell relativ groß, vergleichbar in etwa zum vierten, und in der Seitenansicht deutlich sichtbar. Bei der Chinesischen Spitzmaus und der Gansu-Spitzmaus wird er wiederum deutlich kleiner. Die gesamte obere Zahnreihe misst 9,1 bis 9,4 mm in der Länge, wovon nahezu die Hälfte die vorderen Zähne bis zum fünften einspitzigen Zahn einnehmen. Die untere Zahnreihe ist 8,4 bis 8,8 mm lang.[1]

Genetische Merkmale

Der diploide Chromosomensatz lautet 2n = 26, zusätzlich kommt ein B-Chromosom vor. Die fundamentale Nummer, also die Anzahl der Arme der Autosomen, beträgt 44. Für andere rückengestreifte Rotzahnspitzmäuse wurden Chromosomensätze von 2n = 24 bis 30 beschrieben. Einzelne Differenzen finden sich in der Ausprägung der jeweiligen Arme.[1] Bemerkenswert ist, dass der Chromosomensatz bei den rückengestreiften Rotzahnspitzmäusen generell vergleichsweise wenig umfangreich ausfällt. Bei anderen Arten der Gattung ist die Anzahl der eingebundenen Autosomen gut anderthalbmal so hoch, während sie bei anderen Vertretern der Spitzmäuse auf bis über das Doppelte ansteigen kann.[2][3][4][5]

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet von Sorex nivicola liegt in Ostasien im südwestlichen Teil von China. Es erstreckt sich vom Südwesten der Provinz Gansu über den Nordwesten von Sichuan bis in den Osten von Qinghai hinein. Die Tiere bewohnen den Randbereich des Tibetischen Hochlands und treten überwiegend in Höhenlagen von 3400 bis 4500 m über dem Meeresspiegel auf, können aber auch bis zu einem Höhenniveau von rund 2500 m nachgewiesen werden. Der Lebensraum besteht aus Gebüsch- und Graslandschaften der Hochgebirge. In der gleichen Region tritt eine weitere, bisher nicht genau identifizierte Population von rückengestreiften Rotzahnspitzmäusen auf, die allerdings in durchschnittlich niedrigeren Lagen, bei 1950 bis 3500 m über dem Meeresspiegel, heimisch ist.[6][1]

Lebensweise

Mit Ausnahme des Auftretens in den alpinen Hochgebirgszonen am Rand des Tibetischen Hochlands liegen keine Informationen zur Lebensweise vor.[6][1]

Systematik

Innere Systematik der cylindricauda-Verwandtschaftsgruppe innerhalb der Rotzahnspitzmäuse nach Bannikova et al. 2025,[1]
 cylindricauda-Gruppe  



 Sorex wardi


   

 Sorex cylindricauda


   

 Sorex bedfordiae




   

 Sorex nivicola


   

 Sorex nepalensis




   

 Sorex gomphus


   

 Sorex excelsus




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Sorex nivicola ist eine Art aus der Gattung der Rotzahnspitzmäuse (Sorex) innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Die Rotzahnspitzmäuse bilden eine sehr formenreiche Gruppe mit mehr als 80 Arten. Gemeinsam mit einigen anderen Gattungen werden sie der Unterfamilie der Soricinae zugesprochen, stehen hierin aber in der eigenen Tribus der Soricini. Gemäß molekulargenetischen Untersuchungen trennten sich die Rotzahnspitzmäuse bereits im Übergang vom Unteren zum Mittleren Miozän vor rund 17 Millionen Jahren von den anderen Linien der Spitzmäuse ab. Ihre stärkere Diversifizierung begann aber erst im Oberen Miozän vor gut 10 Millionen Jahren. Hieraus resultieren mehrere engere Verwandtschaftsgruppen, die eigenständige Kladen formen. Eine davon bildet das nähere Beziehungsumfeld um die Rückenstreifen-Spitzmaus (Sorex cylindricauda), nach der die cylindricauda-Gruppe benannt wurde und der auch Sorex nivicola angehört. Sie schließt Tiere mit einer markanten Streifung des Rückenfells ein und ist vor allem in Ost- und Südasien heimisch. Ihre Herausformung begann im Oberen Miozän vor gut 7 Millionen Jahren.[7][8][8]

Die rückengestreiften Rotzahnspitzmäuse Ost- und Südasiens wurden anfänglich in nur wenige Arten aufgeteilt. Genetische Untersuchungen deckten dann ab der Mitte der 2010er Jahre eine hohe Diversität auf, wodurch sich insgesamt mehr als ein Dutzend eigenständiger Linien unterscheiden ließen. Im Zuge dessen wurden einzelne Populationen, die zuvor als Unterarten galten, auf Artniveau gehoben.[9][8][6] Zuzüglich zeigten sich aber auch noch weitere Linien, die bisher nicht bekannt waren und eigenständige taxonomische Einheiten darstellten. Eine davon repräsentierte eine Individuengemeinschaft aus der chinesischen Provinz Gansu unter der Bezeichnung Taxon K. In einer ersten Analyse wurde diese Gruppe mit der Chinesischen Spitzmaus (Sorex sinalis) verbunden, deren genauen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung aufgrund fehlender genetischer Daten nicht eindeutig ist. Nachfolgende karyologische Studien brachten dann Abweichungen in der Chromosomenstruktur zu jener anderer Arten der cylindricauda-Gruppe zu Tage,[2][3][4][5] ebenso wie sich morphologische Unterschiede zur Chinesischen Spitzmaus herausstellten, was eine Anerkennung des Taxon K als eigenständige Art rechtfertigte. Daraufhin veröffentlichte ein Forscherteam um Anna A. Bannikova im Jahr 2025 die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Sorex nivicola. Als Holotypus wählten die Wissenschaftler ein nicht ausgewachsenes männliches Individuum, dessen Herkunft mit Langmusi im Kreis Luqu in Gansu lokalisiert ist. Das Gebiet stellt die Typusregion der Art dar, sechs weitere dort aufgesammelte Individuen bilden die Paratypen. Das Artepitheton ist lateinischen Ursprungs und setzt sich aus dem Wort nivi für „Schnee“ und der Endung -cola für „Bauer“ oder „Bewirtschafter“ zusammen.[1]

Literatur

  • Anna A. Bannikova, Paulina D. Jenkins, Vladimir S. Lebedev, Svetlana V. Pavlova, Vasily D. Yakushov, Alexandra A. Raspopova, Yongke Zhu, Yun Fang, Yue-Hua Sun und Boris I. Sheftel: The morphological, chromosomal and molecular illumination of the dramatic diversity of the stripe-backed shrews, Sorex cylindricauda species complex (Eulipotyphla: Soricidae). Vertebrate Zoology 75, 2025, S. 227–243, doi:10.3897/vz.75.e153115

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Anna A. Bannikova, Paulina D. Jenkins, Vladimir S. Lebedev, Svetlana V. Pavlova, Vasily D. Yakushov, Alexandra A. Raspopova, Yongke Zhu, Yun Fang, Yue-Hua Sun und Boris I. Sheftel: The morphological, chromosomal and molecular illumination of the dramatic diversity of the stripe-backed shrews, Sorex cylindricauda species complex (Eulipotyphla: Soricidae). Vertebrate Zoology 75, 2025, S. 227–243, doi:10.3897/vz.75.e153115
  2. a b Junji Moribe, Song Li, Yingxiang Wang, Shuji Kobayashi und Sen-ichi Oda: Sorex bedfordiae has the Smallest Diploid Chromosome Number of the XY Group in the Genus Sorex (Mammalia, Soricidae). Cytologia 74 (1), 2009, S. 95–99, doi:10.1508/cytologia.74.95
  3. a b Masaharu Motokawa, Yi Wu und Masashi Harada: Karyotypes of Six Soricomorph Species from Emei Shan, Sichuan Province, China. Zoological Science 26 (11), 2009, S. 791–797, doi: 10.2108/zsj.26.791
  4. a b B. I. Sheftel, A. A. Bannikova, Y. Fang, T. B. Demidova, D. Yu. Alexandrov, V. S. Lebedev und Y.-H. Sun: Notes on the Fauna, Systematics, and Ecology of Small Mammals in Southern Gansu, China. Biology Bulletin 45, 2018, S. 898–912, doi:10.1134/S1062359018080150
  5. a b Svetlana V. Pavlova, Vladimir S. Lebedev, Vasily D. Yakushov, Yongke Zhu, Yun Fang, Yue‑Hua Sun und Boris I. Sheftel: High diversity of small insectivorous mammals on Qinghai–Tibet Plateau and first description of karyotype for four endemics of China. Scientific Reports 11, 2021, S. 24496, doi:10.1038/s41598-021-03809-4
  6. a b c Shunde Chen, Keyi Tang, Xuming Wang, Fengjun Li, Changkun Fu, Yang Liu, Abu ul Hassan Faiz, Xuelong Jiang und Shaoying Liu: Multi-locus phylogeny and species delimitations of the striped-back shrew group (Eulipotyphla: Soricidae): Implications for cryptic diversity, taxonomy and multiple speciation patterns. Molecular Phylogenetics and Evolution 177, 2022, S. 107619, doi:10.1016/j.ympev.2022.107619
  7. C. J. Burgin und K. He: Family Soricidae (shrews). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths and Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 332–551, ISBN 978-84-16728-08-4
  8. a b c Anna A. Bannikova, Daria Chernetskaya, Alexandra Raspopova, Dmitry Alexandrov, Yun Fang, Nikolai Dokuchaev, Boris Sheftel und Vladimir Lebedev: Evolutionary history of the genus Sorex (Soricidae, Eulipotyphla) as inferred from multigene data. Zoologica Scripta 47, 2018, S. 518–538, doi:10.1111/zsc.12302
  9. Shunde Chen, Zhiyu Sun, Kai He, Xuelong Jiang, Yang Liu, Narayan Prasad Koju, Xiuyue Zhang, Feiyun Tu, Zhenxing Fan, Shaoying Liu und Bisong Yue: Molecular phylogenetics and phylogeographic structure of Sorex bedfordiae based on mitochondrial and nuclear DNA sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution 84 2015, S. 245–253, doi:10.1016/j.ympev.2014.12.016
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