Song Hào

Song Hào (Geburtsname: Nguyễn Văn Khương; * 20. August 1917 in Vụ Bản, Nam Định, Französisch-Indochina; † 9. Januar 2004 in Hanoi) war ein vietnamesischer Offizier und vietnamesischer Politiker der Kommunistischen Partei KPV, der unter anderem von 1961 bis 1976 als Generalleutnant stellvertretender Verteidigungsminister sowie Chef der Politischen Hauptverwaltung der Volksarmee, zwischen 1976 und 1982 Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees (ZK) der KPV sowie Vorsitzender der Zentralen Inspektionskommission des ZK und außerdem von 1982 bis 1986 Minister für Kriegsinvaliden und Soziales war.

Leben

Der als Nguyễn Văn Khương geborene Song Hào nahm an revolutionären Aktivitäten gegen die Kolonialmacht von Französisch-Indochina teil und wurde 1939 Mitglied der Indochinesischen Kommunistischen Partei (Đảng Cộng sản Đông Dương). 1940 wurde er durch die französische Kolonialmacht verhaftet und zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die er unter anderem im Gefängnis von Sơn La verbrachte. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis wurde er 1944 Politkommissar der Nationalen Heilsarmee, Parteisekretär und Kommandant des Stützpunkts Nguyễn Huệ. Im Anschluss war er 1945 an der Organisation des Ausbaus der Nationalen Heilsarmee beteiligt und gehörte zu den Teilnehmern am Militär- und Volkskongress in Tân Trào. Er war verantwortlich für den Aufstand und die Machtübernahme der Streitkräfte in den Provinzen Hà Giang sowie Tuyên Quang und wurde nach der von Hồ Chí Minh[1] ausgerufenen Augustrevolution Mitglied des Parteikomitees der Nordregion, das für die Provinzen Hà Giang, Tuyên Quang und Thái Nguyên zuständig war.

Während des Indochinakrieges fungierte Song Hào als Politkommissar der Zone 10, der Nordwestzone sowie als Sekretär des Komitees der vietnamesischen Freiwilligenarmee in Laos. Nachdem er zwischen Februar und März 1950 Politkommissar der ersten nach Lê Hồng Phong benannten Kampagne der Việt Minh war, fungierte er 1950 als Leiter der Delegation der Partei und Regierung der Demokratischen Republik Vietnam für Gespräche mit der Delegation der Laotischen Patriotischen Front über die Parteiorganisation und die Beziehungen zwischen den beiden Parteien und den beiden Staaten. Anschließend bekleidete er zwischen 1951 und 1954 die Ämter als Politkommissar sowie als Sekretär des Parteikomitees der 308. Division, des ersten im Indochinakrieg aufgestellte Großverbandes der Vietnamesischen Volksarmee in Divisionsstärke, und nahm auch an der Schlacht um Điện Biên Phủ (13. März bis 8. Mai 1954) teil. Nach der Genfer Indochinakonferenz (26. April bis 20. Juli 1954) wurde er 1954 Mitglied des Gemeinsamen Waffenstillstandskomitees zur Umsetzung des Genfer Abkommens in Vietnam.

Anschließend war Song Hào zwischen 1955 und 1960 stellvertretender Chef der Politischen Hauptverwaltung der Vietnamesischen Volksarmee, Mitglied der Allgemeinen Militärkommission und Mitglied der Zentralen Inspektionskommission sowie ferner stellvertretender Sekretär und Vorsitzender der Inspektionskommission der Zentralen Militärkommission. Auf dem Dritten Parteitag (5. bis 10. September 1960) der damaligen Partei der Werktätigen Vietnams PdWV (Đảng Lao động Việt Nam) wurde er zudem erstmals Mitglied des Zentralkomitees (ZK), dem er nach seinen Wiederwahlen auf dem Vierten (14. bis 20. Dezember 1976) und auf dem Fünftem Parteitag (27. bis 31. März 1982) bis zum 15. Dezember 1986 angehörte. Als Nachfolger von Nguyễn Chí Thanh wurde er 1961 selbst Chef der Politischen Hauptverwaltung der Volksarmee und verblieb auf diesem Posten bis 1976, woraufhin Chu Huy Mân dieses Amt übernahm. Er fungierte daneben in Personalunion zwischen 1961 und 1976 als stellvertretender Verteidigungsminister und war damit Vertreter von Verteidigungsminister Võ Nguyên Giáp.[2] Daneben gehörte er zwischen 1971 und 1975 der Nationalversammlung von Nordvietnam als Mitglied an. Zum Ende des Vietnamkrieges war er außerdem während des Quảng Trị-Feldzuges von 1972 bis 1973 Politkommissar der vietnamesischen Verbände und wurde 1974 zum Generalleutnant (Thượng tướng) befördert.[3]

Nach Ende des Vietnamkrieges und der Wiedervereinigung Vietnams wurde er 1976 nunmehr Mitglied der Nationalversammlung (Quốc hội Việt Nam) und gehörte dieser in der sechsten sowie siebten Legislaturperiode bis 1987 an. Auf dem Vierten Parteitag (Dezember 1976) wurde Nguyễn Lam zudem zum Mitglied des Sekretariats des ZK der nunmehrigen Kommunistischen Partei KPV (Đảng Cộng sản Việt Nam) gewählt[4] und gehörte diesem Parteigremium bis zum 27. März 1982 an, wobei er als Nachfolger von Nguyễn Lương Bằng[5] von 1976 bis zu seiner Ablösung durch Trần Kiên 1982 Vorsitzender der Zentralen Inspektionskommission (Zentrale Parteikontrollkommission) des ZK war.[6][7][8] Nach seinem Ausscheiden aus dem ZK-Sekretariat übernahm er am 23. April 1982 von Lê Hiến Mai den Posten als Minister für Kriegsinvaliden und Soziales und behielt dieses Amt bis zum 16. Februar 1987, woraufhin Nguyễn Kỳ Cẩm als Minister für Arbeit, Kriegsinvaliden und Soziales seine Nachfolge antrat. Bei einem Besuch der DDR würdigte er im April 1984 bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates, Gerhard Weiss, und dem Minister für Gesundheitswesen, Ludwig Mecklinger, die solidarische Unterstützung der DDR bei der Überwindung der Folgen der USA-Aggression in Vietnam. Im Zusammenhang mit der Beratung von Fragen der weiteren Vertiefung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der sozialen Betreuung und Rehabilitation geschädigter Bürger schätzte er insbesondere die Unterstützung der DDR beim Aufbau eines orthopädietechnischen Zentrums in der SRV hoch ein.[9][10][11][12] Im September 1984 wurde ein von der DDR finanziertes Rehabilitationszentrum in Hanoi übergeben.[13] Am 4. Februar 1990 wurde er kommissarischer Vorsitzender der neugegründeten Veteranenvereinigung (Hội Cựu chiến binh Việt Nam) und hatte diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Trần Văn Quang am 20. November 1992 inne.

Einzelnachweise

  1. Ho Chi Minh. In: rulers.org. Abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
  2. Vo Nguyen Giap. In: rulers.org. Abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
  3. Herzliche Begegnungen mit Persönlichkeiten der DRV, in: Neues Deutschland vom 20. März 1973
  4. Fest und geeint gehen Vietnams Kommunisten an ihre Aufgabe. IV. Parteitag fasste weitreichende Beschlüsse über den Aufbau des Sozialismus im ganzen Land. Im Dienst des ganzen werktätigen Volkes, in: Neues Deutschland vom 21. Dezember 1976
  5. Nguyen Luong Bang. In: rulers.org. Abgerufen am 23. September 2025 (englisch).
  6. Delegation des ZK der SED in der SR Vietnam begrüßt. Erich Mückenberger leitet Abordnung, in: Neues Deutschland vom 18. Januar 1978
  7. Kameradschaftliche Gespräche SED-KPV. Erich Mückenberger zu Gast im Stadtparteikomitee Hanoi / Delegationen begannen Erfahrungsaustausch, in: Neues Deutschland vom 20. Januar 1978
  8. Unzertrennbare Freundschaft DDR-SR Vietnam bekräftigt. Besuch der Delegation des ZK der SED erfolgreich abgeschlossen, in: Neues Deutschland vom 24. Januar 1978
  9. Zusammenarbeit DDR—SRV im Gesundheitswesen vertieft. Dr. Gerhard Weiss führte Gespräch mit Minister Song Hao, in: Neues Deutschland vom 3. April 1984
  10. Freundschaftliche Begegnung mit vietnamesischem Minister. Dank an antifaschistische Widerstandskämpfer der DDR, in: Neues Deutschland vom 4. April 1984
  11. SRV-Minister besuchte Rehabilitationszentrum, in: Neues Deutschland vom 6. April 1984
  12. Vietnamesischer Minister dankt für Unterstützung, in: Neues Deutschland vom 10. April 1984
  13. Rehabilitationszentrum in Hanoi feierlich übergeben. Vietnamesischer Dank für die vielseitige Unterstützung, in: Neues Deutschland vom 1. September 1984