Society for Conservation Biology

Society for Conservation Biology
(SCB)
Rechtsform 501(c)(3) organization
Gründung 5. Mai 1985 in Ann Arbor
Gründer Michael E. Soulé, Edward O. Wilson, Thomas Lovejoy
Sitz Washington, D.C.
Vorsitz Vanessa M. Adams
Mitglieder 4000
Website www.conbio.org

The Society for Conservation Biology (SCB) (dt. Gesellschaft für Naturschutzbiologie) ist eine internationale Fachgesellschaft mit dem Ziel Wissenschaft und Praxis für den Schutz der biologischen Vielfalt zu verbessern.[1]

Ziele der Gesellschaft

Die SCB hat als Fachgesellschaft folgende Ziele:[2]

  • Förderung der Etablierung und Verbreitung von Naturschutzwissenschaft
  • Verbesserung der Anwendung von naturschutzwissenschaftlichen Erkenntnissen in der Praxis, der Politik und der Bildung
  • Förderung von Ortsgruppen und thematischen Gruppen, um lokale und internationale Projekte zu unterstützen

Um die Ziele umzusetzen, veranstaltet die Gesellschaft Konferenzen, schreibt politische Stellungnahmen[3] auf regionaler Ebene aber auch für die Biodiversitätskonvention, IPBES[4], die gemeinsame europäische Agrarpolitik[5] oder das EU-Renaturierungsgesetz[6]. Zudem hat die SCB in ihrer Zeitschrift Conservation Biology die Rubriken „Kommentar“ und „Diversität“, um Meinungsartikel zu veröffentlichen.[7] Die Gesellschaft bringt sich bei Themen zur Genetik und Demographie von kleinen Populationen ein, sowie auch zur Landschaftszerschneidung, zur Planung und Pflege von Naturschutzgebieten und bedrohten Arten.[7] Mittlerweile kommen auch Landschaftskonnektivität, Effekte von Spitzenprädatoren auf das Ökosystem und die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Biodiversität hinzu.[7]

Geschichte

Der Ursprung der Gesellschaft geht auf die Entstehung des Fachgebiets als eigenständiges Fach in den 1970er Jahren zurück.[8] Der Begriff Conservation Biology stammt von einer Konferenz von Ökologen und Populationsbiologen an der Universität von Kalifornien-San Diego im Jahr 1978, deren Beiträge im Buch Conservation Biology – An Evolutionary-Ecological Perspective veröffentlicht wurden.[9] Dieses Buch wurde international sehr einflussreich und verkaufte sich zehntausendfach, einschließlich einer russischen Übersetzung. Bei der zweiten Konferenz zu Naturschutzbiologie diesmal in Ann Arbor an der Universität von Michigan, gründeten unter anderem Michael E. Soulé, Edward. O. Wilson und Thomas Lovejoy die Gesellschaft für Naturschutzbiologie und ersterer wurde Präsident. 1985 waren das Interesse und die Beteiligung groß genug, um eine formelle Gesellschaft zu gründen. Begleitet wurde die Gründung vom einschlägigen Fachartikel von Soulé What is conservation biology? (Was ist Naturschutzbiologie?).[10] Viele Gründungsmitglieder waren schon bei der Organisations und dem Programm des Nationalen Forums zur Biodiversiät im Jahre 1986 in Washington D.C. beteiligt, wo der Begriff Biodiversität geprägt wurde. Die Gesellschaft hat ihren Ursprung klar in den Vereinigten Staaten ist aber mittlerweile international zusammengesetzt.[7]

Von Anfang an implizierte Naturschutzbiologie nicht nur Naturwissenschaften, sondern auch Soziologie, und sah sich als synthetische, multidisziplinäre Wissenschaft zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft.[10][7] Wesentlich für Naturschutzbiologie die Diagnose einer Krise, weshalb Soulé Naturschutzbiologie als Krisendisziplin sah.[10][11] Wichtige Krisen für den Naturschutz in den USA waren die Entwaldung Ende des 19. Jahrhunderts rund um die Großen Seen oder Anfang des 20. Jahrhunderts die Dezimierung von Jagdwild und Fischpopulationen, der zunehmende Verlust an unzerschnittener Wildnis, die unkontrollierte Umweltverschmutzung in den 1960ern und seitem der globale Wandel.[7]

Publikationen und Versammlungen

Die SCB veröffentlicht führende ökologische Fachzeitschriften: seit 1987 Conservation Biology[12][13] sowie seit 2008 die Open-Access-Zeitschrift Conservation Letters[14]. Außerdem veröffentlicht sie seit 2019 Conservation Science and Practice; eine Zeitschrift mit dem Fokus auf Naturschutzplanung und -politik.[15] Seit 2000 wird das praxisnähere Conservation Magazine (seit 2014 Anthropocene Magazine) herausgegeben und 2001 bis 2006 veröffentlichte die Gesellschaft das Magazin Conservation in Practice. Im Jahr 2006 wurde die einschlägige Fachzeitschrift Biological Conservation eine Partnerzeitschrift der europäischen Sektion der SCB.[7]

Die Gesellschaft veranstaltet alle zwei Jahre die wissenschaftliche Fachtagung Internationaler Kongress für Naturschutzbiologie (ICCB, International Congress for Conservation Biology).[16] Die erste Konferenz hatte rund 200 Teilnehmende und 2005 waren es 1600.[7] Alternierend dazu richten die Sektionen ihre kontinentalen Kongresse aus. Jede zweite internationale Konferenz wird außerhalb der USA organisiert.[7]

Preise

Die Sektion Europa verleiht den Ilkka-Hanski-Preis für Herausragende Beiträge zum Schutz der Biodiversität.[17]

Jahr Vorname Nachname Land
2024 Nuria Selva Polend und Spanien
2024 Clive Spash Australien
2022 Luigi Boitani Italien
2022 Anne Magurran Schottland
2018 Atte Moilanen Finnland

Sektionen, Ortsverbände und Arbeitsgruppen

SCB hat seit 2000 sieben Sektionen: Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika & Karibik, Nordamerika, Marine und Ozeanien[18]. Diesen Sektionen sind Ortsverbände angeschlossen:[19] z. B. Sektion Europa: Nordische Länder, Niederlande, Italien, Ungarn, Israel.

Seit 2003 werden thematische Arbeitsgruppen gegründet:

Einzelnachweise

  1. Society for Conservation Biology | Who We Are. Abgerufen am 25. April 2025.
  2. Society for Conservation Biology | Who We Are. Abgerufen am 25. April 2025.
  3. Society for Conservation Biology | SCB Policy Statements. Abgerufen am 25. April 2025.
  4. Society for Conservation Biology | About the Policy Program. Abgerufen am 25. April 2025.
  5. Society for Conservation Biology | Europe Section Policy Initiatives. Abgerufen am 25. April 2025.
  6. Society for Conservation Biology | Europe Region Policy News. Abgerufen am 25. April 2025.
  7. a b c d e f g h i Curt Meine, Michael Soulé, Reed F. Noss: “A Mission‐Driven Discipline”: the Growth of Conservation Biology. Band 20, 2006, S. 631–651, doi:10.1111/j.1523-1739.2006.00449.x.
  8. David W. Ehrenfeld: Biological conservation (= Modern Biology Series). Holt, Rinehart and Winston, New York 1970, ISBN 0-03-080049-8.
  9. Michael E. Soulé, Bruce Wilcox (Hrsg.): Conservation biology: an evolutionary-ecological perspective. 1. Auflage. Sinauer, Sunderland, Massachusetts 1980, ISBN 0-87893-800-1.
  10. a b c Michael E. Soulé: What is Conservation Biology?: A new synthetic discipline addresses the dynamics and problems of perturbed species, communities, and ecosystems. In: BioScience. Band 35, Nr. 11, 1. Dezember 1985, ISSN 0006-3568, S. 727–734, doi:10.2307/1310054 (oup.com [abgerufen am 25. April 2025]).
  11. Kurt Jax: Conservation Concepts: Rethinking Human–Nature Relationships. 1. Auflage. Routledge, London 2024, ISBN 978-1-00-325100-2, S. 77, doi:10.4324/9781003251002 (taylorfrancis.com [abgerufen am 25. April 2025]).
  12. http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/(ISSN)1523-1739
  13. http://www.conbio.org/publications/conservation-biology
  14. http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1111/%28ISSN%291755-263X/issues
  15. Society for Conservation Biology | Conservation Science & Practice. Abgerufen am 7. Januar 2024.
  16. Society for Conservation Biology | SCB Global Meetings. Abgerufen am 7. Januar 2024.
  17. Ilkka Hanski Award | SCB Europe Region. Abgerufen am 16. Januar 2026 (englisch).
  18. http://www.conbio.org/groups/sections/about-sections
  19. http://www.conbio.org/groups/chapters/chapter-directory