Sint Antoniessluishoogwaterkering
Das Sint Antoniessluishoogwaterkering wurde im Jahr 1602 erbaut und ist heutzutage amtlich die Schleuse Nr. 211 im Stadtteil Amsterdam-Centrum (heutiges Hochwassersperrwerk und ehemalige Schleuse, vormals niederländisch Sint Antoniesluis, Sint Anthoniesluys, Sint Anthonieschutsluis und im Volksmund auch Sint Teunissluis genannt; deutsch „Schleuse des Heiligen Antonius“). Über dem südwestlichen Teil der alten Schleusenkammer verläuft die Sint Antoniesbreestraat auf der Brücke mit dem Sint Antoniesluis Platz.[1][2]
Lage und Funktion
Die gesamte größtenteils historische Anlage befindet sich im Herzen von Amsterdam, im Stadtteil Jodenbuurt als ehemals jüdischem Viertel. Aufgrund des weiträumigen Abrisses in den 1960er Jahren wegen des damaligen U-Bahnbaus ist jedoch ein Großteil der ursprünglichen Gebäude verschwunden. Charakteristische und erwähnenswerte Gebäude sind heute noch das kleine Goslerhuisje (ehemaliges Schleusenwärterhäuschen sluiswachtershuisje aus dem 18. Jahrhundert und heute denkmalgeschützt)[A 1][3][4] unmittelbar auf der Nordostseite, das nahe Rembrandt-Haus mit Museum (denkmalgeschützt) auf der Südostseite gegenüber und auf der anderen Seite das neu errichtete Wohn- und Geschäftsgebäude Pentagon im Südwesten. Direkt benachbart in der Sint Antoniesbreestraat steht nördlich das denkmalgeschützte Huis De Pinto gleich um die Ecke. Den größten baulichen Blickfang in der Nachbarschaft bietet jedoch das zusammen mit der Staatsoper neu errichtete Stopera-Gebäude der Stadtverwaltung am Waterlooplein im Süden.
Das heutige und seit dem Jahr 2019 so benannte Sperrwerk Sint Antoniessluishoogwater ist offensichtlich nur die in Funktion verbliebene nordöstliche Hälfte der Schleusenkammer der alten Schleuse Sint Antoniesluis. Bedingt durch den Bau des Nordseekanals und durch die Eindeichung der früheren Zuiderzee[A 2] als IJsselmeer[A 3] und inzwischen zum Süßwasserspeicher geworden, wird der Wasserstand heutzutage durch das dafür angelegte System der Zuiderzeewerke großflächig reguliert, weshalb die frühere Rolle als Schiffsschleuse heute entfallen ist. Die ehemalige Schleuse verbindet die Gracht am Zwanenburgwal im Südwesten mit der Gracht Oudeschans im Nordosten. Das heutige Sperrwerk ermöglicht den freien Wasseraustausch in den Amsterdamer Kanälen. Die Sperrstufen werden wöchentlich ausgebaggert, damit das Sperrwerk im Bedarfsfall weiterhin ordnungsgemäß für den Hochwasserschutz funktionieren kann.[2][5]
Bau und Geschichte
Die ursprüngliche Sint Antoniesluis wurde im Jahr 1602 als Schiffsschleuse im Rahmen einer Stadterweiterung errichtet, unter anderem für das Stadtviertel Lastage, damals ein externes Deichhafengebiet, an dem die Stadt beteiligt war. Auf der Karte von Pieter Bast aus dem Jahr 1599 ist jedoch bereits eine Schleusenanlage zu sehen. Zwei neue Außenschleusen wurden gebaut, um das Stadtwasser vor dem IJ als ehemaligem Meeresarm zu schützen: eine neue Haarlemmer-Schleuse Haarlemmersluis zum Stadtgraben Singel hin auf der Westseite und die heute so benannte Sint Antoniessluishoogwaterkering auf der Ostseite. Dieser Hochwasserschutz verband den vormaligen Deich Sint Antoniesdijk (nach dem die Schleuse benannt ist) mit der Jodenbreestraat und regelte den Abfluss des Flusswassers der Amstel zum IJ und damit ehemals in die Nordsee.[5]
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs standen die Niederlande vom Mai 1940 bis zum Mai 1945 unter deutscher Besatzung. Ab dem Jahr 1941 wurden die Jodenbuurt („Judenviertel“) und damit die Gegend um die Sint Antoniesluis von den Nationalsozialisten zum Ghetto erklärt und stetig wachsenden Einschränkungen unterworfen. Für viele Anwohner und darunter auch die Besitzer des Goslerhuisje zeigte das schreckliche Folgen.[A 1]
Siehe auch
Weblinks
- Rijksmonumentenregister nr 2028 (niederländisch) für das Goslerhuisje und frühere Schleusenwärterhäuschen[A 1]
Anmerkungen
- ↑ a b c Das Gebäude in der Jodenbreestraat 1 ist nach der Firma A. Gosler & Söhne, Eisen- und Metallhandel und Abbrucharbeiten, benannt, die sich hier befand. Abraham (Bram) Gosler, geboren im Jahr 1874 und im Kriegsjahr 1942 im Vernichtungslager Auschwitz getötet, leitete die Firma mit zweien seiner Söhne. Nachdem der größte Teil der Familie durch die Nationalsozialisten getötet worden war, stand das Gebäude jahrelang leer und verfiel. Seit dem Jahr 1973 als niederländisches Denkmal mit Nr. 2028 klassifiziert, wurde das kleine Haus ab dem Jahr 1979 wieder renoviert. Heute beherbergt es ein öffentliches Café mit Terrasse.
- ↑ Das Wort niederländisch Zee steht für Salzwasser-Meer (d. h. „die See“) in Deutsch.
- ↑ Das Wort niederländisch Meer steht für Süßwasser-See (d. h. „der See“) in Deutsch.
Einzelnachweise
- ↑ Gemeenteblad 2019, 316210. In: Gemeenteblad van Amsterdam. Gemeente Amsterdam, 24. Dezember 2019, abgerufen am 10. Januar 2026 (niederländisch).
- ↑ a b Bekende en onbekende namen van bruggen, sluizen. (PDF) In: Dienst Infrastructuur Verkeer en Vervoer. Gemeente Amsterdam, 11. November 2008, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 27. September 2013; abgerufen am 10. Januar 2026 (niederländisch).
- ↑ het Huisje van Gosler. In: joodsamsterdam.nl. Stichting Heimisj, 12. Mai 2020, abgerufen am 10. Januar 2026 (niederländisch).
- ↑ Abraham Gosler. In: Digitaal Joods Monument. Joods Cultureel Kwartie, 2013, abgerufen am 10. Januar 2026 (niederländisch).
- ↑ a b Amsterdam CS - Zeeburg. In: Over het waterschap. Waterschap Amstel, Gooi en Vecht, 2013, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 6. Dezember 2013; abgerufen am 10. Januar 2026 (niederländisch).
Koordinaten: 52° 22′ 10,52″ N, 4° 54′ 3,68″ O