Sinièse
| Sinièse Signèse; Bovèrèche (Oberlauf) | ||
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Kanal der Sinièse kurz vor der Mündung in die Rhone | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | CH: 4122 | |
| Lage | Berner Alpen
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| Flusssystem | Rhone | |
| Abfluss über | Rhone → Mittelmeer | |
| Quellhöhe | 2470 m ü. M. | |
| Mündung | in Siders in die RhoneKoordinaten: 46° 17′ 42″ N, 7° 33′ 14″ O; CH1903: 608871 / 127081 46° 17′ 42″ N, 7° 33′ 14″ O | |
| Mündungshöhe | 535 m ü. M. | |
| Höhenunterschied | 1935 m | |
| Sohlgefälle | 22 % | |
| Länge | 9 km | |
| Linke Nebenflüsse | Torrent de Tsaramelly, Planigette, Torrent de Clavio, Bisse de Pirralonze | |
| Rechte Nebenflüsse | Tsatelar, Bisse des Doudes, Torrent des Ziettes | |
| Gemeinden | Crans-Montana, Noble-Contrée, Siders | |
Die Sinièse – im Oberlauf Bovèrèche[1] – ist ein neun Kilometer langer rechter Nebenfluss der Rhone im Schweizer Kanton Wallis. Er entspringt im Hochgebirge der Berner Alpen und trägt in der Kulturlandschaft um Siders zur Flurbewässerung der Rebberge bei.
Geografie
Verlauf
Der Wildbach entspringt als Bovèrèche mit mehreren Quellbächen in einem Hochtal am Südhang der Berner Alpen, zwischen den Bergen Mont Bonvin, Sé Mort (dt. Tothorn) und Tubang, im Gebiet der Gemeinde Crans-Montana. In einem früheren, nicht genau bekannten Zeitraum diente der künstliche Kanal Torrent Aggiet dazu, Schmelzwasser vom Plaine-Morte-Gletscher aus dem Einzugsgebiet der Liène zum Quellgebiet der Bovèrèche hinüberzuleiten.[2] Der Bach fliesst steil, teilweise über Felsstufen, gegen Süden in das Tal zwischen den Alpweiden Alpage de Colombir und Alpage de Pépinet hinunter und erreicht knapp unter 2000 m die bewaldete Höhenstufe. Im Bergtal an der Bovèréche und auf den offenen Hängen der Alpweiden lässt das Skiresort Crans Montana für die Wintersaison jeweils Skipisten präparieren.[3] In der Sommersaison durchziehen mehrere Bergwanderwege, zum Beispiel die Wanderroute Sentier Panorama 4000,[4] das Gebiet der Bovèrèche und Sinièse.
Die Bezeichnung Bovèrèche ist ursprünglich ein Flurname, der eine besonders mit Ochsen bestossene Bergweide bezeichnet, und dann sekundär ein Gewässername.[5] Ein heute teilweise bewaldetes Alpgebiet nahe am Wildbach trägt noch den Lokalnamen Bovèrèche.
Auf 1760 m ü. M. wird der Bach vom Bewässerungskanal Bisse de Tsittoret und kurz danach von der Alpstrasse Route de Colombir gequert. Dem Oberlauf des Wildbachs folgte früher die Grenze zwischen den Gemeinden Mollens und Randogne, die 2016 in der neuen Gemeinde Crans-Montana aufgingen.
In einem engen Tobel wird der Bach auf 1506 m ü. M. von einer hohen Brücke der Route des Barzettes/Route de Crans-Montana überquert, die vom Ortsteil Barzettes in Crans-Montana zur Ferienstation Aminona führt. Das Fliessgewässer wird nun, vom ehemaligen Gemeindegebiet von Mollens an, Sinièse genannt; die ursprüngliche Bedeutung dieses Namens ist unbekannt.[6] In der steilen, bewaldeten Schlucht, die auch von Canyoningsportlern begangen wird,[7] überwindet der Wildbach mehrere hundert Meter Gefälle. Auf 1181 m ü. M. überquert ihn die Brücke der Route de l’Aminona. Oberhalb der Brücke zweigt die Wässerungsleitung Bisse du Varillon gegen rechts ab. Das Bachtobel fällt danach mit etwas geringerem Gefälle nach Südosten hinab, und in diesem Abschnitt nimmt die Sinièse von rechts den Bach Tsatelar auf. Am Rand des Gemeindegebiets von Noble-Contrée quert der Kanal Bisse Neuf oder Bisse de Planige, der aus der Raspille kommt und bis nach Venthône geführt ist, den Bachlauf und kann aus diesem zusätzlich gespeist werden.[8] Danach überquert die Strasse Route de Planige den Bach. Bei der Waldlichtung Pra du Pont münden von links der Wildbach Torrent de Tsaramelly und die Planigette in die Sinièse, und wenig später ebenfalls von links der Torrent de Clavio und von rechts der Torrent des Ziettes.
Der Bach verlässt zwischen den Ortschaften Venthône und Miège, die beide zur Gemeinde Noble-Contrée gehören, den Wald und fliesst, gefolgt vom Feldweg Chemin de la Signèse, durch das grosse Rebgebiet nördlich von Siders. Weite Teile der ehemaligen Weinbaulandschaft sind mit neueren Wohnsiedlungen überbaut. In Miège mündet der Wildbach Bisse de Pirralonze in die Sinièse, die von der Strasse Route de Sierre auf einem hohen Damm überquert wird.
Östlich von Veyras, wo der Kanal Bisse de Muzot gegen rechts abzweigt, fliesst der Bach weiter gegen Süden durch ein Tal, das er in die Ablagerungsmasse des prähistorischen Bergsturzes von Siders gegraben hat.[9][10][11][12] Er wird begleitet von der Strasse Route de la Signèse bis in das Stadtgebiet von Siders, das er auf der Höhe von 590 m ü. M. erreicht. Auf der Gemeindegrenze ist aus dem Bach gegen rechts der Kanal Bisse du Feu oder Bisse du Marché[13] und wenig später bei Siders die Bisse de Combette abgeleitet. An diesem Bachabschnitt standen beim Weiler Glarier früher eine Mühle und eine Walke. Der in der Westschweiz an mehreren Orten bekannte Flurname Glarier bezeichnet Stellen in der Landschaft, die von Flussgeschiebe an Wildbächen geprägt sind.[14]
Im nordöstlichen Stadtgebiet von Siders unterquert der Bach die Hauptstrasse 208 Route du Simplon und speist den streckenweise eingedolten Bewässerungskanal Bisse de Chétroz. Danach fliesst er über die von ihm selbst und von der Raspille mit Sedimenten geschaffene ausgedehnte Schwemmebene und unterquert dabei die Simplonbahn, die Hauptstrasse 9, die hier ebenfalls Route du Simplon genannt wird, die neue Kantonsstrasse Route de la Gemmi nach Leuk, den Feldweg Chemin de la Raspille und einen weiteren Weg. Dann mündet er zwischen zwei grossen Brücken auf 535 m ü. M. in die Rhone.
Bis im frühen 20. Jahrhundert floss die Sinièse nicht direkt in die Rhone, sondern mündete in der Auenlandschaft am Fluss in die Raspille, den bedeutenden Rhonezufluss an der traditionellen Sprachgrenze zwischen dem deutschsprachigen Oberwallis und dem französisch- (bzw. frankoprovenzalischsprachigen) Unterwallis. Bei einer Flur- und Gewässerkorrektion um 1920 wurde sie mit einem neuen Kanal unterhalb der Raspille direkt in die Rhone geleitet.
Das Mündungsgebiet der Sinièse liegt im Perimeter des Naturparks Pfyn-Finges.[15]
Die zukünftige Nutzung des Wassers aus dem Einzugsgebiet der Sinièse wurde auch im Forschungsprojekt MontanAqua als Teil des NFP 61 «Nachhaltige Wassernutzung» untersucht.[16]
Einzugsgebiet
Das Einzugsgebiet der Sinièse liegt
- im Norden neben dem vergletscherten Bergtal des Plaine-Morte-Gletschers und damit neben dem Flussgebiet der Simme
- im Osten neben jenem der Raspille
- im Westen neben den Einzugsgebieten der Liène, des Torrent du Bruhélan, des Torrent de la Vanire und der Monderèche und
- im Süden direkt neben dem Flussraum der Rhone.
Siehe auch
Literatur
- Mariano Bonriposi: Les usages de l’eau dans la région de Crans-Montana-Sierre: Description, quantification et prévisions. Dissertation Universität Lausanne. Lausanne 2013.
Weblinks
- Oberflächengewässer, Géoportail du canton du Valais
- Sinièse auf schweizerfluss.ch
- Sinièse in eLexikon
Einzelnachweise
- ↑ Schreibweise gemäss dem Geoportal des Kantons Wallis.
- ↑ Inventar. In: Die Suonen und Bissen des Wallis. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Karte der Skigebiete von Crans-Montana. (PDF) In: Crans Monatan absolutely. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Sentier Panorama 4000. In: SchweizMobil. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Bouverance […] Bovérèche, Bovèrèche […]. In: Noms de lieux de Suisse romande, Savoie et environs. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Sinièse. In: Noms de lieux de Suisse romande, Savoie et environs. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Sinièse, Boverèche. (PDF) In: Ropewiki. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Bisse de Planige. In: Bisses du Valais. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Dépôt d'écroulement de Sierre. In: Lithostratigraphisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Fritz Nussbaum: Die Bergsturzlandschaft von Siders, im Wallis. In: Actes de la Société helvetiques des Sciences naturelles. Band 122, 1942.
- ↑ Marcel Burri: La Géologie du Quaternaire aux environs de Sierre. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. Band 66, 1954–1957 S. 141–154.
- ↑ Marcel Burri: Géologie récente de Finges et de ses environs (VS) In: Bulletin de la Murithienne. Band 115, 1997, S. 5–27.
- ↑ Bisse du Marché. In: Les Bisses et Suonen du Valais. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Glarier in eLexikon.
- ↑ Naturpark Pfyn-Finges einzigartige Natur und Landschaft. In: Regionaler Naturpark Pfyn-Finges. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Rolf Weingartner (u. a.): MontanAqua: Wasserbewirtschaftung in Zeiten von Knappheit und globalem Wandel. Wasserbewirtschaftungsoptionen für die Region Crans-Montana-Sierre im Wallis. Forschungsbericht des Nationalen Forschungsprogramms NFP 61. Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Bern 2014.