Singer Gazelle Mark VII
| Singer | |
|---|---|
Singer Gazelle Mark VII (1968)
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| Gazelle | |
| Produktionszeitraum | 1967–1970 |
| Klasse | Mittelklasse |
| Karosserieversionen | Limousine |
| Motoren | Ottomotoren: 1,5–1,7 Liter |
| Länge | 4343 mm |
| Breite | 1600 mm |
| Höhe | 1422 mm |
| Radstand | 2500 mm |
| Leergewicht | 953 kg
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| Vorgängermodell | Singer Gazelle Mark VI |
Der Singer Gazelle Mark VII (alternativ: Singer New Gazelle) ist ein Mittelklassewagen des britischen Rootes-Konzerns, der von 1967 bis 1970 unter der Marke Singer verkauft wurde. Er ist die siebte und letzte Generation der Gazelle-Reihe. Der Gazelle Mark VII war ein geringfügig besser ausgestattetes Schwestermodell des ansonsten baugleichen Hillman Minx und gehört wie dieser zur Rootes-Arrow-Familie. Ein weiteres Schwestermodell ist der Singer Vogue Mark V, der teurer war als der Gazelle. Die Produktion des Gazelle endete mit der Einstellung der Marke Singer im Jahr 1970.
Entstehungsgeschichte
Die 1956 in den Rootes-Konzern integrierte Marke Singer stellte nach einer kurzen Übergangsphase mit eigenen Konstruktionen ihre Modellpalette schrittweise auf Rootes-Entwicklungen um, sodass die Singer-Autos ab der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre abgesehen von Design- und Ausstattungsdetails baugleich mit den Fahrzeugen der anderen Konzernmarken Hillman, Humber und Sunbeam waren. Singer war dabei in der Konzernhierarchie über der Marke Hillman, aber unterhalb der teuren Humber-Linie positioniert.[1]
Seit 1958 war Singer in der unteren Mittelklasse mit dem Gazelle, einem Mitglied der Rootes-Audax-Familie, vertreten, die mit nahezu jährlichen Detailänderungen in insgesamt sechs Serien gebaut wurde. Darüber rangierte der etwas größere Vogue mit abweichender Technik und eigenständigem Design. Gazelle und Vogue waren Mitte der 1960er-Jahre wahrnehmbar veraltet und wurden 1966 bzw. 1967 abgelöst. Für die Nachfolger der beiden Reihen gab es keine unterschiedlichen Konstruktionen mehr; stattdessen wurde die neu entwickelte Arrow-Familie herangezogen, deren Singer-Ableger sowohl den bisherigen Gazelle als auch den bisherigen Vogue ersetzen sollten. Formal blieben die Gazelle- und die Vogue-Reihe weiterhin bestehen; die neuen Gazelles und Vogues waren aber nun bloße Varianten einer einheitlichen Grundkonstruktion. Die Differenzierung erfolgte durch abweichende Motorisierungen, Innenausstattungen und Preisgestaltungen: Der Arrow-Gazelle war schwächer ausgestattet und preisgünstiger als der Arrow-Vogue. Ähnlich verfuhr der Konzern bei der Marke Hillman.[Anm. 1] Die Hillman- und die Singer-Varianten lagen hinsichtlich Technik und Preis „extrem dicht“ beieinander.[2]
Der neue Singer Gazelle, der als Mark VII geführt wurde, erschien im Januar 1967. Anfänglich war das Auto nur als Stufenhecklimousine mit Automatikgetriebe erhältlich; später kamen eine Schaltgetriebeversion und ein Kombi hinzu.[3] Die Produktion des Gazelle Mark VII endete ebenso wie die des Vogue im März 1970. Das Ende der beiden Modelle fiel zusammen mit der Einstellung der Marke Singer, die das Ergebnis von Rationalisierungsbemühungen des neuen Rootes-Eigentümers Chrysler war. Zusammen mit dem Gazelle und dem Vogue endete auch die Produktion des baugleichen Hillman Minx. Damit verblieben als Volumenmodell der Hillman Hunter, der bis dahin das Hillman-Pendant zum Singer Vogue gewesen war, und der Humber Sceptre Mark III als Spitzenmodell. Die Rolle des Einstiegsmodells in die Rootes-Arrow-Familie übernahm ab 1970 die neu geschaffene Variante Hunter Deluxe (alternativ: Hunter DL).
Modellbeschreibung
Aufbau
Der Singer Gazelle hat eine selbsttragende Karosserie aus gepresstem Stahlblech. Das Auto war als viertürige Stufenhecklimousine erhältlich; einen Kombi gab es – anders als beim Hillman Minx und beim Singer Vogue – nicht. Auch eine Coupéversion gab es bei Singer nicht; sie war der Schwestermarke Sunbeam vorbehalten.[Anm. 2]
Die Karosserie ist nahezu vollständig mit der des Singer Vogue Mark V identisch. Die auffälligsten Unterschiede zum Minx betreffen die Scheinwerfer, die beim Gazelle (wie auch beim Singer Vogue) rechteckig sind, während beim Minx runde Einzelscheinwerfer eingebaut wurden. Singer-spezifisch sind auch die Verkleidung der Kühlluftöffnung, die hier einen schildförmigen Aufsatz trägt, und die Schriftzüge an den Vordertüren.[4]
Fahrwerk
Die Vorderräder sind wie bei allen Arrow-Modellen einzeln an MacPherson-Federbeinen und Querlenkern mit Zugstreben aufgehängt, dazu gibt es einen Stabilisator. Die Hinterachse ist wie beim Vorgängermodell eine an Längsblattfedern aufgehängte Starrachse. Das Auto hat eine Kugelumlauflenkung. Vorn sind serienmäßig Scheiben- und hinten Trommelbremsen eingebaut.[5]
Antrieb und Kraftübertragung
Für den Singer Gazelle Mark VII standen zwei Motoren aus dem Rootes-Baukasten im Programm; welcher von ihnen konkret zum Einsatz kam, hing vom gewählten Getriebe ab. Hier gab es alternativ ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, das gegen Aufpreis mit einem Overdrive für den dritten und vierten Gang verbunden werden konnte, oder eine Dreigangautomatik von BorgWarner.
- Die serienmäßige Motorisierung des Gazelle mit Stufenheck war, sofern das Auto mit einem Schaltgetriebe ausgestattet war, ein Reihenvierzylindermotor mit 1496 cm³ (81,5 × 71,6 mm) Hubraum. Die Leistung wurde mit 55 PS (40 kW; 54 bhp) angegeben. Dieser Motor war im höherpreisigen Vogue nicht erhältlich, wohl aber im Hillman Minx und im Hillman Hunter.
- Die mit einem automatischen Getriebe ausgelieferten Stufenheck-Gazelles hatten dagegen werksseitig eine auf 1725 cm³ (81,5 × 82,55 mm) vergrößerte Version des Reihenvierzylindermotors, den es dem Grunde nach auch im Singer Vogue gab. Während aber die 1,7-Liter-Motoren im Vogue einen Leichtmetallzylinderkopf hatten, wurde im Gazelle eine ältere Variante mit einem Zylinderkopf aus Gusseisen eingebaut.[6] Die ältere Konstruktion des Gazelle kam auf eine Höchstleistung von 74 PS (55 kW; 73 bhp), während die jüngere Variante im Vogue sieben PS stärker war.[Anm. 3]
Preise
1967 betrug der Listenpreis für eine Singer Gazelle Mark VII Limousine mit Handschaltung 769 £. Im Vergleich dazu kostete der Singer Vogue 115 £ mehr, und der Humber Sceptre Mark III lag bei 1138 £.[6]
Produktion
Produktionsprozess
Die Rohkarosserien des Singer Gazelle wurden wie die aller Arrow-Varianten von 1966 bis 1968 bei dem Karosseriehersteller Pressed Steel Company in Cowley, Oxfordshire, gebaut und im Rootes-Werk in Ryton-on-Dunsmore bei Coventry komplettiert.[3] 1968 übernahm Rootes Pressings (Scotland) im schottischen Linwood die Fertigung der Rohkarosserien. Bis 1970 blieb die Endmontage noch in Ryton-on-Dunsmore, sodass die Rohkarosserien mit Güterzügen durchs Land transportiert werden mussten. Erst nach der Einstellung des Gazelle ging schließlich auch die Endfertigung aller Arrow-Modelle nach Schottland.[7]
Produktionsumfang
Die Informationen zum Produktionsumfang des Singer Gazelle Mark VII weichen stark voneinander ab. Während die Fachliteratur von einer Gesamtproduktion von 31.482 Gazelles ausgeht,[8] finden sich alternativ auch Angaben über 22.301[9] und 26.846 Fahrzeuge.[3]
Literatur
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
- Geoff Carverhill: The Rootes Story Vol. 2 - The Chrysler Years, Crowood Press 2023, ISBN 978-0-7198-4179-8.
- Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Bei Hillman ersetzte ein neuer, vom Arrow abgeleiteter Minx den bisherigen Audax-Minx, während das weitgehend baugleiche Modell Hunter an die Stelle des bisherigen Super Minx trat.
- ↑ Dort wurde das Coupé als Sunbeam Rapier mit stärkerer und als Sunbeam Alpine mit schwächerer Motorisierung verkauft.
- ↑ Die ältere und schwächere Motorversion war im Vogue zeitweise für die Kombiversion erhältlich, nicht aber für die Stufenhecklimousine.
Einzelnachweise
- ↑ Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 93.
- ↑ Keith Adams: Hillman Hunter (Rootes Arrow) development story. aronline.co.uk, 17. Dezember 2022, abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ a b c Nigel Hughes: The Singer Gazelle. Veröffentlichung des Singer Motor Club (PDF) (abgerufen am 14. Januar 2026).
- ↑ Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1903088296, S. 99.
- ↑ Neue Mittelwagen von Rootes. In: Kraftfahrzeugtechnik. 4/1967, S. 118.
- ↑ a b Heon Stevenson: British Car Advertising of the 1960s, McFarland Publishers, 2015, ISBN 9781476611303, S. 115.
- ↑ Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1903088296, S. 145.
- ↑ Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 100.
- ↑ Eintrag zum Singer Gazelle Mark VII auf classicandsportscar.com (abgerufen am 14. Januar 2026).