Siebel Flugzeugwerke

Siebel Flugzeugwerke KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 15.12.1937 SFW GmbH / 05.01.1938 SFW KG / 01.04.1940 SFW GmbH
Auflösung Oktober 1946
Auflösungsgrund Demontage des Werks und Verbringung der gesamten Belegschaft nach Dubna(-Podberesje) im Rahmen der Aktion Ossawakim
Sitz Halle (Saale), Deutschland
Leitung Friedrich Siebel (Generaldirektor)
Branche Flugzeughersteller

Das Siebel Flugzeugwerk Halle mit Werken in Halle (Saale) und Leipzig-Schkeuditz ging Ende 1937 aus der Flugzeugwerk Halle GmbH hervor und war in den 1930/40 Jahren ein bedeutender Luftfahrthersteller in der deutschen Rüstungsproduktion.

Unternehmensgeschichte

Vorgeschichte

Das Flugzeugwerk Halle entstand 1934 als Zweigwerk der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH in Halle a.d. Saale. Friedrich Siebel und Franz Walter erweiterten den ursprünglichen Sportflugzeugbetrieb bis 1937 zum industriellen Großserienbetrieb der deutschen Luftrüstung. Hanns Klemm zeigte kein Interesse am militärischen Flugzeugbau des Zweigwerks und veräußerte es Ende 1937 mit den Werksstandorten in Halle-Mötzlich und auf dem Flughafen Leiipzig-Schkeuditz an Friedrich Siebel.[1]

Siebel Flugzeugwerke SFW

Nach der wirtschaftlichen Übernahme der Flugzeugwerk Halle GmbH durch Friedrich Siebel erfolgte durch Gesellschafterbeschluss vom 15. Dezember 1937 zunächst die Umbenennung der Flugzeugwerk Halle GmbH in die Siebel Flugzeugwerk Halle GmbH[2]. Parallel zur Siebel Flugzeugwerk Halle GmbH gründete Friedrich Siebel am 5. Januar 1938 beim Amtsgericht Halle die Kommanditgesellschaft Siebel Flugzeugwerke Halle KG, in die das Vermögen der Siebel Flugzeugwerk Halle GmbH überführt wurde[3]. Die GmbH wurde noch im Januar 1938 aufgelöst.

Unter Friedrich Siebel erfolgte 1938/39 der weitere Ausbau des Werk I in Mötzlich zum industriellen Großserienbetrieb für Flugzeugbaugruppen, der den Siebel-Endmontagebetrieb in Schkeuditz oder auch andere Flugzeughersteller belieferte. Ende 1939 beschäftigte die Siebel Flugzeugwerk Halle KG etwa 5.800 Mitarbeiter in Halle und Schkeuditz.[4]

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs legte Friedrich Siebel 1940 die Geschäftsführung der Siebel Flugzeugwerk Halle KG nieder und wechselte als Luftwaffen-Angehöriger ins Reichsluftfahrtministerium zu Ernst Udet. Zuvor war am 30. März 1940 die Siebel Flugzeugwerke GmbH (SFW) gegründet worden, in die die Kommanditgesellschaft überführt wurde[5]. Als Geschäftsführer traten Franz Walter und Walter Seitz bis zum Ende des Kriegs auf.

Ab Sommer 1944 wurden in Halle Häftlinge aus Polen, Tschechien, UdSSR, Frankreich, Niederlanden und weiteren Nationen im KZ-Außenlager Birkhahn, einem Außenlager des KZ Buchenwald, zur Zwangsarbeit bei den Siebel-Werken eingesetzt. Am 7. Juli und 16. August 1944 sowie am 30. März 1945 erfolgten Luftangriffe der United States Army Air Forces auf das Werk, denen zahlreiche Zentralgebäude zum Opfer fielen.[6] SFW verzichtete auf die Verlagerung in einen Untertagebetrieb bei Angersdorf[7] und verlagerte Betriebsbereiche aus Werk I in umliegende Betriebe in Halle, sowie in sein Tochterunternehmen Annaburger Gerätebau GmbH in Annaburg[8] und zu tschechoslowakischen Lizenzbaubetrieben.

Am 18./19. April 1945 wurden die Siebelwerke in Halle und Schkeuditz durch amerikanische Truppen besetzt. Damit endete der serienmäßige Flugzeugbau in Halle. Beide Werke wurden am 2. Juli 1945 durch sowjetische Truppen übernommen.

OKB-2 Podberesje

Die sowjetische Militäradministration setzte mit dem in Halle verbliebenen Entwicklungspersonal den Bau des Raketenversuchsflugzeugs DFS 346 fort und richtete hierfür das Besondere Entwicklungs- und Konstruktionsbüro OKB-3 unter der Leitung von Heinz Roessing in Halle ein. Im Rahmen der Operation Ossawakim erfolgte am 22. Oktober 1946 die Zwangsverlagerung des OKB-3 einschließlich seiner Mitarbeiter und deren Familien in das Versuchsflugzeugwerk 1 in Podberesje bei Moskau, wo das Siebel-Personal im neu eingerichteten OKB-2 weiterhin unter Heinz Roessing bis in die 1950er Jahre an der Entwicklung von Raketenversuchs- und Raketenabfangjägern arbeitete.[9][10]

Nach der Räumung des Betriebsgeländes des SFW-Werks I in Mötzlich wurden die noch vorhandenen Betriebsgebäude bis 1948 demontiert oder gesprengt. Das Restvermögen der Siebel Flugzeugwerke GmbH wurde durch die Sowjets eingezogen. Das Unternehmen wurde aufgelöst. Am 29. Januar 1947 übergab die sowjetische Militäradministration das ehemalige Werksgelände an die Provinzverwaltung Sachsen, die in den wenigen noch erhaltenen Gebäuden später volkseigene Betriebe ansiedelte.

Maschinen- und Appartebau Schkeuditz (MAB)

Der ehemalige Endmontagebetrieb Werk III in Schkeuditz wurde von den Sowjets im November 1945 mit der Lufthansa-Werft Schkeuditz und der Flughafengesellschaft Halle/Leipzig in der Arbeitsgemeinschaft Flugzeugbau Schkeuditz zusammengefasst und zur Instandsetzung deutscher Beuteflugzeuge sowie sowjetischer Militärflugzeuge genutzt. Am 28. März 1946 wurde die Arbeitsgemeinschaft der Hauptverwaltung Nördlicher Seeweg in der Sowjetunion als sowjetischer Zweigbetrieb angegliedert, um die von den Westalliierten geforderte Demontage der Anlagen zu verhindern. Am 13. Mai 1947 übergab die sowjetische Militäradministration die Anlagen an die Provinzregierung Sachsen-Anhalt, die den Betrieb am 20. Juni 1947 in den Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz für die Fertigung industrieller Kälteanlagen umbenannten.[11]

Ab 1953 kehrten viele ehemalige Siebel-Mitarbeiter aus der Sowjetunion zurück, die teilweise bei den in Halle auf dem ehemaligen Siebel-Gelände ansässigen Betrieben oder beim MAB in Schkeuditz tätig wurden. Im Rahmen des Aufbaus einer DDR-Flugzeugindustrie wurde MAB im Mai 1955 als Werk 805 für Flugzeugreparaturen und Bodengeräte der Verwaltung für Industriebedarf zugeordnet. Die technische Leitung des Werks übernahm der ehemalige OKB-2-Leiter Heinz Roessing. Neben der Flugzeuginstandsetzung war MAB auch am Bau von Baugruppen für die Serienfertigung des VEB Flugzeugbau in Dresden beteiligt. Im Rahmen des Passgierdüsenjets Baade 152 entstanden im MAB verschiedene Versuchs- und Experimentalbauten. Darüber hinaus entstanden bei MAB eigene Kabinenentwicklungen sowie Ende der 1950er Jahre verschiedene Projektstudien zu künftigen DDR-Agrarflugzeugen.[4][11]

Mit dem Regierungsbeschluss zur Einstellung des DDR-Flugzeugbaus vom März 1961 fand der Flugzeugbau in Schkeuditz und damit die Geschichte des Siebel-Flugzeugbaus in Mitteldeutschland ihr endgültiges Ende. Der MAB Schkeuditz entwickelte sich in der DDR zu einem der führenden Betriebe im Bereich Klima- und Kältetechnik und deckte insbesondere im Waggonbau den Bedarf von Kälteanlagen für Kühltransportwagen in den RGW-Ländern. Teile des MAB Schkeuditz wurden nach der Wiedervereinigung privatisiert und sind heute noch in Schkeuditz ansässig.

Siebelwerke in Westdeutschland

Friedrich Wilhelm Siebel kehrte aus englischer Kriegsgefangenschaft nach Westdeutschland zurück. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Bernhard Weinhardt, dem er schon aus seiner Zeit in Halle verbunden war, gründete Friedrich Siebel im Jahre 1952 in München die Siebelwerke ATG GmbH (SIAT) als Nachfolgegesellschaft. Rechtlich bestanden keine Beziehungen zwischen den Siebel Flugzeugwerke in Halle und der SIAT in München bzw. später Donauwörth. Allerdings gründeten Siebel und Weinhardt die SIAT in Anlehnung an die Tradition ihrer früheren Werke in Halle und Leipzig. Viele ehemalige Siebel-Mitarbeiter aus Halle und Schkeuditz fanden bei der SIAT in Westdeutschland eine neue Tätigkeit.

FwH / SFW-Entwicklungen

Die Siebel Flugzeugwerke KG übernahm 1938 auch das Konstruktionsbüro der Flugzeugwerk Halle GmbH unter Friedrich Fecher, das Anfang 1936 als Konstruktionsbüro der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH von Böblingen nach Halle verlagert worden war. Das Konstruktionsbüro setzte im Flugzeugwerk Halle die bereits bei der Leichtflugzeugbau Klemm GmbH in Böblingen begonnenen Klemm-Entwicklungen des Aufklärers Klemm Kl 101, des Schulflugzeugs Klemm Kl 102 und des Kabinenreiseflugzeugs Klemm Kl 104 als FwH-Entwicklungen fort. Die Musterzulassung für die FwH Fh 104 wurde 1937 für das Flugzeugwerk Halle ausgestellt. Die Entwicklung der Kl 101 und Kl 102 wurde vom Reichsluftfahrtministerium 1936 zurückgezogen und durch eine überarbeitete Spezifikation als FwH Fh 201 und FwH Fh 202 ersetzt.[4][12]

Die Siebel Flugzeugwerke KG übernahm von der Flugzeugwerk Halle GmbH die Rechte an der FwH Fh 104 Entwicklung. Die im Flugzeugwerk Halle begonnenen, aber noch nicht abgeschlossenen Flugzeugentwicklungen FwH Fh 201 und FwH Fh 202 wurden nach Übergang in die Siebel Flugzeugwerke als Siebel Si 201 und Siebel Si 202 ab 1938 weitergeführt.

Friedrich Siebel nahm selbst nur wenig Einfluss auf die Arbeiten Friedrich Fechers. Nach der Übernahme der Flugzeugwerk Halle GmbH betrachtete Siebel den Serienbaubetrieb in Halle und Schkeuditz unabhängig von eigenen SFW-Entwicklungen als Lizenzbaubetrieb für Flugzeugmuster beliebiger Hersteller. Nach Abschluss der ursprünglichen Klemm-Entwicklungen übernahm das SFW-Konstruktionsbüro in Halle nach 1938 nur noch einen Entwicklungsauftrag für eine vergrößerte Version des Kabinenflugzeugs FwH Fh104, die bis 1943 als Siebel Si 204 zunächst als Zubringerverkehrsflugzeug für die Lufthansa und später als Schul- und Verbindungsflugzeug für die Luftwaffe entwickelt wurde. Die Siebel Si 204 blieb die einzige bei SFW beauftragte Flugzeugentwicklung.

Ab 1944 wurde das stark reduzierte Siebel-Konstruktionsbüro vom Reichsluftfahrtministerium in den Prototypenbau des Raketenversuchsflugzeugs DFS 346 der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) einbezogen. Der Entwurf der DFS 346 war in Ainring von Felix Kracht entstanden. Da die DFS über keine ausreichenden Kapazitäten verfügte, erfolgte der Prototypenbau ab Mitte 1944 im SFW-Prototypenbetrieb in Halle. Die Sowjets ließen die Entwicklung ab 1945 im OKB-3 in Halle und ab September 1946 im OKB-2 des Flugzeugwerk 1 in Podberesje durch das verbliebene Siebel-Personal unter Heinz Roessing weiterführen. Im OKB-2 entwarf der ehemalige Heinkel-Ingenieur Siegfried Günther bis Anfang der 50er Jahre zahlreiche Interceptor-Raketenflugzeuge (I-446, I-466, I-468, I-478) und unbemannte Raketenflugkörper (M-100), die allerdings nicht realisiert wurden.[9][4][13]

Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion wurde der technische Leiter Heinz Roessing 1955 mit einigen ehemaligen Siebel-Konstrukteuren zunächst im DDR-Segelflugzeugbetrieb Apparatebau Lommatzsch Werk 806 tätig, wo der Prototyp des Segelflugzeugs Lommatzsch Lom-55 Libelle und der Entwurf eines einmotorigen Schleppflugzeugs Lom-56 entstand. Ab 1956 war Roessing mit vielen ehemaligen OKB-2 Mitarbeitern beim Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz (MAB) Werk 805 tätig. Als Instandsetzungsbetrieb entstanden hier zunächst Modifikationsprogramme für die in Dresden in Lizenz nachgebauten Iljuschin Il-14-Flugzeuge. Im Rahmen der Passagierjet-Entwicklung Baade 152 entwickelte das MAB-Konstruktionsbüro verschiedene Versuchskonstruktionen für den Dresdener Flugzeugbau. Ende der 1950er Jahre beschäftigte sich Roessing mit der Auslegung von Agrarflugzeugen. Aus einer Reihe zahlreicher Studienprojekte war der Entwurf SP 043 Flora für einen Serienbau im Dresdener Flugzeugbau als FWD 157 vorgesehen. Mit der Einstellung des DDR-Flugzeugbaus endete im Frühjahr 1961 die Tradition der Siebel-Flugzeugentwicklungen in Mitteldeutschland.[11]

Viele ehemalige Siebel-Konstrukteure verließen den MAB und die DDR und fanden in Westdeutschland bei der von Friedrich Siebel neu gegründeten Siebelwerke ATG GmbH eine neue Tätigkeit.

FwH / SFW-Produktion

Ursprünglich war der Produktionsbetrieb der Flugzeugwerk Halle GmbH zur Aufnahme des vollständigen Klemm-Flugzeugbaus aus Böblingen vorgesehen. Während die veraltete Klemm L25 als Serienmuster in Böblingen auslaufen sollte, war die Produktionsaufnahme in Halle mit dem Nachfolgemuster Klemm Kl35 vorgesehen. Bis zur Serienreife der Klemm Kl 35 übernahm der Serienbaubetrieb in Halle 1934 zunächst die Lizenzfertigung kleinerer Flugzeuge anderer Hersteller. Mit der Ausbauplanung zum Bau mehrmotoriger Flugzeuge und der Produktionsaufteilung für zivile Flugzeuge in Böblingen und militärische Flugzeuge in Halle wurde der Bau kleinerer Ausbildungs- und Aufklärungsflugzeuge 1937 durch den Bau mehrmotoriger Bomber ersetzt. Neben der Fertigung vollständiger Flugzeuge wurde der Siebel-Produktionsbetrieb in Halle ab 1938 verstärkt in die Baugruppenfertigung der Junkerswerke einbezogen. Bis 1940 entstand in Halle ein weitgehend eigenständiger Betrieb zur Fertigung von Tragflächen für Bomber Junkers Ju 88, der die Ju-88-Endmontagebetriebe von Siebel in Schkeuditz, sowie der ATG in Leipzig-Mockau mit Tragflächen belieferte.

Der Serienbau eigener Siebel-Flugzeugmuster fand in Halle und Schkeuditz nur 1939/40 in geringen Stückzahlen statt. Sie wurden zugunsten der Bomberproduktion bei Siebel ersatzlos gestrichen. Auch von den in größeren Stückzahlen benötigten Siebel Si 204 wurden lediglich einige wenige Prototypen und Vorserienmaschinen im Prototypenbau in Halle gefertigt. Der Serienbau der Siebel Si 204 erfolgte ausschließlich bei Lizenzbauunternehmen in Frankreich und der Tschechoslowakei.[4]

KFH / FwH / SFW-Produktions-Standorte bis 1945

  • 1934–1935 Projektbüro, Halle, Rathausstraße
  • 1934–1946 Werk I, Halle a.d. Saale, Boelcke Straße 70
  • 1934–1946 Werk II, Halle a.d. Saale, Dessauer Straße 53 (Pianowerk Ritter)
  • 1937–1945 Werk III, Leipzig, Flughafen Schkeuditz
  • 1943–1945 Mitteldeutsche Holzbau GmbH, Halle, Boelcke Straße (SFW Tochterunternehmen)
  • 1944–1945 Auslagerungsbetrieb, Halle-Büschdorf, Fürst-Bismark-Straße
  • 1944–1945 Entwicklungsbüro, Dölauer Heide
  • 1944–1944 Untertageverlagerung Stollen „Saale“, Angersdorf (nicht realisiert)
  • 1944–1945 Annaburger Gerätebau GmbH, Annaburg, Torgauer Straße (SFW Tochterunternehmen)

SFW-Lizenzpartner

Für die Großserienfertigung der Siebel Si 204 richtete das Reichsluftfahrtministerium 1943 den Fertigungsring F7 mit den Siebel Flugzeugwerken als Ringführer ein. Die Siebel Flugzeugwerke erteilten im Rahmen dieses Fertigungsrings Nachbaulizenzen für die Siebel Si 204 an:

Die ursprünglich geplante Einbeziehung der MIAG in Braunschweig sowie der holländischen Fokkerwerke fand nicht statt.

Nach dem Krieg wurden die in Frankreich und der Tschechoslowakei verbliebenen Rechte der Siebel Flugzeugwerke von französischen und tschechoslowakischen Gerichten bzw. Dienststellen enteignet. In der Tschechoslowakei entstanden bis 1948 weitere 180 Si 204 unter der Bezeichnung Aero C-3 bzw. C-103. Bei SNCAC in Frankreich wurden etwa weitere 340 NC.701/702 bis Ende der 40er Jahre gefertigt.

Übersicht Siebel-Flugzeuge

Bezeichnung Beschreibung Zeitraum Stückzahl Bemerkungen
Siebel Si 201 Aufklärungsflugzeug 1937–1938 3 ursprünglich Klemm Kl101 und FwH Fh201

nur zwei Prototypen fertiggestellt

Siebel Si 202 Schulflugzeug 1938–1940 66
FwH Fh 104 Reiseflugzeug 1937–1941 ca. 60 ursprünglich Klemm Kl 104
Siebel Si 204 Verkehrs- und Schulflugzeug 1943–1945 SFW: 15 Prototypen

CKD/BMM: ca. 500 Aero: ca. 550 SNCAC; ca. 170

Serienbau ausschließlich in Nachbaubetrieben
SNCAC NC.701/702 Verbindungs- und Schulflugzeug 1944–1949 ca. 350 Si204-Nachkriegsproduktion in Frankreich
Aero C-3 / C-103 Verkehrs- und Mehrzweckflugzeug 1945–1948 ca. 180 Si204-Nachkriegsproduktion in ČSSR
Quelle: [4]

Übersicht Lizenzbauten in Halle a.d. Saale

Bezeichnung Beschreibung Zeitraum Stückzahl Bemerkungen
Focke-Wulf Fw 44 Schulflugzeug 1934–1937 350–515 Lizenzbau bei KFH und FwH in Halle
Heinkel He 46 Aufklärer 1935–1936 ca. 130 Lizenzbau bei KFH und FwH in Halle
Dornier Do 17-F/P/Z Bomber 1937–1939 ca. 172 Lizenzbau bei FwH und SFW in Halle / Schkeuditz
Junkers Ju 88-A1/A5/A4 Bomber 1940–1944 ca. 1.790 Lizenzbau bei SFW im Endmontagewerk Schkeuditz

+ ca. 3.200 Ju-88-Tragflächen bei SFW in Halle für Endmontagewerke SFW in Schkeuditz und ATG in Mockau

Junkers Ju 188-A2/A3/D2 Bomber 1943–1944 ca. 310 Lizenzbau bei SFW im Endmontagewerk Schkeuditz

+ ca. 600 Ju188-Tragflächen bei SFW und Ausweichbetrieben für Endmontagewerke SFW in Schkeuditz und ATG in Mockau

Junkers Ju 388-J1 Nachtjäger 1944–1945 (8–16 im Bau) Produktion angelaufen, vermutl. kein Flugzeug fertiggestellt
Focke-Wulf Ta 152-C Jagdflugzeug 1945–1945 im Bau Produktion angelaufen, kein Flugzeug fertiggestellt
DFS 346 Raketenversuchsflugzeug 1944–1951 3 Bau eines Prototypen in Halle Mötzlich

ab 1946 weitere zwei Prototypen in Podbersje, UdSSR

Quelle: [4]

Insgesamt entstanden im Flugzeugwerk Halle bzw. im Siebel Flugzeugwerk zwischen 1934 und 1945 etwa 3.000 Flugzeuge, davon nur etwa 150 Siebel-Flugzeugkonstruktionen. Weitere etwa 1.200 Siebel Si 204 wurden unter Leitung der Siebel Flugzeugwerke in Lizenzbetrieben gefertigt, sowie weitere etwa 520 Flugzeuge nach dem Krieg. Insgesamt dürften damit etwa 1.900 Siebel-Flugzeuge im Siebelwerk in Halle sowie in Lizenzbaubetrieben zwischen 1938 und 1949 entstanden sein.

Bauwerke in Halle

Die Bauten der Siebel-Flugzeugwerke in Halle entstanden nach Entwürfen des Architekten Lois Welzenbacher unter Mitarbeit von Karl Haas und Werner Buch. Nach der Demontage durch sowjetische Truppen wurden die Bauwerke 1947 fast vollständig gesprengt und abgetragen.

Stark verändert, aber gut erhalten, ist noch das ehemalige Siebel-Verwaltungsgebäude Dessauer Straße 70, das heute vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt genutzt wird. Das ehemals ein- bis zweistöckige Gebäude mit Flachdach wurde zu DDR-Zeiten erweitert, zu einer Ebene aufgestockt und mit einem Dachgeschoss versehen.[14]

Ein weiteres Relikt ist die Wartehalle an der Endhaltestelle der heutigen Linie 1 der Halleschen Straßenbahn.[15]

Literatur und Quellen

  • Paul Zöller: Siebel- und SIAT-Flugzeuge. Band I, 2025, ISBN 978-3-8192-7401-5.
  • Hans J. Ebert, Udo Mahn, Hans-Dieter Tack: Die Siebel-Flugzeugwerke Halle (1934–1946). Hrsg.: Interessengemeinschaft Luftfahrtgeschichte im Luftsportverband Sachsen-Anhalt u. a. (Schriftenreihe Luftfahrtgeschichte im Land Sachsen-Anhalt, Heft 9). Halle 2001, 96 S., ohne ISBN.
  • Hans-Dieter Tack: Die Siebel-Story. In: Fliegerrevue X. Nr. 88. ISSN 2195-1233, S. 16–35.
  • Hans-Dieter Tack: Das Erbe der Siebel-Flugzeugwerke. In: Fliegerrevue X. Nr. 89.
  • Albert Osterloh: Chronik Mötzlich 2012. Bearb. von E. Bein, H. Bringezu, G. Klein, O. Lilienthal, D. Lücke, A. Osterloh, A. Sames, H. Tauchnitz. epubli Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-2633-1.
  • Eva Maria Froschauer: Autonomie und Anpassung. Lois Welzenbacher in Halle. In: Bauwelt. Nr. 25, 1998, S. 1452–1457.
  • Interessengemeinschaft Luftfahrtgeschichte im Luftsportverband Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Dokumentation der 90-jährigen Geschichte der Luftfahrt und des Luftsports in der Region Halle (Saale), Halle 1997.
  • Ulrich Albrecht, Andreas Heinemann-Grüder, Arend Wellmann: Die Spezialisten: Deutsche Naturwissenschaftler und Techniker in der Sowjetunion nach 1945. Dietz, Berlin 1992, ISBN 3-320-01788-8.
  • Jürgen Michels, Sergej Kuwschinow, Wladimir Srelow, Juri Woronkow: Deutsche Flugzeugspezialisten im sowjetischen Rußland. Leben und Arbeit 1945–1954 an den Orten Podberesje, Sawjelowo, Tuschino, Chimki in der Moskauer Region. Moskau 1996.
  • Christoph Mick: Forschen für Stalin. Deutsche Fachleute in der sowjetischen Rüstungsindustrie 1945–1958 (Abhandlungen und Berichte des Deutschen Museums in München, Neue Folge, Bd. 14). Oldenbourg, München und Wien 2001, ISBN 3-486-29003-7.
  • Klaus H. A. Jacob: Kapitel Unser Leben in Russland. In: Bevor ich’s vergessen könnte. BoD 2014, ISBN 3-7322-2664-6.
  • Klaus Jacob: Eigene Erinnerung als Sohn des „Siebelaner“ Konstrukteurs Herbert Jacob (†).
Commons: Siebel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Paul Zöller: Klemm-Flugzeuge. Band I. Books on Demand, Norderstedt 2020, ISBN 978-3-7526-2580-6.
  2. Reichsanzeiger vom 3. Januar 1938
  3. Saale-Zeitung vom 25. Januar 1938
  4. a b c d e f g Paul Zöller: Siebel- und SIAT-Flugzeuge. Books on Demand, Hamburg 2025, ISBN 978-3-8192-7401-5.
  5. Saale-Zeitung vom 27. April 1940
  6. Albert Osterloh: Chronik Mötzlich 2012. epub, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-2633-1.
  7. Bundesarchiv Freiburg R 3101/31193
  8. Annaburger Ortschronisten: Geschichte Annaburgs und seiner Ortsteile. Abgerufen im Jahr 2024.
  9. a b Dimitri Sobojew: Deutsche Spuren in der sowjetischen Luftfahrtgeschichte. Mittler Verlag, 2000, ISBN 3-8132-0675-0.
  10. siehe auch: Südkurier vom 30. Dezember 1948 "Mit seidenen Ketten festgehalten"
  11. a b c Hans-Dieter Tack: Das Erbe der Siebel-Flugzeugwerke. In: Fliegerrevue. Nr. 89.
  12. Karl Kössler: Das Verbindungsflugzeug Siebel Si 201, ein zu radikaler Entwurf? Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Dt. Luftfahrthistorik. November 2019.
  13. Horst Lommel: Siebel / DFS 346. Das weltweit erste Überschallforschungsflugzeug. In: Luftfahrt History. Nr. 17. Lautec, Siegen.
  14. Ebert, Mahn, Tack, S. 20, 27/28 (vgl. Literatur)
  15. Brülls/Dietzsch: Architekturführer Halle an der Saale, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2000