Sichuan-Lerchensporn

Sichuan-Lerchensporn

Sichuan-Lerchensporn (Corydalis flexuosa)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Unterfamilie: Erdrauchgewächse (Fumarioideae)
Gattung: Lerchensporne (Corydalis)
Art: Sichuan-Lerchensporn
Wissenschaftlicher Name
Corydalis flexuosa
Franch.

Der Sichuan-Lerchensporn (Corydalis flexuosa),[1] auch Blauer Lerchensporn genannt,[2][3] ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lerchensporne (Corydalis) in der Unterfamilie der Erdrauchgewächse (Fumarioideae) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Er kommt nur in der chinesischen Provinz Sichuan vor und wird als Zierpflanze genutzt.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Sichuan-Lerchensporn eine mehrjährige, kahle, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 30 Zentimetern erreicht. Der horizontale Wurzelstock ist mehr oder weniger dicht mit fleischigen Schuppen und Brutzwiebeln bedeckt.[4][1]

Die grundständigen, gestielten, bis zu 9 Zentimeter langen und ebenso breiten, unterseits bereiften, oberseits grünen Laubblätter sind doppelt dreizählig oder gefiedert. Die Fiederblättchen sind tief eingeschnitten und haben schmal verkehrteiförmige, abgerundete Endabschnitte. Die dunkelgrün beblätterten, aufrechten, meist einfachen Stängel sind grünlich bis rötlich überlaufen.[2][5]

Generative Merkmale

Von April bis Mai erscheinen an den Stängeln endständige oder achselständige, 2,5 bis 4 Zentimeter lange, dichte, traubige Blütenstände mit 10 bis 20 schlanken, leuchtend wasserblauen Blüten.[1][4] Die Hochblätter sind variabel. Am unteren Stängel sind sie laubblattähnlich eingeschnitten, nach oben hin werden sie kleiner und sind schließlich ungeteilt, linearisch bis eiförmig und zugespitzt. Die weniger als 1 Millimeter langen, fast kreisförmigen Kelchblätter verwelken früh.[5][6]

Die gestielten, 25 bis 30 (selten bis 35 Millimeter) langen, duftenden Blüten sind meist nach unten geneigt und haben einen 13 bis 18 Millimeter langen, gebogenen Sporn. Der 6 Millimeter lange, schmal zylindrische Fruchtknoten entwickelt sich im Mai und Juni zu einer 15 bis 22 Millimeter langen Schote mit einer Reihe von 13 bis 17 glatten Samen, die etwa 1 Millimeter groß sind.[5][6]

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Sichuan-Lerchensporns liegt im westlichen Teil der chinesischen Provinz Sichuan.[7] Er besiedelt Lichtungen des zum Teil immergrünen Laubwaldes, grasbewachsene Hänge, Flussufer und offene Felshänge in feuchten Schluchten in Höhenlagen von 1300 bis 2700 Metern.[6][1]

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung von Corydalis flexuosa erfolgte im Jahr 1885 durch Adrien Franchet in Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire Naturelle, Reihe 2, Band 8, S. 197.[8][7] Das Artepitheton flexuosa bedeutet „zahlreich gebogen“ und bezieht sich hier auf die langen, meist mehrfach gebogenen Blütensporne. Von Corydalis flexuosa sind zwei Unterarten bekannt:[7]

  • Corydalis flexuosa subsp. flexuosa: Sie kommt in den Kreisen Baoxing, Tianquan und Wenchuan im zentralen Sichuan in Höhenlagen von 1300 bis 2700 Metern vor. Sie hat nur wenige grundständige, meist zweifach gefiederte Blätter mit länglichen bis lanzettlichen, stumpfen Abschnitten. Die Unterart ist in Bezug auf Wuchs und Standort sehr variabel. Es gibt auch eine Form mit vielen, sich leicht ablösenden Brutknospen in den Blattachseln kleiner Hüllblätter.[6]
  • Corydalis flexuosa subsp. pseudoheterocentra (Fedde) Lidén ex C.Y.Wu, H.Chuang & Z.Y.Su: Sie kommt im Kreis Wenchuan im zentralen Sichuan vor und besiedelt Berghänge in Höhenlagen um 1500 Metern. Ihre grundständigen Blätter sind stark geteilt und dreifach gefiedert.[6]

Verwendung

Der Sichuan-Lerchensporn wird gelegentlich als Zierpflanze genutzt. Der französische Lazaristenmissionar Jean Pierre Armand David sammelte und konservierte Exemplare dieser Pflanze im Jahr 1869 in Sichuan. Die Sorte ‘Père David’ ist nach ihm benannt. Weitere Pflanzenexemplare wurden 1986 von einem US-amerikanischen Gärtner im Wolong-Naturreservat gesammelt und unter dem Sortennamen ‘Blue Panda’ in die amerikanische und europäische Gartenkultur eingeführt.[5]

Der Sichuan-Lerchensporn bevorzugt feuchtkühle, halbschattige Standorte auf humusreichen, durchlässigen Böden, ist aber leicht zu kultivieren und zu vermehren.[4] Seine Blüten duften nach Duftender Platterbse.[5] In warmen, trockenen Sommern ziehen die Pflanzen nach der Blüte ein, sodass Lücken im Beet entstehen.[3] Der Sichuan-Lerchensporn bildet im Spätherbst neue Laubblätter und überwintert mit einer grünen Blattrosette, weshalb er im Winter etwas Schutz braucht.[9] Er gilt als winterhart bis −17 °C (Zone 7)[3] oder bis −23 °C (Zone 6). Das Laub sieht bei Frost aus wie gekocht, erholt sich bei mildem Wetter aber meist schnell wieder.[4]

Es gibt viele vegetativ vermehrte (geklonte) Sorten und Hybriden, darunter:

  • ‘Balang Mist’: Diese horstbildende Sorte hat graugrüne Blätter und abwärts gerichtete Blüten, die in der Knospe weiß, später blass-hellblau und an den Spitzen weiß gefärbt sind.[3]
  • ‘Blue Panda’: Diese horstbildende Sorte hat hell-graublaue, ungezeichnete Blätter und hellblaue Blüten mit gebogenem Sporn. Sie blüht bis September.[4] Sie wird über Gewebekultur vermehrt und oft angeboten, ist aber im mitteleuropäischen Klima nicht robust.[10]
  • ‘China Blue’: Diese ausläuferbildende, hohe, aber nicht sehr wüchsige Sorte hat Blättchen, die am Grund rot gefleckt sind und sich im Winter braungrün verfärben. Ihre grünblauen bis himmelblauen, großen Blüten färben sich bei kühlem Wetter violett.[3]
  • ‘Craighton Blue’. Diese robuste, vielblütige Hybride Corydalis elata × omeiana hat eisblaue, nach Jasmin duftende Blüten und rötliche Blütenstiele. Sie wächst horstig bis 30 Zentimeter Höhe und Breite.[10]
  • ‘Kingfisher’. Diese Hybride Corydalis elata × cashmeriana hat große, strahlend-blaue Blüten und wächst horstig kompakt bis 20 Zentimeter Höhe. Ihre Blütezeit reicht ungewöhnlich lang von März bis Oktober.[10]
  • ‘Père David’: Diese ausläuferbildende bildende, robuste, niedrige Sorte hat bläulich überlaufene Blätter, die entlang der Mittelader rot gesprenkelt sind. Ihre großen Blüten sind hell grünlich bis blau und erscheinen im Mai.[10]
  • ‘Purple Leaf’: Diese kompakte, durch kurze Ausläufer mattenbildende, niedrige Sorte hat rötlich überlaufene Blätter und Stängel. Sie zieht in heißen Sommern ein und treibt im September wieder aus. Ihre Blüten sind blauviolett und erscheinen im Herbst mitunter ein zweites Mal.[10]
  • ‘Rainier Blue’: Diese wüchsige und robuste Sorte bildet bis zu 40 Zentimeter hohe Stängel mit zahlreichen großen, strahlend hellblauen Blüten. Sie wächst kompakt mit kurzen Ausläufern und verträgt Sommerhitze relativ gut.[10]
  • ‘Spinners’: Diese Hybride Corydalis elata × flexuosa hat stahlblaue Blüten.[11]

Allerdings kreuzen sich Lerchenspornarten und ihre Sorten häufig spontan und säen sich selbst aus. Dies lässt sich auch im Gartenbau nicht immer kontrollieren, sodass im Handel oft Pflanzen unter falschen Namen angeboten werden.[5][3] Außerdem bezieht sich der Trivialname Blauer Lerchensporn nicht eindeutig auf den Sichuan-Lerchensporn, sondern wird auch für den Hohen Lerchensporn und den Blauen Himalaya-Lerchensporn verwendet.[11][2]

Literatur

  • Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 241–242.
  • Mark Tebbit, Magnus Lidén, Henrik Zetterlund: Bleeding Hearts, Corydalis, and their Relatives. Published in association with Brooklyn Botanic Garden. Timber Press, Portland, Oregon 2008, ISBN 978-088192-882-2, S. 133–135.
Commons: Sichuan-Lerchensporn (Corydalis flexuosa) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 171.
  2. a b c Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
  3. a b c d e f The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie Dorling Kindersley Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 138–139.
  4. a b c d e Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 1: A bis H. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 241–242.
  5. a b c d e f David Gardner: Corydalis flexuosa Papaveraceae. In: Curtis's Botanical Magazine. Band 15, Nr. 1. Bentham-Moxon Trust, März 1998, S. 12–19, doi:10.1111/1467-8748.00122 ([1]).
  6. a b c d e Mingli Zhang, Zhiyun Su & Magnus Lidén: Corydalis Candolle in Lamarck & Candolle. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-19-515208-5. Corydalis flexuosa Franchet. – textgleich online wie gedrucktes Werk.
  7. a b c Datenblatt Corydalis flexuosa Franch. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  8. Adrien Franchet: Plantae Davidianae ex Sinarum Imperio. In: G. Masson: Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire naturelle. Reihe 2, Band 8, Paris 1885, S. 197, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fpage%2F36875124~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  9. Piet Oudolf, Henk Gerritsen: Dream Plants for the Natural Garden. Frances Lincoln, London 2011, ISBN 978-0-7112-3462-8, S. 25.
  10. a b c d e f Mirko Bartel: Die blauen Corydalis: Gartenjuwelen aus Fernost. In: Gartenpraxis. Band 45, Nr. 9. Eugen Ulmer, September 2019, ISSN 0341-2105, S. 8–11.
  11. a b Corydalis elata / Blauer Lerchensporn bei galasearch.de.