Blauer Himalaya-Lerchensporn

Blauer Himalaya-Lerchensporn

Blauer Himalaya-Lerchensporn (Corydalis cashmeriana)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)
Unterfamilie: Erdrauchgewächse (Fumarioideae)
Gattung: Lerchensporne (Corydalis)
Art: Blauer Himalaya-Lerchensporn
Wissenschaftlicher Name
Corydalis cashmeriana
Royle

Der Blaue Himalaya-Lerchensporn (Corydalis cashmeriana),[1] auch Kaschmir-Lerchensporn und Blauer Lerchensporn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lerchensporne (Corydalis) in der Unterfamilie der Erdrauchgewächse (Fumarioideae) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Er kommt im Himalaya vor und wird selten als Zierpflanze genutzt.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Blaue Himalaya-Lerchensporn ist eine mehrjährige, kahle Krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Der Wurzelstock besteht aus fleischigen, schuppigen Niederblättern mit Achselbulben und rübchenförmigen, gebündelten Speicherwurzeln.[3][1]

Die grundständigen, lang gestielten, blass-blaugrünen Laubblätter sind dreifach dreizählig mit linealischen bis schmal verkehrteiförmigen, stumpfen Abschnitten. Die ein bis drei (selten vier) kurz gestielten oder sitzenden Stängelblätter haben drei gestielte, tief handförmig geschnittene Blättchen.[3][1]

Generative Merkmale

Von April bis Mai erscheinen an aufrechten, schmalen Stängeln dichte, traubige, 2 bis 5 Zentimeter lange Blütenstände. Diese besitzen 8 bis 12 Millimeter lange, laubblattähnliche Hochblätter und (selten nur zwei bis fünf) sechs bis acht achselständige, gestielte, 20 bis 28 Millimeter lange, strahlend blaue bis purpurblaue Blüten.[1]

Das obere Kronblatt ist schiffchenförmig mit stumpfem Ende. Der 6 bis 12 Millimeter lange, zylindrische oder sich leicht verjüngende Sporn ist leicht abwärts gekrümmt. Das untere Kronblatt besitzt einen rhombischen, 6 bis 7 Millimeter breiten Rand. Die Fruchtzeit erstreckt sich von Juni bis September. Die hängende, 10 bis 15 Millimeter lange, längliche bis ovale Schote enthält 10 bis 20 glatte Samen und springt explosionsartig auf.[4]

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl ist x = 8; es tritt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 auf.[5]

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet liegt im Himalaya von Kaschmir bis Nepal und Bhutan und im südlichen Tibet. Der Blaue Himalaya-Lerchensporn besiedelt das lichte Unterholz bewaldeter bis gebüschiger, steiniger Hänge in Höhenlagen von 2700 bis 5400 Metern.[4][1]

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung von Corydalis cashmeriana erfolgte im Jahr 1834 durch John Forbes Royle in Illustrations of the Botany and other branches of Natural History of the Himalayan Mountains, S. 69.[2][6] Das Artepitheton cashmeriana bedeutet „aus Kaschmir stammend“. Es sind zwei Varietäten bekannt:[6]

  • Corydalis cashmeriana var. cashmeriana: Sie ist im Gangdisê-Gebirge Südtibets, in Nordindien, Kaschmir und Westnepal auf Wiesen und Berghängen in alpinen Höhenlagen bis 5400 Metern verbreitet. Jeder Blütenstand hat drei bis acht Blüten.[4]
  • Corydalis cashmeriana var. longicalcarata (D.G.Long) R.C.Srivast.: Sie kommt im südlichen Tibet, Ostnepal, im indischen Bundesstaat Sikkim und in Bhutan in subalpinen Höhenlagen bis 3900 Metern vor. Jeder Blütenstand hat nur zwei Blüten.[4]

Verwendung

Der Blaue Himalaya-Lerchensporn wird selten als Zierpflanze kultiviert. Er ist empfindlich und wächst an warmen Standorten nicht optimal. Benötigt wird ein halbschattiger, luftfeuchter und kühler Standort auf einem kalkarmen, sauren, humusreichen und gut drainierten Boden. Geeignet sind beispielsweise Moorbeete und absonnige Steingärten. Der Blaue Himalaya-Lerchensporn kann direkt nach der Blüte oder beim zweiten Laubaustrieb Ende August durch Teilung vermehrt werden.[3][1] Er gilt als winterhart bis −28 °C (Zone 5). Die Sorte ‘Kailash’ bildet kompaktere Polster.[7]

Literatur

  • Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 240.
  • Mark Tebbit, Magnus Lidén, Henrik Zetterlund: Bleeding Hearts, Corydalis, and their Relatives. Published in association with Brooklyn Botanic Garden. Timber Press, Portland, Oregon 2008, ISBN 978-088192-882-2, S. 140–141.
Commons: Blauer Himalaya-Lerchensporn (Corydalis cashmeriana) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 171.
  2. a b John Forbes Royle: Illustrations of the Botany and other branches of Natural History of the Himalayan Mountains. Band 1 (Text), S. 69, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fpage%2F2912540~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D und Band 2 (Illustrationen), Tafel 16, Abbildung 1, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Farchive.org%2Fdetails%2Fmobot31753002075122%2Fpage%2F15%2Fmode%2F2up~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, London 1834.
  3. a b c Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 1: A bis H. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 240.
  4. a b c d Mingli Zhang, Zhiyun Su & Magnus Lidén: Corydalis Candolle in Lamarck & Candolle. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-19-515208-5. Corydalis cashmeriana Royle. – textgleich online wie gedrucktes Werk.
  5. Mark Tebbit, Magnus Lidén, Henrik Zetterlund: Bleeding Hearts, Corydalis, and their Relatives. Hrsg.: Brooklyn Botanic Garden. Timber Press, Portland, Oregon 2008, ISBN 978-0-88192-882-2, S. 140–141.
  6. a b Datenblatt Corydalis cashmeriana Royle bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  7. The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie Dorling Kindersley Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 138.