Shek Kip Mei
Shek Kip Mei ist ein Stadtviertel im heutigen Distrikt Sham Shui Po auf der Halbinsel Kowloon in Hongkong. Bekannt wurde es besonders durch die Squatter-Siedlung, die hier bis Mitte der 1950er Jahre existierte und in der am 25. Dezember 1953 der verheerende Großbrand ausbrach. Die damalige Siedlung war geprägt von provisorischen Holzhütten und diente als Heimat für zahlreiche Flüchtlinge vom chinesischen Festland, die infolge von Krieg und politischer Instabilität nach Hongkong flohen.
Historische Entwicklung
Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend weitgehend ländlich geprägt. Bei der Volkszählung 1911 hatte Shek Kip Mei 72 Einwohner.[1]
Mit dem schnellen Bevölkerungsanstieg nach 1945, hauptsächlich durch Migranten aus China, entstanden in Shek Kip Mei informelle Siedlungen,[2] sogenannte Squatter Areas, die fehlenden Wohnraum in Hongkong kompensieren sollten. Die Holzhütten waren dicht gedrängt, oftmals ohne formelle Infrastruktur, was hygienische und sicherheitstechnische Risiken mit sich brachte. Die Regierung hatte bis dahin wenig in den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum investiert und verfolgte eine Politik der Duldung, jedoch der Nichtanerkennung dieser illegalen Siedlungen. Die Lebensbedingungen waren einfach und geprägt von beengten Verhältnissen, unzureichenden sanitären Einrichtungen und einem hohen Risiko durch Krankheiten sowie Brände. Das Viertel war ein Symbol für die drängenden sozialen Herausforderungen einer schnell wachsenden Stadt mit einem Mangel an bezahlbarem, sicherem Wohnraum.[3][4][5]
Auswirkungen des Brands von 1953
Der Brand am 25. Dezember 1953 zerstörte große Teile der Siedlung und machte über 50.000 Menschen obdachlos. Die Regierung reagierte mit großem Engagement und begann, die Squatter-Gebiete zu räumen und durch mehrstöckige, feuerfeste Resettlement Estates zu ersetzen. An der Stelle der zerstörten Holzhütten entstand das Shek Kip Mei Estate, das erste öffentliche Wohnprojekt Hongkongs. Diese Umwandlung leitete eine neue Ära des sozialen Wohnungsbaus in Hongkong ein.[5]
21. Jahrhundert
Shek Kip Mei ist heute ein lebendiger Stadtteil mit gemischter Nutzung aus Wohnen, Handel und Industrie.[2] Teile des ursprünglichen öffentlichen Wohnungsbaus sind bis heute erhalten und werden als kulturelle und historische Stätten gepflegt,[6] darunter die Mei Ho House, eine ehemalige Resettlement-Siedlung, die heute als Jugendherberge und Museum dient.[7][8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hase, Patrick (1996). "Traditional Life in the New Territories: The Evidence of the 1911 and 1921 Censuses" (PDF). Journal of the Royal Asiatic Society Hong Kong Branch. 36: 83. ISSN 1991-7295.
- ↑ a b Neighbourhood Guide to Shek Kip Mei: A Trove of Pastel-Coloured Buildings. Abgerufen am 15. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Light and Shade: life passé in old estates - History of Estates. In: The Hong Kong Housing Authority. Abgerufen am 15. November 2025.
- ↑ Christopher DeWolf: Shek Kip Mei: a haven for refugees, and now for artists. In: South China Morning Post. 19. August 2015, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Christopher Dewolf: 70 Years Ago, Shek Kip Mei Burned – And a New Hong Kong Was Born. In: Zolima City Magazine. 21. Dezember 2023, abgerufen am 15. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Christopher DeWolf: Shek Kip Mei: a haven for refugees, and now for artists. In: South China Morning Post. 19. August 2015, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
- ↑ Candy Chan: Historic Shek Kip Mei Estate to open its doors to backpackers. In: South China Morning Post. 11. Oktober 2013, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
- ↑ Joyce Ng: Historic Shek Kip Mei Estate to open its doors to backpackers. In: South China Morning Post. 11. Oktober 2013, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
Koordinaten: 22° 20′ N, 114° 10′ O