Brandkatastrophe in Shek Kip Mei 1953
Die Brandkatastrophe in Shek Kip Mei, die sich am 25. Dezember 1953 ereignete, war eine der verheerendsten Katastrophen in der Geschichte Hongkongs. Der Brand zerstörte die Squatter-Siedlung Shek Kip Mei, hinterließ über 50.000 Menschen obdachlos und führte zu tiefgreifenden Veränderungen im Wohnungsbau Hongkongs. An diesem Abend begann eine Entwicklung, die das öffentliche Wohnungswesen in Hongkong grundlegend prägte.
Ausgangssituation
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung Hongkongs rasch von etwa 600.000 auf über 2 Millionen bis zu den frühen 1950ern, hauptsächlich durch Flüchtlinge, die vor dem chinesischen Bürgerkrieg aus Festlandchina flohen. Ohne ausreichenden legalen Wohnraum errichteten viele der Neuzugezogenen provisorische Behausungen in sogenannten Squatter Areas wie Shek Kip Mei im heutigen Distrikt Sham Shui Po auf der Halbinsel Kowloon. Diese Siedlungen bestanden größtenteils aus Holzhütten, die dicht aneinandergebaut und oft unzureichend mit sanitären Anlagen, Wasser und Brandschutz ausgestattet waren. Die Lebensbedingungen waren prekär und Feuer eine ständige Bedrohung, da Koch- und Beleuchtungsgeräte mit leicht entflammbaren Stoffen betrieben wurden und die beengte Bauweise ein schnelles Ausbreiten von Bränden förderte.[1] Bis Ende 1953 lebten schätzungsweise 300.000 Menschen in solchen Siedlungen in Hongkong, doch die Regierung war bisher zurückhaltend bei Eingriffen, da sie illegales Squatting nicht fördern wollte.[2]
Hergang des Brandes
Am Weihnachtsabend 1953 wurde in einem provisorischen Werkstattbereich Shek Kip Meis ein Eimer mit geschmolzenem Gummi versehentlich umgestoßen. Das heiße Material lief auf einen Petroleumherd und entfachte schnell ein Feuer. Der Brand breitete sich rasch aus, getragen von starkem Nachtwind, und erfasste innerhalb weniger Stunden rund 20 Hektar der Siedlung. Die meisten der Holzhütten verbrannten, was zwei Todesopfer forderte und über 53.000 Menschen auf einen Schlag obdachlos machte. Die Löscharbeiten dauerten bis zum frühen Morgen des Folgetages.[2][3]
Folgen für den Wohnungsbau in Hongkong
Die Katastrophe führte zu einer politischen Wende: Die koloniale Regierung sah sich gezwungen, den immensen Bedarf an sicherem und hygienischem Wohnraum unmittelbar anzugehen. Im April 1954 wurde das Resettlement Department gegründet, deren Aufgabe es war, die Umsiedlung der Opfer und die Beseitigung von Squatter Areas zu koordinieren.
Das erste große Wohnbauprojekt waren die sogenannten Mark I Blocks (Shek Kip Mei Estate),[1] die noch im selben Jahr errichtet wurden. Diese mehrstöckigen, feuerfesten Wohnungen waren zwar klein und hatten Gemeinschaftsküchen und -bäder, stellten aber einen großen Fortschritt gegenüber den vorherigen provisorischen Hütten dar. Gleichzeitig wurde die Hong Kong Housing Authority ins Leben gerufen, die später das öffentliche Wohnungsbauprogramm institutionalisierte. Die Resettlement-Blöcke, von denen zwischen 1954 und 1964 über 140 auf Hong Kong Island und Kowloon errichtet wurden, legten den Grundstein für das umfassende öffentliche Wohnungswesen in Hongkong, das bis heute Millionen Bewohnern erschwinglichen Wohnraum bietet.[2][4]
Literatur
- Alan Smart: The Shek Kip Mei Myth: Squatters, Fires and Colonial Rule in Hong Kong, 1950–1963. Hong Kong University Press, 2006.
- Pang-kwong Li: Governing Hong Kong: Insights from the British Declassified Files. Oxford University Press, 2012.
- Lok-sun Ho: The first step on the housing ladder: A natural experiment. In: Housing Studies. 2009.
- S. K. Johnson: Hong Kong's Resettled Squatters: A Statistical Analysis. Asian Survey, 1966.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Light and Shade: life passé in old estates - History of Estates. In: The Hong Kong Housing Authority. Abgerufen am 15. November 2025.
- ↑ a b c Nicholas Gao: Hong Kong’s 1953 Shek Kip Mei Disaster. In: Logic Lattice. 30. Mai 2025, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
- ↑ Christopher Dewolf: 70 Years Ago, Shek Kip Mei Burned – And a New Hong Kong Was Born. In: Zolima City Magazine. 21. Dezember 2023, abgerufen am 15. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Victoria Finlay: The 1953 Shekkipmei blaze forced the Government to finally address the housing. In: South China Morning Post. 7. November 1999, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).