Sheikh-Muftah-Kultur
Bei der Sheikh-Muftah-Kultur handelt es sich um eine vorgeschichtliche Kultur, die insbesondere aus der Dachla-Oase im heutigen Ägypten bekannt ist. Sie florierte vor allem im dritten Jahrtausend v. Chr., bevor die Oase von Ägypten erobert wurde. Benannt ist sie nach dem Fundort Ezbet Sheikh Muftah (südlich von Ismant el-Kharab, dem antiken Kellis), wo diese Kultur zuerst beobachtet wurde.[1]
Bei den Angehörigen der Sheikh-Muftah-Kultur handelte es sich wahrscheinlich um Nomaden. Es sind etwa hundert Fundplätze dieser Kultur bekannt. Einige Siedlungsstellen nördlich der altägyptischen Stadt Ayn Asil wurden gut erhalten gefunden und sind ausgegraben. Sie wurden von den Ausgräbern als Balat-Nord bezeichnet.[2]
Chronologie
Die Sheikh-Muftah-Kultur datiert im Wesentlichen ins dritte Jahrtausend v. Chr. Ihre Ursprünge reichen vielleicht schon ins vierte Jahrtausend zurück. Mit der Ankunft der Ägypter ab der 4. Dynastie lässt sich eine Assimilierung feststellen. Am Ende des dritten Jahrtausends v. Chr. ist diese Kultur dann vollständig verschwunden.[3]
Siedlungen
Bei den dokumentierten Siedlungsresten handelt es sich meist um runde Hütten oder einfache, offene Feuerstellen. Die Hütten sind einst aus leichtem Material errichtet worden. Innerhalb dieser Hütten fanden sich Feuerstellen. Pfostenlöcher deuten darauf hin, dass die Hütten überdacht waren.[4] Innerhalb der Siedlungen wurden einige menschliche Skelettreste gefunden: Die Reste einer Tot- oder Frühgeburt fanden sich in einem Gefäß, Knochen eines einzelnen rechten Armes in einer Grube. Reste eines Skelettes, vor allem Schädelreste, kamen bei einem Feuerplatz zu Tage.[5]
Funde
Das Fundgut besteht vor allem aus Steinwerkzeugen und Keramik. Die Keramik ist undekoriert und hat meist runde Böden. Es gibt auch ägyptische Importkeramik.[6] Die wenigen Metallobjekte sind wohl ägyptische Importe.[7] Zu den weiteren Funden gehören einfache Perlen aus Straußeneierschalen und solche aus Stein und Ton. Es fanden sich auch sogenannte Clayton-Scheiben und Fragmente von Clayton-Ringen. Bei den Scheiben handelt es sich um runde Tonscheiben mit einem Loch in der Mitte. Sie sind an zahlreichen Orten in der westlichen Wüste Ägyptens gefunden worden, ihre Funktion ist jedoch unbekannt.[8] Tierknochen stammen vor allem von Gazellen und Ziegen. Die Gazellen wurden wahrscheinlich gejagt und die Ziegen als Haustiere gehalten. Sie wurden überwiegend jung geschlachtet, was darauf hindeutet, dass sie wegen des Fleisches und nicht wegen der Milch gehalten wurden. Auffallend ist bei den untersuchten Fundstätten das Fehlen von Rinderknochen.[9]
Literatur
- Nevin W. S. Maarouf: Sheikh Muftah Culture: A transition between prehistoric and historical times in the Dakhla Oasis (Egypt). In: Journal of the Faculty of Archaeology. Band 26, 2023, S. 215–231 (online).
- Clara Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site (= Fouilles de l’Institut Français d’Archéologie Orientale. Band 86), Institut français d’archéologie orientale, Kairo 2021, ISBN 978-2-7247-0768-7.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Nevin W. S. Maarouf: Sheikh Muftah Culture: A transition between prehistoric and historical times in the Dakhla Oasis (Egypt). In: Journal of the Faculty of Archaeology. Band 26, 2023, S. 217.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 9–11.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 225–232.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 167–212.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 210–211.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 233–247 (Zusammenfassung der Keramikfunde; eine vollständige Publikation steht noch aus).
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 167–212.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 119–121.
- ↑ C. Jeuthe: Balat XII: the Sheikh Muftah site. Kairo 2021, S. 132–133.