Sebastian Bauer (Politiker, 1860–1930)

Sebastian Bauer (* 11. Juni 1860; † 12. Mai 1930) war langjähriger Bürgermeister der ehemals selbstständigen Münchner Gemeinde Perlach.[1][2]

Außerdem war er Besitzer und Wirt des Gasthofs Zum Bräu am Pfanzeltplatz 11, wo viele Gemeinderatssitzungen stattfanden.

Biographisches

Bezirksfeuerwehrvertreter

Im Jahr 1893 war er erster Bezirksfeuerwehrvertreter für ersteres der drei Gebiete in München: München I, München II und München (Stadt).[3] Bauer habe sich um das Löschwesen im Landkreis München verdient gemacht.[4]

Bürgermeisteramt

Nach Angaben von Ludwig Wolf (stadtgeschichte-muenchen.de) wurde Bauer am 1. Januar 1894 Perlacher Bürgermeister und blieb es zum 31. Dezember 1929. Demnach hatte er in Perlach nur zwei Vorgänger gehabt. Angesichts der Eingemeindung von Perlach zum 1. Januar 1930 nach München war Bauer auch der letzte Bürgermeister in Perlach überhaupt.[5]

Einweihung der Mädchenschule am Pfanzeltplatz

In seine Amtszeit fand die Grundsteinlegung und Einweihung der Perlacher Mädchenschule statt. Er nannte sie in seiner „Festansprache“ zur Einweihung im Oktober 1910 „die schönste weit und breit“.[2][6]

Vernehmung anlässlich der später erschossenen Perlacher Bürger

Im September 1920 berichtete Bauer, kurz beschrieben als „60 Jahre alt, verheiratet, Gastwirt und Bürgermeister in Perlach“,[7.1] als Augenzeuge von den Ereignissen am 4. Mai 1919 um die 12 Perlacher Bürger, die gleichentags und tags darauf im Hofbräukeller durch Freikorpsangehörige erschossen wurden. Bauer war, seinem Bericht zufolge, am 4. Mai vom führenden Offizier einer Gruppe von Regierungstruppen teilweise verdächtigt („Anscheinend hatte er auch gegen mich einigen Verdacht“)[7] und mit Androhung auf Festnahme zu den Wohnorten der noch nicht verhafteten 9 Personen aus Perlach befragt worden. Bauer berichtete auch von deren Verhaftungen noch am selben Abend in ihren Wohnungen.[7.2]

Familiäres und Begräbnisstätte

Sebastian Bauer war verheiratet mit Anna (* 3. Mai 1867; † 30. Juni 1939) und hatte mindestens zwei Kinder und einen Enkel Sebastian Bauer (* 14. Juli 1925; † 9. März 1955). Er starb am 12. Mai 1930 und wurde am Perlacher Friedhof begraben.[1]

Sebastian-Bauer-Straße

Am 14. August 1930 wurde die damalige Perlacher Prinz-Luitpold-Straße in Sebastian-Bauer-Straße umbenannt.[2]

Einzelnachweise

  1. a b Grab - Sebastian Bauer. Abgerufen am 19. Oktober 2025.
  2. a b c Gerhard Willhalm: Sebastian-Bauer-Straße in München – Geschichte & Architektur. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  3. Zeitung für Feuerlöschwesen: Heimatorgan der bayerischen freiwilligen Feuerwehren. 1893. Jung, 1893 (google.de [abgerufen am 13. Oktober 2025]).
  4. Gerhard Willhalm: Münchner Stadtgeschichte - Das Stadtportal zur Geschichte Münchens. Abgerufen am 13. Oktober 2025.
  5. Ludwig Wolf: Sebastian-Bauer-Straße. In: Münchner Straßenverzeichnis. stadtgeschichtemuenchen, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  6. Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 47 (musin.de [PDF]).
  7. Friedrich Hitzer: Der Mord im Hofbräuhaus: Unbekanntes und Vergessenes aus der Baierischen Räterepublik. Röderberg-Verlag, 1981, ISBN 978-3-87682-731-5, S. 212 (google.de [abgerufen am 17. Oktober 2025]).
    1. S. 212
    2. S. 212 f