Grundschule am Pfanzeltplatz
| Grundschule am Pfanzeltplatz | |
|---|---|
| Frühere Mädchenschule mit noch erhaltenem Schriftzug „Mädchen-Schule“ über dem Eingang | |
| Schulform | Grundschule |
| Schulnummer | 2234 |
| Gründung | 1875 (Knabenschule) 1910 (Mädchenschule) |
| Adresse | Pfanzeltplatz 10 81737 München |
| Land | Bayern |
| Staat | Deutschland |
| Träger | Stadt München |
| Schüler | 498 (Schuljahr 2024/2025)[1] |
| Lehrkräfte | 30 hauptamtliche (Schuljahr 2024/2025)[1] |
| Leitung | Silke Oswald |
| Website | gspfanzelt.musin.de |
Die Grundschule am Pfanzeltplatz ist eine Schule in München-Perlach. Sie besteht aus drei Gebäuden rund um den Pfanzeltplatz, von denen eines die frühere Mädchenschule ist. Sie wurde im Jahr 1910 erbaut und am 31. Oktober 1910 eröffnet.[2][3][4] Besonderen Anteil am Bau der Mädchenschule hatte Martin Pfanzelt.
Geschichte
Vorgeschichte
Unweit der heutigen Grundschule stand bereits im Jahr 1653 die am frühesten nachweisbare Gemeinschaftsschule („Gmainschulhäusl“),[5] ungefähr an der Stelle des heutigen Brunnens am Pfanzeltplatz, angebaut an das „Badhäusl“.[5] Im Jahr 1786 lieh die Wallfahrtskirche Ramersdorf zu unserer lieben Frau Maria, die damals Filialkirche Perlachs war, einem Lehrer Huber „mit hochedler Genehmigung“[5] 300 Gulden, um das noch einfache Schulhaus zu erweitern bzw. renovieren.[5]
Es findet sich ein Bericht aus dem Jahr 1723 über ein weiteres Schulhaus in Gestalt der Klause bei der 2 Kilometer entfernten Wallfahrtskirche Ramersdorf, worin 5 Kinder vom Klausner unterrichtet wurden. Ein älterer Bericht beschreibt, dass die Eremiten der Wallfahrtskirche durch die kleine Schule „in Gebet, geistlicher Lesung und Betrachtung“[5] eingeschränkt wurden. Um das Jahr 1804 besuchten Kinder aus Perlach, Ramersdorf, Giesing, Haidhausen und weiteren umliegenden Orten besuchten die Schule der Eremiten der Wallfahrtskirche St. Maria.[5]
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besuchten knapp 100 Schüler und Schülerinnen beide Schulen, darunter einige wenige nach 1817 zugezogene Protestanten. Letztere erhielten im Jahr 1839 ein protestantisches Schulhaus an der heutigen Sebastian-Bauer-Straße.[5]
Knabenschule (Pfanzeltplatz 10)
Im Jahr 1875 begann der Unterricht im seit dem Jahr 1874 im Bau befindlichen[6] Knabenschulhaus am damaligen Kirchenplatz, heute Pfanzeltplatz 10, mit noch notdürftigen Standards.[7] In den 1890er Jahren stieg die Schüleranzahl in sieben Jahrgängen auf fast 200 Schüler, die sich in zwei Säle drängen mussten. Im Zeitalter der Industrialisierung hatten einige Münchner günstige Wohnungen auf dem Land gesucht. Am 23. Oktober konnte ein Ausbau der Schule vollendet werden, der jedoch nur zeitweise ausreichte, sodass sich Lokalschulinspektor Martin Pfanzelt im Umland nach Lösungen erkundigte. Der Hohenbrunner Pfarrer empfahl ihm, sich an das königliche Bezirksamt zu wenden, um ein Mädchenschulhaus errichten zu lassen, der Unterricht solle von den Armen Schulschwestern gehalten werden. Letztere konnten aber keine geeignete Lehrkraft bereitstellen.[8]
Martin Pfanzelt selbst stellte dann 30.000 Mark zur Verfügung, die Gemeinde Perlach einigte sich am 1. Oktober 1908 mit der Generaloberin der Dillinger Franziskanerinnen. Vier „Lehrschwestern“ sollten zu je 600 Mark pro Jahr unterrichten, die Räume sollten klösterlich gehalten sein.[8]
Mädchenschule
| Adresse der Mädchenschule[9] | |
|---|---|
| Zeitraum | Adresse |
| 1910 bis 1929 | Schulstraße 7 |
| 1930–1936 | Klosterstraße 7 |
| 1936 bis 1954 | Karl-von-Linde-Straße 7 |
| 1954 bis 1974 | Böglstraße 7 |
| ab 1975 | Pfanzeltplatz 5a |
Am 31. Oktober 1910, nach einem feierlichen Gottesdienst, wurde nach 2 Jahren Bauzeit die Schule an der Schulstraße 7[6] den Dillinger Franziskanerinnen übergeben. Bürgermeister Sebastian Bauer lobte das Gebäude als „das schönste weit und breit“,[8] auch Pfanzelt zeigte sich beeindruckt. Auch eine „‚Kinderbewahr und Suppenanstalt‘ für bedürftige, nicht schulpflichtige Kinder“[6] war verwirklicht worden.[6] Die erste Schulleiterin wurde die Oberin Schwester Huberta.[8]
Im Jahr 1853 hatte das Königreich Bayern die Dauer der Schulpflicht von 6 auf 7 Jahre erhöht, Georg Kerschensteiner setzte im Jahr 1903 einen weiteren Jahrgang durch, der von den Perlacher Mädchen zunächst nur teilweise freiwillig genutzt wurde. Im Jahr 1932 aber betraf es alle Mädchen der Perlacher Mädchenschule.[8]
1929 wurde in den Verhandlungen zur im Jahr danach erfolgten Eingemeindung von Perlach nach München die Beibehaltung der klösterlichen Lehrkräfte und der Kinderanstalt gefordert. Die daraufhin erhalten gebliebenen Dillinger Franziskanerinnen erklärten sich im Gegensatz zur Stadt München im Jahr 1931 bereit, auch die Kinderanstalt zu übernehmen.[6]
Vereinigung der evangelischen, der Mädchen- und Knabenschule
Im Jahr 1937 wurden Gemeinschaftsschulen verpflichtend, und im weiteren Verlauf die evangelische Schule, die Knabenschule am Pfanzeltplatz und die Mädchenschule vereinigt. Der neue Oberlehrer war Hetzel.[8] Noch im Jahr vor Kriegsbeginn wurden die Schülerinnen und Schüler in „Luftschutz“ ausgebildet, in der Woche vor dem Russlandfeldzug wurden alle Kreuze aus allen Schulen entfernt und das Schulgebet abgeschafft.[10] Die Schulstraße war inzwischen in Karl-von-Linde-Straße umbenannt worden. Am 26. August 1937 begann Schwester Adelmunda als Lehrkraft an der Mädchenschule.[6]
Kriegs- und Nachkriegsentwicklung
Am 31. Juli 1944 wurde die Knabenschule am Pfanzeltplatz durch einen Bombentreffer vollends zerstört, Unterricht fand in den Jahren 1944 bis 1945 ohnehin nicht statt.[11]
Nach Kriegsende erteilte die amerikanische Militärregierung den vier Schulschwestern und Herrn Scheller die Lehrerlaubnis, Scheller war im Jahr 1948 bereits Rektor. Es standen der Mädchenschule nur 4 Räume zur Verfügung. Auch englische Sprache wurde unterrichtet. Mithilfe von Schülereltern und Schülern aus den oberen Klassen wurde das Knabenschulhaus am Pfanzeltplatz bis 1951 wieder aufgebaut.[11]
Umwandlung in Grundschulen
Am 16. April 1969 verließen mitten im Schuljahr 116 Kinder das Schulgebäude in Richtung Albert-Schweitzer-Straße, was Schwester Adelmunda beklagte. Aus den beiden Perlacher Schulhäusern wurden Grundschulen für die ersten vier Jahrgänge.[11]
Die Leitung der Knabengrundschule am Pfanzeltplatz übernahm im Jahr 1971 Adolf Hackenberg. 1973 übergab Schwester Adelmunda Brandl in Anwesenheit von Oberschulrätin Wilhelm dem Leiter der Grundschule am Pfanzeltplatz die Schlüssel zum Mädchenschulhaus.[12] Die ursprüngliche Schulstraße lautete inzwischen Böglstraße, die Adresse der Mädchenschule heute aber Pfanzeltplatz 5a.[6] Im Jahr 1989 wurde auch Ordensschwester Carla Mair abberufen.[12]
Renovierungen und Neubau
Im Jahr 2004 wurden die zwei Schulhäuser im Rahmen des Denkmalschutzes renoviert,[12] im Jahr 2016–2018 ein weiteres, ebenfalls am Pfanzeltplatz, erbaut.[4]
Weblinks
- Perlach · Insel der Glückseligen in Wochenanzeiger vom 29. Juni 2010
- 46 Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz 10
- Die Mädchenschule an der Schul-, Kloster-, Karl-von-Linde- und Böglstraße
- Gemeindliche Armenfürsorge in Perlach
Einzelnachweise
- ↑ a b Grundschule München Pfanzeltplatz 10 in der Schuldatenbank des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Landeshauptstadt München Stadtverwaltung: Grundschule Pfanzeltplatz Haus 10b. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ Landeshauptstadt München Stadtverwaltung: Grundschule Pfanzeltplatz 10. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ a b Landeshauptstadt München Stadtverwaltung: Grundschule Pfanzeltplatz Haus 10a. Abgerufen am 12. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e f g Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 46 (musin.de [PDF]).
- ↑ a b c d e f g Perlacher Straßennamen: Die Mädchenschule an der Schul-, Kloster-, Karl-von-Linde- und Böglstraße. Die Perlacher Mädchenschule an der Schul-, Kloster-, Karl-von-Linde- und Böglstraße, S. 2 (hachinger-bach.de [PDF]).
- ↑ Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 46–47 (musin.de [PDF]).
- ↑ a b c d e f Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 47 (musin.de [PDF]).
- ↑ Leopold Auburger: Der Nachlass von Johann Baptist Bögl, Pfarrer von St. Michael Perlach 1940-1950, im Archiv des Erzbistums München und Freising. In: Osterpfarrbrief 2012, Pfarrei St. Michael mit St. Georg Unterbiberg, S. 6-9. Johann Baptist Bögl, Pfarrer von St. Michael Perlach 1940-1950, S. 2 (hachinger-bach.de [PDF]).
- ↑ Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 47–48 (musin.de [PDF]).
- ↑ a b c Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 48 (musin.de [PDF]).
- ↑ a b c Zur Geschichte der Grundschule am Pfanzeltplatz. S. 49 (musin.de [PDF]).
Koordinaten: 48° 6′ 2″ N, 11° 37′ 54,9″ O