Schwarzkopfvireo

Schwarzkopfvireo

Schwarzkopfvireo

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Eigentliche Vireos (Vireo)
Art: Schwarzkopfvireo
Wissenschaftlicher Name
Vireo atricapilla
Woodhouse, 1852

Der Schwarzkopfvireo (Vireo atricapilla) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]

Der Vogel kommt in den USA und in Mexiko vor.

Von einigen Autoren wird die Art als konspezifisch mit dem Zwergvireo (Vireo nelsoni) angesehen.[3][4]

Der Lebensraum umfasst niedriges Gestrüpp, Laubbäume, Dickicht, relativ offene Flächen, bevorzugt in kürzlich niedergebrannten Arealen. Die Art brütet von Kansas bis Coahuila und überwintert in Mexiko im Bundesstaat Guerrero.[5]

Der Artzusatz kommt von lateinisch ater ‚schwarz‘ und lateinisch capillus ‚Kopfhaar‘.[6]

Merkmale

Der Schwarzkopfvireo ist der einzige Vertreter der Gattung mit deutlichem Sexualdimorphismus, als weitere Besonderheit entwickeln die Männchen ihr typisches Federkleid erst im zweiten Lebensjahr (Delayed plumage maturation)[7], vorher haben sie eine graue Kopfkappe.

Die Art ist 11–12 cm groß und wiegt 8–10 g. Das Männchen ist an der Oberseite überwiegend olivgrün, an der Unterseite weiß mit leicht graugrünen bis gelblich grünen oder gelben Flanken. Der Kopf ist schwarz mit auffallenden brillenartigen weißen, breiten, über dem Auge durch schwarze Brücke unterbrochenen Augenringen, die über dem Schnabel stegartig beide Seiten verbinden. Die Flügel sind mit Ausnahme der Schultern dunkel olivfarben bis schwärzlich und tragen zwei deutliche blassgelbe Flügelbinden. In der ersten Brutsaison haben die Männchen noch eine graue Kopfkappe, in der zweiten oft noch Grau an hinteren Teilen der Kopfkappe und graue Flecken im Schwarz. Weibchen sind etwas matter gefärbt, tragen eine graue Kopfkappe und haben mitunter im Augenring etwas Schwarz. Die Iris ist bräunlich rot bis rot, die Beine bleigrau.

Jungvögel sind im ersten Winterkleid den Weibchen ähnlich, die Iris ist aber dunkelbraun und nicht rötlich. Es gibt eine hellere Morphe mit weißer Kehlen und weißen „Brillen“, wahrscheinlich männliche Vögel sowie eine stumpfere Morphe mit beiger „Brille“ und Unterseite, wohl Weibchen.

Die schwarze oder graue Kopfkappe und die rötlichen Augen unterscheiden die Art sowohl vom ähnlichen Zwergvireo (Vireo nelsoni) an der Pazifikseite Mexikos, bei dem die Kopfkappe und die Augenringe weniger stark abgesetzt sind, als auch vom wesentlich größeren Graukopfvireo, früher Blaukopfvireo (Vireo solitarius), der schmalere und vor dem Auge unterbrochene „Brillen“ aufweist. Der Huttonvireo (Vireo huttoni) kann vom jugendlichen Männchen des Schwarzkopfvireos durch die gleichförmig graugrüne Kopfkappe, die weniger deutlichen Augenringe, die matt olivfarbene Kehle, den blassen Unterschnabel und das allgemein weniger attraktive Aussehen unterschieden werden.[5]

Geografische Variation

Die Art ist monotypisch.[1][5][8][9]

Es wurden Hybride zwischen dem Schwarzkopfvireo und dem Weißaugenvireo (Vireo griseus) Vireo atricapilla x griseus nachgewiesen.

Stimme

Lautäußerungen bilden ein reichhaltiges Repertoire mit beträchtlicher Variation zwischen den Individuen und verschiedenen Verbreitungsgebieten. Laute Gesänge zur Revierverteidigung und Werbung bestehen typischerweise aus gerne auch öfter wiederholten Phrasen von 2 bis 4 Lauten, jeweils abgesetzt durch 1 bis 3 Sekunden lange Pausen. Einzelne Phrasen können in unterschiedlicher Tonhöhe wiederholt werden. Von J. C. Barlow wurden wechselnde Phrasen als „drink yur teeee“ und „and you choke“ beschrieben.[10][5]

Lebensweise

Die Art ist ein Zugvogel, zieht weitgehend nachts, verlässt das Brutgebiet vollständig überwiegend zwischen August und September und kehrt Ende März nach Texas und im April nach Oklahoma zurück. Der Vogel springt und flattert meist zwischen den Zweigen auf der Nahrungssuche, am Boden ist er selten anzutreffen. Die Nahrung besteht unter anderem aus Insektenlarven, im Winter kommt pflanzliches Material, meist Pflanzensamen hinzu. Die Paarfindung erfolgt gleich nach Ankunft der Weibchen im Brutgebiet. Das Nest wird an einen kleinen Ast, gern an eine Astgabel gehängt in 0,5 bis 2 m Höhe. Das erste Gelege besteht in der Regel aus 4 Eiern, später werden 3 bis 4 Eier gelegt. Hauptsächliche Nesträuber sind Schlangen und Blauraben (Cyanocorax), seltener auch Säugetiere, gelegentlich Ameisen.[5]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als potentiell gefährdet (Near Threatened) durch Parasitismus meist durch den Braunkopf-Kuhstärling (Molothrus ater) und durch Habitatverlust.[11]

Literatur

  • S. W. Woodhouse: Vireo atricapilla. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, Band 6, S. 60, 1852, Biodiversity Library
  • D. Lerma-Quiroga, I. Ruvalcaba-Ortega, J. I. González-Rojas et al.: Nesting behavior of the black-capped vireo (vireo atricapilla) from a newly discovered breeding population in southeastern coahuila, Mexico. In: Southwestern naturalist, Band 64, Heft 2, S. 131–149, 2019, ISSN 0038-4909
  • L. Walker und J Marzluff: Simultaneous polygyny by a male Black-capped Vireo ( Vireo atricapilla ) in central Texas. In: The Wilson Journal of Ornithology, Band 129, S. 212–215, 2017, DOI:10.1676/1559-4491-129.1.212.
Commons: Schwarzkopfvireo – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Schwarzkopfvireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  2. P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  3. A. R. Phillips: A Notable Specimen of Vireo Nelsoni. In: Condor, Band 70, Heft 1, Artikel 21, S. 90, 1968, Digital Commons
  4. J. C. Barlow: Patterns of Ecological Interactions Among Migrant and Resident Vireos on the Wintering Grounds. In: A. Keast und E. S. Morton (Herausgeber): Migrant Birds in the Neotropics: Ecology, Behavior, Distribution, and Conservation, S. 79–107, Smithsonian Institution Press, 1980
  5. a b c d e J. A. Grzybowski: Black-capped Vireo (Vireo atricapilla), version 1.0. In: A. F. Poole und F. B. Gill (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Vireo atricapilla
  6. J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
  7. G. L. Hawkins, G. E. Hill, A. Mercadante: Delayed plumage maturation and delayed reproductive investment in birds. In: Biological reviews of the Cambridge Philosophical Society. Band 87, Nummer 2, Mai 2012, S. 257–274, doi:10.1111/j.1469-185X.2011.00193.x, PMID 21790949 (Review).
  8. IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
  9. AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  10. J. C. Barlow: Songs of the Vireonidae. Gainesville, ARA Records, 1981
  11. Vireo atricapilla in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2019. Eingestellt von: BirdLife International, 2019. Abgerufen am 05. Januar 2026.