Schusterbrunnen

Schusterbrunnen
Schusterbrunnen vor der Lutherkirche
Ort Pirmasens
Land Deutschland
Bauzeit 1913–1921; 1944 zerstört; 1981 wiederaufgebaut
Bildhauer Georg Müller
Technische Daten
Baustoff Sandstein
Koordinaten
Lage Koordinaten: 49° 11′ 54,3″ N, 7° 36′ 17,6″ O49° 11′ 54,3″ N, 7° 36′ 17,6″ O

Der Schusterbrunnen, auch Schuster-Joß-Brunnen genannt, ist ein von dem Münchner Bildhauer Georg Müller geschaffener Brunnen vor der Lutherkirche in Pirmasens. Er stand zunächst im Jahr 1921 auf dem Schlossplatz und wurde nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1981 am heutigen Standort wiedererrichtet.[1]

Schuster Joß

Der Legende nach war Jean Joß ein ehemaliger Grenadier. In den Zeiten, in denen es nach dem Tod des Landgrafen Ludwig IX. schlecht um Pirmasens stand, versuchte Joß vor dem Jahr 1810 durch die eigene Produktion von Schlappen bzw. Hausschuhen und deren Verkauf der Armut zu entfliehen. Durch das Ersetzen des Saffianleders durch gefärbtes Schafsleder seien die Schuhe preiswert gewesen. Der Verkauf erfolgte demnach durch seine Frau in den benachbarten Rheinlanden, nach einer anderen Quelle wurden seine Schuhe von „lustige[n] lange[n] Schuhmädel[n]“ auf Jahrmärkten verkauft. Ermutigt durch dieses erfolgreiche Unternehmen habe sich eine Bewegung entwickelt und weitere Pirmasenser Bürger hätten es Jean Joß gleichgetan. Pirmasens sei dadurch die „Deutsche Schuhmetropole“ geworden.[2][3]

Gestaltung

Der Brunnen besteht aus einem achteckigen Sandsteinbecken, aus dessen Mitte ein mehrstufiger Steinsockel ragt. Auf einem achteckigen Postament befindet sich eine monumentale Vase, die mit Mascheronen dekoriert ist, die Wasser in das Becken speien. Auf dem Sockel steht im Kontrapost die nahezu lebensgroße Bronzefigur eines Schuhmachers in Arbeitskleidung, mit einem Schuh und einem Schusterhammer in den Händen. Dargestellt ist der Schuster Jean Joß, der nach der Überlieferung Anfang des 19. Jahrhunderts das Schuhmacherhandwerk nach Pirmasens gebracht hat.[1]

An den acht Feldern des Beckens sind abwechselnd Reliefs von Fischen und Inschriften eingraviert, die hauptsächlich die Bedeutung der Schuhindustrie für die Stadt Pirmasens verdeutlichen:[1]

  • Verlässt der Schuh die städtisch’ Grenz, soll Lob er sein für Pirmasens.
  • Der Schuh hat uns hier groß gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht!
  • Das wahre Leben Arbeit ist, ein deutscher Mann das nie vergisst!
  • 1921 – Oberer Schlossplatz – 1981 – wiedererrichtet

Geschichte

Im Jahren 1809 und 1874 gab es erste Ideen, Schuster Joß ein Denkmal für seine Verdienste zu setzen. 1874 scheiterte das Vorhaben wegen „der Verständnislosigkeit gewisser Personenkreise“, wie in einem Zeitungsartikel zu lesen war. 1910 spendete ein anonym bleiben wollender Pirmasenser Bürger 8.000 Mark für die Errichtung eines Brunnens. Als Oberbürgermeister Otto Strobel dies im Stadtrat bekanntgab, sollen sich die Stadträte anerkennend von ihren Stühlen erhoben haben. Im Februar wurde die Errichtung eines Brunnens für 16.000 Mark beschlossen. Im Jahr 1913 spendete das bayerische Staatsministerium des Inneren mit Genehmigung des Prinzen Ludwig einen Zuschuss von 9.600 Mark.[1]

Die Stadt initiierte einen Wettbewerb, an dem sich 110 Bildhauer beteiligten und den Georg Müller aus München gewann. Bis zum 15. Mai 1915, so der Vertrag, solle der Brunnen fertiggestellt sein. Der Erste Weltkrieg verzögerte das Vorhaben. Im Jahr 1919 jedoch war die bronzene Skulptur des Schusters Joß fertig und 1921 wurde der Brunnen am damaligen Schlossplatz errichtet.[1]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen durch einen Bombentreffer in der Nähe bis auf die Skulptur vollständig zerstört. Die Bronzefigur fiel zwar um, blieb aber weitestgehend unversehrt. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten auf verschiedenen Ausstellungen gezeigt, stand auch einmal an der Schlosstreppe. Zum Dezember 1981 wurde der Brunnen am heutigen Standort originalgetreu wiederhergestellt – die Bronzefigur kam wieder an ihren alten Platz.[1]

Der ursprüngliche Brunnen bestand aus Muschelkalk. Der heutige Brunnen besteht aus Sandstein und kostete 142.000 Mark.[2]

Commons: Schusterbrunnen in Pirmasens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Helmut Igel: Schusterbrunnen: Der lange Weg des Schusters Joß. In: Die Rheinpfalz. Medien Union GmbH Ludwigshafen, 26. Juni 2023, abgerufen am 8. November 2025.
  2. a b Heike Wittmer: Schusterbrunnen in der Fußgängerzone in Pirmasens, KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital, abgerufen am 14. November 2025.
  3. Franz Joseph Bronner: Bayerisch' Land und Volk (diesseits und jenseits des Rheins) in Wort und Bild: ein Buch zur Unterhaltung und Belehrung für jung und alt. M. Kellerer, 1910, S. 767 (google.de [abgerufen am 14. November 2025]).