Schlacht von Oeversee

Schlacht von Oeversee
Teil von: Deutsch-Dänischer Krieg

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht, Holzschnitt von 1864.
Datum 6. Februar 1864
Ort Oeversee südlich Flensburg
Ausgang Österreichischer Sieg; strategischer Erfolg der Dänen
Konfliktparteien

Osterreich Kaisertum Österreich

Danemark Dänemark

Befehlshaber

Ludwig von Gablenz
Wilhelm von Württemberg

Peter Frederik Steinmann

Truppenstärke

eine Brigade

zwei Brigaden

Verluste

78 tote und 306 verwundete Offiziere und Mannschaften, 47 Vermisste[1]

18 Offiziere und
944 Mann (darunter auch Gefangene sowie 173 Überläufer)[1]

Die Schlacht von Oeversee (auch Schlacht bei Sankelmark) war ein Gefecht während des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864. Weil die Anzahl der beteiligten Truppen im Vergleich zu anderen Konfrontationen relativ gering war, scheint der Begriff „Gefecht“ eher angemessen zu sein.

Verlauf

Die dänische Armee hatte bereits am Abend des 5. Februar 1864 während eines Schneesturmes mit einem Rückzug aus der Danewerk-Befestigungsanlage begonnen, was von der preußisch-österreichischen Armeeführung als Truppenbewegung wahrgenommen wurde.[2][3] Am Morgen des 6. Februar 1864 gelang den preußischen Truppen unter Prinz Friedrich Karl von Preußen bei Arnis dann, wie von den Dänen erwartet, der Übergang über die Schlei und damit die Umgehung der Danewerk-Stellung. Der dänische Oberbefehlshaber Christian Julius de Meza befahl daraufhin den weiteren Rückzug, um eine Einkesselung seiner Truppen zu vermeiden.

Stunden später trafen zwischen den Dörfern Sankelmark und Oeversee, unweit von Flensburg, die mit den Preußen verbündeten nachstoßenden Österreicher vom VI. k.k. Armeekorps unter Feldmarschallleutnant von Gablenz auf den Feind. Die dänische 7. und die 8. Brigade der 3. Division von Generalmajor Peter Frederik Steinmann deckten als Nachhut den Rückzug und hatten sich, verstärkt durch Artillerie, in einer günstigen Verteidigungsposition verschanzt. Einen ersten Angriff der österreichischen Brigade unter Generalmajor Johann Karl von Nostitz konnte die dänische 7. Brigade von Oberstleutnant Max Müller unter hohen Verlusten abwehren.[3] Nachdem für das im Gefecht stehende k.k. Jäger-Bataillon Nr. 9 Verstärkungen, einschließlich Artillerie, eingetroffen waren, erfolgte ein weiterer Frontalangriff durch das steirische Infanterie-Regiment Nr. 27 „König der Belgier“, der nach Anfangserfolgen zunächst stecken blieb. Erst nach einem erfolgreichen Umgehungsmanöver gelang es dem Regimentsführer Oberst Wilhelm von Württemberg, die verbissen kämpfenden Dänen in einem Bajonettangriff abzudrängen und schließlich zum Rückzug zu zwingen. Der hinhaltende Widerstand der Verteidiger hatte dem Gros der dänischen Armee jedoch mittlerweile wie geplant eine geordnete Absetzbewegung ermöglicht, so dass das Gefecht in strategischer Hinsicht einen Erfolg der Dänen darstellte.

Während des von etwa 14:30 bis zur Dunkelheit dauernden Kampfes verloren die Österreicher 95 Gefallene und 311 Verwundete, die Dänen, die auf der Flucht in schweres Artilleriefeuer gerieten, 40 Gefallene und 134 Verwundete.[4] Die verwundeten Soldaten wurden im königlich dänisch privilegierten Historischen Krug in Oeversee, dem weltweit ersten Feldlazarett unter der Flagge des kurz zuvor gegründeten Roten Kreuzes, versorgt, der zugleich das Stabsquartier der Österreicher war.

Gedenken

Am Ort der Schlacht befindet sich mehrere Denkmale für dänische und österreichische Gefallene vom 6. Februar 1864 sowie für die Gefallenen eines Gefechts vom 24. April 1848 (s. a. Schlacht von Schleswig).

Jedes Jahr gedenken noch heute Hunderte Einwohner des etwa zehn Kilometer entfernten Flensburg der Hilfe ihrer Bürger für die Verwundeten nach dem Gefecht in einem alljährlich von Flensburg nach Oeversee stattfindenden „Oeversee-Marsch“.[5] Diese Gedenkfeier, die ausdrücklich keine Siegesfeier sein soll, sondern ihren karitativen Charakter in den Vordergrund stellt, wird seit 1865 organisiert vom Stammkomitee von 1864 e.V.[6] Der Treffpunkt vor dem gemeinsamen Marsch nach Oeversee liegt traditionell am Flensburger Neumarkt.

Weil das im Gefecht hauptsächlich beteiligte österreichische Jäger-Bataillon Nr. 9 ebenso wie das k.k. Infanterie-Regiment Nr. 27 „König der Belgier“ seine Heimatgarnison in Graz hatte, gibt es in der Stadt eine Oeverseegasse und ein in dieser Gasse befindliches, 1902 gegründetes Oeversee-Gymnasium.[7] Umgekehrt gibt es in Oeversee einen Grazer Platz. Auch im 15. Wiener Gemeindebezirk gibt es zur Erinnerung an diese Schlacht eine Oeverseestraße.

Galerie

Literatur

  • Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte – Verlauf – Folgen. Ares, Graz 2013, ISBN 978-3-902732-16-3.
  • John Christensen, Henrik Stevnsborg: 1864. Fra helstat til nationalstat. Emil, Fårevejle 1998, ISBN 87-89703-10-3.
  • Michael Embree: Bismarck’s first war. The campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2007, ISBN 978-1-874622-77-2.
Commons: Battle of Sankelmark and Oeversee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Olaf Haselhorst: Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864. In: Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit (Hrsg.): Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte – Verlauf – Folgen. Graz 2013, S. 87–149, S. 107.
  2. Ole Louis Frantzen: De slesvigske krige. Danmarks historie, Danmark 1849-1945. In: Den Store Danske Encyklopædi. denstoredanske.dk, 2. Februar 2009, abgerufen am 1. September 2013 (dänisch).
  3. a b Kjeld Hillingsø: Sankelmark. Danmarks historie Sønderjyllands og Slesvig-Holstens historie. In: Den Store Danske Encyklopædi. denstoredanske.dk, 2. Januar 2009, abgerufen am 1. September 2013 (dänisch).
  4. Oeverseemarsch – Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Abgerufen am 26. November 2025.
  5. Oeverseemarsch – Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Abgerufen am 26. November 2025.
  6. Das Stammkomitee von 1864 e.V. (PDF) In: stammkomitee. Abgerufen am 16. November 2025.
  7. Schulgeschichte > Chronik oeversee.at, BG/BRG Oeversee Graz, abgerufen am 23. September 2019. – Juli 1903 endete ... das erste Schuljahr.

Koordinaten: 54° 43′ 2,7″ N, 9° 26′ 38,2″ O