Schenckinck (Landadelsgeschlecht)
Schenckinck (auch Schencking, Schenking o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälischen Landadelsgeschlechts.
Die Familie ist von dem gleichnamigen, aber wappenverschiedenen nichtverwandten Münsteraner Erbmännergeschlecht Schenckinck zu unterscheiden.[1][2]
Geschichte
Die Schenckinck gehörten zum münsterländischen landständigen Adel. Sie hatten das namensgebende Erbschenkenamt des Hochstifts Münster inne.[1] Schon 1186 und 1189 erscheint ein Conradus Pincerna (Pincerna = Mundschenk (Schenckinck)) unter denjenigen Laien, die an Handlungen des Bischofs Hermann II. beteiligt waren.[3] In älterer Zeit waren sie ferner Burgmänner zu Horstmar[4] und Dülmen (1331). Später stellten sie mehrere Münsteraner Domherren, eine Äbtissin des hochadeligen Damenstifts Überwasser[5] und einen Bischof von Osnabrück.
Hermann von Schenckinck zu Horstmar heiratete vor 1450 die Erbtochter Aleke von Vechtrup, die Haus Bevern in Ostbevern in die Ehe brachte. Durch die Einheirat in das Edelherrengeschlecht Büren kam die Familie ferner in den Besitz der halben Herrschaft Büren und der Burg Ringelstein. Darüber hinaus gehörte ihnen das Hohe Haus in der Burg Nienborg in Heek, Kreis Borken. Neben Haus Bevern, Büren und Burg Nienborg besaßen die Herren von Schenckinck 1647–1780 einen Stadthof bei der Martinikirche in Münster, den sie vom Erbmännergeschlecht Schenckinck gekauft hatten, der 1647 den französischen Gesandten beim Friedenskongress, Graf Abel Servien vermietet wurde. Schon ab 1623 hatten sich auch das sogenannte „Hohe Haus“ (Neubrückenstraße 20) in ihrem Besitz.[6] Durch Heirat/Erbe kamen auch Burg Wolfsberg (zwischenzeitlich ) und Haus Asbeck an die Familie.
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Haus Bevern in Ostbevern
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Burg Nienborg (Hohes Haus)
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Burg Wolfsberg in Lüdinghausen
Am 15. September 1662 wurde Wilhelm von Schenckinck, Herr zu Bevern, als „Freiherr und Edler Herr zu Bühren und Ringelstein von Schenckhing, Herr zu Beuern“ in den Freiherrenstand für das Reich und die Österreichischen Erblande erhoben.[7]
Als die Familie 1706 mit dem Tod von Bernhard Johann Frei- und Edler Herr zu Büren und Ringelstein von Schencking zu Asbeck und Bevern († 23. Mai 1706) im Mannesstamm ausstarb, erbte Witwe Amalie Sybille Elisabeth von Reede zu Brandlecht († 10. Oktober 1731), Freifrau von Büren-Schenckinck, neben Haus Bevern auch die Hälfte der Herrschaft Büren, das Gut Brandlecht und die Burg Nienborg. Ihre gemeinsame Tochter Maria Antonia/Gaudentia Wilhelmina Josefa Reichsfreiin und Edle zu Büren und Ringelstein von Schencking zu Bevern und Asbeck (~ 23. September 1687; † 12. August 1718 zu Asbeck) brachte das Erbe in ihre am 15. November 1707 geschlossene Ehe mit den Erbdrosten Maximilian Heidenreich Droste zu Vischering (1684–1751).
Persönlichkeiten
- Ermgardt Schenckinck, 1551 Äbtissin des Klosters St. Marien zu Überwasser
- Friedrich Schencking († 1518), Domherr in Münster
- Johann Schencking (Domherr, † nach 1602) († nach 1602), Domherr in Münster
- Johann Schencking (Domherr, † 1634) (um 1600–1634), Domherr in Münster
- Wilhelm von Schencking (1555–1585), Domherr in Münster, Bischof von Osnabrück
Wappen
- Blasonierung des Redenden Stammwappens
- In Rot drei (2:1) silberne bauchige Trinkbecher (→ Mundschenk). Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Helmdecken zwei Straußenfedern, rechts rot, links silbern.[4]
- Blasonierung des vermehrten Freiherrenwappens von 1662
- Quadriert. Felder 1 und 4 das Stammwappen; Felder 2 und 3 das Wappen der Freiherren von Büren: Quadriert mit rotem Herzschild, in welchem ein silbernen oben und unten gezinnter silberner Balken (= Wappen der Grafschaft Buren); a) und d) in Silber ein schwarzer springender einwärts gekehrter goldgekrönter Löwe (= Stammwappen derer von Büren); b) und c) in Silber eine aus sieben roten Stufen gebaute Pyramide bzw. Rautensparren (= altes Wappen von Büren). Drei gekrönte Helme mit rot-silbernen Decken: I. zwischen einer roten und einer silbernen Straußenfeder zwei silberne Wedel mit je sechs (2:1:2:1) schwarzen Salzpfannen (Hermelin?) belegt; II. der schwarze goldgekrönte Löwe wachsend zwischen zwei silbernen Flügeln; III. ein goldener, oben roter zugespitzter Pfahl mit einem blauen Wedel besteckt zwischen zwei von Rot und Silber geteilten Flügeln in gewechselten Farben.[8][7]
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Wappen derer von Büren im Wappenbuch des Westfälischen Adels
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Wappen der Freiherren von Büren im Wappenbuch des Westfälischen Adels
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Wappen der Grafen von Büren in Holland[9]
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Aktuelles Wappen der Stadt Büren mit dem alten Wappen der Stadt Büren im Tor
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Wappen der Stadt Büren (1739)[10]
Literatur
- Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 353 (Google Bücher)
- Fred Kaspar, Volker Gläntzer (Hrsg.): Güter, Pachthöfe und Sommersitze. Wohnen, Produktion und Freizeit zwischen Stadt und Land, Münster und Hameln 2014.
- Karl-Heinz Kirchhoff: Die Erbmänner und ihre Höfe in Münster. In: Westfälische Zeitschrift. 116, 1966, ISSN 0083-9043, S. 3–26 (PDF; 2,3 MB).
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen–Steinhauer zu Bulgarn, Leipzig 1868, S. 145 f. (Google Bücher).
- Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 361 (digitale-sammlungen.de).
- Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 1. Teil, 12. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 191 (uni-goettingen.de).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 112 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfln. 278 (hhu.de).
- Marcus Weidner: Landadel in Münster. 1600–1760. Stadtverfassung, Standesbehauptung und Fürstenhof (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster. N.F. 18, Serie B, Monographien 6). Aschendorff, Münster 2000, ISBN 3-402-06641-6 (Zugleich: Münster, Univ., Diss., 1998/99).
Weblinks
- Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 51.41 Bühren und Ringelstein von Schenckhing, Herr zu Beuern Wilhelm von, Edler, Panierherrenstand und Freiherrenstand, "Wohlgeboren" für das Reich und die Erblande als "Freiherr und Edler Herr zu Bühren und Ringelstein von Schenckhing, Herr zu Beuern", privilegium denominandi, Rotwachsfreiheit, Wappenvereinigung mit jenem des ausgestorbenen Geschlechtes der von Bühren, kaiserlicher Schutz und Schirm, Salva Guardia. 1662.09.15.
Einzelnachweise
- ↑ a b Kneschke (1868), S. 145 f.
- ↑ Leopold Schütte: Das Stammbuch des Albert Bischopinck aus Telgte, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Band 53, Münster 1995, ISBN 3-402-05112-5, S. 188 (PDF; 21,5 MB).
- ↑ Stadtarchiv Münster, Magdalenenhospital, Akten 41, fol. 2r–3r.
- ↑ a b Spießen (1901–1903), S. 112.
- ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, (HarKe.Ha1.Uk - 400) Ermgardt Schenckinck, Äbtissin des Klosters St. Marien zu Überwasser in Münster, überlässt dem Jaspar Korff gen. Smysinck für eine bestimmte Summe Geld den Johan van Hilter, Sohn des Johan van Hilter und der Else Nyemans, aus dem Kspl. Sendenhorst, abgerufen am 7. November 2025.
- ↑ Karl-Heinz Kirchhoff: Die Erbmänner und ihre Höfe in Münster. In: Westfälische Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 116. Band, 1966, S. 6, 12 (PDF; 2,3 MB).
- ↑ a b AT-OeStA/AVA Adel RAA 51.41
- ↑ Spießen (1901–1903), S. 112 und Tfl. 278.
- ↑ Spießen (1901–1903), Tafel 56.
- ↑ J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 (Souveräne und Landesfürsten), 4. Abt., T. 2: Städtewappen, Bd. 2, Nürnberg 1885, S. 241 und Tafel 247.