Satoru Abe (Künstler)

Satoru Abe (* 13. Juni 1926 in Mōʻiliʻili, Hawaiʻi; † 4. Februar 2025 ebenda) war ein US-amerikanischer Maler und Bildhauer japanischer Abstammung (Nisei), der vor allem durch seine Malerei und Skulpturen bekannt wurde.[1] Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der modernen hawaiianischen Kunst des 20. Jahrhunderts. In seinen Arbeiten verbindet er Einflüsse westlicher und japanischer Kunsttraditionen und spiegelt den Übergang von der figurativen zur abstrakten Formensprache wider. Durch seine Tätigkeit als Maler, Bildhauer und Mentor hat er die Entwicklung der hawaiianischen Kunstszene nachhaltig geprägt.[2]

Leben

Satoru Abe wurde 1926 als Sohn von Kuhachi und Toyo Abe in Mōʻiliʻili nahe der Kaheka Street in Honolulu geboren. Er wuchs als eines von sechs Kindern auf. Während seiner Schulzeit an der McKinley High School entdeckte er unter Anleitung der Künstlerin Shirley Russell sein Interesse für die Kunst. Nach dem Schulabschluss arbeitete er zunächst als Pasteurisierer bei „Dairyman’s“, bevor er sich 1947 entschloss, Künstler zu werden. 1948 verließ Satoru Abe Hawaii und ging nach Kalifornien, wo er an der California School of Fine Arts in San Francisco beim Grafiker Stanley William Hayter studierte. Anschließend zog er nach Chicago und später nach New York. In New York besuchte er die Art Students League und studierte Malerei bei Yasuo Kuniyoshi, Louis Bouché und George Grosz. Nebenbei arbeitete er als Tellerwäscher. Dort lernte er die Modestudentin Ruth Tanji aus Wahiawa kennen, die er 1950 heiratete. Nach ihrer Rückkehr nach Hawaii im Jahr 1951 wurde ihre Tochter Gail geboren.[2]

Seine erste Einzelausstellung in der Hawaii State Library wurde aufgrund der Darstellung von Aktfiguren abgesagt. Stattdessen wurde sie im Rahmenladen von Takeo Gima in Waikiki gezeigt. Dort verkaufte er mehrere Werke. In dieser Zeit knüpfte er enge Kontakte zu anderen jungen Künstlern, darunter Tadashi Sato, Tetsuo Ochikubo, James Park, Jerry Okimoto, Edmund Chung, Isami Doi, Bumpei Akaji und Harry Tsuchidana. Gemeinsam gründeten sie in Honolulu das Künstlerkollektiv Metcalf Chateau. Im Jahr 1952 reiste Satoru Abe nach Japan, um seine kulturellen Wurzeln zu erforschen und sich mit dem Buddhismus zu beschäftigen. Dort nahm er an Gruppen- und Einzelausstellungen in Tokio teil. Anfang der 1950er-Jahre begann er neben der Malerei auch mit der Bildhauerei und experimentierte mit Bronze, häufig in Zusammenarbeit mit Bumpei Akaji. In seinen frühen Werken verband er figurative und abstrakte Elemente und ließ sich von Alberto Giacometti, Isami Doi und Yasuo Kuniyoshi inspirieren.[2]

1956 zog Satoru Abe mit seiner Familie nach New York, um dort seine künstlerische Laufbahn fortzusetzen. Er arbeitete im „The Sculpture Center“ auf der East 69th Street, das von Dorothea Denslow betrieben wurde, und hatte dort in den folgenden Jahren vier Einzelausstellungen. Außerdem nahm er an Gruppenausstellungen teil, darunter auch im Museum of Modern Art. 1963 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium. Da viele seiner Künstlerfreunde aus Hawaii ebenfalls in New York lebten, entstand ein reger Austausch. In dieser Zeit entwickelte Satoru Abe eine organische Formensprache, die Naturmotive und Abstraktion verband. 1968 ermutigte Alfred Preis, der Direktor der Hawaii State Foundation on Culture and the Arts, Abe, nach Hawaii zurückzukehren. 1970 erhielt er ein Stipendium der National Endowment for the Arts als Artist in Residence in Waiʻanae und schuf eine Skulptur für die Nanakuli High School. 1972 zog er mit seiner Familie nach Mākaha, wo er fortan lebte und arbeitete. In den 1970er- und 1980er-Jahren erhielt er zahlreiche Aufträge für großformatige öffentliche Skulpturen auf den Hawaii-Inseln. Seine Arbeiten zeichnen sich durch organische, baum[3] ähnliche Formen aus, die häufig als Symbol für Wachstum und Natur interpretiert werden. Neben Metall verarbeitete er zunehmend Holz und kombinierte beide Materialien in seinen Plastiken.[2]

Im Laufe seiner Karriere schuf Satoru Abe über 5000 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. Seine Arbeiten sind unter anderem im Hawaii Convention Center, im Aloha Stadium, im Honolulu International Airport sowie in Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu finden und gehören zur Sammlung der State Foundation on Culture and the Arts. Anlässlich der Eröffnung des Contemporary Museum in Honolulu im Jahr 1988 wurde eine Einzelausstellung von Satoru Abe gezeigt. 1998 widmete ihm das Museum eine umfassende Retrospektive seines Schaffens von 1948 bis 1998. Satoru Abe arbeitete weiterhin in seinem Atelier in Kaimuki und führte zeitweise eine eigene Galerie („Satoru’s Art Gallery“) im Pioneer Plaza in Honolulu. Er wurde in zahlreichen lokalen und nationalen Ausstellungen geehrt, darunter im Whitney Museum of American Art und im Museum of Modern Art in New York.[2]

Literatur

  • Satoru Abe, Sketches, 1956–1966, in: Bamboo Ridge: The Hawaii Writers Quarterly 54 (1991), 7–12.
  • Francis Haar / Prithwish Neogy (Hg.), Artists of Hawaiii. Volume 1: Nineteen Painters and Sculptors, Honolulu: University Press of Hawaiii, 1974.
  • Joan Clarke / Diane Dods (Hg.), Artists/Hawaiii, Honolulu: University of Hawaiii Press, 1996.
  • Marcia Morse, Legacy: Facets of Island Modernism, Honolulu: Honolulu Academy of Arts, 2001.
  • Satoru Abe: A Retrospective 1948–1998, The Contemporary Museum, Honolulu, 1998.
  • Jeffrey Wechsler (Hg.), Asian Traditions, Modern Expressions: Asian American Artists and Abstraction, 1945–1970, New York: Harry N. Abrams, 1997.
Commons: Satoru Abe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. H. N. N. Staff: Satoru Abe, ‘godfather’ of Hawaii’s art scene, dies at 98. 6. Februar 2025, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  2. a b c d e Satoru Abe | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 12. August 2025; abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
  3. the Art of Satoru Abe. Abgerufen am 7. November 2025.