Salon des Cent

Der Salon des Cent („Salon der Hundert“) war eine kommerzielle Kunstausstellung in Paris, die von Februar 1894 bis Januar 1903 in den Räumen der Zeitschrift La Plume stattfand (31 Rue Bonaparte). Initiator und Direktor war Léon Deschamps, der auch Gründer von La Plume war. Ziel des Salons war es, zeitgenössischen Künstlern, unabhängig von staatlichen Ausstellungen (Salon de Paris) oder Galerien, eine Plattform ohne Jury und Medaillen zu bieten.[1]

Im Salon des Cent wurden farbige Plakate, Drucke und Reproduktionen zu erschwinglichen Preisen verkauft. Die steigende Popularität der Farblithografie im späten 19. Jahrhundert ermöglichte eine breite Verbreitung großformatiger Kunst- und Werbeplakate. Insbesondere die Plakate des Salons des Cents wurden später selbst zu begehrten Sammlerstücken und gelten heute als Hauptwerke des Jugendstil-Designs. Die Zeitschrift La Plume, als Veranstalter, brachte spezielle Ausgaben heraus, die einzelnen Künstlern und der Entwicklung des Plakats gewidmet waren.[1]

Bedeutung

Der Salon des Cent spielte eine bedeutende Rolle bei der Etablierung des künstlerischen Werbeplakats und des Jugendstils in Paris und darüber hinaus. Er wurde zu einem Treffpunkt für Avantgarde-Künstler und Sammler, die das Medium Plakat als gleichberechtigtes Kunstwerk förderten. Die Ausstellungsplakate (vor allem von Henri de Toulouse-Lautrec, Alphonse Mucha, Eugène Grasset und Georges de Feure) sind heute begehrte Originale, die in Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten sind und als Schlüsselwerke der Plakatkunst gelten.

Der Name „Salon des Cent“ bezog sich auf eine (theoretische) Gruppe von hundert Künstlern. Eine feste Mitgliederliste gab es jedoch nicht, und die Beteiligung wechselte von Ausstellung zu Ausstellung. Das Ausstellungskonzept sah ein ständig wechselndes Angebot an Werken der beteiligten Künstler vor. Diese konnten frei wählen, welche Arbeiten sie präsentierten – die einzige Begrenzung war der verfügbare Raum.

Ausstellungen und Künstler

Die erste Ausstellung im Salon des Cent fand am 1. Februar 1894 statt. Zu den bedeutendsten Künstlern zählten Eugène Grasset, für den im April 1894 eine eigene Ausstellung im Salon des Cent stattfand, sowie Alphonse Mucha. Mit seinem ikonischen Plakat für die 20. Ausstellung des Salons im April 1896 verschaffte sich Mucha einen herausragenden Ruf. Seine Arbeiten trugen maßgeblich zur Entwicklung des Jugendstilplakats bei. Neben Mucha und Grasset waren weitere bedeutende Künstler wie Pierre Puvis de Chavannes, Jules Chéret, Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Berthon, Georges de Feure, James Ensor und Auguste Rodin vertreten.[1]

Der Salon zeigte nicht nur französische, sondern auch viele internationale Künstler – darunter auch Amerikaner – und war somit von großer Bedeutung für die europäische und internationale Entwicklung der Plakatkunst. Die Plakate und Verkaufsobjekte wurden in spezialisierten Editionen gedruckt, beispielsweise auf Satin, Bütten oder Japanpapier.

Zu den wichtigsten ausstellenden Künstlern des Salon des Cent gehörten insbesondere Vertreter des Jugendstils sowie einige der führenden französischen und internationalen Künstler der Zeit. Dies sind die bedeutendsten Namen:

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Pierre Sanchez (Vorwort von Dominique Lobstein), Les expositions de la Galerie Le Barc de Boutteville (1891–1899) et du Salon des Cent (1894–1903) : répertoire des artistes et liste de leurs oeuvres, Paris, L'Echelle de Jacob, Reihe „Les expositions des galeries parisiennes.“ (Nr. 7), 5. November 2012, 447 S. (ISBN 9782359680386). – Pierre Sanchez gibt eine vollständige Liste der Ausstellungen des Salon des Cent und des Salon de La Plume von 1894 bis 1903. Das Verzeichnis enthält eine Liste der ausgestellten Werke, sofern zu der Veranstaltung ein Katalog erschien.
  • Victor Arwas, Art Nouveau: The French Aesthetic, Papadakis Publisher, London, 2002.
  • Patrick Bade, Mucha, Parkstone International, Paris, 2011.
  • Meredith L. Clausen, Frantz Jourdain and the Samaritaine: Art Nouveau Theory and Criticism, Brill Archive, Leiden, 1987.
  • Jocelyne van Deputte, Le Salon des cent: 1894–1900 : affiches d'artistes, Paris-Musées, Paris, 1994.
  • Helen Bieri Thomson (Hrsg.), Patricia Eckert Boyer und Jocelyne Van Deputte, Les affiches du Salon des Cent: Bonnard: Ensor: Grasset: Ibels: Mucha: Toulouse-Lautrec, Gingins (Schweiz), Fondation Neumann, Januar 2000, 96 S.
  • Theodore B. Donson; Marvel M. Griepp, Great Lithographs by Toulouse-Lautrec, Courier Dover Publications, New York, 1983
  • Haggerty Museum of Art, Art Nouveau French Posters: Berthon, Grasset & Mucha, the Milton and Paula Gutglass Collection, Haggerty Museum of Art, Milwaukee, 2006.
  • Robert Jensen, Marketing Modernism in Fin-de-siècle Europe, Princeton University Press, Princeton, 1996
  • Jean Lahor, Art Nouveau, Parkstone International, Paris, 2007.
  • Jean-François Luneau, Félix Gaudin, peintre-verrier et mosaïste, 1851–1930, Presses Univ. Blaise Pascal, Clermont-Ferrand, 2006
  • Ian Millman, Georges de Feure: maître du symbolisme et de l'Art Nouveau, Acr Edition International, Paris, 1992
  • Rice University, Art nouveau, Belgium, France: Catalogue of an Exhibition Organized by the Institute for the Arts, Rice University, and the Art Institute of Chicago, Institute for the Arts, Rice University, Houston, 1976.
  • Alexander Sturgis, Rebels and Martyrs: The Image of the Artist in the Nineteenth Century, Yale University Press, New Haven, 2006
  • Anna Swinbourne, James Ensor, The Museum of Modern Art, New York, 2009.
  • Renate Ulmer, Alfons Mucha: 1860–1939 : Master of Art Nouveau, Taschen, Köln, 1994.
  • Wolfgang Wittrock, Toulouse-Lautrec: catalogue complet des estampes, Volume 1, Acr Edition, Paris, 1985.
  • Jean-Michel Nectoux, Grégoire Tonnet und Nicholas-Henry Zmelty (Hrsg.), La Plume 1889–1899, une revue pour l'art, Ausstellungskatalog, Paris, Institut national d'histoire de l'art, 15. Februar bis 14. April 2007, Paris, INHA 2007.
Commons: Salon des Cent – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Pierre Sanchez (Vorwort von Dominique Lobstein): Les expositions de la Galerie Le Barc de Boutteville (1891–1899) et du Salon des Cent (1894–1903) : répertoire des artistes et liste de leurs oeuvres. In: Paris, L'Echelle de Jacob (Hrsg.): Les expositions des galeries parisiennes. Band 7. Paris 2012.

Koordinaten: 48° 51′ 17,4″ N, 2° 20′ 2″ O