Sadjah Gezza
Sadjah Gezza (* 13. März 1900 als Therese Else Wolff in Charlottenburg; † 26. Juni 1980 in Horn-Bad Meinberg) war eine deutsche Schauspielerin und Tänzerin. Sie erlangte Bekanntheit vor allem als Stummfilmdarstellerin.
Leben und Wirken
Die Tochter des Uhrmachers Abraham Wolff und seiner Frau Gertrud, geb. Brick,[1] besuchte eine Höhere Mädchenschule in ihrer Heimatstadt Charlottenburg bzw. Berlin und begann ihre Bühnenlaufbahn 16-jährig am Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Leitung von Louise Dumont. Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs lernte sie den Regisseur Paul von Woringen kennen, der sie zum Film holte und eine Verpflichtung durch die Produktionsfirma Deutsche Mutoscope vermittelte. Ihren Einstand vor der Kamera gab Else Wolff unter ihrem Künstlernamen Sadjah Gezza noch im selben Jahr 1918 in Woringens Inszenierung Der Gezeichnete.
Sadjah Gezza spielte in der Folgezeit unter einer Reihe bekannter Regisseure, darunter Carl Boese, Urban Gad, Rudolf Biebrach und Dimitri Buchowetzki. Tragende Rollen gaben ihr 1919 auch die Regie-Novizen Fritz Lang und F. W. Murnau. In Murnaus Frühwerk Satanas spielte die attraktive, exotisch wirkende Dunkelhaarige ihre wohl wichtigste und bekannteste Rolle: die Harfe spielende Nouri. Trotz zeitweiliger beträchtlicher Popularität ist keiner ihrer Filme von künstlerisch überdurchschnittlicher Bedeutung. Zu Gezzas wichtigsten Filmpartnern zählten so bekannte Kollegen wie Ernst Deutsch, Fritz Kortner und Hans Albers.
Nach vier Jahren im Filmgeschäft zog sich Sadjah Gezza 1922 ins Privatleben zurück und heiratete im darauffolgenden Jahr den Mediziner Alfred Langbein,[2] der sich als Privatbehandler von Bühnenkünstlern und Vertrauensarzt mehrerer Filmgesellschaften einen Namen gemacht hatte.[3] Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung gerieten Sadjah Gezza und ihr Ehemann in Bedrängnis, da beide gemäß NS-Definition als „Volljuden“ galten. Eine 1936 versuchte Auswanderung nach Brasilien scheiterte, weil Alfred Langbein keine Arbeitserlaubnis als Arzt erhielt. Seit 1938 geschieden, ehelichte Sadjah Gezza im Jahr darauf den schwedischen Konfektionskaufmann Ragnar Bergholm[4] und übersiedelte zu ihm nach Stockholm. Von dort organisierte sie 1940 die Emigration ihres ersten Ehemannes nach Shanghai. Nach Kriegsende kehrte sie zu Kuraufenthalten wiederholt nach Deutschland zurück.[5] Die ehemalige Schauspielerin, die im schwedischen Exil als Daisy Bergholm firmierte, starb 1980 im lippischen Staatsbad Horn-Bad Meinberg.[6]
Filmografie
- 1918: Der Gezeichnete
- 1918: In dunkler Tiefe
- 1918: Der Fluch des Nuri
- 1919: Sodoms Töchter
- 1919: Verschleppt
- 1919: Gepeitscht
- 1919: Die Tarantel
- 1919: Dolores
- 1919: Der Herr der Liebe
- 1919: Die Schuld
- 1920: Satanas
- 1920: Yoshiwara, die Liebesstadt der Japaner
- 1920: Der Todfeind
- 1920: Die letzte Stunde
- 1920: Der Dämon von Kolno
- 1920: Der Brunnen des Wahnsinns
- 1920: Christian Wahnschaffe, Teil 1: Weltbrand
- 1921: Monte Carlo
- 1921: Lola, die Apachenbraut (2 Teile)
- 1921: Hände hoch (2 Teile)
- 1921: Die Hafenlore (2 Teile)
- 1921: Ratten der Großstadt, Teil 1: Die geheimnisvolle Nacht
- 1921: Der Spielmann
- 1921: Treulose Frauen
- 1922: Der alte Gospodar
- 1922: Kaschemmengräfin
Literatur
- Hans Richter (Hrsg.): Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films (= Kinojahrbuch. Band 4). Hans Hermann Richter Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1921/1922, ZDB-ID 1342234-0, S. 32.
Weblinks
- Sadjah Gezza bei IMDb
- Sadjah Gezza bei filmportal.de
Einzelnachweise
- ↑ Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Charlottenburg II, Nr. 792/1900 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Charlottenburg III, Nr. 148/1923 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
- ↑ Rebecca Schwoch: Jüdische Ärzte als Krankenbehandler in Berlin zwischen 1938 und 1945. Mabuse Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-86321-322-0, S. 374.
- ↑ Landesarchiv Berlin, Familienbuch Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 62/1939 (vgl. Namensverzeichnis zum Familienbuch 1939; PDF; 114 MB).
- ↑ LABO, Abteilung I – Entschädigungsbehörde des Landes Berlin, Entschädigungsakte Nr. 301 697 (Else Therese Bergholm).
- ↑ Kreisarchiv Lippe, Sterbebuch Standesamt Horn-Bad Meinberg, Nr. 35/1980.