Rychnov na Moravě

Rychnov na Moravě
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Pardubický kraj
Bezirk: Svitavy
Fläche: 2356 ha
Geographische Lage: 49° 50′ N, 16° 38′ O
Höhe: 355 m n.m.
Einwohner: 617 (1. Jan. 2023)[1]
Postleitzahl: 569 34
Kfz-Kennzeichen: E
Verkehr
Straße: LanškrounMoravská Třebová
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Milan Hána (Stand: 2025)
Adresse: Rychnov na Moravě 63
569 34 Rychnov na Moravě
Gemeindenummer: 578711
Website: www.rychnovnm.cz

Rychnov na Moravě (deutsch Reichenau ( bis 1945: im Schönhengstgau[2] bzw. Landkreis Mährisch Trübau)) ist eine Gemeinde im Okres Svitavy, Pardubický kraj in Tschechien. Das als Waldhufendorf angelegte Dorf liegt etwa 10 Kilometer nördlich der Stadt Moravská Třebová (Mährisch-Trübau).

Geschichte bis 1946

Die Gründung von Reichenau ist vermutlich um das Jahr 1270 anzusetzen. In dem Begabnisbrief für den Reichenauer Erbrichter Petrus, ausgestellt im Jahre 1321 durch Boresch II. von Riesenburg, wird Reichenau zum ersten Mal urkundlich erwähnt. In diesem werden die Rechte des ehemaligen Erbrichters und Lokators Heinrich, wie sie seit alters bestanden, erneuert. Das Original dieser Urkunde war im Besitze des letzten Reichenauer Erbrichters Gustav Frank.

Die Schönhengster Dörfer trugen häufig den Namen des Gründers und ersten Erbrichters; dementsprechend hieß Reichenau wohl auch zunächst Heinrichenau.[3.1]

Die Gepflogenheiten bei der Rechtsprechung dürften denen in anderen nach Burgrecht entstandenen deutschen Dörfern entsprechend gewesen sein.[3.2]

Reichenau wurde 1679 und 1715 von der Pest heimgesucht. Die Grundobrigkeit riet 1679, zur Abwendung der Seuchen Wachen aufzustellen und Fremden den Eintritt in die Ortschaft(en) zu verwehren, besonders solchen, die von Brünn, Wien oder Ungarn kamen.[4]

1724 entschlossen sich die Reichenauer, ihre alte, baufällige Kirche durch eine neue, geräumige (die heutige) Barockkirche zu ersetzen. Unterstützt wurden sie dabei vom Grundherrn, dem Fürsten Johann Adam von Liechtenstein u. a. durch zur Verfügungstellung von Baumaterial.[3.3]

Reichenau wurde ab dem 4. Oktober 1750 ein Wallfahrtsort.[3.4] Um die Wallfahrer zu betreuen, waren im Sommer 1751 bis zu 10 Geistliche im Einsatz.[3.5]

Am 6. Mai 1945 endete der Unterricht an der Reichenauer Volksschule. In den Klassenzimmern wurde Stroh ausgebreitet, so konnte für viele Flüchtlinge Nachtlager geschaffen werden. Am 9. Mai 1945 marschierten die Rote Armee in Reichenau ein. Am 21. August wurden Karl Hawlitschek und andere Reichenauer Bürger von tschechischen Partisanen in das Lager nach Mährisch-Trübau gebracht. Über die Arbeitslager Hruscha-Ostrau und Pardubitz kam er nach Brünn.[3.6]

Die Bürgerschule besuchten zwischen 1921 und 1945 rund 3000 Schüler.[3.7]

Ehemalige Vereine in Reichenau[3.8]:

  • Genosschenschaftsmolkerei in Reichenau
  • Wassergenossenschaft Reichenau, Sichelsdorf und Umgebung
  • Raiffeisenkasse Reichenau
  • Freiwillige Feuerwehr Reichenau
  • Männergesangverein Gegründet wurde der Reichenauer Männergesangverein im Jahre 1897 durch den Lehrer Robert Neubauer. Bald nach der Gründung wurde dem Verein ein Frauenchor und eine Theaterriege angegliedert. 1913 folgte noch ein kleines Vereinsorchester Höhepunkte der Vereinsgeschichte waren unter anderem:
    • 1907 die Fahnenweihe, verbunden mit der Einweihung des Kaiser-Josef-Denkmals
    • 1908 das Deutsche Sängerbundesfest in Breslau
    • 1912 das Deutsche Sängerbundesfest in Nürnberg
    • 1928 das Deutsche Sängerbundesfest in Wien
    • 1937 das 40. Stiftungsfest
  • Turnverein
  • Katholischer Volksverein

Das Gesamtausmaß der Reichenauer Gemarkung betrug 2358 ha.[4]

Geschichte nach 1946

Seit 2013 führt die Gemeinde ein Wappen und Banner.[5]

Einwohnerzahlen

Quelle[3]

Jahr Einwohner
1765 1207 Einwohner
1858 1716 Einwohner
1910 1457 Einwohner, davon 0 Tschechen
1930 1402 Einwohner, davon 16 Tschechen
1939 1339 Einwohner, davon 14 Tschechen
Commons: Rychnov na Moravě – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2023 (PDF; 602 kB)
  2. Webseite des Schönhengster Heimatbundes: Heimatkreis Mährisch-Trübau. Abgerufen am 24. Dezember 2025.
  3. Kurt Hawlitschek: Heimatbuch der Gemeinde Reichenau im Schönhengstgau. 2. Auflage. Selbstverlag, Ulm 15. August 1993, S. 200.
    1. Seite 47
    2. Abschnitt: Anmerkungen zur Ortsgeschichte
    3. Seite 52
    4. Seite 60
    5. Seite 72
    6. Seite 108 ff.
    7. Seite 116
    8. Seite 167 ff.
  4. a b Kurt Hawlitschek: Heimatbuch der Gemeinde Reichenau im Schönhengstgau. 1. Auflage. Selbstverlag, Ulm-Donau 1976.
  5. Obecní symboly