Rudolf Baumann (Konditor)
Rudolf Baumann (* 23. Juli 1839 in Wien; † 9. Oktober 1905 in Salzburg) war ein österreichischer Konditor und gilt als Erfinder und Namensgeber der Salzburger Mozartkugeln im Jahr 1880, aus deren Tradition der heutige Nachfolgebetrieb der Confiserie Josef Holzermayr hervorging.[1]
Leben
Baumann wurde in Wien geboren. Er wechselte nach Salzburg und heiratete im Dezember 1868 Antonia Baumann, Tochter von Carl Tomaselli (1809–1887), dem Inhaber des renommierten Caféhaus Tomaselli.[2] Gemeinsam hatten sie zwei Töchter: Marianne Mycinski und Pauline Baumann.
Im Jahre 1868 übernahm er die Konditorei seines Schwiegervaters, die spätere Konditorei Karuth.[3][4] Er betrieb diese Konditorei zwei Jahrzehnte lang an zwei Standorten: Marktplatz 25 und Getreidegasse 249. Zu seinem Sortiment gehörten u. a. „feine Chocoladen“ und „Bonbonnières“.
Die „Landwirthschafts-Gesellschaft“ veranstaltete am 5. September 1869 eine alle fünf Jahre stattfindende „Landwirthschaftlich-gewerbliche Ausstellung“. Für seine sehr feinen „Compote“ erhielt Baumann auf dieser Ausstellung die „Große silberne Medaille“.[5]
Ehrenamtlich war Baumann als Hauptgeschworner am Landgericht Salzburg tätig, so z. B. in den Jahren 1880[6], 1882[7] und 1884.[8]
Baumann verstarb am 9. Oktober 1905 im Alter von 67 Jahren[9] und wurde im Familiengrab der Tomasellis auf dem Salzburger Kommunalfriedhof beigesetzt. In der Traueranzeige der Familie ist vermerkt: nach langem, schweren Leiden. Aus gesundheitlichen Gründen übertrug Baumann bereits im Jahre 1888 die Konditorei an seine langjährigen, jüngeren Mitarbeiter.
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Todesanzeige für Rudolf Baumann
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Grabmal Tomaselli/Baumann
Erfindung der Mozartkugel
Nach neueren Recherchen aus dem Jahre 2025 gilt Rudolf Baumann als Erfinder der Salzburger Mozartkugel. Erstmalig annoncierte er diese mit großen Werbeanzeigen ab Anfang des Jahres 1881. Im Zeitraum von 1. Februar bis 30. März 1881 kam es zu 30 gleichlautenden Kleinanzeigen für diese neuartige Praline.[10] Weitere folgten im Mai 1883.
Den Auftakt zu dieser großen Werbekampagne von Baumann bildete ein größeres Inserat in der gleichen Zeitung von 31. Januar 1881, das auch Antwort auf die Frage nach der Art der neuen Süßigkeit zu geben vermag. Darin bemerkte Baumann zu diesen „hochfeinen Schokolade-Bonbons“, dass diese sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreuen, besonders bei Touristen. Ferner verwies er auf deren Haltbarkeit: Diese von mir komponirte Spezialität hat nebst ihrer renommirten Güte noch den besonderen Vortheil, daß sich selbe monatelang aufbewahren läßt, ohne von ihrer Güte etwas zu verlieren.[11]
Parallel zu diesen Anzeigen folgten zwölf Inserate in unterschiedlichen Ausgaben des Wiener Neuigkeits-Welt-Blatts im Zeitraum vom 6. Februar bis 1. März 1881[12], so beispielsweise am 8. Februar 1881[13] oder am 22. Februar 1881.[14] Auch hier sprach Baumann von hochfeinen Schokolade-Bonbons und verwies auf die Haltbarkeit der von ihm komponirte(n) Spezialität. 1883 beschrieb er seine Mozartkugeln nicht mehr als Chokolade-Bonbons, sondern als „Chocolade-Creme-Kugeln“.[15][16] Auch in dem 1884 erschienenen Führer durch Salzburg pries Baumann seine neue Spezialität der Mozartkugeln an.[17]
Im Bereich der Zuckerbäckerei (Confiserie) war damit Baumann der erste, der ein dem Komponisten Mozart gewidmetes Pralinen-Produkt kreierte.
Zeitnah bemühte sich auch das Salzburger Handelshaus „Andre Hofer“ (Hoflieferant), das zu dieser Zeit im Besitz von Ludwig Zeller war, um ein entsprechendes Produkt. Zu diesem Unternehmen gehörte eine Kaffeerösterei sowie eine Schokoladenfabrik. Während Andre Hofer sehr erfolgreich „Feigenkaffee“ herstellte, scheiterte jedoch offenbar der Versuch, unter dem Namen „Mozart-Schokolade“ bzw. „Mozart-Vanille-Schokolade“ ein „in buntes Staniol eingewickeltes Bonbon bzw. Konfekt“ herzustellen. Für solche wurde in den Jahren 1883[18] und 1887[19] sowie im Juli und August 1891[20] anlässlich Mozarts 100. Todestages geworben.
Dagegen wurde die Herstellung von Mozartkugeln von Rudolf Baumann fortgesetzt, auch nachdem dieser aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging. Als Bäckergeselle waren Julius Moll in seiner Backstube tätig, als Verkäuferin Louise Karuth. An die beiden übergab er 1888 seine Konditorei. Es lief für einige Jahre unter dem Namen „R. Baumann‘s Nachfolger“. Julius Moll meldete sein Gewerbe als Konditor unter den Adressen Getreidegasse 23 / Ludwig-Viktor-Platz 6 an, das ihm am 24. November 1888 genehmigt wurde. Einige Jahre später, am 30. September 1893 registrierte Karuth ihre eigene Firma unter dem Namen „L. Karuth & Comp.“. Mitgesellschafter war Konditor Carl Joseph Fischer.[21]
Konditor Paul Fürst startete mit Anzeigen im Jahre 1888 seine Werbung für die von ihm hergestellten „Mozart-Bonbons“, die aber erst 1925 den Namen „Mozartkugeln“ erhielten, nachdem Sohn Gustav das Geschäft voll übernommen hatte. Die Konditorei Karl Schatz entschied sich bereits ab 1901 für diesen Namen und produziert auch heute noch Mozartkugeln. Sowohl Fürst als auch Schatz waren starke Konkurrenten für „Baumann’s Erbin der Mozartkugeln“. Carl Joseph Fischer, der 23 Jahre lang Werkleiter bei der Firma L. Karuth & Co. war, gründete 1914 seine eigene Konditorei.[22]
Louise Karuth ging 1919 in den Ruhestand. Sie starb am 2. Jänner 1928. 1919 übernahm die Konditorenfamilie Holzermayr[23][24] das Karuth‘sche-Unternehmen am Alten Markt 7 und stellt auch heute noch die „Echte Salzburger Mozartkugel“ in der Tradition von Rudolf Baumann in Salzburg her.
Komposition und Haltbarkeitskonzept
In seinem Auftakt-Inserat vom 31. Januar 1881 bezeichnete Rudolf Baumann die Süßware ausdrücklich als „hochfeine Chocolade-Bonbons“ und als „von mir componirte Spezialität“, die sich „monatelang aufbewahren“ lasse, „ohne von ihrer Güte etwas zu verlieren“.[25] Damit hob Baumann bereits um 1880 die für die damalige Zeit außergewöhnliche Haltbarkeit seiner Mozartkugeln hervor, eine Eigenschaft, die sie als touristisches Mitbringsel begehrt machte. Der Begriff ‚Komposition‘ wurde im konditorischen wie auch im werblichen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts vorwiegend als Bezeichnung für ein konfektartiges Gebilde bzw. für die besondere Zusammensetzung der Zutaten verwendet. Im Kontext von Baumanns Produkt verweist er daher auf eine von ihm entwickelte, geschmacklich abgestimmte Zutatenkomposition, deren Aufbau und Mischung die außergewöhnliche Qualität und Haltbarkeit seiner Spezialität begründeten.
Schichtaufbau nach Baumann
Bereits aus Baumanns Inseraten ergibt sich die grundlegende Schichtstruktur der Kugel: Im Inneren befand sich ein Kern aus dunklem Nougat, der aus gerösteten Haselnüssen, Zucker und Kakao bestand. Dieser wurde vollständig von einer Schicht stark zuckerhaltigen Marzipan umhüllt. Abschließend wurde die Kugel in dunkle Kuvertüre getaucht und nach dem Erstarren in Stanniol (Zinnfolie) eingewickelt. Dieser innovative Schichtaufbau beruht technologisch auf dem Prinzip der natürlichen Selbstkonservierung und wurde 1880 in Salzburg als erste ihrer Art entwickelt. Der Aufbau entspricht präzise den Arbeitstechniken der Zeit, die im Konditorenhandwerk bereits etabliert waren, jedoch erstmals unter dem Namen Mozartkugel und in Baumanns konkreter Kombination vermarktet wurden.
Halbschalentechnik nach Jean Neuhaus
Jean Neuhaus II. führte 1912 die belgische Praline mittels einer Halbschalentechnik ein. Bei diesem Verfahren wird temperierte Kuvertüre in Metallformen gegossen, mit einer Füllung (z. B. Ganache) versehen und mit einem Schokoladenplättchen verschlossen.[26] Im Gegensatz dazu wurde die originäre Mozartkugel (1880) nach Baumanns Methode schichtweise gefertigt: Ein dunkler Nougatkern wurde manuell mit stark zuckerhaltigem Marzipan umhüllt und danach in dunkle Schokolade getaucht. Beide Ansätze führen zu mehrschichtigen Pralinen (Füllung plus Schokoladenhülle) und legen Wert auf Haltbarkeit und geschmackliche Abstimmung. Bei der Mozartkugel dienen der wasserarme Nougat, das getrocknete Marzipan und die luftdichte dunkle Kuvertüre/Silberfolie als Konservierungsschichten, während bei der Neuhaus-Praline die feste Schokoladenhülle das empfindliche Innenleben schützt und vielfältige Füllungsvarianten erlaubt. Neuhaus’ Halbschalentechnik gilt als bahnbrechend: Sie führte erstmals „Pralinen im heutigen Sinne“ ein und ermöglichte die industrielle Herstellung vielfältig gefüllter Pralinen.
Begriffswandel 1881–1883
In den Inseraten des Jahres 1883 bezeichnete Baumann seine Spezialität nicht mehr ausschließlich als „hochfeine Chocolade-Bonbons“, sondern als „Chocolade-Crème-Kugeln“.[27] In Baumanns Werbebotschaft bezeichnete „Schokoladen-Crème“ in diesem Zusammenhang keine milch- oder obershaltige Creme, sondern eine dunkle, fettreiche, nahezu wasserfreie Schokoladenmasse aus Haselnussmark, Kakao, Kakaobutter (Fett) und Zucker – ein Dunkler Nougat vergleichbar mit Gianduja oder Noisette.[28] Der Begriff „Crème“ fungierte hierbei als Konsistenzbegriff für fein verarbeitete, formbare Massen und diente Baumann zugleich als werbliche Chiffre für besondere Feinheit und Luxus. Bei einer Verarbeitungstemperatur von <18 °C setzt der mit Kakaobutter verfeinerte Nougat an, bleibt aber verarbeitbar, nicht hart, ideal für den Kern seiner Salzburger Mozartkugel.[29]
Der Kern der Kugel blieb damit eindeutig ein dunkler Nuss-Nougat, lediglich die Vermarktungssprache änderte sich. Baumann adressierte damit den zeitgenössischen Geschmack und positionierte seine Spezialität bewusst als hochwertige Schokoladenkomposition. Zeitungsberichte der späten 1880er und 1890er Jahre betonten wiederholt die Qualität und das „Geheimnis ihrer Komposition“. Die Kölner Nachrichten beschrieben die Kugel 1891 als „schwarz, süß und pikant, hart und rasch schmelzend zugleich“ – eine Charakteristik, die präzise zur harten dunklen Schokoladenhülle, dem schnell aufschmelzenden, herben Nougatkern und der leicht angetrockneten süß-aromatischen Marzipanschicht passt, die den Übergang zwischen äußerer Festigkeit und innerer Schmelztextur vermittelt.
Lebensmitteltechnologische Einordnung
Die außergewöhnliche Haltbarkeit der Baumann’schen Mozartkugel beruhte auf einem dreistufigen konservierenden System, das technologisch exakt ineinandergriff:
- Innerer Kern: nahezu wasserfreier Dunkelnougat. Der Kern bestand aus dunkel geröstetem Haselnuss-Nougat, einer Masse aus Nüssen, Zucker und Kakaomasse. Diese war fettreich und extrem wasserarm, wodurch die Wasseraktivität (aₚ) so niedrig lag, dass das Wachstum mikrobieller Organismen nahezu vollständig unterbunden wurde. Nougat war im 19. Jahrhundert ein natürliches Dauerprodukt.[30]
- Mittlere Schicht: stark zuckerhaltiges, luftgetrocknetes Marzipan. Die Marzipanhülle umschloss den Nougatkern vollständig und trocknete an der Luft an. Durch ihren hohen Zuckergehalt und die Austrocknung bildete sie eine zweite Barrierenebene: Zucker band das verbleibende freie Wasser osmotisch, die getrocknete Oberfläche wirkte zusätzlich keimhemmend – das Marzipan verhinderte das Austreten von Ölen des Nougats. Diese Schicht stabilisierte also sowohl mikrobiologisch als auch physikalisch.[31]
- Außenschicht: dunkle Schokolade + Stanniolhülle: Die vollständig aufgetragene Schokoladenkuvertüre bildete eine fettbasierte, wasserundurchlässige Versiegelung. Sie schützte das innere Schichtsystem vor Umwelteinflüssen und Oxidation. Das abschließende Einwickeln in Stanniolfolie (Zinnfolie) schirmte die Kugel zusätzlich gegen Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht und mechanische Einwirkungen ab. Stanniol war bereits im 19. Jahrhundert ein bewährtes Verpackungsmittel für haltbare Confiseriewaren.
Baumanns Mozartkugel in der Literatur
Der Erfolg der Baumann’schen Konditor-Innovation fand auch ihren Niederschlag in der Literatur. Dies waren zunächst Berichte in der Tagespresse, später Nennungen in Romanen. Da erste Nachahmer erst ab 1888 unter der Bezeichnung „Mozart-Bonbons“ und nicht unter „Mozartkugel“ auf der Bildfläche erschienen, kann man Presseberichte über die Salzburger Spezialität Baumann zuschreiben. Dies gilt auch für spätere Erwähnungen, in denen explizit auf Tomaselli oder Karuth Bezug genommen wird. Hier eine Auswahl:
Die breite Werbekampagne von Baumann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts dürfte zum Erfolg in Salzburg und zur Verbreitung bis Wien oder bis Köln beigetragen haben.
- Im Jahre 1887 berichteten Zeitungen von so ausgezeichneten, von Groß und Klein geschätzten ‚Mozartkugeln‘., so etwa das Neue Wiener Tagblatt.[32]
- Die Kölner Nachrichten schrieben nach dem Mozartfest 1891: Mozartkugeln. Sie sind eine Spezialität Salzburgs und das Geheimnis ihrer Komposition wird so strenge bewahrt, wie seinerzeit die Zusammensetzung der Meißner Porzellanerde. In einer Hülle von Silberpapier steht eine schwarze Kugel, süß und pikant, hart und rasch schmelzend zugleich. Das Geheimnis des dortigen Konditors wird nicht sobald jemand herausbekommen …[33]
- In dem Artikel vom 7. Februar 1906 aus der ‚Österreichischen Buchhändler-Correspondenz’ des österreichischen Buchhandels hinsichtlich der kulturellen und literarischen Erwähnung der Salzburger Mozartkugeln heißt es zu dem Mozartfest:
- Wir erhalten die folgende Zuschrift: Das Salzburger Mozarteum mobilisiert die Tabaktrafikanten für seine Zwecke. Nach den jedem Salzburgkenner liebwerten Mozartkugeln aus Schokolade und Marzipan kommen die Mozartlose. Wer Sinn hat für den traurigen Humor der Sache, betätige sich künftig in seiner angestammten Tabaktrafik auch als Kunstförderer…[34]
- In seinem 1892 erschienenen Roman ‚Hermann Ifinger‘ berichtete Adolf Wilbrandt (1837–1911) von einem Treffen seiner Hauptperson Ifinger mit dem Wiener Baron Ansbach im Salzburger Cafe ‚Tomaseli‘ und über dessen Genuss der dortigen Spezialität der Mozartkugeln:
- Am Ende des Marktplatzes, schon im Schatten, unter dem hohen Gemäuer der ‚Residenz‘, hielt ihn der freistehende Pavillon des Cafe ‚Tomaseli‘, und der Anblick eines unendlich behaglichen Idylls, das seiner Aufregung und Verstörtheit förmlich zu spotten schien. Der dicke Baron Ansbach saß vor dem Pavillon im Freien an einem Tischchen; er trank Schokolade und aß ‚Mozartkugeln‘ dazu. Seine kleinen, glänzenden Augen blickten mit der entschiedensten Heiterkeit in die Welt hinaus; sie schienen sich mitzufreuen und es mitzugenießen, daß der kleine Mund da unter ihnen seinen ihm zukommenden guten Tag hatte. … Ifinger entdeckte den Baron Ansbach aus Wien und dieser erwiderte: ‘Eine gute Salzburger Spezialität, diese Mozartkugeln. Man kann merkwürdig viel davon essen…‘ … Sie sprachen beide von einer merkwürdigen, pikanten Person – goldne Haare und goldner Gürtel -– Dem Baron blieb eine ‚unwiderruflich letzte‘ Mozartkugel, in die er eben hineinbiß, zwischen den Zähnen stecken.[35][36]
- In seinen 1946 erschienenen Jugenderinnerungen berichtet Erhard Buschbeck (1889–1960), der von 1899 bis 1905 das Akademische Gymnasium in Salzburg besuchte, von den „Mozart-Kugeln“ als einer in Stanniol verpackten Mischung aus Marzipan und Schokolade, die er den Konditoren Karuth zuschreibt.
- Zumeist waren es jedoch der Konditor Karuth und seine Frau, die im gleichen Hause am Ludwig-Viktor-Platz für die süßen Genüsse der Salzburger sorgten und es verstanden hatten, ihr Geschäft zu dem angesehensten seiner Art zu machen, was sich schon darin ausdrückte, daß sie eine Filiale in der Getreidegasse dem beliebten Hauptgeschäft anschließen konnten. Sie waren auch die Erfinder der sogenannten „Mozart-Kugeln“, einer wohlausgewogenen Mischung von Marzipan und feiner Schokolade. Die runden Dinger wurden in Stanniol eingewickelt und mit einem Mozart-Kopf so appetitlich beklebt, daß kein Fremder dieser Spezialität widerstehen konnte. Mit dem armen Mozart, der zeitlebens andere Sorgen gehabt hatte, unterhielten die Kugeln allerdings keine anderen Beziehungen, als sie geschäftliche Pfiffigkeit ersonnen hatte, die dem unsterblichen Meister selbst bekanntlich in weitem Maße abging. Herr Karuth und seine Frau waren aber durch sie recht rundlich geworden und ihr gepflegtes Aussehen zeigte aufs angenehmste an, daß sie ihre Wohlhabenheit auch für sich als verpflichtend erachteten. Ich habe übrigens sicher keine Berechtigung, den guten Leuten Übles nachzusagen, denn noch heute könnte es mir in lässigen Stunden den Mund wässern, wenn ich an die phantasievollen und immer nur mit besten Mitteln zubereiteten Bäckereien denke, die uns Tante Emilie an den verschiedenen Geburtstagen, zu Weihnachten und Ostern aus dem Karuthschen Geschäft gebracht hatte.[37]
Weblinks
- Neuer Streit um Salzburger Mozartkugel, in: Salzburg ORF.at, 30. August 2025
- Wer hat die Salzburger Mozartkugel erfunden - Historische Funde werfen Fragen zur Urheberschaft durch die Konditorei Fürst auf, in: DerStandard, 1. September 2025
- Streit in Österreich: Wer hat die Mozartkugel erfunden?, in: Hessisch/Niedersächsische Allgemeine (HNA), 3.September 2025
- Gerhard Fischer: Wer hat die Salzburger Mozartkugel wirklich erfunden?, in: Süddeutsche Zeitung, 5. September 2025
- Die echte Salzburger Mozartkugel – Webseite Josef Holzermayr Confiserie
- SalzburgWiki: Rudolf Baumann
- SalzburgWiki: Confiserie Josef Holzermayr
- SalzburgWiki: Ludwig Zeller
Einzelnachweise
- ↑ Die Echte Salzburger Mozartkugel – Hommage an Genie und Handwerkskunst, Webseite der Confiserie Josef Holzrmayer
- ↑ Getraute in der Dompfarre, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 28. Dezember 1868
- ↑ Dank und anempfehlung C. Tomaselli – Rudolf Baumann, Salzburger Zeitung, 12. Oktober 1868
- ↑ Registereintrag in: Salzburger Volksblatt, 16. Oktober 1893 (ANNO Wien)
- ↑ Preisträger, in: Salzburger Zeitung, 9. September 1869, S. 2
- ↑ Geschwornenliste, in: Salzburger Chronik, 8. Mai 1880
- ↑ Geschwornen-Liste, in: Salzburger Volksblatt, 11. November 1882
- ↑ Geschwornenliste, in: Salzburger Chronik, 8. Mai 1884
- ↑ Sterbebucheintrag von Rudolf Baumann auf dem Friedhof Salzburg-St. Andrae
- ↑ Inserat Salzburger Specialität, in Die Presse, 1. Februar 1881, S.8 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Inserat zu Mozartkugeln von Rudolf Baumann, in: Die Presse, 31. Januar 1881 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Inserate zu Mozart-Kugeln, in: Neuigkeits-Welt-Blatt, 6. Februar bis 1. März 1881 (Google-Digitalisat)
- ↑ Inserat Mozart-Kugeln, in: Neuigkeits-Welt-Blatt, 8. Februar 1881
- ↑ Inserat Mozart-Kugeln, in: Neuigkeits-Welt-Blatt, 22. Februar 1881
- ↑ Inserat Mozartkugeln, in: Die Presse, 3. Mai 1883, S. 16 (Digitalisat ANNO Wien).
- ↑ Inserat Salzburger Specialität Mozartkugeln, in: Die Presse, 24. Mai 1883, S. 12 (Digitalisat ANNO Wien).
- ↑ Inserat Rudolf Baumann, Zuckerbäcker, in: Führer durch Salzburg, Berchtesgaden, Reichenhall und Umgebung. 8. durchgesehene Auflage, Salzburg 1884, S. 32
- ↑ Anzeige von Andre Hofer für Mozart-Schokolade, in Salzburger Volksblatt, 30. August 1884, S.6 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Salzburger Volksblatt, 19. Dezember 1887, S.6 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Inserat von Andre Hofer für Mozart-Chokolade, in: Salzburger Chronik, 14. Juli 1891, S. 4
- ↑ Firma-Protokollirungen: L. Karuth & Comp., Wiener Zeitung, 12. Oktober 1893, S.18 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Inserat Conditorei Fischer, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 25. März 1914
- ↑ Der Thronfolger Franz Ferdinand D’Este und Familie mit Erzherzog Eugen zu Besuch beim Konditor Holzermayr, in: Salzburger Volksblatt, 26. August 1912, S.5 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ So wurde auch am 6. Januar 1914 ein Lehrling für die Konditorei Holzermayr in Werfen gesucht. Die protokollierte Firma Josef Holzermayr wurde von der Familie weitergeführt, auch nach dem Tod des Firmengründers Josef Holzermayr, in: Salzburger Volksblatt, 6. Januar 1914, S. 9 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Inserat Rudolf Baumann, Die Presse, 31. Januar 1881.
- ↑ Wie werden eigentlich Pralinen hergestellt?, in: Hamburger Abendblatt, am 25. Oktober 2012
- ↑ Die Presse, 3. Mai 1883, S. 16: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=apr&datum=18830503&seite=16; Die Presse, 24. Mai 1883, S. 12: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=apr&datum=18830524&seite=12
- ↑ Was ist Nougat?
- ↑ - Gordian - Rezept für dunklen Gianduja, cremige Konsistenz durch Zugabe von Cacaobutter S. 1506 (Google Books)
- ↑ Gordian, Zeitschrift für die Cacao-, Chocoladen- und Zuckerwaren-Industrie der Welt und für alle verwandten Erwerbszweige zu Schweizer Nussmasse, Noisette, Nougat, Gianduja - Rezeptur und Verarbeitung S. 1505(Google Books)
- ↑ Die besorgte Hausfrau in der Küche, Vorrathskammer und dem Küchengarten ... Neueste ... vermehrte Auflage Band 1 - Rezept für Marcipan S. 408 (Google Books)
- ↑ Neues Wiener Tagblatt, 20. August 1887
- ↑ Mozartkugeln, in: Kölner Nachrichten, 21. Juli 1891
- ↑ Österreichische Buchhändler-Correspondenz, 7. Februar 1906, S.7. Die Salzburger Mozartkugel - Erwähnung im Artikel über das Salzburger Mozarteum.
- ↑ Adolf Wilbrandt: Hermann Ifinger, Roman, Stuttgart 1892, S. 158/159
- ↑ Adolf Wilbrandt: Hermann Ifinger, Roman, Stuttgart 1901, 5.Auflage
- ↑ Erhard Buschbeck: Die Dampftramway oder Meine alten Tanten reisen um die Welt. Ein Salzburger Familienidyll. Verlag Erwin Müller, Wien 1946, S. 19. Katalogeintrag der Deutschen Nationalbibliothek