Paul Fürst (Konditor)
Paul Fürst (* 12. August 1856 in Sierning, Österreich ob der Enns; † 14. Februar 1941 in Salzburg) war ein österreichischer Konditor und Erzeuger der „Mozart-Bonbons“.[1]
Leben
Paul Fürst war der Sohn des aus Dinkelsbühl in Bayern stammenden gelernten Baders Johann Fürst (1827–1868) und von Josefine Rehle (1822–1876), einer gebürtigen Salzburgerin, Tochter eines Hofglasermeisters.
Der Vater war erst 1849 nach Salzburg gekommen, hatte 1854 dort am „Medicinal Collegium“ die Approbation als Wund- und Geburtsarzt erlangt und praktizierte seit 1853 im oberösterreichischen Sierning (er hatte die Gerechtsame für das Haus Nr. 33, später Nr. 73 inne) als Bader. In welchem Jahr der Umzug nach Salzburg erfolgte, ist bisher unbekannt. Zunächst wohnte die Familie in der Judengasse 53, dann am Wegplatz 10.
Nach dem Tod seines Vaters (er starb an Typhus und ist auf dem Petersfriedhof begraben) und der Mutter (auch seine beiden Geschwister starben schon im Kleinkindalter an Typhus) wuchs Paul Fürst bei seinem Vormund auf, dem ebenfalls in Salzburg lebenden Onkel Paul Weibhauser, der eine Konditorei in der Brodgasse 13 besaß. Vinzenz Rehle, der Schwiegervater von Pauls Vater, hatte das traditionsreiche Haus, es diente zeitweise als „Hofbäckerhaus“, 1830 erworben. Von Weibhauser erlernte Paul Fürst den Beruf des Konditors und bildete sich anschließend in den führenden Konditoreien der Metropolen Wien, Budapest, Paris und Nizza weiter.
Fürst eröffnete im Jahre 1884 seine eigene Konditorei mit Hauptgeschäft am Marktplatz (Brodgasse 13); es folgte eine Filialeröffnung ab 1889 in der Dreifaltigkeitsgasse 13.[2]
Fürst heiratete am 2. August 1887 Emilie Baumgartner.[3] Gemeinsam hatten sie acht Kinder: Paul Johann Alois (geb. 20. Juni 1888)[4], Gustav Karl Emil (26. Juni 1889)[5], Josefa Michaela Emilia (4. Oktober 1892)[6], Adolf Wilhelm (21. Mai 1894)[7], Emilie Maria Anna (18. Februar 1896)[8], Hermann Otto (25. Januar 1898)[9], Robert Karl Maria (21. August 1899)[10], Alphons Johann Karl (20. Februar 1902)[11]
Über viele Jahre engagierte sich Paul Fürst ehrenamtlich im Vorstand der Salzburger Genossenschaft der Lebzelter, Müller, Wachszieher und Zuckerbäcker. So wurde er beispielsweise 1908 zum Vorsitzenden der Gesellen-Prüfungskommission der Genossenschaft berufen.[12] Sein Sohn Gustav setzte Jahre später diese Tradition fort und wurde aktiv im Vorstand der Zuckerbäckerzunft des Landes.[13][14]
Für eine mehr als zehnjährige Tätigkeit als „Armenrat“ wurde Fürst 1910 von der Stadt ausgezeichnet und ins Ehrenbuch der Stadt eingetragen.[15]
Nach vierzig Jahren übergab Paul Fürst 1924 auch das Hauptgeschäft der Konditorei an seinen Sohn Gustav.[16] Dieser hatte bereits fünf Jahre lang die Filiale an der Dreifaltigkeitsgasse geleitet.[17]
Nach seinem Ableben am 14. Februar 1941 wurde Paul Fürst auf dem Salzburger Kommunalfriedhof beigesetzt. In der Familiengruft am Petersfriedhof erinnert eine Gedenktafel an ihn.
Herstellung des 'Mozart-Bonbons'
Im Jahr 1888 erzeugte Paul Fürst erstmals in seiner Konditorei eine Praline und benannte diese nach dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart – „Mozart-Bonbon“.[18] Sein Mozart-Bonbon wurde nach eigenen Angaben der Familie Fürst 1905 auf der Pariser Ausstellung Exposition Internationale d’Alimentation et d’Hygiène Appliquée (Internationale Ausstellung für Ernährung und Hygiene) mit einer Ehrenurkunde für seine Teilnahme ausgezeichnet.[19]
Ab 1888 kamen aufgrund des großen Erfolges von Rudolf Baumanns Salzburger Spezialität „Mozartkugeln“[20] zahlreiche Nachahmerprodukte anderer Konditoren, beginnend mit Paul Fürsts, unter der anders lautenden Bezeichnung „Mozart-Bonbons“ auf den Markt.[21] Unter dieser Bezeichnung führte er sein Produkt nachweislich bis Ende 1924 als Erzeuger von Mozart-Bonbons.[22][23][24][25] Da Paul Fürst seine Erfindung nicht hatte patentieren lassen, ist der Name „Mozartkugel“ für sich allein rechtlich nicht geschützt. Diese Behauptungen sind hinfällig, Paul Fürst war Erzeuger eines „Mozart-Bonbons“, der Name Mozartkugel gilt als Gattungsbezeichnung und ist nicht schutzfähig.
Baumann ging 1888 in den Ruhestand und übergab seine Konditorei an seine langjährige, noch junge Verkäuferin (auf österr. Verschleißerin) Louise Karuth (1863–1928)[26] (1888 Nachfolge von R. Baumann, 1893 L. Karuth & Comp.[27]), seinen Zuckerbäckergehilfen Julius Moll und Carl Josef Fischer. Sein Konkurrent Fürst nutzte diese Chance, wertete im Namen der Genossenschaft der Salzburger Zuckerbäcker die Nachfolgerin ab – sie sei ja nur „Conditoreiwaaren-Verschleißerin“[28] – und nahm unter der Bezeichnung „Mozart-Bonbon“ ein Mozart gewidmetes Produkt in sein Sortiment auf. Im Reiseführer für Salzburg trat er ab 1890 mit Inseraten an die Stelle von Baumann’s Anzeige zuvor und pries sich dort als Erfinder der Salzburger Specialität: Mozart-Bonbons.[29][30]
Gescheiterte Geschäftserweiterung in Villach
Paul Fürst bemühte sich, sein Konditoreigeschäft auf Villach auszuweiten. Um dies zu erreichen, erwarb er 1912 die Bäckerei am Hauptplatz 27 in Villach. Das Grazer Tagblatt meldete am 18. Juli 1912: „Das dem Herrn Karl Lidauer gehörige Konditoreigeschäft am Hauptplatz wurde von Herrn Paul Fürst aus Salzburg käuflich erworben.“[31] In der Presse inserierte er als „Paul Fürst Konditorei – vormals Karl Lidauer“.[32]
Doch bereits knapp zwei Jahre später musste er Insolvenz anmelden. Die Kärntner Zeitung berichtete: „Über das Vermögen des Paul Fürst, Konditors in Villach, wurde der Konkurs eröffnet …“[33] Da es sich um einen Salzburger Konditor handelte, gab es auch eine Schlagzeile im Salzburger Volksblatt.[34]
Nur wenige Tage später versuchte er diesen Konkurs nochmals abzuwenden und erklärte in einem Zeitungsinserat, dass alles beim Alten bleibe: „Konditorei Paul Fürst … wird wie bisher in unveränderter Weise weiter betrieben …“.[35]
Doch auch solche Zeitungsinserate brachten keinen Erfolg. Im Mai 1914 besiegelte eine Versteigerung am Standort Hauptplatz 27, die sowohl die Geschäftseinrichtung als auch Zuckerbäckerwaren umfasste, letztendlich das Scheitern dieser Geschäftsausdehnung.[36] Schon im November 1914 erklärte Anton Fisir, dass er am Hauptplatz 27 eine neue Bäckerei-Filiale eröffnet.[37]
Weitere Entwicklung der Salzburger Konditorei Fürst
1934 meldete Gustav Fürst (1889–1965)[38] Insolvenz an. Der Beginn eines Ausgleichsverfahrens mit dem Ziel der Sanierung wurde am 13. März 1934 verkündet.[39] Gustav Fürst zog sich selbst ab 1. Oktober 1934 in die Filiale in der Dreifaltigkeitsgasse 13 zurück, wo er 1919 seine Berufskariere begann und ab nun seine eigene Konditorei betreibe.[40][41]
Der Stammsitz der Konditorei Fürst im Haus Brodgasse 13 ging verloren und wurde fortan für etwa eine Generation von anderen Konditoren weitergeführt - so verkündet der Konditor Julius Weiss am 12. Oktober 1934 die Neueröffnung der Brodgasse 13 als P. Fürst’s Nachfolger.[42] Am 8. Juni 1935 gab Hans Zinober, der bereits in mehreren in- und ausländischen Konditoreien gearbeitet hatte, die Geschäfts-Übernahme bekannt: Er habe die alt renommierte Konditorei Paul Fürst übernommen.[43] Kurz darauf zog die Café-Conditorei Blieberger mit dem Konditor Johann Blieberger in das Geschäftslokal in der Brodgasse 13 als neuer Hauseigentümer ein.[44] Johann Blieberger wurde unter anderem bekannt für seine eigene Rezeptur und die Herstellung der Salzburger Mozartkugeln nach der Steckerl-Methode, die er in seiner Konditorei in der Brodgasse 13 in Salzburg aufnahm. Seine Variante der Mozartkugel zeichnete sich durch eine individuelle Komposition von Pistazien-Marzipan, Nougat und Schokolade aus, die sich von anderen Rezepturen unterschied und den handwerklichen Charakter seines Hauses prägte.[45][46][47] So präsentierte Josef Blieberger, der Sohn von Johann Blieberger am 18. März 1948 als Abschluss seiner Meisterprüfung einen Osterverkauf in der Kaffee-Konditorei Blieberger in der Brodgasse 13.[48] Erst nach 1960 zog eine neue Generation mit Herbert Fürst (3. Generation) in das sogenannte Stammhaus in der Brodgasse 13 erneut ein und übernahm die fortlaufende Backstube des Konditors Johann Blieberger, welcher schon bald darauf nach Kanada auswanderte.
Seit der Eröffnung des neuen Werks in Elsbethen im Jahr 2024 werden die nun jährlich 3,8 Millionen Stück, die nach eigener Rezeptur erzeugten „Original Salzburger Mozartkugeln“ teilautomatisiert und maschinell am Fließband produziert.[49] Die heute von der Familie Fürst in Eigenrezeptur hergestellte „Original Salzburger Mozartkugel“ bezeichnete Rezeptvariante entstand vermutlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor den Weltkriegsjahren enthielten die Salzburger Mozartkugeln noch keine Pistazie zur Veredelung des Marzipans – auch der Schichtaufbau (hoher Marzipan-Anteil als Hülle) der ursprünglichen Salzburger Mozartkugel von Rudolf Baumann unterschied sich aus Haltbarkeitsgründen von der heutigen, als Frischeprodukt vermarkteten Version der Familie Fürst.[50]
Literatur
- Peter Grotter: Sieger im Prozeß um Mozartkugel. Neue Kronen Zeitung. 30. Mai 1997. S. 23.
Weblinks
- Café Konditorei Fürst Salzburg, mit Foto von Paul Fürst
- Die Dinkelsbühler Vorfahren von Paul Fürst ( vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive)
Einzelnachweise
- ↑ Paul Fürst’s Conditorei, in Salzburger Fremden-Zeitung, 18. September 1888 (Digitalisat ANNO Wien)
- ↑ Salzburger Fremden-Zeitung, 11. Dezember 1889, S. 8
- ↑ Salzburger Chronik für Stadt und Land, 14. August 1887, S. 6 (ANNO Wien)
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 24. Juni 1888, S. 3
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 7, Juli, 1889, S. 4
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, S. 3
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 2. Juni 1894, S. 6
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 22. Februar 1896, S. 6
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, S. 10
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 9. September, 1899, S. 5
- ↑ Matrikel-Auszüge, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 14. April 1902, S. 4
- ↑ Gesellenprüfungskommissionen der Genossenschaften, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 8. April 1908, S. 5
- ↑ Landeshauptverband der Bezirksverbände und Gewerbegenossenschaften des Landes Salzburg, in: Salzburger Volksblatt, 8. Januar 1930, S. 2
- ↑ Die Vorstände der Zünfte des Landes, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 23. Dezember 1935, S. 6
- ↑ Ehrung mehrerer Armenräte, in: Salzburger Volksblatt, 22. Dezember 1910, S. 7
- ↑ Anzeige Paul Fürst, in: Salzburger Chronik, 12. April 1924, S. 12
- ↑ Anzeige Gustav Fürst, in: Salzburger Volksblatt, 12. April 1924, S. 14
- ↑ Paul Fürst’s Conditorei, in Salzburger Fremden-Zeitung, 18. September 1888 (Digitalisat ANNO Wien)
- ↑ Paul Fürst, Liste der Preisträger Paris 1905, S. 5. In: Bibliothèque Nationale de France (BNF). Le Progrès moderne. Organe du Commerce et de l'Industrie, 7. Dezember 1905, abgerufen am 10. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Inserat zu Specialität Salzburger Mozartkugeln von Rudolf Baumann, in: Die Presse, 31. Januar 1881 (ANNO Wien Digitalisat)
- ↑ Paul Fürst’s Conditorei, in Salzburger Fremden-Zeitung, 18. September 1888 (Digitalisat ANNO Wien)
- ↑ Inserat von Paul Fürst in: Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1900
- ↑ Inserat von Paul Fürst in: Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1902
- ↑ Inserat von Paul Fürst in: Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1903
- ↑ Inserat von Paul Fürst in: Salzburgischer Geschäfts-, Volks- und Amts-Kalender für das Jahr 1904
- ↑ Sterbefälle: Louise Karuth, in: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 4. Januar 1928 (Anno Wien)
- ↑ Registereintrag in: Salzburger Volksblatt, 16. Oktober 1893 (ANNO Wien)
- ↑ Ein Wort zur Aufklärung, in: Salzburger Zeitung, 21. Jänner 1893
- ↑ Inserat Paul Fürst, Konditor, in: Führer durch Salzburg, Berchtesgaden, Reichenhall und Umgebungen, Salzburg 1896 (12. Auflage)
- ↑ Inserat Paul Fürst, Konditor, in: Führer durch Salzburg, Berchtesgaden, Reichenhall und Umgebungen, Salzburg 1898 (13. Auflage)
- ↑ Geschäftliches in: Grazer Tagblatt, 18. Juli 1912, S. 9
- ↑ Inserat Paul Fürst, in: Freie Stimmen, 23. Februar 1913, S. 14
- ↑ Villach (Konkurs), in: Kärntner Zeitung, 2. April 1914, S. 4
- ↑ Aus den Amtsblättern, in: Salzburger Volksblatt, 2. April 1915, S. 7
- ↑ Inserat Paul Fürst, in: Freie Stimmen, 8. April 1914
- ↑ Versteigerungsedikt, in: Villacher Zeitung, 26, Mai 1914, S. 8
- ↑ Geschäftseröffnung Backereifiliale, in: Villacher Zeitung, 5. November 1914, S. 8
- ↑ Gräbersuche Stadt Salzburg
- ↑ Ausgleich Gustav Fürst, in: Salzburger Volksblatt, 13. März 1934, S. 10
- ↑ Geschäftsanzeige Gustav Fürst, in: Salzburger Volksblatt, 29. September 1934, S. 22
- ↑ Geschäftsanzeige Gustav Fürst, in: Salzburger Chronik, 29. September, S. 25
- ↑ Conditorei Julius Weiss, P. Fürst‘s Nachfolger, Brodgasse 13, neu eröffnet - Salzburger Chronik für Stadt und Land 12. Oktober 1934 S.7
- ↑ Übernahme der Brodgasse 13 durch den Konditor Hans Zinober - Salzburger Chronik 8. Juni 1935 S. 26
- ↑ Neueröffnung der Konditorei Fürst, Johann Blieberger - Salzburger Volksblatt 30. November 1935 S.8
- ↑ Heissen Kaffee und Gebäck erhalten Sie tägl. von 7 Uhr bis 10 Uhr in der Früh in der Konditorei Blieberger Brodgasse 12 - Salzburger Nachrichten S. 6
- ↑ Köchin für alles für Geschäftshaushalt tagsüber gesucht. Vorzustellen 12 bis 14 Uhr Konditorei Blieberger, Brodgasse - Salzburger Nachrichten 27. September 1952 S. 19
- ↑ Werbung für Café-Konditorei Blieberger Brodgasse 13 - Salzburger Volksblatt 24. Dezember 1948 S. 16
- ↑ Meisterprüfung Blieberger Jun. Ausstellung der Meisterprüfung, Osterverkauf - Kaffee-Konditorei, Alter Markt - Salzburger Tagblatt 18. März 1948 S. 12
- ↑ 3,8 Millionen Stück Mozartkugeln - In der neuen Manufaktur in Elsbethen wird nun teilautomatisiert und mit maschineller Unterstützung produziert (Pressreader)
- ↑ Wie macht man eigentlich eine Mozartkugel - Zunächst wird das Nougat in Marzipan gerollt, die Kugel wird dann in warme Schokolade getunkt - Erich Kocina „Die Presse“ vom 21. September 2025