Roseisalinus antarcticus

Roseisalinus antarcticus
Systematik
Abteilung: Pseudomonadota
Klasse: Alphaproteobacteria
Ordnung: Rhodobacterales
Familie: Roseobacteraceae
Gattung: Roseisalinus
Art: Roseisalinus antarcticus
Wissenschaftlicher Name
Roseisalinus antarcticus
Labrenz et al. 2005

Roseisalinus antarcticus ist eine Bakterienart. Die Erstbeschreibung stammt aus einem See in der Antarktis. Im Labor toleriert es relativ tiefe Temperaturen von bis zu 3 °C. Das Bakterium benötigt Sauerstoff. Es kann relativ hohe Salzgehalte tolerieren (bis zu 13 %).[1][2] Sie ist die einzige Art der Gattung Roseisalinus (Stand 10. November 2025).[3]

Merkmale

Die Gram-Färbung von Roseisalinus antarcticus fällt negativ aus, die Zellwand wird also von zwei Membranen mit einer dazwischen liegenden Mureinschicht gebildet. Im Murein ist das m -Diaminopimelinsäure enthalten. Roseisalinus antarcticus bildet im Labor rote Kolonien und nutzt Polyhydroxybuttersäure als Energiespeicher. Die Zellen sind beweglich. Allerdings konnten bei der Erstbeschreibung weder die Position noch die Anzahl der Flagellen bestimmt werden. Oft bilden sich Haftstrukturen, und die Zellen neigen stark dazu, sternförmige Rosetten zu bilden.[1] Diese können auch miteinander verbunden sein, ähnliches wurde bei anderen, AAP-Proteobakterien, darunter Staleya guttiformis (zur Familie Paracoccaceae innerhalb der Ordnung Rhodobacterales zählend), Roseibium marinum (zur Ordnung Hyphomicrobiales, Familie Stappiaceae) und Roseovarius mucosus (wie Roseisalinus zu den Roseobacteraceae), beobachtet.[4] Bei der Erstbeschreibung schien das Zellwachstum monopolar zu sein, da ein Zellende in der Regel schmaler und kürzer war, was möglicherweise auf eine Knospung hindeutet. Die Zellgröße liegt im Bereich von 0,90–1,02 × 2,18–4,20 μm, mit einer durchschnittlichen Größe von 0,96 × 3,19 μm.[1]

Stoffwechsel und Wachstum

Das Wachstum findet in Gegenwart von Sauerstoff, also unter aeroben Bedingungen statt. Auch relativ geringe Sauerstoffgehalte (mikroaerophile Bedingungen) werden toleriert. Roseisalinus antarcticus bildet das Bakteriorchlorophyll a und Carotinoide. Die Art zählt zu den aeroben anoxygenen phototrophen Bakterien (Aerobic Anoxygenic Phototrophs, AAP).[2] Es handelt sich hierbei um Bakterien, die in Gegenwart von Sauerstoff eine anoxygene Photosynthese (also ohne Nutzung von O2) durchführen. Diese anoxygene Photosynthese ähnelt der von Purpur-Nicht-Schwefel-Bakterien. Ein Unterschied ist, dass keine Kohlenstofffixierung durchgeführt wird, denn allen Bakterien der AAP-Gruppe fehlt das hierfür benötigte Schlüsselenzym RuBisCO. Die Nutzung vom Licht durch die aerobe anoxygene Phototrophie (AAP) entwickelte sich evolutionär wahrscheinlich aus den Purpur Nicht-Schwefelbakterien. Die Arten konnten damit eine ökologische Nische in der sauerstoffreichen Umwelt besetzen.[5]

Es werden verschiedene Carbonsäuren und Zucker als Kohlenstoff- und Energiequellen genutzt. Oxidase-, Katalase- und Peroxidaseaktivität sind vorhanden. Der optimale Temperaturbereich für das Wachstum liegt zwischen 3 und 33 °C, der pH-Wert zwischen 5,5 und 9,5 und der für das Wachstum geeignete Salzgehalt zwischen 1 und 13 %.[2] Die Zellkolonien benötigten unbedingt Meerwasser, es kann nicht durch Natriumchlorid (NaCl) ersetzt werden.[1]

Systematik

Roseisalinus antarcticus ist die einzige Art der Gattung Roseisalinus und zählt zu der Familie Roseobacteraceae.[3] Die Art Roseisalinus antarcticus ist mit der Art Oceanicola granulosus verwandt. Der GC-Gehalt der DNA beträgt 67 Mol%. Sie wurde im Jahr 2005 beschrieben. Der Gattungsname leitet sich von dem lateinischen Wort roseus ab, was soviel wie rot-gefärbt bedeutet und weist auf die Farbe der Kolonien hin. Das lateinische Wort salinus bedeutet salzhaltig und weist auf den Fundort, ein Salzsee in der Antarktis, hin.

Ökologie

Roseisalinus antarcticus kann relativ hohe Salzwerte tolerieren, es ist halophil. Die Art wurde aus dem extrem salzigen (hypersalinen), meromiktischen Ekho Lake in der Antarktis isoliert. Der Ekho Lake ist die Quelle mehrerer Funde von Arten der Roseobacter-Gruppe, wie z. B. Roseibaca ekhonensis und Roseovarius tolerans.

Einzelnachweise

  1. a b c d Matthias Labrenz, Paul A. Lawson, Brian J. Tindall, Matthew D. Collins, Peter Hirsch: Roseisalinus antarcticus gen. nov., sp. nov., a novel aerobic bacteriochlorophyll a-producing α-proteobacterium isolated from hypersaline Ekho Lake, Antarctica. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 55, Nr. 1, 1. Januar 2005, ISSN 1466-5026, S. 41–47, doi:10.1099/ijs.0.63230-0 (microbiologyresearch.org [abgerufen am 9. November 2025]).
  2. a b c María J. Pujalte, Teresa Lucena, María A. Ruvira, David Ruiz Arahal, M. Carmen Macián: The Family Rhodobacteraceae. In: The Prokaryotes. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-30196-4, S. 439–512, doi:10.1007/978-3-642-30197-1_377 (springer.com [abgerufen am 9. November 2025]).
  3. a b LPSN - Genus Roseisalinus
  4. C. Neil Hunter: The purple phototrophic bacteria (= Advances in photosynthesis and respiration. Nr. 28). Springer, Dordrecht London 2008, ISBN 978-1-4020-8815-5.
  5. In: Patrick C. Hallenbeck: Modern Topics in the Phototrophic Prokaryotes, ISBN 978-3-319-46261-5 doi:10.1007/978-3-319-51365-2

Literatur

  • María J. Pujalte, Teresa Lucena, María A. Ruvira, David Ruiz Arahal, M. Carmen Macián: The Family Rhodobacteraceae. In: The Prokaryotes. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-30196-4, S. 439–512, doi:10.1007/978-3-642-30197-1_377.