Roseibium marinum
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| (Kim et al. 2006) Hördt et al. 2020 |
Roseibium marinum ist ein Bakterium. Die erste Isolierung stammt aus dem Gelben Meer. Sie ist eine halophile („salzliebende“) Art und benötigt Sauerstoff für das Wachstum, es ist streng aerob. Es zählt zu den aeroben anoxygenen phototrophen Bakterien (Aerobic Anoxygenic Phototrophs, AAP).[1] Es handelt sich um Bakterien, die eine Art der Photosynthese durchführen, die der von anaeroben Bakterien ähnelt, sie findet allerdings in Gegenwart von Sauerstoff statt und eine Kohlenstofffixierung wird nicht durchgeführt. Synonyme sind Stappia marina und Labrenzia marina.
Merkmale
Die Zellen von Roseibium marinum treten einzeln, in unregelmäßigen Clustern und in sternförmigen oder auch rosettenartigen Aggregaten auf. Die Bildung sternförmiger Aggregate konnte jedoch nicht immer beobachtet werden und scheint vom physiologischen Zustand der Zelle abhängig zu sein.[2] Die Rosettenform wurden auch bei anderen AAP-Proteobakterien beobachtet, darunter Staleya guttiformis (zur Familie Paracoccaceae innerhalb der Ordnung Rhodobacterales zählend) und Roseovarius mucosus (wie Roseisalinus zu den Roseobacteraceae).[3]
Die Zellen sind stäbchenförmig und bilden keine Sporen. Sie sind mittels polar liegender Flagellen beweglich.[2]
Stoffwechsel und Wachstum
Roseibium marinum ist chemoheterotroph, es benötigt organische Stoffe für das Wachstum. Eine Gärung wurde nicht beobachtet, sowohl in Gegenwart von Sauerstoff (unter aeroben Bedingungen), als auch unter anaeroben Bedingungen. Unter anaeroben Bedingungen (unter Ausschluss von Sauerstoff) kann es durch die Nitratatmung wachsen.
Es wurden coxL-Gene nachgewiesen, die für die Oxidation von Kohlenmonoxid (CO) nötig sind. Bei der Erstbeschreibung wurde die Kohlenmonoxid-Oxidation nicht geprüft, jedoch deutet das Vorhandensein von coxL-Genen, darauf hin, dass Roseibium marinum (wie andere Arten der Gattung Stappia, wozu die Art zuerst gestellt wurde) Kohlenmonoxid oxidieren kann.[2]
Roseibium marina synthetisiert das Bakteriorchlorophyll a und zählt zu den aeroben anoxygenen phototrophen Bakterien (englisch: Aerobic Anoxygenic Phototrophs, AAP).[1] Es handelt sich hierbei um Bakterien, die in Gegenwart von Sauerstoff eine anoxygene Photosynthese (also ohne Nutzung von O2) durchführen. Sie nutzen hierbei Licht als zusätzliche Energiequelle, wenn Nährstoffmangel herrscht oder bei niedrigen Sauerstoffgehalt. Diese Bakterien besitzen einen Photosyntheseapparat, der dem Photosystem II anoxygener phototropher Proteobakterien sehr ähnlich ist. Photochemisch aktive Reaktionszentren und Lichtsammelkomplexe sind ebenso vorhanden wie die Komponenten des zyklischen Elektronentransports (z. B. ein an das Reaktionszentrum gebundenes Cytochrom c und lösliches Cytochrom c2). Intrazelluläre photosynthetische Membransysteme, wie sie typisch für anoxygenische phototrophe Proteobakterien sind, fehlen in den meisten aeroben photosynthetischen Bakterien.[4] Sie produzieren auch eine Reihe von Carotinoiden, die ihnen ihre charakteristische rosa oder orange Farbe verleihen.[5] Bei dieser Photosynthese wird in der Regel keine Kohlenstofffixierung durchgeführt, da das hierfür benötigte Schlüsselenzym RuBisCO fehlt.[6]
Systematik
Die Art Roseibium marinum wurde im Jahr 2006 zuerst beschrieben, damals noch zu der Gattung Stappia als Stappia marina gestellt.[7] Im Jahr 2007 wurde R. marinum von Hanno Biebl und Mitarbeitern der Gattung Labrenzia zugeordnet.[8] Aufgrund von Genomanalysen wurde im Jahr 2020 die Art von Anton Hördt und Mitarbeitern zu Roseibium transferiert.[9] Die Gattung Stappia, zu der Roseibium marinum zuerst zählte, wurde durch die taxonomische Umstellung der Art Agrobacterium stellulatum aufgestellt.[10] Die Gattung Roseibium zählt zu der Familie Stappiaceae, die im Jahr 2020 von Hördt und Mitarbeitern aufgestellt wurde. Zu der Familie Stappiaceae zählten im November 2025 sechs Arten, außer Roseibium sind dies Hongsoonwoonella, Pannonibacter, Polycladidibacter, Pseudovibrio und Stappia. In der Gattung Roseibium sind ca. 20 Arten vertreten. Die Art Roseibium denhamense ist die Typusart, sie wurde im Jahr 2020 beschrieben.
Ökologie
Roseibium marinum wurde innerhalb eines Wattgebietes des Gelben Meeres isoliert. Dies geschah innerhalb einer Studie, die darauf abzielt, die Vielfalt der Mikroorganismen und ihre Funktion im Ökosystem der Wattgebiete zu verstehen. Das Bakterium ist halophil, toleriert also relativ hohen Salzgehalt, es zeigt noch schwaches Wachstum bei 6 % NaCl.[2]
Einzelnachweise
- ↑ a b María J. Pujalte, Teresa Lucena, María A. Ruvira, David Ruiz Arahal, M. Carmen Macián: The Family Rhodobacteraceae. In: The Prokaryotes. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-30196-4, S. 439–512, doi:10.1007/978-3-642-30197-1_377 (springer.com [abgerufen am 9. November 2025]).
- ↑ a b c d Byung-Chun Kim, Ja Ryeong Park, Jin-Woo Bae, Sung-Keun Rhee, Kyoung-Ho Kim, Jong-Won Oh and Yong-Ha Park: Stappia marina sp. nov., a marine bacterium isolated from the Yellow Sea. In: INTERNATIONAL JOURNAL OF SYSTEMATIC AND EVOLUTIONARY MICROBIOLOGY. Band 56, Nr. 1, 1. Januar 2006, ISSN 1466-5026, S. 75–79, doi:10.1099/ijs.0.63735-0 (microbiologyresearch.org [abgerufen am 10. November 2025]).
- ↑ C. Neil Hunter: The purple phototrophic bacteria (= Advances in photosynthesis and respiration. Nr. 28). Springer, Dordrecht London 2008, ISBN 978-1-4020-8815-5.
- ↑ Jörg Overmann, Ferran Garcia-Pichel: The Phototrophic Way of Life. In: The Prokaryotes. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-30122-3, S. 203–257, doi:10.1007/978-3-642-30123-0_51 (springer.com [abgerufen am 17. November 2025]).
- ↑ Stevens, A. et al. (2024): Microbial Physiology. 1st edn. ASM Press.
- ↑ In: Patrick C. Hallenbeck: Modern Topics in the Phototrophic Prokaryotes, ISBN 978-3-319-46261-5 doi:10.1007/978-3-319-51365-2
- ↑ LPSN - Genus Roseisalinus
- ↑ Hanno Biebl, Rüdiger Pukall, Heinrich Lünsdorf, Stefan Schulz, Martin Allgaier, Brian J. Tindall, Irene Wagner-Döbler: Description of Labrenzia alexandrii gen. nov., sp. nov., a novel alphaproteobacterium containing bacteriochlorophyll a, and a proposal for reclassification of Stappia aggregata as Labrenzia aggregata comb. nov., of Stappia marina as Labrenzia marina comb. nov. and of Stappia alba as Labrenzia alba comb. nov., and emended descriptions of the genera Pannonibacter, Stappia and Roseibium, and of the species Roseibium denhamense and Roseibium hamelinense. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 57, Nr. 5, 1. Mai 2007, ISSN 1466-5026, S. 1095–1107, doi:10.1099/ijs.0.64821-0 (microbiologyresearch.org [abgerufen am 10. November 2025]).
- ↑ iöä.-8 Hördt, Marina García López, Jan P Meier-Kolthoff, Marcel Schleuning, Lisa-Maria Weinhold, Brian J Tindall, Sabine Gronow, Nikos C. Kyrpides, Tanja Woyke und Markus Göker: Analysis of 1,000+ Type-Strain Genomes Substantially Improves Taxonomic Classification of Alphaproteobacteria. In: Front Microbiol (2020) Band 11: S. 468. doi:10.3389/fmicb.2020.00468
- ↑ Yoshihito Uchino, Aiko Hirata, Akira Yokota, Junta Sugiyama: Reclassification of marine Agrobacterium species: Proposals of Stappia stellulata gen. nov., comb. nov., Stappia aggregata sp. nov., nom. rev., Ruegeria atlantica gen. nov., comb. nov., Ruegeria gelatinovora comb. nov., Ruegeria algicola comb. nov., and Ahrensia kieliense gen. nov., sp. nov., nom. rev. In: The Journal of General and Applied Microbiology, Band 44, Nr. 3, Juni 1998, S. 201–210; doi:10.2323/jgam.44.201, PMID 12501429.
Literatur
- B.-C. Kim et al.: Stappia marina sp. nov., a marine bacterium isolated from the Yellow Sea. In: INTERNATIONAL JOURNAL OF SYSTEMATIC AND EVOLUTIONARY MICROBIOLOGY. Band 56, Nr. 1, 1. Januar 2006, ISSN 1466-5026, S. 75–79, doi:10.1099/ijs.0.63735-0 (microbiologyresearch.org [abgerufen am 10. November 2025]).