Rose Elise Dreyer
Rose Elise Dreyer (* 10. Juli 1895 in Rietberg; † 1943 in Auschwitz) war eine deutsche Erzieherin und letzte Leiterin des jüdischen Waisenhauses in Paderborn. Sie war als Liese Dreyer bekannt und engagierte sich für die Betreuung und Ausbildung jüdischer Kinder und Jugendlicher. Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchte sie, die ihr anvertrauten Kinder vor Verfolgung und Deportation zu schützen.[1][2][3]
Leben
Rose Elise Dreyer wurde 1895 in Rietberg als Tochter des Kaufmanns Albert Dreyer und seiner Frau Ida, geborene Marcks, geboren. Über ihre frühe Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Vermutlich absolvierte sie in Köln eine Ausbildung zur Erzieherin. Im Jahr 1914 zog sie nach Paderborn, wo sie eine Anstellung im jüdischen Waisenhaus in der Leostraße fand, das von Fanny Nathan gegründet worden war. Das Heim wurde zu dieser Zeit von ihrer Tante Paula Marcks geleitet.[1][2]
Im Jahr 1930 übernahm Dreyer die Leitung der Einrichtung. Das Waisenhaus bot nicht nur elternlosen Kindern, sondern auch Kindern aus bedürftigen jüdischen Familien Unterkunft, Betreuung und schulische Förderung. Ein besonderes Anliegen war ihr die Vermittlung von Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die das Heim verließen.[1][2]
Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus erkannte Dreyer früh die zunehmende Bedrohung für jüdische Kinder in Deutschland. Spätestens nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 begann sie, die Kinder des Heims gezielt auf eine mögliche Auswanderung vorzubereiten. Sie beteiligte sich auch an Maßnahmen zur sogenannten Kinderauswanderung, bei der Minderjährige in sichere Länder gebracht wurden.[1]
Nach den Novemberpogromen 1938 wurden jüdische Kinder vom Besuch öffentlicher Schulen ausgeschlossen. Das Waisenhaus in der Leostraße, das in jener Nacht unversehrt blieb, übernahm daraufhin die Funktion einer Schule für jüdische Kinder aus Paderborn und der Umgebung. Darüber hinaus entwickelte sich die Einrichtung mit ihrer kleinen Synagoge zu einem religiösen und sozialen Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der Stadt. In den folgenden Jahren nahm Dreyer zunehmend auch erwachsene Jüdinnen und Juden auf, die vor den nationalsozialistischen Repressionen Zuflucht suchten.[1]
Im Jahr 1942 wurde das Waisenhaus von der Stadt Paderborn beschlagnahmt, um das Gebäude für militärische Zwecke zu nutzen. Dreyer sah sich gezwungen, das Heim aufzugeben. Gemeinsam mit dem Lehrer David Köln und der Kindergärtnerin Ella Feldmeier begleitete sie die verbliebenen Kinder in das jüdische Umschulungslager Ahlem bei Hannover, das ursprünglich eine Gartenbauschule gewesen war.[1]
Von dort wurde Rose Elise Dreyer am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurde.[1][2][4]
Gedenken
An Rose Elise Dreyer erinnert ein Stolperstein in Paderborn, dessen Verlegung am 12. Dezember 2019 von Schülerinnen und Schülern der Friedrich-Spee-Gesamtschule Paderborn initiiert wurde.[1] Zudem wurde in Paderborn ein Weg nach ihr benannt.[5]
Siehe auch
Weblinks
- Erste Stolpersteine in Paderborn – Video auf WDR
- Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (Liese Dreyer)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Stolpersteine Paderborn – Verlegung Dezember 2019, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ a b c d Stadtbibliothek Hannover – Liese Dreyer, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Zukunft heißt Erinnern – Stadtbibliothek, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Erinnern und Gedenken 2019 – Paderborn, abgerufen am 18. Oktober 2025.
- ↑ Weg nach jüdischem Mädchen benannt. In: Westfalen-Blatt. Abgerufen am 18. Oktober 2025.