Rollende Landstraße

Die Rollende Landstraße (kurz RoLa, in der Schweiz Rollende Landstrasse) ist ein Transportsystem für den begleiteten kombinierten Verkehr auf der Schiene bzw. ein spezieller Zug, bei dem komplette Lastkraftwagen bzw. Sattelzüge per Eisenbahn befördert werden. Die dazu verwendeten kurzgekuppelten Niederflurwagen mit kleinen Raddurchmessern (380/360/335 mm) haben durchgängig über den ganzen Zug hinweglaufende Fahrspuren; die Fahrzeug-Führenden sind während der Fahrten in zusätzlich angehängten Begleitwagen (Sitz- oder Liegewagen) untergebracht. An den Endpunkten der Verbindungen befinden sich spezielle Laderampen, um die Fahrzeuge einfach auf die Waggons herauf- bzw. herabfahren zu können.

Aufgrund ihrer Totlastanteile von über 50 Prozent wurde die RoLa 1998 in einer Studie der schweizerischen „AlpeninitiativePro Alps als „energetisch ineffizienteste und unökonomischste Form“ des kombinierten Verkehrs bewertet; laut schweizerischem Bundesrat schonte die RoLa Klima und Umwelt und entlastete das Strassensystem in der Schweiz und in Liechtenstein.[1]

Die RoLA zwischen Italien und Deutschland über die Schweiz sollte zunächst noch bis Ende 2028 weitergeführt werden,[2] dann aber wurde der Betrieb aus finanziellen Gründen bereits Mitte Dezember 2025 eingestellt.[3][4]

In der Schweiz wurde zeitweise statt RoLa das Kürzel RA für Rollende Autobahn verwendet;[5] in Nordamerika und Indien lautet das Kürzel RORO für Roll-On/Roll-Off.

Verkehrsangebote

Der wichtigste Parameter von Strecken für den LKW-Transport ist die „Eckhöhe“, also die Höhe, die ein geladener LKW nutzen darf, um die Fahrzeugbegrenzungslinie nicht zu überschreiten. Für heute bestehende Strecken ergeben sich Eckhöhen nach dem vorhandenen Lichtraumprofil – häufig 3,85 m. Neubaustrecken wie die der projektierten Neuen Eisenbahn-Alpentransversale streben eine Eckhöhe von 4 m an, welche die EU für LKW erlaubt. Die zulässige Eckhöhe einer Strecke wird in einem sogenannten Profilcode verschlüsselt.

Meist werden Transitlinien, z. B. von Tirol nach Italien oder nach Osteuropa mit der RoLa bedient. Für Österreich als traditionelles Transitland ist die „Rollende Landstraße“ aus umweltpolitischen Gründen von Bedeutung. 1999 wurden von den ÖBB 254.000 LKW bzw. LKW-Züge – das entspricht rund 8,5 Millionen Tonnen Ladung – befördert; 1993 waren es noch 158.989 Einheiten. 2007 wurden mit 19.073 Zügen 288.776 Einheiten von der Rail Cargo Austria befördert, 2015 dann ca. knapp 200.000 LKW: Hier verkehren die häufigsten Güterzüge der Rollenden Landstraße zwischen Wörgl und Brenner sowie Maribor und Wels (über Graz); in der Schweiz verkehrten RoLa-Züge sowohl über die Gotthard- als auch über die Lötschberg-Simplon-Achse.

Zum 25. September 1994 verkehrte der erste RoLa-Zug zwischen Bahnhof Dresden-Friedrichstadt und Lovosice in Tschechien: Die 115 km wurden in 185 Minuten (zwischen Ladeschluss und Entladung) bewältigt. Der Freistaat Sachsen förderte das Pilotprojekt bis Ende 1995 mit knapp zehn Mio. Euro. Mit den später zurückgefahrenen Zuschüssen sank die Attraktivität des Angebots.[6] Am 11. Juni 2003 wurde der 750.000. Lkw befördert. 2003 wurden dabei bis zu zwölf Zugpaare täglich mit einer Kapazität von je 23 Stellplätzen angeboten.[7] Bei einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent erforderte das Angebot Betriebskostenzuschüsse von jährlich rund 7,5 Mio. Euro; 2003 standen dem 6,5 Mio. Euro an Fahrgeldeinnahmen gegenüber. Nachdem mit dem EU-Beitritt Tschechiens die Auslastung auf weniger als zehn Prozent gesunken war, wurde am 18. Mai 2004 die Einstellung des Angebots beschlossen.[8]

In Indien wird eine rollende Landstraße auf der Konkanstrecke in den Relationen Kolad–Verna (seit 1999), Kolad–Surathkal (seit 2004) und Ankola–Surathkal betrieben. Hier können LKW den parallel zur Strecke verlaufenden NH 66 (nach alter Nummerierung NH 17) vermeiden. Diese Straße ist in den Ausläufern der Westghats sehr kurvig und steil.

Funktionell lässt sich auch der zum System Eurotunnel Le Shuttle gehörende Freight Shuttle als RoLa kategorisieren.

Betreiber

Von Dezember 2012 bis Juni 2016 wurde eine Transit-RoLa über den Brenner vom italienischen Trient nach Regensburg durch die bayernhafen in Zusammenarbeit mit dem Terminalbetreiber in Trento Interbrennero, der Trenitalia, dem Unternehmen Trasposervizi und dem privaten deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen Lokomotion betrieben.[9]

In Österreich wird die RoLa von der Rail Cargo Operator - Austria GmbH betrieben; innerösterreichisch und von Österreich nach Italien und Slowenien verkehren täglich bis zu 80 Züge mit zusammen rund 1.600 Stellplätzen.

Im alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz zwischen dem südwestdeutschen Freiburg im Breisgau und den norditalienischen Novara wurde die RoLa seit 2001 von der RAlpin AG in Olten betrieben; 2011 übernahm sie von der Hupac die Verbindung zwischen Basel Kleinhüningen Hafen und Lugano. 2010 wurden hier 102.720 Lastwagen durch die Alpen befördert, 2024 rund 72.000.[10]

Entwicklung

Die Idee, eine Art „Rollende Landstraße“ einzurichten, entstand noch vor der ersten richtigen Eisenbahn im deutschsprachigen Raum: Bereits 1828 schlug ein Komitee, das den Bau einer Pferdeeisenbahn von der Saline Bad Dürrenberg nach Leipzig vorantrieb, vor, spezielle Eisenbahnwagen zu fertigen, auf denen dann die Pferdefuhrwerke transportiert werden sollten. Die Idee hatte jedoch mehrere Mängel und erwies sich als nicht wirtschaftlich. Dennoch wurde aufgrund von Transportengpässen immer wieder auf diesen Lösungsansatz zurückgegriffen.[11] In Deutschland verkehrten erste planmäßige Züge unter der Bezeichnung „Huckepackverkehr“ ab dem 1. Dezember 1954 in den Verbindungen Frankfurt (Main) OstHamburg Hannoverscher Bahnhof und Müllheim (Ruhr)-Speldorf–Hamburg-Rothenburgsort.[12]

Die erste RoLa durchquerte die Schweiz schließlich 1968. Im Zuge der Verlagerungspolitik wurden dann die bestehenden Alpenbahnstrecken weiter ausgebaut, so dass ab 2001 eine verbesserte RoLa in Betrieb genommen werden konnte. Von nun an konnten Lastwagen mit einer Eckhöhe von bis zu 4 Metern, einer Breite von bis zu 2,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 44 Tonnen transportiert werden.[13]

Ende 2018 wurde die RoLa zwischen Basel und Lugano aufgrund schlechter Subventions-Effizienz eingestellt;[14][15] die zwischen Freiburg und Novara am 11. Dezember 2025 aufgrund geringer Wirtschaftlichkeit ebenfalls: Als ausschlaggebend für das Vorziehen der hier ursprünglich für 2028 vorgesehenen Einstellung wurde die „anhaltend hohe Störungsanfälligkeit der Schieneninfrastruktur in Deutschland“ genannt, die zu zunehmenden Zugausfällen führe.[10][16] Als Resultat erwartet die Verkehrspolizei von Weil am Rhein eine Zunahme von Staus aufgrund vermehrt anfallender Verzollungen an der Grenze nach Basel.[17][18][16]

Bewertung

Die Vorteile der RoLa sind sowohl ökonomischer als auch ökologischer Natur: Der Spediteur spart Treibstoff, Mautgebühren, Zeitverluste durch Staus und Betriebskilometer bei seinen Fahrzeugen; die Fahrzeugführenden können die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einhalten, ohne den Transport unterbrechen zu müssen. Oftmals müssen zudem Einschränkungen nicht beachtet werden wie etwa beim Vor- und Nachlauf von Nacht- oder Wochenendfahrverboten; außerdem liegt z. B. das zulässige Gesamtgewicht im Kombinierten Verkehr in Österreich bei 44 statt nur 40 Tonnen.[19]

Die Frachtführer kritisieren an dieser Transport-Methode jedoch neben den anfallenden Kosten die Abhängigkeit von Fahrplänen sowie die langen Verladezeiten; es wird auch dargelegt, dass viel Totlast im Verhältnis zur Güterlast transportiert werde, da die Zugmaschine des LKW mittransportiert wird. Dagegen steht jedoch der Vorteil des um ein Vielfaches geringeren Rollwiderstands der Eisenbahnwaggons. Eine Alternative ist der kombinierte Verkehr, bei dem nur der Sattelauflieger auf Taschenwagen verladen wird, während die Zugmaschine vor Ort verbleibt.

In der Schweiz bestehen ein Verfassungsauftrag („Alpen-Initiative“, siehe Pro Alps) und das Güterverkehrsverlagerungsgesetz (GVVG), welche beide den alpenquerenden Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern sollen bzw. wollen. Dieses Ziel soll mit der Fertigstellung der Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) erreicht werden und wird mit Fördermaßnahmen zugunsten des Schienengüterverkehrs unterstützt, unter anderem der RoLa. Trotz dieser Förderung und einer Auslastung von rund 80 % wurde die Schweizer RoLa Mitte Dezember 2025 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt – Mit der RoLa und anderen Maßnahmen konnte die Schweiz einen ansehnlichen Teil des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene verlagern oder auf der Schiene behalten;[20][21] zukünftig will die Schweiz den Verfassungsauftrag durch die verstärkte Förderung des Unbegleiteten Kombinierten Verkehrs erfüllen.[22]

Commons: Rolling road (rail transport) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Bundesrat will «Rollende Landstrasse» bis 2026 fortführen. In: admin.ch. Bundesrat, 30. September 2022, abgerufen am 9. Oktober 2022.
  2. Bund unterstützt "Rollende Landstrasse" bis Ende 2028. In: parlament.ch. 1. Juni 2023, abgerufen am 1. Juni 2023.
  3. Güterverkehr - «Rollende Autobahn» wird Ende Jahr eingestellt. In: srf.ch. 5. Mai 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.
  4. [badische-zeitung.de] 11. Dezember 2025, Manuel Fritsch: Der letzte Zug der Rollenden Landstraße ist aus Freiburg abgefahren – geplant war das anders
  5. Glossar des Bundesamtes für Verkehr (Memento des Originals vom 15. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bav.admin.ch
  6. Meldung „Kurz-RoLa“ Dresden – Lovosice weiter beschleunigt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2003, ISSN 1421-2811, S. 107 f.
  7. Meldung 750 000 LKW auf „Kurz-RoLa“. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8–9/2003, ISSN 1421-2811, S. 368.
  8. Meldung Aus für Dresden – Lovosice. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2004, ISSN 1421-2811, S. 328.
  9. Wayback Machine. Archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 16. Dezember 2025.
  10. a b Die ‚Rollende Autobahn’ wird Ende 2025 eingestellt. RAlpin AG, 5. Mai 2025, abgerufen am 5. Mai 2025.
  11. Ralf Roth: Zwischen Wettbewerb und Abhängigkeit: Ein langes und kompliziertes Verhältnis von Straße und Schiene mit vielen fehlgeschlagenen Innovationen. In: Christoph Siepermann, Michael Eley (Hg.): Logistik - gestern, heute, morgen. Festschrift für Richard Vahrenkamp zur Vollendung des 65. Lebensjahres. Berlin 2011, S. 15–42, 36.
  12. Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 26. November 1954, Nr. 53. Bekanntmachung Nr. 708, S. 342; Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 10. Dezember 1954, Nr. 55. Bekanntmachung Nr. 734, S. 352.
  13. Rollende Landstrasse. Dossier. In: swissworld.org. Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. März 2014; abgerufen am 10. März 2024.
  14. Bericht über die Verkehrsverlagerung Juli 2021–Juni 2023. (pdf) Schweizerische Eidgenossenschaft – Der Bundesrat, 29. November 2023, S. 60, abgerufen am 10. Mai 2024.
  15. Geschichte - RAlpin AG. Abgerufen am 14. November 2019.
  16. a b Franz Schmider: Rollende Landstraße endet früher. In: Badische Zeitung. 9. Mai 2025, S. 16 (badische-zeitung.de [abgerufen am 9. Mai 2025]).
  17. Badische Zeitung: Verkehrspolizei Weil am Rhein erwartet weitere Herausforderungen nach Ende der Rollenden Landstraße. 5. November 2025, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  18. «Rollende Autobahn» wird Ende Jahr eingestellt In: SRF, 5. Mai 2025 
  19. Jusline.at: § 4 KFG 1967 (Kraftfahrgesetz 1967), Allgemeines - JUSLINE Österreich. Abgerufen am 14. November 2019.
  20. 30 Jahre Alpeninitiative – 30 Jahre Verlagerungspolitik. In: BAV-News-Blog. Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Verkehr, 15. Februar 2024, abgerufen am 10. März 2024.
  21. Verlagerung des Güterverkehrs durch die Alpen. In: Verkehrsmittel – Eisenbahn – Güterverkehr. Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Verkehr BAV, abgerufen am 10. März 2024.
  22. bav.admin.ch