Rio-de-Janeiro-Vireo

Rio-de-Janeiro-Vireo

Rio-de-Janeiro-Vireo

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Hylophilus
Art: Rio-de-Janeiro-Vireo
Wissenschaftlicher Name
Hylophilus thoracicus
Temminck, 1822

Der Rio-de-Janeiro-Vireo, auch Gelbbrustvireo genannt, (Hylophilus thoracicus) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]

Der Vogel kommt in zwei voneinander getrennten Ausbreitungsgebieten vor, einmal im Nordwesten Südamerikas in Bolivien, Brasilien, Ecuador, Französisch-Guayana, Guyana, Kolumbien, Peru, Suriname und Venezuela sowie im Südosten Brasiliens in Minas Gerais und von Espírito Santo bis Rio de Janeiro.

Eine Zeitlang wurde die Art in die Gattung Pachysylvia Bonaparte, 1850 gestellt.[3]

Der Lebensraum der nördlichen Population umfasst tropische oder subtropische hohe feuchte Wälder, Sumpfgebiete, Terra Firme und teilabgeholzte Waldflächen bis 1000 m Höhe, im Südosten niedrigere offen baum- und gebüschbestandene Flächen.[4]

Der Artzusatz kommt von lateinisch thoracicus ‚die Brust betreffend‘.[5]

Merkmale

Die Art ist mit 10–13 cm relativ klein und wiegt zwischen 11 und 14 g. Die Stirn ist hell zitronengelb, die hintere Kopfkappe und der Nacken sind grau mit hell olivfarbener Oberseite, mitunter etwas bläulich überhaucht. Die Zügel sind hell, der Augenring weißlich, die Ohrdecken sind leicht grau bräunlich. Über die Brust zieht ein breites zitronengelbes Brustband. Kehle und die Unterseite sind weißlich. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Der Schnabel ist grau bis matt rosafarben oder bräunlich, manchmal ist der Unterschnabel an der Basis sehr hell, an der Spitze hornfarben. Die Iris ist hell, weißlich bis strohfarben, die Beine sind blass, hellgrau, bleifarben bis purpurgrau oder fleischfarben. Jungvögel sind matter gefärbt, die Kopfkappe ist matt graubraun, die Kopfzeichnung etwas undeutlicher. Die Unterseite ist etwas olivfarben oder bräunlich, die Flanken können etwas grau überhaucht sein. Der Schnabelwinkel ist oft noch weißlich wie bei den Küken. Die Iris ist dunkel.

Im Ausbreitungsgebiet kommt der ähnlich aussehende Aschkopfvireo (Hylophilus pectoralis) vor, der aber eine dunkle Iris, grauen Kopf und Nacken sowie mehr gelbe Färbung an der Brust aufweist. Verwechslungsgefahr besteht ebenfalls mit dem Graubrustvireo (Hylophilus semicinereus), der aber nicht so gleichmäßig grau an der Unterseite ist, dem auch das breite gelbe Brustband fehlt. Schließlich besteht Ähnlichkeit mit dem Braunstirnvireo (Pachysylvia hypoxantha), unterscheidet sich aber durch die helle Iris und den weißen Bauch.[4][6][7][8]

Geografische Variation

Es werden folgende Unterarten anerkannt:[4][1][9][10]

  • H. t. aemulus (Hellmayr, 1920)[11] – Osthänge der Anden Kolumbiens bis Südostperu und Nordbolivien, weniger Grau am Scheitel, Kehle und Unterseite gelbbrauner, Iris weißlich eventuell etwas braun beim Jungvogel, Oberschnabel braun, Unterschnabel rosa, Beine malvenfarben bis rosa
  • H. t. griseiventris Berlepsch & Hartert, 1902[12] – Ostvenezuela (Bolívar) bis Guyanas und Nordbrasilien, hintere Kopfkappe und Nacken grau, abgesetzt gegen die hell olivgrüne Oberseite, breites grünlich gelbes Brustband deutlich abgegrenzt gegen graue Kehle und die übrige Unterseite. Oberschnabel dunkel, Unterschnabel rosafarben, Beine und Füße grau, Iris weißlich bis orangefarben
  • H. t. thoracicus Temminck, 1822, Nominatform, – Südostbrasilien

Von einigen Autoren wurden die Unterarten H. t. griseiventris und H. t. aemulus aufgrund Unterschieden in Färbung, Größe und Lautäußerungen als eigenständig angesehen und als Gelbbrustvireo (Hylophilus griseiventris) bezeichnet mit Hylophilus griseiventris griseiventris als Nominatform und Hylophilus griseiventris aemulus als Unterart.[13][14] Dann müsste die vorliegende Art als monotypisch angesehen werden.[15]

Nach der gegenwärtig überwiegenden Auffassung bleibt das Taxon griseiventris jedoch bis zu neuen Forschungsergebnissen dem Hylophilus thoracicus zugeordnet, da die Unterschiede im Gefieder und der Lautäußerungen als relativ gering angesehen werden und molekulargenetische Untersuchungen fehlen.[10]

Stimme

Die Lautäußerungen werden als durchdringende Folge von 6 bis 10 „chew-ew chew-ew chew-ew“ oder „dewEE, dewEE, dewEE“ Pfeiflauten beschrieben. Mitunter ist auch ein „REE trr’r’r’r’r’r’r“ zu hören, das an einen Aschkopfvireo (Hylophilus pectoralis) erinnert. Der Warnruf ist ein auch mal doppelter Pfiff oder „kray“ Ruf.[4][6][7]

Lebensweise

Die Art ist ein Standvogel. Sie tritt einzeln oder paarweise auf, mitunter auch in einer Gemischten Jagdgemeinschaft. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Wirbellosen und kleinen Früchten, die in den Baumkronen und in mittlerer Waldhöhe gesucht werden, auch von Zweigen hängend. An bewachsenen Ufern ist der Vogel auch weniger hoch zu beobachten.

Die Brutzeit reicht von Anfang September bis Ende Mai. Das Nest wird an eine Astgabel gehängt. Beide Elternvögel brüten und versorgen die Küken.[4][7]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).[16]

Literatur

  • C. J. Temminck: Hylophilus thoracicus. In: Nouveau recueil de planches coloriées d'oiseaux, pour servir de suite et de complément aux planches enluminées de Buffon, Band 3, Abbildung 173, Figur 1, 1822, Biodiversity Library
Commons: Rio-de-Janeiro-Vireo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Rio de Janeiro or Lemon-chested Greenlet, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 27. September 2025.
  2. P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  3. G.K. Cherrie: A contribution to the ornithology of the orinoco region. In: The Museum Of The Brooklyn Institute Of Arts And Sciences Science Bulletin, Band 2, Nummer 6, S. 154, 1916, SciSpace
  4. a b c d e M. C. Tinti, C. O. A. Gussoni und P. Pyle: Lemon-chested Greenlet (Hylophilus thoracicus), version 2.0. In: F. Medrano und B. K. Keeney (Herausgeber): Birds of the World. 2024, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Hylophilus thoracicus
  5. J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
  6. a b M. McMullan: Field Guide to the Birds of Colombia Rey Naranjo Editores, 2018, ISBN 978-958-8969-77-0
  7. a b c Thomas Scott Schulenberg, Douglas Forrester Stotz, Daniel Franklin Lane, John Patton O’Neill, Theodore Albert Parker III: Birds of Peru. Princeton University Press, 2007, ISBN 978-0-691-04915-1
  8. Peruaves
  9. IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
  10. a b AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  11. C. E. Hellmayr: Pachysylvia thoracica aemula. In: Anzeiger der Ornithologische Gesellschaft in Bayern, Band 1, Heft 3, S. 15, 1920, Biodiversity Library
  12. H. Berlepsch und E. Hartert: Hylophilus thoracicus griseiventris. In: Novitates Zoologicae, Band 9, Heft 1, S. 11–12, 1902 Biodiversity Library
  13. Peter F. D. Boesman: 168. Notes on the vocalizations of Tawny-crowned Greenlet (Hylophilus ochraceiceps). In: Ornithological Notes. 2016 doi:10.2173/bow-on.100168.
  14. Matthew J. Miller: HBW and BirdLife International Illustrated Checklist of the Birds of the World Volume 2: Passerines Josep del Hoyo, Nigel J. Collar. 2016. Lynx Edicions, Barcelona, 1013 pages, hundreds of color plates. ISBN 978-84-96553-98-9. $269 (Hardcover).. In: Journal of Field Ornithology. 2017, Band 88, Nummer 4, S. 421–424 doi:10.1111/jofo.12232.
  15. Rio-de-Janeiro-Vireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 27. September 2025.
  16. Hylophilus thoracicus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2024. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 28. September 2025.