Rinaldo Locatelli

Rinaldo Alessio Locatelli (* 14. September 1939 in Bellinzona, Schweiz; † 8. Juli 2015 in Strassburg, Frankreich)[1] war ein Schweizer Politikwissenschaftler und Beamter beim Europarat. Er leitete von 1995 bis 2001 das Sekretariat des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas (Congrès des pouvoirs locaux et régionaux) und widmete sich der Stärkung der demokratischen Strukturen und der regionalen Zusammenarbeit in Europa und der EU.[2][3]

Leben

Studium

Von 1945 bis 1950 besuchte Rinaldo Locatelli die Primarschule in Bellinzona. Danach war er drei Jahre am Colleggio Francesco Soave und bekam 1954 am Kantonalen Gymnasium (Liceo cantonale di Bellinzona) sein Diplom. Nach vier Jahren Wirtschaftsgymnasium (Scuola cantonale di commercio, Bellinzona) schloss Locatelli in Wirtschaftswissenschaften ab (1959). Danach studierte er an der Universität Fribourg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.[3]

Zusätzlich nahm er während des Studienjahres 1962/63 am Studienprogramm des «Europäisches Forschungsinstitut der Universität des Saarlandes» teil und legte die Prüfungen zur Erlangung des «Diploms über Europäische Studien» ab.[4]

Locatelli promovierte 1964 an der Universität Fribourg in Politikwissenschaften und schrieb seine Dissertation mit dem Titel: «La concurrence dans le Marché Commun des lampes électriques» (Die Konkurrenz auf dem gemeinsamen Markt für elektrische Lampen).[2]

Europarat

Bereits 1963 begann Locatelli seine berufliche Laufbahn als Angestellter auf Zeit im Büro des Sekretärs der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, während er sein Doktorat in Politikwissenschaften vorbereitete.[2]

1965 begann Rinaldo Locatelli als Administrator im Greffe (Kanzlei) der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, wo er bis 1970 als Sekretär arbeitete.[2]

1970 wurde Locatelli Sekretär der Ersten Europäischen Konferenz der für Raumordnung zuständigen Minister. Anschliessend arbeitete er bis 1977 als Sekretär des Ausschusses für Zusammenarbeit in den kommunalen und regionalen Gebietskörperschaften (Secrétaire du Comité pour la coopération dans les collectivités locales et régionales), einem Ausschuss für zwischenstaatliche Zusammenarbeit und Vorläufer des heutigen Europäischen Ausschusses für lokale und regionale Demokratie (Comité européen pour la démocratie locale et régionale, CDLR). In den Jahren 1975 und 1976 organisierte Locatelli die ersten beiden Kongresse der europäischen Minister, die für die lokalen Gebietskörperschaften zuständig sind (innerhalb vom Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates). 1977 übernahm er die Leitung des Sekretariats des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas (Congrès des pouvoir locaux et régionaux).Seit 1978 hat sich sein beruflicher Werdegang parallel zur Versammlung der lokalen und regionalen Mandatsträger (Réunion des élus locaux et régionaux) weiterentwickelt und ihn vom Amt des Exekutivsekretärs des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas (Congrès des pouvoir locaux et régionaux) zum Abteilungsleiter des Ständigen Sekretariats des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas gebracht (1983). Darüber hinaus war Locatelli seit 1989 einer der Initiatoren eines Programms zur politischen Unterstützung der mittel- und osteuropäischen Länder sowie der Beobachtung der Kommunal- und Regionalwahlen in diesen Ländern.[4]

Ab 1993 lehrte er am Institut für Politikwissenschaften der Universität Strassburg und hielt als Dozent für Postgraduiertenstudien Vorlesungen zu Regionalpolitik und grenzüberschreitender Zusammenarbeit.[2]

Seit 1994 initiierte er auch die Überwachung der lokalen und regionalen Demokratie, zunächst in Rumänien, dann in weiteren mittel- und osteuropäischen Ländern und schliesslich in allen Mitgliedstaaten des Europarates.

1995–2001 war er Exekutivdirektor des Sekretariats des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas.[5][2][3]

1999 begleitete Locatelli den Präsidenten des Kongresses bei diplomatischen Reisen nach Prishtina und Skopje, um den Dialog und die Zusammenarbeit in Südosteuropa zu fördern.

Am 1. September 2001 wählten die Abgeordneten des Kongresses Rinaldo Locatelli zum Vorsitzenden des Kongresses der Gemeinden und Regionen Europas.[5]

Locatelli beteiligte sich unter anderem an der Gründung der "European Association for Local Democracy" (ALDA). oder "Local Democracy Agencies" (LDA) in Südosteuropa und an der Schaffung des «European Network for Training of Local Staff» (ENTO).[6]

Association des Habitants de la Robertsau (ADIR)

Nach seiner Pensionierung engagierte sich Locatelli im Verein der Bewohner der Robertsau, einem Stadtteil von Strassburg, in welchem er seit seiner Ankunft in Frankreich wohnte.[2][3]

Er war stellvertretender Sekretär der Association des Habitants de la Robertsau (ADIR) und setzte sich bis kurz vor seinem Tod unermüdlich für lokale Projekte, Bürgerbeteiligung und den Erhalt des Stadtteils ein.[2][3]

Privatleben

Während seines Studiums in Saarbrücken lernte er Doris Kresse kennen, die er 1965 heiratete.[4]

Der Ehe entstammen drei Töchter.

Rinaldo liebte Fussball und spielte früher selbst, ausserdem war er ein grosser Fan vom AC Bellinzona, dem Verein seiner Heimatstadt in der Schweiz. 2005 stand er noch einmal als Coach auf dem Fussballfeld.

Rinaldo Locatelli verstarb am 8. Juli 2015 im Alter von 75 Jahren in Strassburg und wurde zunächst im Familiengrab auf dem Friedhof in Bellinzona (Cimitero di Bellinzona) begraben, später veranlasste seine Frau seine Beisetzung in Basel auf dem Friedhof Hörnli.[1]

Einzelnachweise

  1. a b Rinaldo Alessio Locatelli. In: Find a Grave. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
  2. a b c d e f g h Décès de Rinaldo Locatelli, secrétaire adjoint de l’Adir. In: ADIR, 16. Juli 2015. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
  3. a b c d e Décès de Rinaldo Locatelli, secrétaire adjoint de l’ADIR. In: ADIR, 7. Dezember 2015. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
  4. a b c Bilder vom Lebenslauf von Rinaldo Locatelli (Privatarchiv).
  5. a b Death of Rinaldo Locatelli. In: Europarat. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  6. Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung. In: Europäische Union. Abgerufen am 25. September 2025.