Richard Wilhelm Bertram

Richard Wilhelm Bertram (* 4. März 1828 in Halle an der Saale; † 25. Mai 1881 ebenda) war ein deutscher Jurist und Politiker. Bertram war von 1862 bis 1866 Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus und 1881 für wenige Wochen Erster Bürgermeister der Stadt Halle.

Leben

Familie

Richard Wilhelm Bertram entstammte einer Familie die schon längere Zeit in Halle ansässig war. Sein Großvater war der Mediziner und Stadtphysikus August Wilhelm Bertram (* 18. August 1752 in Seehausen in der Altmark; † 25. März 1788 in Halle). Er war ab 1788 ordentlicher Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Halle.[1] Sein Vater Karl August Wilhelm Bertram war von 1842 bis 1855 Erster Bürgermeister von Halle und vertrat die Stadt ab 1843 als Deputierter im Landtag der Provinz Sachsen, 1846 in der Preußischen Generalsynode sowie ab 1847 im Vereinigten Landtag des Königreiches Preußen.[2]

Karl August Wilhelm heiratete am 22. November 1821 im Halleschen Dom Caroline Sophie Schwetschke (* 9. September 1802 in Halle; † 10. Februar 1891 in Halle), eine Tochter des halleschen Verlegers Carl August Schwetschke. Richard Wilhelm war eines von drei Kindern des Paars.[3]

Beruflicher Werdegang

Bertram besuchte das Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte Rechtswissenschaften an der Halleschen Universität.[4] Im Anschluss diente er als Freiwilliger ein Jahr in der Preußischen Armee. Als solcher erlebte er 1849 die Niederschlagung der Badischen Revolution, seine Einheit war Bestandteil der Bundestruppen, die zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Großherzogtum Baden eingesetzt wurde.[5]

Nach bestandenen juristischen Staatsexamen wurde Bertram in den preußischen Justizdienst übernommen und arbeitete an den Gerichten bzw. den Verwaltungen in Halberstadt, Naumburg und Berlin. 1856 wurde er zum Gerichtsassessor und zwei Jahre später zum Hilfsrichter am Kreisgericht Langensalza ernannt. 1861 erfolgte seine Beförderung zum Kreisrichter in Langensalza.[4] Er vertrat von 1862 bis 1866 den dortigen Wahlkreis als Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus, wo Bertram eine liberale Politik verteidigte.[4][5] 1868 wurde er nach Halle versetzt und dort 1871 zum Kreisgerichtsrat am Kreisgericht Halle/Saale ernannt, 1878 erfolgte seine Beförderung zum Rat am Appellationsgericht in Naumburg. Nach dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze 1879, trat er in das Kollegium des Oberlandesgerichtes Kassel als Oberlandesgerichtsrat ein.[4]

Doch bereits am 29. November 1880 wählte ihn die Bürgerschaft und der Magistrat der Stadt Halle zu ihrem Ersten Bürgermeister. Die offizielle Einführung in das Amt erfolgte am 3. März 1881.[4] Nur wenige Wochen später, am 25. Mai 1881 morgens um dreiviertel drei, starb Richard Wilhelm Bertram im Alter von 53 Jahren an Leberkrebs.[6] Er wurde am 27. Mai 1881 unter großer Anteilnahme auf dem halleschen Stadtgottesacker bestattet, die Trauerfeier wurde vom Stadtsingechor zu Halle begleitet, die Trauerrede hielt der Domprediger Hugo Albertz.[7]

Richard Wilhelm Bertram war Mitglied der Freimaurerloge Zu den drei Degen im Orient zu Halle und seit 1848 Mitglied der Studentenverbindung Corps Guestphalia Halle, zu deren Ehrenmitglied er später ernannt wurde. Er war außerdem Leiter des Volkswohlvereins in Halle.[5][7]

Ehe und Nachkommen

Richard Wilhelm Bertram heiratete am 18. Juni 1856 in Halle Constanze Caroline Auguste Schwetschke (* 7. Januar 1833 in Halle; † 19. Oktober 1915 in Halle), seine Cousine. Sie war die Tochter des Verlegers Carl Ferdinand Schwetschke und die Nichte von Carl Gustav Schwetschke. Aus der Ehe gingen eine Sohn und zwei Töchter hervor.[8]

Der einzige Sohn Richard (* 12. Januar 1862 in Langensalza) starb während des Ersten Weltkrieges im Oktober 1915 in Frankreich. Seine jüngere Schwester Frieda Wilhelmine (* 19. Dezember 1869 in Halle; † 12. September 1947 in Halle) heiratete 1893 den Arzt und Doktor der Medizin Conrad Heinrich Hartmann Frick, ein Sohn des Pädagogen, Philologen und Direktor der Franckeschen Stiftungen Otto Frick.[8] Deren Tochter Anna Margarete Gertrud Frick (* 22. September 1895 in Halle; † 9. Januar 1948 in Ilsenburg) ehelichte 1922 den halleschen Mediziner und Ernährungswissenschaftler Karl Riehm.[9]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Karl August Wilhelm Bertram (1788-1868) in www.buergerstiftung-halle.de.
  2. Karl vom Hagen / Magistrat der Stadt Halle (Hrsg.): Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Erster Jahrgang, Band 1, Verlag Emil Barthel, Halle 1868, Seite 181.
  3. Karl August Wilhelm Bertram in www.staeves.de.
  4. a b c d e Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Halle a.S. pro 1881/82. (Nachruf), Plötzsche Buchdruckerei / R. Rietschmann, Halle 1882, Seite 5.
  5. a b c Richard Wilhelm Bertram †. Nachruf, In: Hallische Zeitung. 2. Beilage zu Nr. 122. Ausgabe: Halle / 28. Mai 1881, Seite 7.
  6. Familiennachrichten. Todesanzeige, In: Saale-Zeitung. 2. Beilage zu Nr. 121. Ausgabe: Halle / 26. Mai 1881, Seite 3.
  7. a b Aus Halle und Umgebung. Leichenbegängnis, In: Hallesches Tageblatt. Beilage Nr. 123. Ausgabe: Halle / 29. Mai 1881, Seite 2.
  8. a b Genealogie von Richard Wilhelm Bertram in www.staeves.de
  9. Dr. med. Karl Franz Botho Riehm in www.staeves.de.