Karl vom Hagen
Karl Hugo Wilhelm Freiherr vom Hagen (* 19. September 1816 in Dettum; † 26. November 1886 in Halle (Saale)) war ein deutscher Kommunalpolitiker und Lokalhistoriker. Hagen war von 1845 bis 1848 Landrat des Landkreises Worbis und von 1874 bis 1881 zweiter Bürgermeister der Stadt Halle.
Leben
Karl Hugo Wilhelm Freiherr vom Hagen entstammte dem alten ursprünglich eichsfeldischen Adelsgeschlecht vom Hagen. Angehörigen der Familie wurde 1826 der Freiherrenstand im Königreich Preußen bestätigt.[1] Sein Vater Karl Wilhelm Friedrich vom Hagen († 1841) war zunächst Justizassessor in Könnern und später Gerichtsamtmann in Glaucha bei Halle.[2] Seine Mutter Dorette († 1870) war eine geborene Rudolphi. Karl war das älteste Kind des Paares, er hatte noch zwei Brüder.[3]
1845, mit 30 Jahren, wurde Hagen Landrat des preußischen Landkreises Worbis im Regierungsbezirk Erfurt in der Provinz Sachsen. Nach der Ernennung von Eugen von Puttkamer zum Ministerialdirektor im preußischen Innenministerium 1848, nahm Hagen seinen Abschied als Landrat und ließ sich dauerhaft in Halle nieder, wo er bereits seine Kinder- und Jugendjahre verbracht hatte.[4] Karl August Wilhelm Bertram, der Oberbürgermeister von Halle, führte Hagen 1855 in den Magistrat der Stadt ein.[2] Noch im Februar 1855 wählte ihn die Bürgerschaft von Halle zum besoldeten Stadtrat, ein Amt, das er bis 1867 ausübte. Eine Verlängerung seines Mandats lehnte er zunächst krankheitsbedingt ab. Als mit dem Tod von Stadtrat Ehrenberg 1867 eine Vakanz eintrat, übernahm Hagen wieder das Amt, allerdings unbesoldet. Bei folgenden Neuwahlen einigten sich die Bürgerschaft und der Magistrat der Stadt Halle erneut auf Hagen, so dass er bis Sommer 1886 als Stadtrat arbeitete.[4]
Während seiner Tätigkeit konnte eine umfassende Steuerreform umgesetzt werden, die zu einer gänzlichen Umgestaltung des städtischen Finanzwesens beitrug. So wurden unter anderem die Schlacht- und Mahlsteuer abgeschafft und gleichzeitig eine Miet- und Einkommenssteuer eingeführt. Eines seiner wichtigsten Projekte war Errichtung der Gasanstalt in Halle.[4]
Nach dem Amtsverzicht von Bürgermeister von Helldorff wurde Hagen im September 1874 zu dessen Nachfolger als zweiter Bürgermeister von Halle gewählt. Eine Bestätigung des preußischen Innenministeriums erfolgte im November 1874. Für seine Verdienste wurde er im April 1878 mit dem preußischen Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet. Als Franz von Voß im September 1880 als hallescher Oberbürgermeister zurücktrat, übernahm Hagen fast ein Jahr lang kommissarisch auch seine Funktion, bis zur Amtseinführung von Richard Wilhelm Bertram.[4]
Karl vom Hagen starb am 26. November 1886 mittags, im Alter von 70 Jahren, an einem Schlaganfall in Halle.[4] Erst wenige Monate zuvor hat er von seinem Amt als Stadtrat Abschied genommen. Er wurde auf dem halleschen Stadtgottesacker im Innenfeld Abteilung IV bestattet.[5][6] Das Grab ist erhalten und als Kleindenkmal in das Denkmalverzeichnis der Stadt Halle aufgenommen.[7] Seine Ehe mit Magdalene (* 3. Dezember 1824; † 3. Juli 1897), eine geborene Kaselitz, blieb kinderlos.[3] Auch seine Frau wurde im selben Grab beigesetzt.[8]
Hagen war Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte von Halle. Sein Hauptwerk Die Stadt Halle, nach amtlichen Quellen historisch-topographisch-statistisch dargestellt erschien ab 1867 in zwei Bänden. Das Werk ergänzte er später mit insgesamt fünf weiteren Veröffentlichungen, die vom Magistrat der Stadt Halle als Verwaltungsberichte herausgegeben wurden.[9] Er selbst bezeichnete es als Fortsetzung und Ergänzung der Chronik Pagus Neletizi et Nudzici (erstmals erschienen 1749 bis 1750), eine umfangreiche Arbeit über die Geschichte der Stadt Halle und des Saalekreises des Juristen und Historikers Johann Christoph von Dreyhaupt. Weitere Arbeiten von ihm waren Die Silo-Banken. Ein Beitrag zur Lösung der Frage Wodurch kann extremen Schwankungen der Fruchtpreise im Interesse sowohl der Producenten als der Consumenten vorgebeugt werden? von 1854 und 1874 Die Franzosen in Halle 1806-1808. Nach Rathsakten und andern aktenmäßigen Quellen erzählt.[10]
Karl Freiherr vom Hagen war Herr auf Deuna, ein alter Familienbesitz derer vom Hagen im Eichsfeld.[11] Er war Mitglied in der halleschen Freimaurerloge Zu den drei Degen und Stifter der vom Hagen Stiftung, die bedürftige Mitbrüder sowie deren Witwen oder Waisen finanziell unterstütze.[12]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Silo-Banken. Ein Beitrag zur Lösung der Frage Wodurch kann extremen Schwankungen der Fruchtpreise im Interesse sowohl der Producenten als der Consumenten vorgebeugt werden? Keyser'sche Buchhandlung, Erfurt 1854.
- Die Stadt Halle, nach amtlichen Quellen historisch-topographisch-statistisch dargestellt.
- Erster Band. Emil Barthel, Halle 1867, (Digitalisat.)
- Zweiter Band. Emil Barthel, Halle 1867, (Digitalisat.)
- Erstes Ergänzungsheft. Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Neue Folge 1. 1866. Emil Barthel, Halle 1868.
- Zweites Ergänzungsheft. Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Neue Folge 2/3. 1867/1868. Emil Barthel, Halle 1870, (Digitalisat.)
- Drittes Ergänzungsheft. Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Neue Folge 4/5. 1869/1870. Emil Barthel, Halle 1872.
- Viertes Ergänzungsheft. Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Neue Folge 6. 1871. Emil Barthel, Halle 1873, (Digitalisat.)
- Fünftes Ergänzungsheft. Verwaltungsberichte der Stadt Halle an der Saale. Neue Folge 7. 1872/1879. Emil Barthel, Halle 1880, (Digitalisat.)
- Die Franzosen in Halle 1806-1808. Nach Rathsakten und andern aktenmäßigen Quellen erzählt. Fricke, Halle 1871, (Digitalisat.)
Literatur
- Herr Freiherr Carl Hugo vom Hagen. (Nachruf), In: Hallesches Tageblatt. Erste Beilage zu Nr. 280. Ausgabe: Halle / Sonntag 28. November 1886, Seite 1, (Digitalisat.)
- Gustav Hertzberg: Geschichte der Stadt Halle an der Saale. Band 3: Halle während des 18. und 19. Jahrhunderts. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1893, Seite 545–546, (Digitalisat.)
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser. 5. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1904. Seite 293, (Digitalisat.)
Weblinks
- Veröffentlichungen von Karl vom Hagen im OPAC der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
- Karl vom Hagen in der Datenbank Find a Grave
Einzelnachweise
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser. 60. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1910, Seite 296–297.
- ↑ a b Gustav Hertzberg: Geschichte der Stadt Halle an der Saale. Band 3: Halle während des 18. und 19. Jahrhunderts. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1893, Seite 545–546.
- ↑ a b Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser. 5. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1904. Seite 293.
- ↑ a b c d e Herr Freiherr Carl Hugo vom Hagen. (Nachruf), In: Hallesches Tageblatt. Erste Beilage zu Nr. 280. Ausgabe: Halle / Sonntag 28. November 1886, Seite 1.
- ↑ Anja A. Tietz: Der Stadtgottesacker in Halle (Saale). Fliegenkopf Verlag, Halle 2004, ISBN 978-3-930195-66-4, Seite 71.
- ↑ Karl vom Hagen in der Datenbank Find a Grave
- ↑ Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Staatskanzlei und Ministerium für Kultur 09.03.2020 Drucksache 7/5874 (KA 7/3515) Entwicklung des Denkmalbestandes in Sachsen-Anhalt. Seite 246.
- ↑ Magdalene vom Hagen in der Datenbank Find a Grave
- ↑ Oscar Wetzel u. a.: T.O. Weigels systematische Verzeichnisse der Hauptwerke der Deutschen Literatur aus den Jahren 1820–1882. Geschichte und Geographie. T.O. Weigel, Leipzig 1887, Seite 76.
- ↑ Veröffentlichungen von Karl vom Hagen im OPAC der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt.
- ↑ Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 4, Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1863, Seite 140–141.
- ↑ Franz August von Etzel: Geschichte der Großen National-Mutterloge in den Preußischen Staaten genannt zu den drei Weltkugeln nebst Bericht über die Gründung und Wirksamkeit der Wohlthätigkeits-Anstalten für die Jahre 1875-1889. W. Bürenstein, Berlin 1890, Seite 565–566.