Richard Buchholz

Richard Friedrich Buchholz[1] (* 11. April 1914 in Obersdorf nahe Wolkersdorf; † 17. Juni 1976 in Hinterstoder) war ein österreichischer SS-Obersturmführer (vergleichbar mit Oberleutnant) und Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und Prag.

Leben

Buchholz war der Sohn eines Bediensteten der k. k. Staatsbahnen. Er besuchte nach der Volksschule in Obersdorf ein Realgymnasium in Wien sowie eine Maturaschule, legte die Matura jedoch nicht ab. Bereits während seiner Schulzeit trat er der Hitlerjugend Wolkersdorf bei. Im Alter von 18 Jahren schloss er sich der Sturmabteilung (SA) an. Nach dem Verbot der NSDAP im Jahr 1933 wurde Buchholz wegen politischer Betätigung inhaftiert. In der Folge setzte er sich als Angehöriger der Österreichischen Legion nach Deutschland ab. 1936 wurde Buchholz zur Wehrmacht eingezogen und erhielt eine militärische Ausbildung im Nachrichtendienst in Bielefeld. Mitte 1938 erfolgte seine Versetzung nach Wien.[2]

Tätigkeiten für das NS-Regime

Im Oktober 1938 nahm Buchholz als Wehrmachtsangehöriger an der Besetzung des Sudetenlandes teil. Nach Beendigung seines aktiven Wehrdienstes wurde er noch im selben Jahr in den Sicherheitsdienst (SD) aufgenommen und der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien zugeteilt, wo er als Sachbearbeiter im Innendienst tätig war.

Mitte 1939 wechselte Buchholz zur Zentralstelle nach Prag, wo er mit dem Aufbau der Verwaltung betraut wurde, die er bis Kriegsende leitete. Ende Dezember 1940 heiratete er seine aus Wien stammende Kollegin Emilie Wicha (1914–2007), die als Stenotypistin ab Juni 1939 bei der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien und dann von Januar 1940 bis Frühjahr 1941 bei der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag tätig war.[3] Aus der Ehe geht 1941 eine Tochter hervor.[1] Ab 1941 fungierte Buchholz in der Prager Zentralstelle zudem als Verbindungsmann zur Verwaltungs- und Verwertungsstelle des Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren, der für die Verwaltung des geraubten (arisierten) Besitzes tschechischer Juden zuständig war. Außerdem war er Stellvertreter von Hans Günther, der nach der Berufung Adolf Eichmanns nach Berlin die Prager Zentralstelle eigenverantwortlich leitete.[4]

Darüber hinaus war Buchholz für die Verwaltung des Budgets des Ghettos Theresienstadt zuständig und hielt sich mehrfach im Lager auf. Zu seinen zentralen Aufgaben gehörten die Erfassung und Verwertung des Vermögens deportierter Juden. Aufgrund seines uneingeschränkten Zugangs zu den Depots war es ihm möglich, unter anderem Kollegen in Wien enteignete Möbel zukommen zu lassen.[2]

Strafverfolgung und Freispruch

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs floh Buchholz in das Salzkammergut, wo er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, jedoch bald entlassen wurde. Anschließend arbeitete er als Lazarettpfleger sowie in einem Krankenhaus eines DP-Lagers in Linz. Im Herbst 1947 wurde er festgenommen und wegen seiner Zugehörigkeit zur Österreichischen Legion angezeigt. Während der laufenden Ermittlungen war er als Hochofenarbeiter bei der VÖEST beschäftigt.

Vor Gericht beschönigte Buchholz seine politische Betätigung während der Zeit des Parteiverbots und bestritt seine Beteiligung an der Judenverfolgung. Das Volksgericht Linz sprach ihn 1949 frei. In der Folge ließ sich Buchholz mit seiner Frau und seinem Kind in Linz nieder und war dort als Buchhalter tätig. Er starb am 17. Juni 1976 im Alter von 62 Jahren. Ein späteres Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf NS-Verbrechen in Brünn und Prag wurde 1979 eingestellt, da Buchholz zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.[2]

Einzelnachweise

  1. a b [1]
  2. a b c Sophie Lillie: Täter und Täterinnen. In: Florian Wenninger, Marie-Sophie Egyed (Hrsg.): Schaltstelle des Terrors. Geschichte und Personal der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien 1938-1943. Böhlau, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22381-8, S. 180 f.
  3. Sophie Lillie: Täter und Täterinnen. In: Florian Wenninger, Marie-Sophie Egyed (Hrsg.): Schaltstelle des Terrors. Geschichte und Personal der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien 1938-1943. Böhlau, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22381-8, S. 276 f. (schaltstelle-des-terrors.at [abgerufen am 16. Dezember 2025]).
  4. Miroslav Kárný, Jaroslava Milotová, Margita Kárná (Hrsg.): Deutsche Politik im „Protektorat Böhmen und Mähren“ unter Reinhard Heydrich 1941–1942. Eine Dokumentation (= Nationalsozialistische Besatzungspolitik in Europa 1939–1945, Bd. 2). Metropol, Berlin 1997, ISBN 978-3-926893-44-4, S. 137.