Renovación Nacional

Renovación Nacional
Nationale Erneuerung
Partei­vorsitzender Rodrigo Galilea
General­sekretär Andrea Balladares
Gründung 29. April 1987
Hauptsitz Antonio Varas 454,
Providencia, Metropolregion Santiago
Ausrichtung Konservatismus[1]
Wirtschaftsliberalismus[2]
Farbe(n) Blau
Parteinahe Stiftung Instituto Libertad
(www.institutolibertad.cl)
Sitze Abgeordnetenkammer
23 / 155 (14,8 %)
Sitze Senat
11 / 50 (22,0 %)
Internationale Verbindungen Internationale Demokratische Union
Zentristisch Demokratische Internationale
Website https://rn.cl/

Die Renovación Nacional (deutsch: „Nationale Erneuerung“), abgekürzt RN, ist eine 1987 gegründete chilenische politische Partei mit reformistischer Ausrichtung und Befürwortung der sozialen Marktwirtschaft in Chile. Sie wird im politischen Spektrum der Mitte-Rechts-Parteien verortet und gilt neben der Unión Demócrata Independiente (UDI) als eine der beiden Hauptkräfte der chilenischen Rechten.

Die Partei entstand in der Endphase der Militärregierung unter Augusto Pinochet aus der Vereinigung mehrerer liberaler und gemäßigt konservativer Bewegungen, darunter das Partido Nacional (PN) und andere Gruppierungen. Ihr Ziel war es, den Übergang zur Demokratie mitzutragen und eine moderne, bürgerlich-demokratische Rechte zu konsolidieren.

Seit der Rückkehr zur Demokratie 1990 war die RN gemeinsam mit der UDI ein zentraler Bestandteil der Wahlbündnisse Alianza und später Chile Vamos. In den Amtszeiten 2010–2014 und 2018–2022 führte die Partei mit Sebastián Piñera als Präsidenten der Republik die Regierung an.

Ideologisch verbindet die RN marktwirtschaftliche Prinzipien mit einem Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit, sozialer Verantwortung und individueller Freiheit. Ihre weltanschaulichen Wurzeln liegen im Liberalismus, im christlich-humanistischen Denken und im Republikanismus.[3]

Auf nationaler Ebene ist die Partei in beiden Kammern des chilenischen Parlaments vertreten und verfügt über eine starke Basis in urbanen und wohlhabenderen Regionen. Innerhalb des Parteienspektrums bestehen sowohl wirtschaftsliberale als auch stärker wertkonservative Strömungen.

In Deutschland kooperiert die RN sowohl mit der CDU und ihrer Konrad-Adenauer-Stiftung[4][5] als auch mit der CSU und ihrer Hanns-Seidel-Stiftung.[6]

Geschichte

Anfänge

Renovación Nacional wurde am 29. April 1987 gegründet, als sich drei rechte Organisationen – das Movimiento de Unión Nacional (MUN), das Frente Nacional del Trabajo (FNT) und Teile der Unión Demócrata Independiente (UDI) – im Vorfeld des Plebiszits von 1988 zusammenschlossen, das über die Fortsetzung der Regierung von Augusto Pinochet entscheiden sollte. Kurz darauf trennte sich die UDI wegen ihrer starken Unterstützung für Pinochet wieder, während die RN für eine breitere demokratische Öffnung eintrat. Als Pinochet schließlich offiziell als Kandidat nominiert wurde, unterstützte ihn jedoch die Mehrheit der neuen Partei.

Nach der Gründung mit 351 Mitgliedern war RN die erste Partei, die nach der Aufhebung des Parteienverbots seit dem Militärputsch von 1973 offiziell registriert wurde.

Unter der Führung von Andrés Allamand wuchs die Mitgliederzahl rasch und die Partei beteiligte sich aktiv am Übergang zur Demokratie. Sie unterstützte 1999 den gemeinsamen Kandidaten der rechten Allianz, Joaquín Lavín, der jedoch in der Stichwahl gegen Ricardo Lagos unterlag.

21. Jahrhundert

In den 2000er-Jahren trat RN erneut mit Lavín an, doch nach dessen sinkenden Umfragewerten übernahm Sebastián Piñera die Kandidatur. Bei der Präsidentschaftswahl 2006 verlor er knapp gegen Michelle Bachelet, gewann aber die Wahl 2010 und wurde der erste Präsident aus dem Lager der Mitte-Rechts seit der Rückkehr zur Demokratie. Die Partei erzielte zugleich bedeutende Zugewinne im Parlament und wurde zu einer der einflussreichsten politischen Kräfte Chiles.

Nach der Wahlniederlage 2013 und internen Spannungen spalteten sich mehrere Abgeordnete ab und gründeten die Bewegung Amplitud. Unter dem Vorsitz von Cristián Monckeberg modernisierte RN ihr Image und nahm 2014 ein neues Logo sowie eine überarbeitete Grundsatzerklärung an, in der sich die Partei von der Pinochet-Ära distanzierte. 2015 beteiligte sich RN an der Gründung der neuen Mitte-Rechts-Koalition Chile Vamos, gemeinsam mit der UDI, Evópoli und der PRI.

Während der zweiten Amtszeit von Präsident Piñera (2018–2022) besetzte RN zahlreiche Regierungsämter.

2020er Jahre

Anpassung und nationale Krisenzeiten

Die sozialen Proteste von 2019/2020 führten jedoch zu innerparteilichen Spannungen: eine gemäßigte Strömung unter Mario Desbordes unterstützte den Verfassungsprozess, während ein konservativer Flügel um Carlos Larraín ihn ablehnte.[7][8]

Nach einem hart umkämpften innerparteilichen Machtkampf setzte sich Francisco Chahuán, der gemeinsame Oppositionskandidat gegen Desbordes, im Jahr 2021 als Parteivorsitzender durch und führte die Partei bis 2023.[9] Seine Amtszeit war jedoch von einer fragilen Hegemonie und einer starken inneren Zersplitterung geprägt, die sich etwa in der Rebellion konservativer Parteiströmungen zeigte, die bei der Präsidentschaftswahl für José Antonio Kast und nicht für den offiziellen Kandidaten Sebastián Sichel stimmten.[10][11]

Im Jahr 2022 gelang es RN, sich nachhaltig neu zu ordnen, indem sie einstimmig beschloss, den von linksgerichteten, pro-Estallido-Aktivisten getragenen Entwurf einer neuen Verfassung abzulehnen.[12][13] Selbst Desbordes, der zuvor Sympathie für die friedlichen Proteste gezeigt hatte, stellte sich diesmal gegen das Projekt.[14]

Beim Plebiszit über den Vorschlag einer neuen Verfassung gewann die Option „Rechazo“ mit 62 % der Stimmen.[12] RN und ihre Koalitionspartner – UDI und Evópoli – erhielten dabei zwei neue Verbündete: die Bewegung Amarillos por Chile, aus der später die Partei Demócratas hervorging.[15] Beide Gruppierungen vereinten ehemalige Mitglieder der Concertación, die bereit waren, sich mit dem Mitte-rechts-Lager zu verbünden; beide Gruppen unterstützten später Evelyn Matthei bei der Präsidentschaftswahl 2025.[16][17]

Im Jahr 2023 wurde Chahuán von Rodrigo Galilea abgelöst,[18] einem Anwalt mit zurückhaltendem Profil, der die Position von RN festigte, indem er die Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen 2024 zur meistgewählten Kraft machte.

Parlamentarische Ergebnisse

Jahr/Wahl Abgeordnetenkammer Senat
Stimmen % Mandate Stimmen % Mandate
1989 1.242.432 18,3
29 / 120
731.678 10,8
5 / 38
1993 1.098.852 16,3
29 / 120
279.580 14,9
5 / 18
1997 971.903 16,8
23 / 120
629.394 14,8
2 / 20
2001 845.865 13,8
18 / 120
342.045 19,7
4 / 18
2005 932.422 14,1
19 / 120
515.185 10,8
3 / 20
2009 1.178.392 17,8
18 / 120
382.728 20,2
6 / 18
2013 928.037 14,9
19 / 120
733.726 16,3
2 / 20
2017 1.067.962 17,8
36 / 155
349.566 21,0
6 / 23
2021 693.716 11,0
25 / 155
550.081 11,8
5 / 27
Commons: Renovación Nacional – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. David Craig: Transforming Latin America. The International And Domestic Origins Of Change. University of Pittsburgh Press 2005, ISBN 0-8229-5882-1, S. 148.
  2. Peadar Kirby: Introduction to Latin America. Twenty-First Century Challenges. Sage Publications, London 2003, ISBN 0-7619-7373-7, S. 157.
  3. Marcelo Pollack: The New Right in Chile, 1973–1997. Palgrave Macmillan, London 1999, ISBN 0-333-72473-9, S. 161–163.
  4. El desaire de Konrad Adenauer a la DC: invitó a RN, Amarillos y Demócratas a Alemania «por ser de centro». Radio Bío-Bío, 28. Dezember 2023, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  5. Konrad Adenauer invita a Amarillos, Demócratas y RN a Alemania y excluye a la DC por “alejarse” del centro político. La Tercera, 28. Dezember 2023, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  6. Klaus G. Binder, Laura Hagl: Fünf junge chilenische Gemeinderäte zu Gast in Bayern. HSS-Interview, 28. August 2018, abgerufen am 28. März 2019.
  7. Cómo se incubó la guerra sin cuartel Larraín v/s Desbordes que otra vez revuelve a RN. La Tercera, 25. September 2020, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  8. Carlos Larraín: “Después de octubre, Mario Desbordes …” In: YouTube. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  9. Nueva directiva de RN: triunfo de Chahuán. Emol, 20. Juni 2021, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  10. Camila Flores (RN) desliza apoyo a José Antonio Kast: "Sichel ha dicho que no es de derecha". T13, 7. Oktober 2021, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  11. Sichel cuestiona a parlamentarios RN que apoyan a Kast: «Si como Chile Vamos […] no es lo mismo seguirla o no seguirla». El Mostrador, 6. August 2021, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  12. a b Verfassungsreferendum in Chile gescheitert. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 13. Oktober 2022, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  13. Verfassungsreferendum in Chile: Klares Nein zum Fortschritt. taz, 5. September 2022, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  14. Renovación Nacional anuncia respaldo a la opción “Rechazo” al proyecto de nueva Constitución. Emol, 4. Juni 2022, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  15. Amarillos y Demócratas que llamaron al Rechazo ahora están en alerta por normas sin consenso impulsadas por Republicanos. CIPER Chile, 28. September 2023, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  16. Amarillos define apoyar a Evelyn Matthei y algunas figuras renuncian al partido. Radio UChile, 6. Juni 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  17. “Los demócratas estamos comprometidos con Evelyn Matthei …” In: YouTube. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).
  18. Rodrigo Galilea ganó las elecciones de RN y será su nuevo timonel. Radio Cooperativa, 9. September 2023, abgerufen am 31. Oktober 2025 (spanisch).