Renate Schubert (Ökonomin)
Renate Schubert (geboren 1955 in Wiesbaden) ist eine deutsche Ökonomin und emeritierte Professorin für Nationalökonomie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).
Werdegang
Renate Schubert studierte nach ihrem Abitur – inspiriert durch ihre ältere Schwester[1] – von 1973 bis 1977 Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 1981 bis 1982 absolvierte sie ein Postgraduales Studium beim German Institute for Development (GDI) in Berlin mit dem thematischen Schwerpunkt Costa Rica. Im Jahr 1982 wurde sie an der Eberhard Karls Universität Tübingen promoviert. Anschließend war sie für Lahmeyer International Consulting tätig. Ihre Habilitation erfolgte 1990 an der Technischen Universität Darmstadt. Bis 1991 lehrte sie Ökonomie an der Universität Regensburg, bis 1992 an der Universität Tübingen. Ab 1992 verlegte sie ihren beruflichen Wirkungskreis in die Schweiz und lehrte bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2020 an der ETH Zürich. Von 1993 bis 2006 war sie Leiterin des Zentrums für Wirtschaftsforschung an der ETH.[2]
Im Jahr 2006 gründete sie das Institut für Umweltentscheidungen (IED) und war bis Ende 2013 dessen Direktorin. Das Institut verbindet Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften und Psychologie miteinander. Es analysiert und unterstützt Entscheidungen zu Themen wie globaler Klimawandel, erneuerbare Energien oder Energieverbrauch.
Von 2016 bis 2020 war Schubert Fellow am Collegium Helveticum in Zürich, wo sie die Bedeutung der Digitalisierung für verschiedene Bereiche untersuchte, etwa für die Bildung, aber auch für die Umwelt.[3]
Innerhalb der ETH engagierte sie sich über ihr Fachgebiet hinaus. Unter anderem übernahm sie im Jahr 2008 die Aufgabe, die Stelle Equal! für die Chancengleichheit von Frauen und Männern aufzubauen und war bis 2020 die Genderbeauftragte des Präsidenten der ETH.[4][5] Von 2020 bis 2024 war Renate Schubert eine von drei Vertrauenspersonen für Wissenschaftliche Integrität an der ETH Zürich.[6]
Seit 2020 ist sie für die FernUni Schweiz tätig, bis 2024 als Vizerektorin Lehre, und aktuell als Dekanin der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.[7]
Schubert war Mitglied und leitete zahlreiche Gremien zur Wissenschafts- und Politikberatung im In- und Ausland. Neben ihrer Muttersprache Deutsch beherrscht sie Englisch und Französisch auf höchstem Level, hat Basiswissen in Spanisch und Italienisch.[2]
Forschungsschwerpunkte
Schubert hat sich in ihrer Forschung und Lehre auf die Bereiche Verhaltensökonomie, Energie und Umwelt fokussiert. Anhand von Experimenten und anderen empirischen Methoden versucht sie, scheinbar irrationales Verhalten zu erklären und Grundlagen für Möglichkeiten zur Verbesserung des Wohlbefindens herauszuarbeiten.[8] Bereits 2007 hat sie sich für die Besteuerung von Flugbenzin ausgesprochen[9] und den Budgetansatz zur Implementierung von klimabewusstem Verhalten vorgeschlagen.[10]
Renate Schubert hat weitreichende Erfahrung mit der Leitung nationaler und internationaler Forschungsverbünde.
Wissenschaftliche Mandate und Ehrenämter (Auswahl)
- 1995–2003: Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- 1994–2004: Mitglied des Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds
- 1999–2005: Mitglied im Senat und Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft
- 2000–2013: Mitglied und Vorsitzende von 2004 bis 2008 des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
- 2009–2015: Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Rachel Carson Centre for Environment and Society an der LMU München
- 2010–2015: 2010 bis 2015 Vorsitzende des Beirats des Centre for the Research on Environmental Decisions (CRED) an der Columbia University
- 2011–2019: Vorsitzende des Aufsichtsrats des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)[11]
- 2014–2021: Mitglied des Beirats der Schweizer Regierung zum globalen Klimawandel
- 2017–2022: Mitglied der Beratergruppe der Schweizer Regierung zur Agenda 2030
- 2020–2024: Schiedsperson für wissenschaftliche Integrität an der ETH Zürich
- 2024–2027: Mitglied des Hochschulrats der Universität Tübingen
Publikationen (Auswahl)
Bücher (Auswahl)
- Einige Überlegungen zur Analyse „wirtschaftlicher Ungleichgewichte“: Mikroökonomische Totalmodelle und ihre Bedeutung für makroökonomische Modelle. Dissertation, Europäische Hochschulschriften. Lang, Frankfurt am Main, Bern 1982.
- Ökonomische Diskriminierung von Frauen – Eine volkswirtschaftliche Verschwendung. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M. 1993, ISBN 978-3-596-10279-2.
- Neue Wachstums- und Außenhandelstheorie. Implikationen für die Entwicklungstheorie und -politik. Schriften des Vereins für Socialpolitik, 1999.
- (Hrsg.): Neue Wachstums- und Außenhandelstheorie. Schriften des Vereins für Socialpolitik, Band 269, Duncker & Humblot, Berlin 1999.
- (Hrsg.): Ursachen und Therapien regionaler Entwicklungskrisen – Das Beispiel der Asienkrise. Schriften des Vereins für Socialpolitik Band 276, Duncker & Humblot, Berlin 2000.
- World in Transition, Fighting Poverty through Environmental Policy. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin 2004.
- Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin 2009.
- World in Transition – A Social Contract for Sustainability. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin 2011.
- mit E. Quah: Sustainability and Environmental Decision Making. Springer Nature, Singapur 2021.
Aufsätze (Auswahl)
- Schubert, R., Brown, M., Gisler, M., Brachinger H.W.: Financial Decision-Making: Are Women Really More Risk-Averse? American Economic Review, 1999, 89-2.
- Gender, Financial Risk, and Probability Weights. Theory and Decision. 2006
- mit J. Blasch, B. Soete: Grün aus der Krise – Was können «grüne» Konjunkturpakete leisten? Arbeitspaper 10, ETH Zürich, Juli 2010.
- Der Preis der Nachhaltigkeit. In: Wahre Nachhaltigkeit. Dossier, Schweizer Monat, Ausgabe 1089, September 2021[12]
Weblinks
- Literatur von und über Renate Schubert im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Renate Schubert
- Renate Schubert: Zur ökonomischen Diskriminierung von Frauen. Einführungsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 16. Februar 1994.
Einzelnachweise
- ↑ Curriculum vitae Renate Schubert. In: kinderuniversitaet.uzh.ch. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ a b Renate Schubert | Dr. Renate Schubert – Professorin für Nationalökonomie. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Renate Schubert Speaker. In: Falling Walls Science Summit. 2021, abgerufen am 26. November 2025 (englisch).
- ↑ Prof. Renate SCHUBERT. In: Principal Investigators. ETH Zürich, abgerufen am 26. November 2025 (englisch).
- ↑ Sexismus in der Tech-Branche - «Eine Physikstudentin wird noch heute schräg angeschaut». SRF, 14. August 2017, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Die Schulleitung informiert 2020 / 4. ETH Zürich, 16. Juli 2020, abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Profil Prof. Dr. Renate Schubert. In: fernuni.ch. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ Renate Schubert. In: edx.org. Abgerufen am 28. November 2025 (englisch).
- ↑ Umweltexpertin: Flugbenzin besteuern. In: Deutschlandfunkkultur. Deutschlandradio, 10. Mai 2007, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Renate Schubert: Kassensturz für den Weltklimavertrag – Der Budgetansatz. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, Berlin 2009, ISBN 978-3-936191-26-4.
- ↑ Renate Schubert ist weiterhin Aufsichtsratsvorsitzende. In: Presseinformation 133/2015. Karlsruher Institut für Technologie, 31. Juli 2025, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Renate Schubert: Der Preis der Nachhaltigkeit. In: Schweizer Monat. 1. September 2021, abgerufen am 28. November 2025.