Reint Hendrik de Vos van Steenwijk

Reint Hendrik Baron de Vos van Steenwijk (* 8. November 1885 in Zwolle, Provinz Overijssel; † 13. Juni 1964) war ein niederländischer Verwaltungsbeamter und Politiker der Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD), der unter anderem zwischen 1931 und 1943 sowie erneut von 1945 bis 1951 Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe war. Er gehörte zudem zwischen 1951 und 1963 der Ersten Kammer der Generalstaaten als Mitglied an.

Leben

Reint Hendrik Baron de Vos van Steenwijk war Nachkomme der alten Overijsseler Adelsfamilie De Vos van Steenwijk sowie ein Sohn des Rechtsanwalts und Richters Carel Baron de Vos van Steenwijk (1852–1903), der zeitweise Mitglied der Regierung (Gedeputeerde Staten) der Provinz Overijssel, und von Johanna Aleida Engelina van Nes van Meerkerk. Sein jüngerer Bruder Jacob Evert de Vos van Steenwijk (1889–1978)[1] war unter anderem zwischen 1945 und 1954 Kommissar der Königin in der Provinz Noord-Holland, während sein jüngster Bruder Godert Willem de Vos van Steenwijk (1895–1940) von 1935 bis 1940 als Botschafter in China sowie 1940 noch kurzzeitig als Botschafter in Ungarn fungierte. Er selbst absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leiden, das er 1909 beendete, und schloss zudem 1912 seine Promotion zum Doktor der Rechte mit einer Dissertation über die Wahlpflicht ab. 1911 wurde er Hilfssekretär beim Register der Provinz Noord-Holland und wurde später Sekretär, ehe er zuletzt zwischen 1916 und 1918 dort Obersekretär war. Am 1. Mai 1918 wurde er Sekretär der Zweite Kammer der Generalstaaten (Tweede Kamer der Staten-Generaal), des Unterhauses des Parlaments der Niederlande (Staten-Generaal), und bekleidete dieses Amt bis zum 1. November 1931.

Als Nachfolger von Jan Tijmens Linthorst Homan[2] wurde de Vos van Steenwijk durch Königlichen Erlass vom 18. Oktober 1931 zum Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe ernannt und trat dieses Amt offiziell am 1. November 1931 an.[3] Während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg leistete er passiven Widerstand durch häufige Abwesenheit, half bei der Unterbringung alliierter Piloten und gewährte mehrmals gestrandeten Fallschirmjägern Schutz. Als er zu lange unauffindbar blieb, wurde er am 22. Mai 1943 durch die deutsche Besatzungsmacht entlassen und durch Jan Liebbe Bouma[4] von der Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) ersetzt.[5]

Nach Kriegsende wurde Reint Hendrik de Vos van Steenwijk am 6. Mai 1945 abermals zum Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe ernannt und verblieb in dieser Funktion bis zum 16. Juli 1951, woraufhin Jaap Cramer[6] neuer Kommissar wurde. Als Kommissar der Königin setzte er sich für eine Vereinfachung des Wasserwirtschaftssystems in den Provinzen ein, unter anderem durch Fusionen der vielen kleinen Wasserverbände. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Emmen, Karel Hendrik Gaarlandt,[7] und anderen förderte er die Ansiedlung von Industrie in seiner Provinz. Zudem engagierte er sich für Infrastrukturverbesserungen und die Förderung des Tourismus. Er war ursprünglich bis zum 14. März 1946 Mitglied der Liberale Staatspartei LSP (Liberale Staatspartij) sowie daraufhin der Partei der Freiheit PvdV (Partij van de Vrijheid) und war 1947 im Alten Komitee aktiv, in dem ehemalige liberale Demokraten die Gründung einer neuen liberalen Partei vorbereiteten, und trat der am 24. Januar 1948 neu gegründeten Volkspartei für Freiheit und Demokratie VVD (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie) bei. 1950 kam es durch seine Führung zum Zusammenschluss dreier Drenthe-Bergbauunternehmen.

Nach Beendigung seiner Tätigkeit als Kommissar der Königin war Vos van Steenwijk vom 18. September 1951 bis zum 5. Juni 1963 Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten (Eerste Kamer der Staten-Generaal), des Oberhauses des Parlaments, wobei er 1951, 1952, 1956 und 1960 jeweils von der Gruppe II gewählt wurde, zu der die Provinzen Gelderland, Overijssel, Groningen und Drenthe gehören. In der Ersten Kammer war er unter anderem in den Bereichen Justiz, Inneres, Verkehr und Wasserwirtschaft, öffentlicher Wohnungsbau, Soziales, Sozialarbeit und Verteidigung tätig sowie 1953 Sprecher seiner Partei während der Diskussion über den Entwurf des Sonntagsgesetzes (Zondagswet).[8] Er fungierte zwischen November 1957 bis Mai 1958 als Vorsitzender des Berichterstatterausschusses für den Entwurf des Delta-Gesetzes (Deltawet) sowie vom 5. November 1957 bis zum 20. September 1960 als Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Verkehr und Wasserwirtschaft in der Ersten Kammer der Generalstände und zusätzlich als Vorsitzender des Vorbereitungsausschusses für den Haushaltsplan für Verkehr und Wasserwirtschaft 1958. Am 4. Juni 1958 befragte er den damaligen Justizminister Ivo Samkalden[9] zu Personen aus Indonesien, die versucht hatten, in die Niederlande illegal einzureisen und daraufhin zurückgeschickt worden waren. In der Ersten Kammer war er zudem zwischen September 1961 und Mai 1962 Mitglied der Zentralabteilung sowie vom 1. September 1961 bis zum 5. Juni 1963 als Vertreter von Edzo Hommo Ebels[10] stellvertretender Vorsitzender des Zuiderzee-Rates, ein von 1919 bis 1969 aufgrund des Zuiderzee-Gesetzes (Zuiderzeewet) bestehendes Gremium, dessen Aufgabe darin bestand, die Regierung in Bezug auf die Zuiderzeewerke und die Hilfe zu beraten.

Darüber hinaus gehörte Vos van Steenwijk, der zeitweise Ehrenvorsitzender der Drents Genootschap war, zwischen Februar 1960 und dem 1. Mai 1964 dem Aufsichtsrat der Friesch-Groningsche Hypotheekbank NV, 1962 dem Aufsichtsrats der Abfallentsorgungsgesellschaft VAM (Vuil Afvoer Maatschappij) in Wijster sowie dem Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft De drie provinciën als Mitglied an. 1962 war er das einzige Mitglied seiner Partei, das gegen den Gesetzentwurf zur vorläufigen Aufteilung des Noordoostpolders in Overijssel stimmte und war 1962 neben Jan Baas[11] die einzigen Mitglieder der VVD-Fraktion, die für den Entwurf des Kirchenbauprämiengesetzes (Wet premie kerkenbouw)stimmten. Er plädierte dafür – allerdings nicht im Namen seiner Partei –, dass Studentinnen verpflichtet werden sollten, für eine gewisse Zeit als Hausangestellte in einer Familie zu arbeiten.

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Einzelnachweise

  1. Dr. J.E. (Jaap) baron de Vos van Steenwijk. In: parlement.com. (niederländisch).
  2. Mr. J.T. Linthorst Homan. In: parlement.com. (niederländisch).
  3. The Netherlands Provinces: Drenthe Governors/ Commissioners. In: parlement.com. (englisch).
  4. Mr. J.L. Bouma. In: parlement.com. (niederländisch).
  5. Drenthe in de Oorlog. In: drentheindeoorlog.nl. (niederländisch).
  6. Mr. J. (Jaap) Cramer. In: parlement.com. (niederländisch).
  7. Mr. K.H. (Dick) Gaarlandt. In: parlement.com. (niederländisch).
  8. Joop van den Berg: De zin van de Zondagswet. In: parlement.com. 18. März 2016; (niederländisch).
  9. Dr. I. (Ivo) Samkalden. In: parlement.com. (niederländisch).
  10. Dr. E.H. Ebels. In: parlement.com. (niederländisch).
  11. Ir. J. (Jan) Baas. In: parlement.com. (niederländisch).