Karel Hendrik Gaarlandt

Karel Hendrik „Dick“ Gaarlandt (* 11. September 1909 in Hilversum, Provinz Noord-Holland; † 22. September 1985 in Amersfoort, Provinz Utrecht) war ein niederländischer Regierungsbeamter und parteiloser Politiker, der unter anderem zwischen 1946 und 1963 Bürgermeister von Emmen sowie zwischen 1964 und 1974 Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe war.

Leben

Karel Hendrik „Dick“ Gaarlandt war der Sohn von Egbertus Gerrit Gaarlandt (1880–1938), der als Offizier der Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (KNIL) in Niederländisch-Indien diente und später Bürgermeister von Texel (1911 bis 1915), Bürgermeister von Gorinchem (1915 bis 1927) und Bürgermeister von Gouda (1927 bis 1938) war, und von Hermina Johanna Maria de Kat. Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leiden und war nach dessen Abschluss von 1933 bis zum 1. Juli 1938 als Rechtsanwalt und Staatsanwalt in Gouda tätig. Als Nachfolger von Johan van Roijen wurde er am 1. Juli 1938 Bürgermeister von Gasselte und bekleidete dieses Amt bis zu seiner Verhaftung im November 1943. Die deutsche Besatzungsmacht hatte daraufhin 1944 Jan Eildert Tuin von der Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) eingesetzt. Während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg verweigerte er zuvor als Bürgermeister die Teilnahme an der Zwangsarbeit und befand sich nach seiner Verhaftung zwischen November 1943 und dem 2. Dezember 1943 im Gefängnis von Assen, vom 2. Dezember 1943 bis zum 11. Februar 1944 im KZ Herzogenbusch (Kamp Vught) sowie ab dem 11. Februar 1944 im Durchgangslager Amersfoort. Er verlor im Februar 1945 bei einem Bombenangriff auf Deventer, wo er sich versteckt hielt, sein rechtes Auge und trug fortan eine Augenklappe. Seine Tochter Elka wurde durch Granatsplitter bei dem Bombenangriff dauerhaft behindert und wurde später eine erfolgreiche Schwimmerin im Behindertensport, die 1964 auch als Sportsfrau des Jahres (Sportvrouw van het jaar) nominiert war.[1] Er war zwischen 1940 und 1946 für Jan Klazes Doornbos zeitweise auch Bürgermeister von Borger.

Nach der Befreiung und Kriegsende fungierte Gaarlandt vom 5. Mai 1945 bis zu seiner Ablösung durch Hendrik Sikkens am 16. Juni 1946 wieder als Bürgermeister von Gasselte. Er selbst löste daraufhin am 16. Juni 1946 Roelof Zegering Hadders[2] als Bürgermeister von Emmen ab und bekleidete dieses Amt bis zum 1. März 1964, woraufhin Hendrik Arend Beusekamp seine Nachfolge antrat. Unter seiner Führung entwickelte sich Emmen nach dem Krieg von einem Dorf mit Torfarbeitern und Angehörigen der Mittelschicht zu einer großen, florierenden Industriestadt. Dabei wurde die ökonomisch schwache Region als Entwicklungsgebiet staatlich gefördert und vor allem Textil- und Metallindustrie angesiedelt. In den Anfangsjahren der Nachkriegszeit war Emmen eine der am schnellsten wachsenden Städte der Niederlande. Umfangreiche Wohnbaumaßnahmen wurden notwendig, wobei diese teilweise in großem Abstand zur bestehenden Bebauung geplant wurden, um wertvolle Landschaftsgebiete nicht zu zerstören.

„Dick“ Gaarlandt wurde durch Königlichen Erlass vom 7. Februar 1964 zum Kommissar der Königin in der Provinz Drenthe ernannt und trat dieses Amt als Nachfolger von Jaap Cramer[3] offiziell am 1. März 1964 an.[4] In einem offiziellen Vermerk zu seiner Ernennung zum Kommissar wurde erwähnt, dass seine Frau geäußert hatte, sie „hasse die Partei der Arbeit“. Die Partij van de Arbeid (PvdA) und ihr Vorsitzender Anne Vondeling[5] waren daher unzufrieden darüber, dass er und nicht ein vollwertiges Parteimitglied ernannt worden war. Er verblieb auf dem Posten des Kommissars der Königin bis zum 1. Oktober 1974, woraufhin Tineke Schilthuis[6] seine Nachfolge antrat. Neben seiner Tätigkeit engagierte er sich über viele Jahre im Königlich Niederländischen Tourismusverband ANWB (Koninklijke Nederlandse Toeristenbond) und war zunächst zwischen dem 1. Januar 1966 und dem 1. Mai 1971 Vorstandsmitglied, vom 1. Mai 1971 bis 1. Oktober 1977 Vorsitzender des ANWB sowie schließlich zwischen dem 1. Oktober 1977 und seinem Tode am 22. September 1985 abermals Vorstandsmitglied. Er war außerdem zeitweise Regierungsbeobachter bei der Strumpffabrik „Koninklijke Jansen de Wit Group“, ein 1915 gegründetes Unternehmen, das 1985 in die Insolvenz ging.

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Einzelnachweise

  1. Elka Gaarlandt: Uit de „pottenbank“. De Tijd De Maasbode, 28. November 1964; (niederländisch).
  2. R. (Roelof) Zegering Hadders. In: parlement.com. (niederländisch).
  3. Mr. J. (Jaap) Cramer. parlement.com; (niederländisch).
  4. The Netherlands Provinces: Drenthe Governors/ Commissioners. rulers.org; (englisch).
  5. Dr. A. (Anne) Vondeling. parlement.com; (niederländisch).
  6. Mr. A.P. (Tineke) Schilthuis. parlement.com; (niederländisch).