Reinhard Henkys

Georg Reinhard Henkys (* 22. Juli 1928 in Nidden; † 11. Mai 2005 in Pasewalk) war ein evangelischer Publizist und Journalist und ein Kenner der „Kirche im Sozialismus“. Henkys war Gründer und Leiter verschiedener Publikationen und Organe zum Thema „Kirche in Ost und West“ und einer der wenigen westdeutschen Journalisten, die in den 1960er und frühen 1970er Jahre in die damalige DDR einreisen durften.[1]

Leben

Henkys war ältester Sohn des Pfarrers Georg Henkys und Bruder von Jürgen Henkys und entstammte einer ostpreußischen Theologenfamilie. Er besuchte die Volksschule in Heiligenkreutz, einem alten Kirchdorf, gegründet im 14. Jahrhundert, in dem sein Vater 1929 das Pfarramt übernahm. Henkys besuchte die Mittelschule in Palmnicken und das Gymnasium in Königsberg. Als 16-jähriger wurde Henkys als Luftwaffen- und Flakhelfer im Kurland-Kessel zum Militärdienst eingezogen. Nach Kriegsende studierte Henkys in Berlin, Bonn und Tübingen Germanistik, Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften. Darauf folge ein Volontariat beim Berliner Kurier.

Ab 1955 war er Redakteur beim Evangelischen Pressedienst Landesdienst in Düsseldorf, ab 1960 Mitarbeiter der epd-Zentralredaktion in Bethel bei Bielefeld. Von 1964 bis 1971 arbeite Henkys für die epd-Zentralredaktion in Berlin, von wo aus er eine umfangreiche Reisetätigkeit in die damalige DDR entwickelte. Hans Hafenbrack nennt Henkys in einem Nachruf des Evangelischen Pressedienstes einen „Brückenbauer zwischen Ost und West“.[2] und berichtet, am Tag des Mauerbaus, dem 13. August 1961, einem Sonntag, wurde Henkys nach dem Kirchgang von seinem Chefredakteur aufgefordert, das nächste Flugzeug nach Berlin zu nehmen, und dort die Berichterstattung des epd über die Kirchen in der DDR zu übernehmen.[3]

Henkys war von 1972 bis 1991 Geschäftsführer der Berliner Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Publizistik[4] und Leiter des Evangelischen Publizistischen Zentrums und gründete und leitete die Fachzeitschrift Kirche im Sozialismus, zuletzt Übergänge sowie das Berliner Sonntagsblatt von 1974 bis 1991. Zudem war er langjähriger Mitarbeiter der Zeitschrift Evangelische Kommentare. Neben der Pressearbeit war Henkys von den sechziger bis in die neunziger Jahre Kommentator in ARD-Rundfunkanstalten und bei anderen Rundfunksendern. Neben der Arbeit über die Kirchen in der DDR publizierte er mehrere Bücher über die NS-Gewaltverbrechen und 1961 die Broschüre War es wirklich so schlimm?, die in Nordrhein-Westfalen „ganze Generationen von Gymnasiasten“ beeinflusste.[2]

Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

  • Reinhard Henkys, War es wirklich so schlimm? Broschüre über „Christen und Juden im Nationalsozialismus“. 1961
  • Reinhard Henkys, Reinhard (Hrsg.), Deutschland und die östlichen Nachbarn. Beiträge zu einer evangelischen Denkschrift, Stuttgart/Berlin 1966.
  • Dietrich Goldschmidt (Hrsg.), Terror und Widerstand 1933-1945. Teil: Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen: Geschichte und Gericht'. Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit, Berlin 1964[5]
  • Reinhard Henkys (Hrsg.), Die evangelischen Kirchen in der DDR. Beiträge zu einer Bestandsaufnahme. Kaiser München 1982, ISBN 3-459-01436-9.
  • Reinhard Henkys, Gottes Volk im Sozialismus. Wie Christen in der DDR leben. Wichern, Berlin 1983, ISBN 3-88981-005-5.
  • Reinhard Henkys, Staat und Kirchen in der DDR. Aus Politik und Zeitgeschichte Nummer 2, 1985
  • Joachim Heise, Rosemarie Schumann (Hrsg.): Reinhard Henkys – Brückenbauer zwischen West und Ost. Eine Dokumentation seiner Beiträge in der Zeitschrift "Kirche im Sozialismus"; mit persönlichen Erinnerungen von Jürgen Henkys an seinen Bruder, Berlin 2012.
  • Literatur von und über Reinhard Henkys im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Wolfgang Fietkau: Reinhard Henkys: Gedenken an den Journalisten. In: wolfgang-fietkau.de.
  • Hans Hafenbrack: Publizist Reinhard Henkys gestorben. In: ekd.de. 12. Mai 2015, archiviert vom Original am 9. Juli 2006;.

Einzelnachweise

  1. Westliche Korrespondenten in der DDR der 1970er Jahre in der Bundesstiftung Aufarbeitung.
  2. a b Hans Hafenbrack: Publizist Reinhard Henkys gestorben. In: ekd.de. 12. Mai 2015, archiviert vom Original am 9. Juli 2006; abgerufen am 17. Mai 2019.
  3. Brückenbauer zwischen Ost und West. Der Berliner Publizist Reinhard Henkys ist im Alter von 76 Jahren gestorben
  4. Berliner Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Publizistik Hinweis auf dessen Archive
  5. seinerzeit die erste deutsche Darstellung der NS-Verbrechen