Regierungsbezirk Westpreußen
| Basisdaten | |
|---|---|
| Bestandszeitraum: | 1922–1939 |
| Land: | Preußen |
| Provinz: | Ostpreußen |
| Sitz der Verwaltung: | Marienwerder |
| Fläche: | 2927,21 km² |
| Einwohner: | 301.808 (17. Mai 1939) |
| Bevölkerungsdichte: | 103,1 Einwohner je km² |
| Gliederung: | 1 Stadtkreis 5 Landkreise |
| Lage des Regierungsbezirks | |
Der Regierungsbezirk Westpreußen war von 1922 bis 1939 ein Regierungsbezirk der preußischen Provinz Ostpreußen. Sein Gebiet ist heute aufgeteilt auf die polnischen Woiwodschaften Pommern und Ermland-Masuren. Verwaltungssitz war Marienwerder.
Geschichte
Als Folge des Versailler Vertrags wurde der Umfang des Regierungsbezirk Marienwerder der preußischen Provinz Westpreußen 1919 und 1920 grundlegend geändert. Die im Westen des Regierungsbezirks gelegenen Kreise Deutsch Krone, Flatow und Schlochau wurden am 2. August 1919 vorläufig der Regierungsstelle für den Verwaltungsbezirk Grenzmark Westpreußen-Posen in Schneidemühl unterstellt.[1] Am 31. Oktober 1919 wurde der bis dahin zum Regierungsbezirk Danzig gehörende Kreis Marienburg vorläufig dem Regierungsbezirk Marienwerder zugeteilt, der gleichzeitig vorläufig der Provinz Ostpreußen zugeordnet wurde.[2] Das Kerngebiet des Regierungsbezirks wurde mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 an Polen abgetreten. Dies betraf die Stadtkreise Graudenz und Thorn sowie die Landkreise Briesen, Konitz, Graudenz, Kulm, Löbau, Schwetz, Strasburg, Thorn und Tuchel sowie den westlich der Weichsel gelegene Teil des Kreises Marienwerder. Der verbleibende Rest des Regierungsbezirks Marienwerder bestand dadurch zunächst nur noch aus den drei Kreisen Marienwerder (soweit östlich der Weichsel gelegen), Rosenberg und Stuhm.
Am 17. Februar 1920 übernahm die „Interalliierte Kommissionen für die Verwaltung und Abstimmung“ die Verwaltungshoheit im Regierungsbezirk Marienwerder, der nunmehr als „Abstimmungsgebiet Marienwerder“ bezeichnet wurde. Bei der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 votierten 92,4 % für den Verbleib des Gebiets im Deutschen Reich. Am 16. August 1920 endete die Unterstellung unter die Interalliierte Kommission für Regierung und Volksabstimmung.
Am 28. November 1920 wurden auch die Stadt Elbing und der Landkreis Elbing, die bis 1919 zum Regierungsbezirk Danzig und dann vorübergehend zum Regierungsbezirk Königsberg gehört hatten, vorläufig dem Regierungsbezirk Marienwerder unterstellt.[3] Dieser hatte nun den folgenden Umfang:[4]
Bis 1922 fanden noch geringfügige Grenzregulierungen mit Polen und der Freien Stadt Danzig statt.
Durch das Ostmark-Gesetz vom 21. Juli 1922 wurden alle seit 1919 angeordneten vorläufigen Gebietszuordnungen in eine endgültige Gesetzesform gebracht. Gleichzeitig wurde der Regierungsbezirk Marienwerder rückwirkend zum 1. Januar 1922 in Regierungsbezirk Westpreußen umbenannt und unter seinem neuen Namen endgültig Teil der Provinz Ostpreußen.[5]
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besetzten deutsche Truppen Polen (Überfall auf Polen) bis zu einer Demarkationslinie, die am 28. September 1939 im sogenannten Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vereinbart worden war. Dazu gehörten auch die 1920 an Polen gefallenen Gebiete der ehemaligen preußischen Provinz Westpreußen, aus denen Mitte September 1939 der „Militärbezirk Westpreußen“ gebildet wurde.
Am 26. Oktober 1939 wurde der Regierungsbezirk Westpreußen mit dem am gleichen Tag annektierten „Militärbezirk Westpreußen“ vereinigt und bildete zusammen mit der am 1. September 1939 in das Deutsche Reich eingegliederten Freien Stadt Danzig den Reichsgau Westpreußen. Dieser wurde am 2. November 1939 in Reichsgau Danzig-Westpreußen umbenannt. Der Reichsgau wurde in drei neue Regierungsbezirke gegliedert. Die Stadt und der Landkreis Elbing kamen zum neuen Regierungsbezirk Danzig. Der Rest des Regierungsbezirks Westpreußen bildete mit den besetzten polnischen Landkreisen Briesen (Westpr.), Graudenz, Leipe (Westpr.), Neumark (Westpr.), Rippin (Westpr.) und Strasburg (Westpr.) einen neuen Regierungsbezirk Marienwerder.
Im Frühjahr 1945 wurde das Gebiet des Regierungsbezirks von der Roten Armee besetzt, unter polnische Verwaltung gestellt und schließlich der Volksrepublik Polen zugeschlagen. Das Gebiet ist heute aufgeteilt auf die polnischen Woiwodschaften Pommern und Ermland-Masuren.
Verwaltungsgliederung und Kreisdaten
| Reg.Bez. im Kaiserreich |
Stadt-/Landkreis | Einwohner[6] | Fläche [km²] |
Bev.dichte [Ew/km²] |
Kommunen Städte/Flecken/Gemeinden |
|---|---|---|---|---|---|
| Danzig | Stadtkreis Elbing | 85.952 | 30,67 | 2803 | 1/0/0 |
| Danzig | Landkreis Elbing | 28.149 | 482,99 | 58 | 1/0/70 |
| Danzig | Kreis Marienburg | 39.073 | 225,66 | 173 | 1/1/35 |
| Marienwerder | Kreis Marienwerder | 44.813 | 525,70 | 85 | 2/0/51 |
| Marienwerder | Kreis Rosenberg | 63.368 | 1038,31 | 61 | 5/0/79 |
| Marienwerder | Kreis Stuhm | 40.453 | 622,60 | 65 | 2/0/65 |
| Gesamt | 301.808 | 2925,93 | 103 | 12/1/300 |
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Quelle |
|---|---|---|
| 1925 | 265.128 | [7] |
| 1933 | 277.063 | [8] |
| 1939 | 299.855 | [9] |
Regierungspräsidenten
- 1922–1923Alfons Proske
- 1923–1925Roland Brauweiler
- 1925–1936Karl Budding
- 1936–1939Otto von Keudell
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ministerial-Blatt für die preußische innere Verwaltung, 80. Jahrgang, Nr. 9, S. 354, Verfügung vom 2. August 1919, betr. Verwaltungsorganisation für die bei Deutschland verbleibenden Teile Posens und Westpreußens
- ↑ Ministerial-Blatt für die preußische innere Verwaltung, 80. Jahrgang, S. 463, Verfügung vom 31. Oktober 1919, betr. Verwaltung des westpreußischen Abstimmungsgebiets
- ↑ Ministerial-Blatt für die preußische innere Verwaltung, 81. Jahrgang 1920, Abschnitt 216: Verfügung vom 28. November 1920, betr. Verwaltungsorganisation für die bei Preußen verbleibenden Teile Westpreußens
- ↑ Handbuch für das Deutsche Reich 1922, S. 219
- ↑ Gesetz über die Neuordnung der kommunalen Verfassung und Verwaltung in der Ostmark vom 21. Juli 1922 (Preußische Gesetzsammlung, Nr. 28, S. 171–177 Digitalisat)
- ↑ Heimatatlas für die Provinz Ostpreußen. Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg 2007, ISBN 978-3-8289-0832-1.
- ↑ Volkszählung 1925
- ↑ Volkszählung 1933
- ↑ Volkszählung 1939