Ratstannenweg 1a/Rainer-Maria-Rilke-Straße 10

Das Gebäude mit der Anschrift Ratstannenweg 1a/Rainer-Maria-Rilke-Straße 10 ist ein denkmalgeschütztes Anwesen in der Weimarer Westvorstadt.[1]

Geschichte und Baubeschreibung

Der Ratstannenweg hieß zur Bauzeit noch nicht so, sondern er wurde erst 1925 nach dem naheliegenden Ratstannenhölzchen so genannt. Die Rainer-Maria-Rilke-Straße hieß zur Bauzeit Buchfarter Straße.[2] Das mehrteilige Anwesen zwischen Ratstannenweg und Rainer-Maria-Rilke-Straße entstand im Auftrag des Rittmeisters a.d. Ernst Wiedeholz 1914/16, wofür die Architekten Hermann Beschel und Hans Meisel die Pläne lieferten. 2006/07 entstand auf dem östlichen Grundstücksteil an der Rainer-Maria-Rilke-Straße ein neues Wohnhaus im Stile des Art déco.

Die Villa ist ein zweigeschossiger, verputzter Backsteinbau mit Walmdach und ist von der Seite der Rainer-Maria-Rilke-Straße ca. 40 m von der Straßenflucht in die Tiefe des Grundstücks zurückgesetzt. Die Erscheinung des Baukörpers wirkt kompakt, wird jedoch durch Anbauten aufgelockert wie u. a. durch eine Veranda mit Balkon an der Südseite bzw. durch Dachaufbauten wie einen Turm an der Nordwestseite. Er zeigt insbesondere an seine Ost- und Südseite einen reich gestaffelten Umriss. Der Sockel ist mit Bossenquadern aus Travertin verkleidet, das Dach mit roten Ziegeln gedeckt. Der Bau weist alle Merkmale der Reformarchitektur auf. In diesem Sinne werden die verputzten Wandflächen nur mit wenigen Schmuckelementen verziert. Das sind Glattputzgesimse, dekorative Putzspiegel über den Fenstern des Erdgeschosses, die Werksteinrahmungen am Haupteingang, die die Fassade gliedern. Für die Fassaden bestimmend sind die Form und Gestaltung der Fenster, welche im Obergeschoss ursprünglich auch Klappläden besaßen.

Der Hauseingang ist an der nördlichen Außenachse der Ostseite angeordnet. Von diesem aus gelangt man über einen Voraus zur Diele, die sich als zentrales Bindeglied im Raumgefüge über beide Hauptgeschosse erstreckt. Eine zweiläufige, im unteren Lauf verzogene Holztreppe führt vom Parterre ins Obergeschoss bis zur Galerie. Über die Diele sind alle repräsentativen Räume des Parterres unmittelbar zu erreichen.

Zur qualitätvollen bauzeitlichen Ausstattung gehören u. a. die Stein-, Parkett- und Dielenfußböden, die ein- und zweiflügeligen Türen mit Glasfenstern und die Bleiglasfenster im Vorraum und dem Treppenhaus.

Die zum Anwesen gehörige Wagenremise an der südlichen Grundstücksgrenze ist ein eingeschossiger verputzter Ziegelbau mit Mansardgeschoss und ist deutlich kleiner sowie dem Hauptgebäude deutlich untergeordnet. Zur Schaffung von Baufreiheit für die erwähnte 2006/07 entstandene Wohnanlage wurde u. a. ein einstmals südlich der Einfahrt befindlicher Pavillon abgebrochen.[1]

Im Haus wohnte mindestens zu DDR-Zeiten die Schriftstellerin Elisabeth Schellenberg geb. Bukow, eher noch bereits vorher.[3] Auch Ernst Ludwig Schellenberg hatte diese Adresse.

Einzelnachweise

  1. a b Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 796 ff.
  2. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 113.
  3. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. 57. Jahrgang 1977, S. 847.

Koordinaten: 50° 57′ 58,8″ N, 11° 19′ 42,6″ O