Rathaus Grünhainichen

Rathaus Grünhainichen

Rathaus von Südosten gesehen

Daten
Ort Grünhainichen,
Chemnitzer Straße 41 und 43
Baumeister Ernst Kühn
Baujahr 1907/1908
Bauzeit um 1905
Koordinaten 50° 46′ 3″ N, 13° 9′ 11,7″ O

Das Rathaus Grünhainichen ist ein Verwaltungsgebäude des Gemeindeamtes für den Ort Grünhainichen im Erzgebirgskreis in Sachsen, das im Jahr 1907 eingeweiht wurde. Es steht unter Denkmalschutz (ID-Nummer 09240863).

Lage

Die Hauptfassade erstreckt sich entlang der Chemnitzer Straße, die auch Teil der Staatsstraße 235 ist; das Amt hat die Adressen Chemnitzer Straße 41 und 43. Nach Süden zum Hofbereich schließen sich drei weitere Gebäude an, die spätere Ergänzungsbauten für die Verwaltung darstellen.

Dem Rathaus gegenüber steht die historische, ebenfalls denkmalgeschützte Apotheke (Chemnitzer Straße 44).

Geschichte

Vor dem Bau des Rathauses befand sich auf dem Grundstück ein Dreiseithof, der Ende des 19. Jahrhunderts dem Verleger C. G. Richter gehörte. Er hatte schon vor dem Jahr 1900 das Gutshaus der Gemeinde als Rathaus zur Verfügung gestellt.[1]

Allerdings brannte der Fachwerkbau in einem der Folgejahre nieder. Der Ortsrat erwarb das Grundstück und ließ die Brandruine entfernen, um hier ein neues Amtshaus errichten zu können. Der Bau erfolgte 1907/1908 und nahm bei der Eröffnung auch das Postamt und die Sparkasse auf. Außerdem gab es einen öffentlich zugängigen offenen Aussichtsturm an der straßenabgewandten Seite. Die Entwürfe lieferte der damalige Dresdener Stadtbaumeister Ernst Kühn.[2]

Zum Gebäudeensemble gehörten außer dem Amtshaus noch ein Wohn- und Geschäftshaus sowie im Innenhof eine Freibank mit einem Feuerwehrdepot.[2]

Anstelle der ursprünglich geplanten zwei gleichwertigen Eingänge – für Rathaus und Bank – sollte auf Beschluss eines hochwertig besetzten Gremiums (Pfarrer, Direktor der Gewerbeschule, Gewerbe- und Schullehrer, Vertreter der örtlichen Spielwarenindustrie, Verleger, Bauern) ein repräsentatives Portal für die Ratsversammlung geschaffen werden: Der Bildhauer Kurt Feuerriegel erhielt im Jahr 1908 den Auftrag, das Rathausportal mit einem aussagekräftigen Fries zu gestalten. Als Schwerpunkte galten die Darstellung der Vergangenheit und die (damalige) Gegenwart – von den Ursprüngen und der Gründung des Ortes als Waldhufendorf über den Holzhandel, den Binnen- und Überseehandel bis zur Herstellung figürlichen und architektonischen Holzspielzeugs und bis zur aktuellen Landwirtschaft.[2]

Die Vorgaben sind durch ein Segelschiff, ein Holzschnitzenwerkzeug, eine Sackkarre, drei Waldbäume und Vögel, einen Stall mit Hauspferd und Kuh sowie drei Spanbäumchen erkennbar gemacht worden.

Nach der Einweihung trugen die Parzellen die Hausnummern 91 und 91B.[2]

Aussichtsturm und Freibank mit Feuerwehrhaus mussten einige Jahre später wegen Baufälligkeit abgetragen werden.[2]

Beschreibung

Das dreistöckige Doppelhaus mit zwei Eingängen wurde im historisierenden Stil errichtet, es gilt als repräsentativer Putzbau und fällt besonders durch seinen sechseckigen Treppenturm (Seitenlängen von je rund zwei Meter) an der Nordostecke des Gebäudes und durch das oben genannte aufwändig gestaltete Trichterportal am Nordflügel auf (siehe Bild).

Der Turm besitzt eine glockenförmige ebenfalls sechseckige und mit Schiefer verkleidete Haube. Auf der Haube erhebt sich eine kunstgeschmiedete Wetterfahne.

Über der hölzernen geschnitzten Portaltür befindet sich der in einen roten Sandsteinstreifen gemeißelte Schriftzug „Gemeindeverwaltung Grünhainichen“, mittig unterbrochen durch das damals gültige Stadtwappen. Das Tympanon über der Tür ist mit schmiedeeisernen Motiven gestaltet.

Dieser Zugang ist nicht barrierefrei, da es hier vier steinerne Stufen gibt. Daneben schließt sich eine rundbogige Durchfahrt zum Hof an. Oberhalb dieser Durchfahrt wurde ein Erker platziert. Auch an dem kurzen Bauflügel zur Zugangsseite hin gibt es einen Erker.

Die hohen Fenster in allen drei Etagen sind im Oberlichtbereich als Sprossenfenster gestaltet. Die Fensterreihe im Hochparterre besteht aus Bogenfenstern, die Reihe in der ersten Etage aus hochrechteckigen und die Reihe in der dritten Etage aus rechteckigen Fenstern mit oben abgeschrägten Faschenkanten. Das dritte Geschoss ist das zu Teilen voll ausgebaute Dachgeschoss und ist mit Schieferplatten auch an den senkrechten Dachteilen bedeckt. Ein unterbrochenes Mansardwalmdach bildet den Abschluss des Bauensembles. Die Fassade wird an zwei Stellen durch hohe Giebelflächen mit gereihten Fenstern unterbrochen. In beiden Giebeldreiecken sind große runde Sprossenfenster eingefügt, bogenförmig umrahmt von einer Putzgirlande und darüber je drei Relief-Figürchen. Dieser Bauschmuck ist dem Jugendstil zuzurechnen.

Der Grundriss des Haupthauses ist „L“-förmig ausgeführt mit Längen von 33 m (zur Straßenseite hin) und von 25 m (zur Hofseite hin).[3] Entlang der Straße weist das Ratsgebäude fünfzehn Achsen auf, am senkrecht dazu verlaufenden Flügel wohl acht Achsen.

Die Türen und Beschläge am und im Gebäude sind original erhalten.[4]

Das Gebäudeelement unter Hausnummer 43 ist die südwestliche Ecke des Haupthauses, an dem die Staatsstraße einen Knick macht. Es ist dreigeschossig und wurde der Hangschräge angepasst. Hier gibt es eine Außentreppe, die unter einem offenen auf Säulen ruhenden Vordach in ein weiteres Treppenhaus führt. Diese Gebäudeseite ist mehrfach stark gegliedert, auch in wechselnden Höhen. Hier sind alle Dachelemente ebenfalls schiefergedeckt. Es ist mit dem nicht zur Stadtverwaltung gehörenden Nachbargebäude mittels eines gemauerten Brückenbogens verbunden, durch den Fahrzeuge in den Hof des Rathauses gelangen können.[5]

Commons: Rathaus Grünhainichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Zeichnung aus dem Jahr 1900 ist untertitelt: „C. G. Richter. Jetzt Rathaus Gruppenbau. 1900“
  2. a b c d e Das heutige Rathaus. entdecke-gruenhainichen.de, abgerufen am 18. September 2025.
  3. Maßangaben grob mit dem Tool von Google Earth bestimmt.
  4. Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen -> Erzgebirgskreis -> Denkmaldokument ID-Nr. 09240863, Rathaus Grünhainichen; herausgegeben vom Sächsischen Denkmalamt.
  5. Die Beschreibung wurde mehreren Bildern unter „Google Bilder“ entnommen.