Rabštejn (Janská)
Rabštejn (deutsch: Rabstein) ist eine Ortslage von Janská (Johnsbach) im Tal der Kamenice (Kamnitz) in Tschechien. Anteile liegen auch auf dem Kataster der Ortsteile Kamenická Nová Víska (Kamnitz-Neudörfel) sowie Dolní Kamenice (Niederkamnitz) der Stadt Česká Kamenice.
Geografie und Namensherkunft
Die Ortslage Rabstein erstreckt sich in einem von Felsen gesäumten Tal am Mittellauf der Kamenice. Der Name Rabstein stammt von einem einst frei im Tal stehenden Sandsteinfelsen, der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen wurde. Der Name des Felsens ging danach auf den umgebenden Wald, das Tal („Rabsteiner Tal“) und die dortigen Fabriken („Rabsteiner Fabriken“) über. Zeitweise wurde das gesamte Tal auch als „Rabsteiner Schweiz“ bezeichnet. Die tschechoslowakische Administration übertrug den deutschen Namen Rabstein nach 1919 ins Tschechische, ohne ihn zu übersetzen.
Rabsteiner Fabriken
Im Jahr 1860 errichtete Franz Preidl im östlichen Teil des Rabsteiner Grundes eine Spinnerei, die er 1864 und 1867 noch um zwei weitere Betriebe erweiterte. Die drei Fabriken waren vortan als Rabsteiner Fabriken oder Rabsteiner Spinnereien bekannt. Emanuel Karsch, dem die Rabsteiner Fabriken nach Preidls Tod gehörten, ließ 1904 im Rabsteiner Grund das Gasthaus „Zur Rabsteiner Schweiz“ errichten, das zugleich als Kantine der Spinnereien diente. Anstelle der abgebrannten Lochmühle wurde 1901 ein Elektrizitätswerk in Betrieb genommen.
Die Weltwirtschaftskrise führte 1931 zur Stilllegung der Spinnerei in Rabstein Nr. 59 und einer weiteren Fabrik. Von 1931 bis 1933 wurden die Gebäude als Kaserne einer Einheit der tschechoslowakischen Grenzwache nachgenutzt. Im Jahr 1938 wurde in den Gebäuden das XXII. Wachbataillon der tschechoslowakischen Armee unter Major Jan Žižka stationiert, das in der Böhmischen Schweiz leichte Befestigungsanlagen des Tschechoslowakischen Walls errichtete.
Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Oktober 1938 lag Rabstein auf deutschem Staatsgebiet. Die Rabsteiner Fabriken wurden im September 1940 von der Vereinigte Färbereien AG mit Sitz in Wien gekauft. Das Unternehmen nahm auch in der als Kaserne genutzten Spinnerei Rabstein Nr. 59 die Produktion wieder auf. Im Dezember 1941 wurde der Betrieb allerdings wieder eingestellt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die ungenutzten Fabrikgebäude im Oktober 1942 der Weser-Flugzeugbau GmbH (WFG) aus Bremen als Verlagerungsobjekt zugewiesen, die dort die Fertigung von Kompenenten für Flugzeuge aufnahm. Für die Beschäftigten wurde im Sommer 1943 an der Straße nach Böhmisch Kamnitz das Lager „Neu-Bremen“ mit 20 Baracken aufgebaut. In der Produktion kamen neben den Fachleuten aus Bremen auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz.
Im Laufe des Krieges erweiterte sich die Reichweite der gegnerischen alliierten Bomberverbände kontinuierlich nach Osten. Anfang 1944 begannen darum die Planungen zur Verlagerung der Produktion in bombensichere, unterirdische Räume unter dem Decknamen Zechstein. Der bergmännische Ausbruch von den drei unabhängigen unterirdischen Produktionstätten Werk A bis C begann im August 1944. Dafür kamen mehrheitlich KZ-Häftlinge zum Einsatz. In den acht Monaten bis Mai 1945 wurden Stollen und Räume mit einer Fläche von 17.500 m² aufgefahren. Insgesamt waren im Lagerkomplex Rabstein 6000 Menschen aus 18 Ländern untergebracht.
Mit dem Kriegesende im Mai 1945 kam Rabstein wieder unter tschechoslowakische Verwaltung. Die Umstellung der Flugzeugfabrik auf eine zivile Produktion misslang. Ursache dafür war vor allem die Vertreibung der örtlichen deutschsprachigen Bevölkerung und eine unzureichende Neubesiedlung mit Tschechen. Das Barackenlager „Neu-Bremen“ diente bis zum 25. September 1946 als Durchgangslager für die auszuweisenden Deutschen. Die unterirdischen Räume wurden zwischen 1947 und 1951 als Lager für Gemüse und Getreide nachgenutzt.
Den westlichen Teil des Areals übernahm 1952 die Tschechoslowakische Armee (ČSA). Zunächst wurde Pioniermunition gelagert. Von 1957 bis 1962 wurde in den unterirdischen Räumen ein Treibstofflager eingerichtet. Nach der Invasion von 1968 übernahmen sowjetische Besatzungstruppen den östlichen Teil des Komplexes. Die Fabrikgebäude an der Adresse Rabštejn 59 wurde 1966 abgerissen, lediglich der Schornstein blieb bis heute erhalten.
Nach der Samtenen Revolution von 1989 räumten sowohl die sowjetische als auch die tschechoslowakische Armee das Areal. Eine örtliche Bürgervereinigung übernahm nach 2000 den westlichen Teil und richtete ein Museum ein.
KZ-Außenlager Rabstein
Zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs beim Bau des U-Verlagerungsobjektes Zechstein bestand von August 1944 bis Mai 1945 das Außenlager Rabstein des Konzentrationslagers Flossenbürg. Dort waren anfangs 650 Menschen verschiedener Nationalitäten inhaftiert. Etwa 100 Häftlinge starben in dieser Zeit aufgrund unmenschlicher Arbeitsbedingungen, unhygienischer Verhältnisse und Gewalt der Wachmannschaften der SS. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lager noch bis 1946 als Internierungslager für Angehörige nationalsozialistischer Organisationen fortgeführt. Weitere 90 Opfer von Gewalt sind belegt. Am Ort des Geschehens wurde 1959 ein Gedenkstein errichtet.
Bahnhof Rabstein
Die k.k. priv. Böhmische Nordbahn (BNB) eröffnete 1869 die Eisenbahnstrecke von Bodenbach nach Warnsdorf. Südlich von Rabstein entstand auf freiem Feld auf dem Gemeindegebiet von Freudenberg die Station Rabstein. Sie diente insbesondere dem Güteraufkommen der Rabsteiner Spinnereien. Nach 1942 wurde der Bahnhof um einige Ladegleise für den Bedarf der Weser-Flugzeugbau ergänzt.
Die Betriebsstelle trug nach 1919 den amtlichen tschechischen Namen Rabštejn. Ende der 1960er wurde sie in Veselé pod Rabštejnem umbenannt. Die devastierten Hochbauten und Güterverkehrsanlagen wurden um 1990 vollständig abgerissen. Heute ist der Bahnhof nur noch eine unbedeutende Haltestelle. Sie ist Ausgangspunkt einiger Wanderwege in die Böhmische Schweiz.
Weblinks
- Rabštejnské údolí (Rabsteiner Tal) in luzicke-hory.cz
- Webseite des Museums der Unterirdischen Flugzeugfabrik Rabstein
Koordinaten: 50° 48′ 6,7″ N, 14° 22′ 7,8″ O