KZ-Außenlager Rabstein
Das KZ-Außenlager Rabstein bei Böhmisch Kamnitz im Sudetengau war eines der über 70 Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. Die etwa 650 Inhaftierten leisteten von August 1944 bis Mai 1945 Zwangsarbeit im Rahmen der U-Verlagerung zum Aufbau unterirdischer Produktionsanlagen der Weser-Flugzeugbau unter dem Decknamen Zechstein.
Geschichte
Franz Preidl hatte im Tal der Kamnitz drei Textilspinnereien im Rabsteiner Tal bei Nieder-Kamnitz und Jonsbach aufgebaut. Diese Betriebe stellten 1931 infolge der Weltwirtschaftskrise ihre Produktion ein. Im Zweiten Weltkrieg richtete die Weser-Flugzeugbau GmbH (WFG) aus Bremen in den Fabrikgebäuden eine Produktion von Zubehör für die Junkers-Sturzkampfflugzeuge (Stuka) ein, die infolge zunehmender Luftangriffe aus Bremen ausgelagert worden war.
Ab 1944 wurden unter dem Decknamen Zechstein auf Johnsbacher Flur Stollen in die Sandsteinfelsen vorgetrieben, um die Produktion in bombensichere, unterirdische Räume verlagern zu können. Für die benötigten Arbeitskräfte wurde Ende August 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg für zunächst 650 Häftlinge auf Niederkamnitzer Flur eingerichtet. Es bestand aus drei zum Teil zweistöckigen Wohnbaracken. Das Gelände wurde von einem Stacheldrahtzaun mit drei Wachtürmen umschlossen. Außerhalb der Umzäunung standen noch die Wachstube, die Unterkunft der Wachmannschaft und der Hundezwinger. Die Bewachung der Gefangenen übernahm die Schutzstaffel (SS) unter Kommandoführer Oskar Jung. Die insgesamt 67 Angehörigen der Wachmannschaft kamen aus verschiedenen Staaten. Unter den Häftlingen waren über 220 Russen, über 170 Deutsche, 85 Polen, über 60 Jugoslawen, 60 Franzosen, über 30 Tschechen und weitere Nationen.
Die Häftlinge wurden insbesondere beim Bau der unterirdischen Stollen eingesetzt. Aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen starben im Lager nachweislich 59 Menschen. Der stellvertretende Kommandant Junge erschlug etwa Häftlinge, die entkräftet waren. Die genaue Zahl der Opfer ist heute nicht mehr nachweisbar, da die Lagerleitung zum Kriegsende alle Unterlagen vernichtete. Tschechische Quellen gehen von insgesamt 80 bis 100 Toten aus.
Bei Kriegsende waren im Konzentrationslager etwa 1500 Häftlinge untergebracht. Sie wurden am 8. Mai 1945 in Richtung Wernstadt evakuiert. Als sie in einer Scheune übernachteten, flüchteten die Wachen infolge des Kriegsendes am nächsten Morgen und die Häftlinge kamen frei.[1]
Nach Kriegsende waren im Lager insbesondere ehemalige SS-Angehörige und NSDAP-Mitglieder inhaftiert. Unter den 700 bis 1000 Häftlingen gab es wiederum etwa 90 Tote.
Nach der Auflösung des Lagers am 25. September 1946 wurde zunächst ein Gedenkkreuz mit Dornenkrone am Gelände aufgestellt. Im Mai 1959 wurde in der ehemaligen Wachstube ein kleines Museum eingerichtet. Anstatt des Kreuzes wurde am 10. Oktober 1959 ein Gedenkstein feierlich enthüllt. Er trägt die Aufschrift „OBĚTEM FAŠISMU − 1938-1945“ (Den Opfern des Faschismus – 1938–1945).
Das Museum wurde zu Beginn der 1980er Jahre geschlossen. Die Exponate wurden in das Regionalmuseum in Děčín überführt.
Heute ist vom Konzentrationslager außer einigen Grundmauern nichts mehr erhalten. Der Gedenkstein wurde 2005 durch eine Infotafel ergänzt, die auch die Nachkriegsverbrechen thematisiert.
Weblinks
- Beschreibung auf gedenkstaette-flossenbuerg.de
- Rabštejnské údolí (Rabsteiner Tal) in luzicke-hory.cz
- Webseite des Museums der Unterirdischen Flugzeugfabrik Rabstein
Einzelnachweise
- ↑ Außenlager Rabstein (Rabštejn) Tarnname: »Zechstein«. ( des vom 7. Juli 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 6. Juli 2016.
Koordinaten: 50° 48′ 2,8″ N, 14° 23′ 10,1″ O