Römischer Münzschatz von Borsum

Der Römische Münzschatz von Borsum ist ein Hort mit rund 450 römischen Silbermünzen und weiteren Artefakten aus Silber und Gold, den ein Sondengänger 2017 bei Borsum im Landkreis Hildesheim entdeckte. Erst 2025 meldete der Finder seinen Fund der Polizei und den Denkmalbehörden.

Fundstelle und Fundstücke

Die Fundstelle befindet sich südwestlich von Borsum im Borsumer Wald, einem etwa 50 Hektar großen Waldstück im Schwarzerdegebiet der Hildesheimer Börde. Sie liegt auf der Südseite des Waldes nahe dem Waldrand.

Der Hort besteht aus rund 450 römischen Silbermünzen, mehreren Silberbarren, Silbernadeln, einem Goldring und einer Goldmünze. Einer ersten Einschätzung nach stammen die Fundstücke aus der frühen römischen Kaiserzeit, möglicherweise aus dem 1. Jahrhundert. Durch das unprofessionelle Ausgraben seitens des Finders gingen die für Archäologen wichtigen Informationen im Erdboden verloren.[1] Laut dem niedersächsischen Landesarchäologen Henning Haßmann wurde so der Fundzusammenhang zerstört.[2] Forscher halten es für möglich, dass die Gegenstände in einem Behältnis aus organischem Material, wie Stoff, vergraben wurden. Die Silbernadeln könnten das Behältnis zusammengehalten haben, das im Laufe der Zeit vergangen ist.[3] Die Fundstücke werden vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) restauriert und wissenschaftlich untersucht,[4] wofür unter anderem Methoden der Fundmünzennumismatik infrage kommen. Im Oktober 2025 lag der Schatz noch bei der Polizei. Zu dem Zeitpunkt war nicht bekannt, wie die Präsentation der Fundstücke erfolgen wird. Da der archäologische Fund im Landesbesitz steht, wird er nach den Untersuchungen im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover verwahrt und möglicherweise dort ausgestellt.[5]

Entdeckungs- und Forschungsgeschichte

Ein illegaler Sondengänger aus der Region gab an, den Münzschatz 2017 mit einem Metalldetektor gefunden und geborgen zu haben. Da er keine offizielle Sucherlaubnis besaß, habe er ihn aus Furcht vor rechtlichen Konsequenzen zuhause versteckt. Im Frühjahr 2025 übergab er den Fund der Polizei. Ein gegen ihn eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen Fundunterschlagung stellte die Staatsanwaltschaft Hildesheim als verjährt ein.[6] Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Fundes führte das NLD mit dem Finder eine erste Begehung des Fundortes durch. Im Herbst 2025 ließ das NLD in Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Hildesheim und der Stadtarchäologie Hildesheim eine archäologische Sondage an der Fundstelle durchführen. Ziel war die Lokalisierung des illegalen Bodeneingriffs, bei dem die Fundstücke ausgegraben wurden. Auch galt die Sondage der Suche nach weiteren Objekten und Hinweisen über die Art der Niederlegung des Horts. Sie führte zu weiteren Münzfunden.[4] Erst danach wurde der Fund der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Bewertung

Dem Münzschatz kommt laut dem Archäologen Sebastian Messal eine herausragende wissenschaftliche Bedeutung zu. Messal ist als Leiter des Archäologie-Regionalreferats Hannover beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege für den Fund zuständig. Er bezeichnet den Hort vom Umfang her als einen der größten Funde von römischen Münzen in Niedersachsen. Bei der Interpretation der Niederlegung hält Messal es für denkbar, dass römische Legionäre den Schatz auf der Flucht vor Germanen vergraben haben, um ihn später wieder zu bergen. Auch sei es möglich, dass der Schatz eine Beute von Germanen war. Die Forscher erhoffen sich durch weitere Untersuchungen Aufschlüsse über das Leben und die Infrastruktur vor rund 2000 Jahren im Hildesheimer Gebiet. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit dem Hildesheimer Silberfund[7] und dem Schatzfund von Gehrden. Die Anwesenheit von römischem Militär Anfang des 1. Jahrhunderts in der Gegend ist durch das 20 Kilometer entfernte Römische Marschlager von Wilkenburg belegt.

Einzelnachweise

  1. Sensationsfund: 2.000 Jahre alter römischer Silberschatz aufgetaucht bei ndr.de vom 13. Oktober 2025
  2. Manuel Opitz: Schatzsucher mit Metalldetektor: Fluch oder Segen für die Forschung? in Geo vom 17. Oktober 2025
  3. Jan Fuhrhop: Römischer Silberschatz: Warum Jannik Pauli seinen Fund acht Jahre lang versteckt hat In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 13. Oktober 2025
  4. a b Silberschatz in Borsum gefunden beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege
  5. Sebbastian Knoppik: Nach spektakulärem Silberschatz-Fund bei Borsum: So geht es mit den wertvollen Münzen weiter in Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 23. Oktober 2025
  6. Sondengänger entdeckt bei Hildesheim römischen Silberschatz bei n-tv vom 11. Oktober 2025
  7. Jan Fuhrhop: Acht Jahre lang versteckt: Sondengänger findet bei Hildesheim römischen Silberschatz „von enormer Bedeutung“ In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 11. Oktober 2025