Römerlager Colm la Runga

Das Römerlager Colm la Runga liegt auf einer Höhe von 2234 m ü. M.[1] (Punkt 2234 auf der Swisstopo-Karte) auf der Flur Colm la Runga («gerodeter Berg»)[2] im schweizerischen Kanton Graubünden etwa vier Kilometer südöstlich von Tiefencastel.

Es wurde im Herbst 2023 entdeckt und als Römerlager (lateinisch castrum) identifiziert. Das Lager gilt als eines der höchstgelegenen bekannten Militärlager des römischen Imperiums und liefert Einblicke in die Expansion und Strategie der Römer in den Alpen.[3]

Entdeckung

Im Herbst 2023 fiel einem ehrenamtlichen Sondengänger auf neuen, hochauflösenden Lidar-Bildern von Swisstopo eine ungewöhnliche Geländestruktur auf. Das digitale Geländemodell «swissALTI3D» liess eine befestigte Lagerstelle mit Wällen und Gräben vermuten.[3]

Nachdem bei ersten Begehungen einige antike Gegenstände gefunden worden waren, untersuchten Studenten der Universität Basel im August 2024 das Areal.[4.1]

Lage und Bedeutung

Colm la Runga ist eine Hügelkuppe auf dem Grat, der vom Piz Mitgel (3158 m ü. M.) nach Nordwesten läuft und das Albulatal vom Surses trennt. Die Hügelkuppe liegt rund 900 Meter oberhalb der römischen Fundstelle auf der Flur Crestas beim Dorf Cunter , die 2021 erforscht worden war.

Die damals gemachten Funde – darunter ein Dolch, Schleuderbleie, Münzen, Schuhnägel und ein Teil eines Schildes – und deren Datierung lassen auf einen gewalttätigen Zusammenstoss zwischen Römern und einem lokalen Stamm – vermutlich die Suaneten[4.2] – aus der Zeit um 15 v. Chr. schliessen.[5]

Die Lage des Colm la Runga hoch oberhalb südlich des Dorfes Surava auf einer Höhe von über 2200 Metern war strategisch klug gewählt. Man hat eine weite Übersicht über mehrere wichtige Täler und Pässe, unter anderem das Landwassertal, das Albulatal, das Domleschg und das Surses. Zudem war der bedeutende Übergang über die Lenzerheide von hier aus gut einsehbar, was dem Lager eine wichtige Kontrollfunktion verlieh.

Das castellum war mit drei Gräben und einer Wallbefestigung umgeben, was auf seine strategische Bedeutung hinweist. Die Gräben deuten auf eine typisch militärische Bauweise hin. Möglicherweise befand sich hier nicht nur ein kurzfristiges Feldlager, sondern auch ein fester Beobachtungsposten.

Funde

Die rund 5.000 Artefakte aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr., die bislang im Tal zum Vorschein kamen, lassen vermuten, dass es sich dabei um Relikte aus der Zeit der Alpenfeldzüge des Kaisers Augustus handelt, also aus einer sehr frühen Phase der römischen Präsenz im Alpenraum. Die Objekte erlauben es, den Feldzug von Como über den Septimerpass bis in die Gegend von Tiefencastel genauer nachzuvollziehen, zu dem keine Details überliefert sind.[6]

Auch auf dem gleich hohen Septimer wurden Reste eines Lagers gefunden: In dieser zeitweilig in den Sommermonaten genutzten Anlage, die durch einen Wall gesichert wurde, wurden ebenfalls viele Schleuderbleie gefunden.[7]

Auf dem Colm la Runga wurden zahlreiche Ausrüstungsgegenstände römischer Soldaten gefunden, darunter Schleuderbleie, Geschossspitzen, Schuhnägel, vermutlich von den Caliga-ähnlichen Sandalen der Legionäre, sowie um die 20 Zeltheringe.[4] Zu den besonderen Funden gehören auch zwei Fingerringe, einzelne Werkzeuge und ein Simpulum, eine Schöpfkelle.[4.3]

Die Schleuderbleie tragen den Stempel der 3. Legion, die auch am Gefecht bei Cunter südlich von Tiefencastel beteiligt war.[8] Ein enger Zusammenhang zwischen dem antiken Gefechtsfeld und dem neu entdeckten Militärlager kann somit als gesichert angenommen werden,[9] obwohl die Datierung der gefundenen Kohlestücke noch aussteht.[4.4] Das Forschungsvorhaben «CVMBAT» (Konfliktlandschaft in den Bündner Alpen) untersucht diese Zusammenhänge.[10] Die Historiker vermuten, dass es auf der Route zum Bodensee noch weitere, bisher unbekannte Lager gab.[4.5]

Literatur

  • Jano Felice Pajarola: Ein Fund, wie man ihn nur einmal im Leben macht. Das Römerlager Colm La Runga. In: Terra Grischuna. Nr. 6, 2024, S. 4–10 (am-agola.ch [PDF; 3,4 MB]).
  • Hannes Flück, Thomas Reitmaier, Peter-Andrew Schwarz: CVMBAT: der römische Alpenfeldzug im Surses? In: Archäologischer Dienst Graubünden (Hrsg.): Archäologie Graubünden. Nr. 5, 2023, ISSN 2296-8776, S. 69–90, doi:10.5169/seals-1046324.
Commons: Römerlager Colm la Runga – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise) (digitales Höhenmodell «swissALTI3D»)
  2. Andrea Schorla: Wie der Berg zu seinem Namen kam. Edition Terra Grischuna, Chur 1999, ISBN 978-3-7298-1125-6.
  3. a b Regionaljournal Graubünden: Sensationsfund dank Ehrenamt: So geht Archäologie für alle. In: Radio SRF. 30. August 2024, abgerufen am 23. November 2025.
  4. Jano Felice Pajarola: Ein Fund, wie man ihn nur einmal im Leben macht. Das Römerlager Colm La Runga. In: Terra Grischuna. Nr. 6, 2024, S. 4–10 (am-agola.ch [PDF; 3,4 MB; abgerufen am 23. November 2025]).
    1. S. 8
    2. S. 5
    3. S. 8 f
    4. S. 9
    5. S. 10
  5. Matthew Allen: Wie ein Hobbyarchäologe einen römischen Kriegsschauplatz entdeckte. In: Swissinfo. 17. November 2021, abgerufen am 23. November 2025.
  6. Current World Archaeology: On the trail of the legions. In: World Archaeology. 21. November 2024, abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
  7. Jörg W. E. Fassbinder, Werner Zanier, Doris Ebner, Jürg Rageth, Robert Sternberg: Bivio, Septimerpass: Magnetometerprospektion auf dem Gelände des römischen Militärlagers. In: Amt für Kultur (Hrsg.): Jahresberichte des Archäologischen Dienstes Graubünden und der Denkmalpflege Graubünden 2009. Südostschweiz Print, Chur 2010, ISBN 978-3-9523495-1-9, S. 109–113 (gr.ch [PDF; abgerufen am 23. November 2025]).
  8. Werner Zanier: Der römische Alpenfeldzug unter Tiberius und Drusus im Jahre 15 v. Chr. Übersicht zu den historischen und archäologischen Quellen. In: Rudolf Aßkamp, Tobias Esch (Hrsg.): Imperium – Varus und seine Zeit (= Veröffentlichungen der Altertumskommission Westfalen. Band 18). Aschendorff, Münster 2010, ISBN 978-3-402-15007-8, S. 79 (academia.edu [abgerufen am 23. November 2025]).
  9. Amt für Kultur: Römisches Militärlager in Graubünden neu entdeckt. Kanton Graubünden, 29. August 2024, abgerufen am 23. November 2025 (Medienmitteilung).
  10. Hannes Flück, Thomas Reitmaier, Peter-Andrew Schwarz: CVMBAT: der römische Alpenfeldzug im Surses? In: Archäologischer Dienst Graubünden (Hrsg.): Archäologie Graubünden. Nr. 5, 2023, ISSN 2296-8776, S. 69, doi:10.5169/seals-1046324.

Koordinaten: 46° 38′ 7,5″ N, 9° 36′ 36″ O; CH1903: 766248 / 167209