Internationaler Preis des Westfälischen Friedens

Der Internationale Preis des Westfälischen Friedens, kurz Westfälischer Friedenspreis, wird seit 1998, dem Jahr des 350-jährigen Jahrestages des Westfälischen Friedens, alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe e. V. verliehen.[1]

Dotiert ist der in Münster gestiftete Friedenspreis mit 100.000 Euro. Verliehen wird der Preis je zur Hälfte an zwei Preisträger. Einerseits geht das Preisgeld zur Hälfte an Persönlichkeiten oder Repräsentanten von Staaten und Gruppen, die sich für den Zusammenhalt Europas eingesetzt haben. Und andererseits geht das Preisgeld zur Hälfte an Jugendliche und Jugendorganisationen, die durch ihr Handeln zum Vorbild für Frieden in der Welt geworden sind.

Die Jury des Internationalen Preises des Westfälischen Friedens bilden (Stand 2025)[2] :

Preisträger

Jahr Preisträger Jugendpreisträger
1998 Václav Havel Gesto por la Paz
2000 Helmut Kohl Ekola-Gymnasium, Conrad-von-Soest-Gymnasium
2002 Carla Del Ponte Schüler Helfen Leben
2004 Kurt Masur Sternsinger
2006 Valéry Giscard d’Estaing, als „überzeugter und überzeugender Baumeister Europas“ sowie Vorsitzender des EU-Verfassungskonvents Jugendliche, die an den V. Bodelschwinghsche Anstalten Bethel ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren, für ihre Hilfe bei der Pflege von alten und behinderten Menschen
2008 Kofi Annan Das „Libanon Projekt“ der Gemeinschaft junger Malteser
2010 Daniel Barenboim West-Eastern Divan Orchestra
2012 Helmut Schmidt Children for a better World
2014 Die Besatzungen der Internationalen Raumstation Die Jugendarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge
2016 König Abdullah II. von Jordanien Aktion Sühnezeichen
2018 Estland, Lettland und Litauen Ring deutscher Pfadfinderverbände
2020 Alexis Tsipras und Zoran Zaev Plant-for-the-Planet
2024 Emmanuel Macron Deutsch-Polnisches Jugendwerk
2025 Margot Friedländer (Sonderpreis)[3]
2026 Die NATO und ihr Generalsekretär Mark Rutte[4] socioMovens

Westfälische Friedenskonferenz

In Münster und Osnabrück wurde 1648 die Grundlage für das moderne Völkerrecht gelegt. 375 Jahre nach dem Westfälischen Frieden hat die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e. V. 2023 erstmals die Westfälische Friedenskonferenz einberufen.

Am 15. September 2023, im historischen Rathaus zu Münster, berieten eingeladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die Stärkung des durch international abgestimmte Regeln geordneten liberalen Völkerrechts. Die moderne internationale Staatengemeinschaft kultiviert die Integrität von Staatengrenzen und die friedliche Beilegung von Interessenskonflikten.[5][6]

Diskutiert wurden der völkerrechtswidrige Angriffskrieg in der Ukraine durch Russland und der grundlegende Wandel des Konflikts im Nahen Osten durch die Abraham-Abkommen zwischen Israel, Marokko, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Sudan. Weiter wurden kriegerische Krisen in Afrika und die daraus resultierenden Folgen für die Welt diskutiert.[7]

Kritik

Vor allem aus der Friedensbewegung nahestehenden Gruppen wurde Kritik an der Verleihung des Preises an das Militärbündnis NATO laut. Die katholische Gruppe Pax Christi forderte, von der Verleihung des Preises abzusehen.[8] Nach Ansicht der DfG-VK „widerspricht die Auszeichnung dem historischen Anspruch des Westfälischen Friedens, der traditionell für diplomatische Verständigung steht“.[9] Der Journalist Matthias Korfmann meint, die NATO sei neben einem „Schutzbündnis auch eine bewaffnete Konfliktpartei“, was den Preis „entwerte“.[10]

Belege

  1. Internationaler Preis des Westfälischen Friedens, Website der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe.
  2. Jury. Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. Abgerufen am 6. November 2025
  3. Preisträgerin 2025 (Sonderpreis): Margot Friedländer, Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e.V. Abgerufen am 6. November 2025
  4. Westfälischer Friedenspreis: Auszeichnung für NATO und socioMovens, WDR, 5. November 2025
  5. 15. September: Westfälische Friedenskonferenz. Münster Marketing, 15. September 2023, abgerufen am 6. November 2025.
  6. Pistorius begrüßt Klitschko in der "Friedensstadt" Münster. In: Nachrichten. Westdeutscher Rundfunk Köln, 15. September 2023, archiviert vom Original; abgerufen am 6. November 2025.
  7. Westfälische Friedenskonferenz; Die #WFK23 im Livestream. Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe e. V., abgerufen am 15. September 2023.
  8. Pax Christi: Kein Westfälischer Friedenspreis an die Nato!, Kirche + Leben, 11. November 2025
  9. Tim Eichler: Münster diskutiert weiter über umstrittene Auszeichnung für die NATO, Münster Aktuell, 19. November 2025
  10. Matthias Korfmann: Westfälischer Friedenspreis für die Nato - da stimmt was nicht, WAZ, 6. November 2025