Petites Jorasses

Petites Jorasses
Blick auf die Westwände von Petites Jorasses (rechts) und Aiguille de Leschaux (links)
Höhe 3649 m s.l.m.
Lage Frankreich und Italien
Gebirge Mont-Blanc-Massiv
Koordinaten 45° 52′ 53″ N, 7° 0′ 6″ O
Typ Felsgipfel
Gestein Granit
Erstbesteigung 23. September 1876 durch Auguste Cupelin, Henri Devouassoud und Albert Guyard
Normalweg Ostnordost-Wand

Die Petites Jorasses ist ein 3649 m s.l.m. hoher Berg im Mont-Blanc-Massiv. Sie liegt auf der französisch/italienischen Grenze nordöstlich der Grandes Jorasses. Der Berg ist vor allem bei Bergsteigern für seine Kletterrouten bekannt.

Lage und Toponymie

Die Petites Jorasses liegt auf der französisch/italienischen Grenze und ist Teil des Bergkamms, der sich von der Aiguille de Talèfre über die Aiguille de Leschaux und die Grandes Jorasses bis zum Dent du Géant hinzieht. Der Kamm der Petites Jorasses verläuft dabei von Nordosten nach Südwesten. Nordwestlich (französische Seite) ist sie vom Leschaux-Gletscher und südöstlich (italienische Seite) vom Frébouze-Gletscher begrenzt. Nordöstlich fällt der Gipfelgrat zum Col des Petites Jorasses auf 3526 m s.l.m. ab.

„Petites“ ist französisch und bedeutet „klein“ (weiblich, Plural). Für den Namen „Jorasses“ werden zwei mögliche Herkünfte genannt:

  • Im Franco-Provenzalischen sind im Osten von Savoyen, im Aostatal und in der Westschweiz die Begriffe: zheù, zdeû, dzeù bekannt. Ihre übliche Bedeutung ist „Nadelwald“. Sie kommen heute in den Ortsnamen Joux, Jeur, Montjout, Jorette oder Jorasse vor.[1]
  • Joux (also auch Jorasse) kommt vom lateinischen „Jugum“ und bedeutet Berggipfel.[2]

Geologie

Das Montblanc-Massiv stellt ein Externmassiv (englisch External Crystalline Massif) der französischen Westalpen dar. Es besteht aus polymetamorphem kristallinen Grundgebirge (vorwiegend Gneise und Granit), das im Verlauf der Alpinischen Orogenese in Richtung Alpenvorland herausgepresst wurde.

Alpinismus

Die Petites Jorasses wurde erstmals am 23. September 1876 von Auguste Cupelin, Henri Devouassoud und Albert Guyard bestiegen. Sie stiegen von Süden in das Col des Petites Jorasses, das zwischen Aiguille de Leschaux und Petites Jorasses liegt, und folgten dann dem Ostnordost-Grat bis zum Gipfel.[3]

Obwohl die Petires Jorasses aus bestem Chamonix-Granit besteht, wurde sie erst spät als Kletterziel entdeckt. Geklettert wird vor allem an der 650 m hohen Westwand und an der etwa 450 m hohen Südost-Wand. Die Besonderheit der Anstiege liegt darin, dass es sich um reine Felsrouten handelt, was in der Mont-Blac-Gruppe nicht häufig vorkommt. Walter Pause führt die späte Erschließung der Westwand auf die Nachbarschaft der Grandes Jorasses zurück, deren Nordwand den Weg zum Einstieg überragt.[4] Obwohl die Petites Jorasses eine Vielzahl von Kletterouten aufweist, sind hier nur drei Routen hervorgehoben, da sie für die Alpinismusgeschichte von Bedeutung sind:

  • Die „Westwand“ (oft kurz „die Contamine“ genannt): VI/VI- A0, Erstbegehung vom 20.–21. August 1955 durch Marcel Bron, Pierre Labrunie und André Contamine. Die Route ist als „begeisternd schöne Freikletterei“ charakterisiert und gehört zu den besten Routen des Gebiets.[4][5] Typisch für die Route sind mehrere Plattenquergänge, wobei ganz allgemein die Plattenlängen mit mobilen Sicherungsgeräten nur schwer absicherbar sind.
  • Die „Anouk“: VIII-/VI+ A0, Erstbegehung am 25. und 31. Juli 1990 durch Vincent Sprongli und Michel Piola. Diese Westwandroute wurde zum vielbegangenen Neoklassiker. Auch die Anouk bietet ausgesprochen schöne Kletterei durch Platten, durchsetzt mit einigen Riss- und Dachpassagen. Die schweren Stellen sind meist gut mit Bohrhaken abgesichert.[6]
  • Die „Südost Wand“ (oft kurz „die Bonatti “genannt) auf der italienischen Seite der Petites Jorasses haben im Juli 1962 die „alpinistischen Legenden“ Walter Bonatti und Pierre Mazeaud teilweise in technischer Kletterei erstbegangen. Heute ist sie eine Freikletterroute auf gutem, teilweise exzellentem Fels. Die Route verlangt aber in den leichteren Seillängen ein gutes Orientierungsvermögen.[7][8] Der Originalausstieg, der rechtshaltend durch ein Rinnensystem an der Gipfelwand vorbei führte, wird heute nicht mehr wiederholt, da im Sommer Schmelzwasser die Rinnen hinab fließt. Vielmehr wird mittels eines langen Linksquergang (teilweise brüchig) die Südkante erreicht, die weiter zum Gipfel verfolgt wird.[9][7]

Erschließung des Gebietes

Die Petites Jorasses ist bergsteigerisch durch zwei Hütten erschlossen:

Einzelnachweise

  1. Hubert Bessat, Claudette Germi: Lieux en mémoire de l'alpe. Toponymie des alpages en Savoie et Vallée d'Aoste. In: Gérard Taverdet (Hrsg.): Nouvelle revue d'onomastique. Nr. 23-24, 1994, ISBN 978-2-902709-82-3.
  2. Jean Dubois, Henri Mitterand, Albert Dauzat: Dictionnaire d'étymologie (= Références Larousse). Nouv. éd. Larousse, Paris 2005, ISBN 978-2-03-571246-2.
  3. Albert Guyard: Les Petites Jorasses. In: Club Alpine Francais (Hrsg.): Annuaire du Club alpin français. Januar, 1876, S. 233–242 (bnf.fr).
  4. a b Walter Pause und Jürgen Winkler: Im exteremen Fels. 2. Auflage. BLV Verlag, München, Bern Wien 1977, ISBN 3-405-11742-9, S. 31–32.
  5. Gaston Rébuffat: Die 100 Idealtouren im Montblanc-Massiv. BLV-Verlagsgesellschaft, München 1975, ISBN 3-405-11485-3.
  6. Volker Roth: Petites Jorasses (3.650 m). In: Topoguide. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
  7. a b Petites Jorasses : Voie Bonatti - Mazeaud. In: Camptocamp.org. Abgerufen am 20. Oktober 2025 (englisch).
  8. Damien Caratti: Face Sud-Est des Petites Jorasses. In: Guides06. 15. August 2019, abgerufen am 20. Oktober 2025 (französisch).
  9. Petites Jorasses - Via Bonatti-Mazeaud. In: Gulliver. 29. August 2011, abgerufen am 20. Oktober 2025 (italienisch).
  10. Biwak Gervasutti. Abgerufen am 19. Oktober 2025.