Bivacco Giusto Gervasutti al Fréboudze

Bivacco Giusto Gervasutti al Fréboudze
CAI-Biwakschachtel

Gervasutti-Biwak

Gebirgsgruppe Mont-Blanc-Gruppe, Grajische Alpen
Geographische Lage: 45° 52′ 33,6″ N, 7° 0′ 47,1″ O
Höhenlage 2835 m s.l.m.
Besitzer Sektion Turin des CAI
Erbaut 1948 und 2011
Bautyp Biwakschachtel
Übliche Öffnungszeiten stets offen
Beherbergung 0 Betten, 12 Lagerdep1

Das Bivacco Giusto Gervasutti al Fréboudze ist eine auf 2835 m s.l.m. liegende Biwakschachtel. Sie liegt im südlichen Mont-Blanc-Massiv und gehört der Sektion Turin des Club Alpino Italiano (CAI).

Lage

Das Bivacco Giusto Gervasutti al Fréboudze (in Deutsch Gervasutti-Biwak genannt) liegt im Süden der Mont-Blanc-Gruppe auf 2835 m s.l.m. Höhe auf einer Felseninsel, die aus dem Fréboudze-Gletscher herausragt. Der Standort liegt im italienischen Val Ferret und gehört zum Gemeindegebiet von Courmayeur.

Geschichte

Das erste „Gervasutti-Biwak“ wurde 1948 von der Sottosezione universitaria del CAI di Torino, der Turiner akademischen Unterabteilung des CAI in Stein- und Holzbauweise errichtet. Es lag etwas unterhalb des heutigen Standorts auf der Höhe 2360 m s.l.m. Diese Hütte wurde 1966 renoviert und später durch eine neue Biwakschachtel mit modernem, futuristischem Design ersetzt. Die Planungsphase der neuen Biwakschachtel begann 2011. Die offizielle Eröffnung erfolgte dann am 22. Juni 2012.[1][2]

Die Biwakschachtel wird inzwischen auch von Nichtbergsteigern besucht, was zur Überfüllung der Schutzhütte führen kann.[3]

Beschreibung

Die Biwakschachtel ist modular aufgebaut und ist wie ein langer Zylinder geformt. Sie besitzt eine in Sandwich-Bauweise hergestellten Außenwand. Im Inneren ist sie in vier Räume unterteilt: Eingangsbereich, Aufenthaltsbereich mit großem Tisch, zwei Schlafräume mit insgesamt 12 Betten sowie ein Toilettentrakt. Sie hat eine Gesamtfläche von dreißig Quadratmetern und wiegt 1980 Kilogramm. Sie verfügt weiter über fließend Wasser, einen Küchenbereich mit Induktionsherd eine integrierte Heizung sowie einen Computer mit Internetanschluss.[4][5] (Das offiziell angepriesene „fließend Wasser“ wird in Berichten von Besuchern als „Schmelzwasser aus Schnee“ tituliert.)

Gervasutti-Biwak mit Schneeauflage
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(Bitte Urheberrechte beachten)

Die notwendige Energie bezieht die Anlage aus 24 Solarpaneelen mit einer Spitzenleistung von je 2400 Watt. Diese sind auf dem halbkreisförmigen Dach verklebt. Leistungsverluste durch mögliche Schneeablagerungen sollten durch die gekrümmte Außenwand verhindert werden (was aber in der Praxis nicht immer funktioniert, siehe Bild Gervasutti-Biwak mit Schneeauflage). Zur Speicherung des nicht benötigten Stroms stehen mehreren Batterien zur Verfügung.[5][6]

Die vier Module wurden per Helikopter zu ihrem Bestimmungsort geflogen, vor Ort montiert und mittels sechs Ankerpunkten im Fels fixiert.[5] Das Gervasutti-Biwak ist Teil des Projekts „Living Ecological Alpine Pod“ und wurde von den Architekten Luca Gentilcore und Stefano Testa entworfen.[7]

Zugang

Ausgehend von Lavachey im Val Ferret wird das Gervasutti-Biwak in drei bis vier Stunden Gehzeit erreicht. Die Aufstiegsroute tangiert das ehemalige Fréboudze-Biwak (2360 m) und erfordert an einigen Stellen erhöhte Aufmerksamkeit. Zu nennen sind hier die kleinen Felsstufen am Anfang des Wegs, die Mont-Greuvetta-Rinne sowie der zunehmend ausapernde Fréboudze-Gletscher. Der letzte Abschnitt des Wegs hat alpinen Charakter.

Bergtouren

Das Gervasutti-Biwak ist Ausgangspunkt für Hochtouren und Kletterrouten. Zu nennen sind besonders die:

Einzelnachweise

  1. Biwak Gervasutti. In: lovevda.it. Regione Autonoma Valle d'Aosta, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  2. Cristina Marrone: Addio capanne di legno e lamiera. Il bivacco alpino diventa high tech. In: Corriere della Sera. 14. April 2011, abgerufen am 2. Juli 2022 (italienisch).
  3. Bivacco Gervasutti: Wichtige Hinweise für die Tourenplanung. In: gipfelbuch.ch. Bergportal GmbH, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  4. Katharina Kestler: Hinauf in die Zukunft. In: outville.cc/de. OUTVILLE, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  5. a b c Tina Cieslik: Gervasutti-Biwak, Montblanc-Massiv. In: espazium.ch. Espazium, 19. Januar 2012, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  6. Begehbare Solar-Installation am Gervasutti-Biwak. In: SOLBIAN Solar. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
  7. Extreme Shelter. Abgerufen am 22. Oktober 2025 (englisch).